Rückblick Woche 10

Nach einer Woche Inaktivität erlaube ich mir einen Rückblick auf einige Schlüsselpartien des Wochenendes. Wie immer ist die Big Ten dabei prominenter vertreten, aber weiter unten gibts auch noch ein paar Sätze zu anderen Spielen aus anderen Conferences.

 

#6 Ohio State (7-2, 5-1) @ Iowa (6-3, 3-3) 24-55

Was für eine Klatsche! Ich hätte niemals damit gerechnet, dass diese Buckeyes-D ausgerechnet gegen die Hawkeyes einen „50 Burger“ eingeschenkt bekommt, aber mal ganz ehrlich, wer hätte das schon?

Das erste Vorzeichen gabs bereits beim ersten Spielzug, als QB J.T. Barrett (der mit 4 Interceptions seine frischen Heisman-Hoffnungen nach einer Woche schon wieder begraben kann) einen Pick-6 auf S Amani Hooker warf. Hier sieht man übrigens wunderbar das zu langsame Processing bei Barrett, dass ich hier und bei Sportradio 360 schon öfter kritisiert habe. Pass-Block der O-Line war exzellent:

J.T. Barrett Pick-6

Erneut müssen sich HC Urban Meyer und OC Kevin Wilson aber auch die Frage stellen lassen, warum man – wie schon in der ersten Halbzeit gegen Penn State – die beiden RBs J.K. Dobbins und Mike Weber nicht mehr eingesetzt hat. Gerade Dobbins ist aus meiner Sicht ein Wahnsinnstalent, das momentan aufgrund der vielen starken Runner der Big 10 (Saquon Barkley, Jonathan Taylor, Akrum Wadley etc.) noch ein wenig untergeht. Hat eine sehr vielversprechende Mischung aus Speed, Vision und Balance (die man nicht nur bei Moves, sondern auch durchaus bei physischem Kontakt bemerkt).

Auf der anderen Seite war erstaunlich, wie methodisch die Hawkeyes den Ball gegen die Bucks-D bewegen konnten. Sie profitierten ja nicht nur von Turnovern und kurzem Feld, sondern initiierten schon in der ersten Halbzeit Drives von 63, 80 und 89 Yards.

Natürlich war das dumme Targeting und die folgende Ejection gegen DE Nick Bosa beim Stand von 17-17 ein schwerer Schlag für die Buckeyes, aber ganz kann man – gerade in Anbetracht der Depth auf Passrush – die folgenden 33 Minuten damit sicherlich nicht erklären. Insgesamt war das eine ganz starke Leistung der Iowa O-Line um C James Daniels (den Bruder von Ex-RB LeShun Daniels) und OG Sean Welsh, die QB Nathan Stanley immer wieder genug Zeit verschaffte (und vor allem die gefährliche interior Pressure von Bucks DT Dre’Mont Jones gering hielt), sein Small-Ball-Spiel effizient umzusetzen. Nicht ganz zufällig gingen von seinen 5 Touchdown-Pässen vier auf die TEs und einer auf den Fullback. Stanley suchte immer wieder die günstigen Matchups der TEs T.J. Hockenson und Noah Fant entweder gegen die Linebacker oder die Safteys Jordan Fuller und Damon Webb.

(Kurze Sidenote: Noah Fant ist der größte In-State-Recruiting-Miss von Nebraska in den letzten Jahren. Harrison Phillips kann ich eher verstehen: Stanford ist als College sehr attraktiv, zudem passte er als 5-tech nicht so gut in die damalige Defense. Aber für Fant zu Iowa gibt es wirklich gar keine Entschuldigung! Es ärgert mich jedes Mal, wenn ich ihn in diesen Farben auflaufen sehe…)

Zurück zur O-Line: Diese blockte auch genug Lücken für Akrum Wadley, der mit seinen Moves erneut brandgefährlich bei dem kleinsten bisschen Raum war: Akrum Wadley Jump Cuts. Auch der wieder genesene Nevada-Transfer James Butler hatte einige gute Aktionen. Könnte sein, dass die Hawkeyes gegen Ende der Saison endlich ihren ersehnten One-Two-Punch haben (von dem auch Wadley profitieren dürfte).

Zuletzt noch einmal zurück zur Hawkeyes Defense: Erstaunlich war, wie sie immer wieder mit unterschiedlicher Zone Coverage Barrett zu Fehlern zwangen und seine Zögerlichkeit und sein immer noch auftretendes Downstaring des Targets ausnutzten. Zudem hat man mit CB Josh Jackson einen der besten Cornerbacks des Landes, insbesondere wenn man die letzten paar Wochen betrachtet. Jackson musste zwei Saisons hinter den beiden heutigen NFL-CBs Desmond King und Greg Mabin warten, bis er endlich Starter wurde – und wie! Ein echter Ballhawk, der dies am Wochenende bei Zone besonders gut umsetzen konnte (aber auch in Man seine Momente hat). Highlight natürlich seine dritte (!) Interception des Spiels:

Josh Jackson imitiert Odell Beckham

 

#7 Penn State (7-2, 4-2) @ #24 Michigan State (7-2, 5-1) 24-27

Ohio State verliert, aber Penn State kann dies nicht ausnutzen, da die Nittany Lions die zweite Conference-Niederlage in Folge einstecken mussten. Dieses Spiel, das im 2nd quarter wegen Gewitter für mehrere Stunden unterbrochen wurde, entwickelte sich ein wenig ähnlich zu dem der Spartans gegen Northwestern letzte Woche. Auch hier konnten die beiden nominell besseren Offense Units (das jeweilige Laufspiel) unter Kontrolle gehalten werden, so dass es zu einem Passing Shootout kam – diesmal zwischen Trace McSorley und Brian Lewerke, den letzterer auch aufgrund der geringeren Zahl der Interceptions (1 zu 3) für sich entscheiden konnte. Allerdings hätte Lewerkes späte Interception fast die Niederlage bedeutet, aber Penn States anschließender Drive tief im 4th quarter beim Stand von 24-24 versandete in Michigan States Hälfte. Die zweite Chance nutzte Sparty dann unter gütiger Mithilfe einer Roughing the Passer-Strafe zum entscheidenden Fieldgoal mit auslaufender Uhr.

Lewerke hat sich in den letzten Wochen heimlich, still und leise von einem typischen Dual-Threat-QB zu einem richtig gefährlichen Passer entwickelt, was in Anbetracht des überraschend inkonstanten Laufspiels um L.J. Scott (der vor der Saison so ein wenig als designierter Star galt, sich aber mit Off-Field-Kram und Verletzungen herumschlug), Madre London und Gerald Holmes kommt diese Weiterentwicklung gerade recht. Gegen Penn State bekam Lewerke immer wieder mit sehr gutem Timing und passabler Präzision Bälle in die Nahtstellen der Zone Coverage (vor allem bei Seam Routes, aber auch ansonsten zwischen die Linebackers und Safetys). Aufgrund seiner herausragenden Mobilität versteht er es immer wieder, sich Zeit zu erkaufen, ohne jedes Mal sofort selbst die Beine in die Hand zu nehmen oder (wichtiger) sich in wenig erfolgversprechende Spots auf dem Feld treiben zu lassen. Zudem hat er einige gute Waffen, die sich im Laufe der Saison deutlich gesteigert haben: Von WR Felton Davis habe ich ja schon mehrfach gesprochen, meiner Meinung nach ein rising Star, der mittlerweile nicht mehr nur aufgrund von Größe, Highpointing und Body Control ein erstklassiges Red Zone Target abgibt, sondern sich auch im Feld für seine 6’4 extrem smooth bewegt und unterschätzte Yards after Catch Skills aufweist (Beispiel: Felton Davis YAC). Seine Stats dieses Spiel: 12-181-1. Aber auch Darrell Stewart und Cody White sollte man nicht unterschätzen. Gerade Freshman White, der zumeist aus dem Slot agiert, hat in den letzten Spielen einen riesigen Sprung gemacht. Aus einem eigentlich als eindimensional geltenden Team ist ein zweidimensionales geworden – wenn sie denn das Rushing Game außerhalb von Lewerke wieder in Ordnung bekommen.

In der Defense vertraute HC Mark Dantonio seinem bewährten Prinzip aus viel Man Coverage outside und dadurch einer massierten Defensive innen. Dadurch stoppte man zwar Barkley recht effizient, bot aber den WRs – allen voran DeAndre Thompkins und Slot DaeSean Hamilton – sehr viele one-on-one Matchups, die diese immer wieder ausnutzten. So ganz verstehe ich diese starre Taktik nicht: Wenn ich CBs wie Darqueze Dennard und Trae Waynes habe, sehr gerne, aber bei so unerfahrenen Spielern wie So. Justin Layne und Fr. Josiah Scott? Erinnert in Ansätzen ein wenig an die Probleme, die Pitts HC Pat Narduzzi (der ehemalige Sparty-DC) im vergangenen Jahr beharrlich ignorierte. Aber letztlich wars erfolgreich, auch durch das gute Spiel der beiden Safetys Khari Willis und David Dowell (2 INTs). Und ich bleibe dabei: Über MLB Joe Bachie wird man in den kommenden Jahren noch viel reden. Ohne denen zu nahetreten zu wollen, aber Bachie ist ein vielseitigerer und athletischerer Typ als beispielsweise die Bullough-Brüder.

Größere Probleme als mit Michigan States Defense habe ich allerdings mit dem Playcalling (oder besser: Scheming) der Lions Offense: Man hat mit Saquon Barkley einen der besten (oder den besten) Athleten im College Football. Nun haben es in den letzten Wochen diverse, auch weniger talentierte Teams verstanden, ihn bzw. seine Zone Read Runs aus dem Spiel zu nehmen. Dies gibt McSorley und der Passing Offense natürlich mehr Raum, aber dennoch halte ich dieses Festhalten an letztlich immer denselben Runs (auch wenn McSorley und Barkley nun ab und an die Positionen tauschen als „QB“ und „RB“) für fragwürdig. Warum nicht mal schneller entwickelnde Spielzüge, die die gegnerische D-Line sofort unter Druck setzen? Warum nicht mal mit 21-Personnel, also mit Fullback? Iso-Plays? Reguläre Offtackle-Runs? Und warum wird Barkley nicht wieder mehr in Space eingesetzt, wie es zu Beginn der Saison zumindest immer mal wieder der Fall war?

Zuletzt noch eine (Prospect-)Einschätzung, nach der mich Julian gefragt hat, und zwar geht es um Penn States TE Mike Gesicki. Habe nun nicht extra Tape von ihm geschaut, daher nur meine Eindrücke aus den Spielen: Gesicki ist ein interessanter und in gewisser Hinsicht einzigartiger Prospect. Mit 6’6 auf unter den TEs ein Riese, dazu mit hervorragender Sprungkraft ausgestattet, welche ihm Vorteile in one-on-ones erlaubt, die auch für die Pros höchst interessant sein werden. Aber damit nicht genug: Er fängt Bälle auch weit ab vom Körper und zeigt dabei sehr kräftige, starke Hände und eine insgesamt gute Body Control. Obwohl er es gegen kleinere Defender nicht immer nötig hätte, highpointet der den Ball gut. Jump Ball in der Red Zone ist mit ihm tödlich. Allerdings bringt er die Athletik, die er in diesen Situationen zeigt, in anderen nicht in dem Ausmaß mit: Er wirkt nicht sonderlich schnell und v.a. wenig explosiv, nicht nur bei den Cuts, sondern auch im offenen Feld mit dem Ball in der Hand. Besonders viele Moves oder eine größere lateral agility habe ich nicht feststellen können. Als Route Runner scheint er okay zu sein. Sein In-Line-Blocking ist trotz seiner klassischen TE-Statur ausbaufähig (evtl. auch Leverage-Probleme?), da gefällt mir beispielsweise Wisconsins Troy Fumagalli (auch wenn er etwas schmächtiger wirkt) etwas besser.

 

Wie siehts nun aus in der Big Ten East?

Nachdem Michigan (7-2, 4-2) seine Pflichtaufgabe gegen Minnesota bei QB Brandon Peters erstem Start dank einer herausragenden Rushing Attack von Karan Higdon und Chris Evans problemlos mit 33-10 löste, ergibt sich nun folgender Stand: Ohio State und Michigan State haben jeweils eine Niederlage und treffen am kommenden Wochenende in Columbus in einem (erneut) absoluten Spitzenspiel aufeinander. Penn State hat aufgrund der beiden Niederlagen gegen diese beiden Teams schlechte Karten, aber ein vergleichsweise einfaches Restprogramm. Michigan bekommt Ohio State am Rivalry Weekend zu Hause, muss zuvor aber noch das schwere Spiel bei den ungeschlagenen Wisconsin Badgers überstehen, um eine Chance auf die Divisionskrone zu haben.

A propos Badgers: Diese hatten letztlich wenig Probleme mit Indiana und stehen damit so gut wie sicher als Sieger der West fest. Wenn man sich die Big 10 aus Perspektive der Playoffs betrachtet, dürften die Badgers momentan fast die letzte Hoffnung sein. Allerdings gab es dieses Jahr schon so viele Überraschungen, von daher heißt es abwarten…

Zuletzt noch ein paar Worte in eigener Sache: Nebraska verliert gegen Northwestern mit 24-31 nach Verlängerung. Northwestern feierte damit nun drei Overtime-Siege in Folge – ein FBS-Rekord, der nicht ganz so leicht zu brechen sein wird. Eine knappe Niederlage gegen die Wildcats ist sicherlich keine Schande, aber die Leistung der Huskers war besorgniserregend energielos. Ähnlich wirkte es auch von den Rängen, das habe ich ganz selten erlebt. Das Schicksal von HC Mike Riley ist nicht erst seit diesem Spiel besiegelt. Der neue Athletic Director Bill Moos steht langsam gewaltig unter Druck: Entlässt er Riley wirklich erst nach Ende der Saison? Moos hat sich mehrfach deutlich gegen Entlassungen während der Spielzeit ausgesprochen. Nun ist es aber so, dass Nebraska dadurch in Rückstand geraten könnte, insbesondere gegenüber Florida, das Jim McElwain vorige Woche freistellte, wenn es etwa um UCF-Coach Scott Frost geht, der aufgrund seiner Huskers-Vergangenheit (und meiner seit Monaten öffentlich vorgetragenen Wünsche) einer der ersten, wenn nicht gar der erste Ansprechpartner sein muss. Florida ist nicht nur, aber auch aufgrund der hervorragenden Highschool-Talente vor Ort ein extrem attraktiver Job. Da schadet es bestimmt nicht, erst als letztes Team ins Werben einzusteigen…

 

Noch ein paar Eindrücke aus anderen Divisionen:

Okay, Miami ist nicht overrated – oder doch?

Offensichtlich ist es wirklich so: Die Hurricanes passen sich der Qualität der Gegner an. Hatte eigentlich mit einer Niederlage gegen Virginia Tech gerechnet, stattdessen gab es einen – gerade für Canes-Verhältnisse – relativ ungefährdeten 28-10-Sieg. QB Malik Rosier komplettierte zwar nicht einmal die Hälfte seiner Pässe und warf drei Interceptions, aber das Laufspiel von ihm und RB Travis Homer bereitete den Hokies ungewohnte Probleme.  Zudem traten Schwächen im Tackling zu Tage, die man von einer Bud-Foster-Defense nicht unbedingt gewohnt ist. Entscheidend für den Erfolg der Canes war aber die Defense, der es gelang, Freshman QB Josh Jackson eindimensional zu machen. Da das sonstige Laufspiel der Hokies eh nicht berühmt ist, kam es auf seine Pässe an. Und so sehr WR Cam Phillips immer wieder für wichtige Plays sorgte, waren es Jacksons zwei Interceptions und ein Fumble, die die Hoffnung endgültig begruben. Miami steht damit als Champion der ACC Coastal Division so gut wie fest.

Ich muss zugeben, dass ich die junge Canes-D lange unterschätzt habe und wahrscheinlich immer noch unterschätze. Sie haben auf allen drei Leveln potenzielle Differencemaker. Vor allem auf die Front-7 wird es nächste Woche im Kracher gegen Notre Dame ankommen: Inwieweit kann die D-Line um DE Joe Jackson und run-stopping DT Kendrick Norton gegen die Irish O-Line um Mike McGlinchey und Quenton Nelson sowie das Running Game bestehen? Und wie diszipliniert ist die extrem athletische, aber auch noch junge Linebacker-Crew der Canes?

Clemson – der unterschätzteste Titelverteidiger seit langem?

NC State machte es gegen Clemson lange spannend, um zum zweiten Mal in Folge unglücklich zu verlieren. War es letztes Jahr noch ein vergebenes Fieldgoal, das die Tigers in die Overtime rettete, verhinderte dieses Mal eine Illegal-Motion-Strafe ein 1st and goal des Wolfpack wenige Sekunden vor Schluss mit 31-38 in Rückstand. Die Offense von NC State um QB Ryan Finley, der mir trotz der Interceptions zunehmend besser gefällt (u.a. weil er one-on-one Matchups viel aggressiver ausnutzt und wesentlich vertikaler „denkt“ als zu Beginn der Saison), litt immer noch unter der Verletzung von RB Nyheim Hines, der zwar sporadisch spielte, aber doch merklich angeschlagen war. So gut All-Purpose-Waffe Jaylen Samuels ist, aber als reiner Running Back und Wildcat-QB (was das Wolfpack seit der Verletzung von Hines gegen Notre Dame verstärkt probierte) ist er bei weitem nicht so effektiv. Mit Finley, Hines und WR Kelvin Harmon, der beinahe unbemerkt eine Bombensaison spielt, sollte NC States Offense auch ohne Samuels in der kommenden Saison sehr gut aufgestellt sein.

Clemson musste dieses Spiel gewinnen, um die ACC Atlantic Division nicht an NC State abzugeben, was für die Playoff-Hoffnungen wohl der Todesstoß gewesen wäre. Die Tigers überzeugten nicht restlos, so produzierte die Offense von einem langen Tavian-Feaster-Run abgesehen keine Big Plays. Ein Punt-Return-TD von Ray-Ray McCloud und der eine oder andere wichtige Stop der Defense machten den Unterschied. Insbesondere DE Clelin Ferrell begeisterte mich erneut in eigentlich allen Facetten seines Spiels. Aktuell gefühlt unblockbar und nicht nur bei spektakulären Sacks, sondern auch in den kleinen Momenten gegen den Lauf absolut überragend.

Bama vs. LSU – Battle in the trenches

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur SEC, in der die beiden topgerankten Teams Alabama und Georgia im Gleichschritt mit 24-10-Siegen ihre Hürden nahmen. Georgia hatte weniger Probleme, als das Ergebnis letztlich aussagt. Diese Woche setzten sie nicht nur auf das Running Game von Nick Chubb und Sony Michel, sondern ließen Freshman-QB Jake Fromm mal wieder ein wenig mehr werfen, und das mit durchaus passablem Erfolg. Meine Story bleibt aber die Bulldogs-Defense und hier insbesondere deren Linebacker-Crew. Ich habe ihn ja schon vor einigen Wochen in Don’t sleep on… hervorgehoben, aber ich kann jedem Leser und jeder Leserin nur raten, sich ILB Roquan Smith ein wenig genauer anzuschauen. Ich wüsste gerade wirklich nicht, welchen der medial höhergerankten Linebacker ich ihm wirklich vorziehen würde.

Alabama hatte den auf dem Papier schwereren Gegner mit LSU und befand sich trotz dauernder Führung in einem ständigen mano y mano Dogfight, da die LSU-Defense insgesamt eine klasse Partie spielte. Es gelang ihnen, das Bama Running Game außerhalb von QB Jalen Hurts zu kontrollieren (nur ein einziger Spielzug, an dem Hurts nicht verantwortlich beteiligt war, ging über mehr als 10 Yards). Für mich als Freund guten Defensivspiels war das wahnsinnig schön anzusehen. Letztlich entschieden ein paar Big Plays von Hurts und die günstige Feldposition nach dem einzigen Turnover des Spiels, einer Interception von Tigers-QB Danny Etling, das Spiel. LSU Star-DE Arden Key machte ein sehr gutes Spiel und setzte Hurts immer wieder unter Druck. Habe ihn aber auch selten so stark gegen den Lauf gesehen.

Die Tigers Offense war aufgrund der fehlenden Gefahr durchs Passing Game limitiert, dennoch hätte ich mir von OC Matt Canada ein wenig kreativeres Playcalling erhofft (etwas, das man bei ihm aus seiner Zeit bei Pitt ja eigentlich gewohnt ist). Ich weiß, dass die dauernden Jet Sweps (und angetäuschten Jet Sweeps) zu seinem modus operandi gehören. Damit zieht er das Spiel in die Breite, um dem Running Game von Derrius Guice mehr Raum inside zu ermöglichen und die Linebacker immer ein wenig reagieren lassen zu müssen. Nur: Die Bama-Defense fliegt derart schnell (und mit derart vielen Spielern) Richtung Ballträger, dass ich mir hier ab und an mal Variationen gewünscht hätte, mit denen man den Ball schneller zum Perimeter bekommt (Quick Passes, Bubble Screens, Hooks, Curls), ohne dem Bama-Passrush besonders viele Gelegenheiten zu bieten. So wurde man mit laufender Spielzeit immer ausrechenbarer, zudem Canada (wohl aus gutem Grund) das Passspiel für Etling nicht grundlegend öffnete. An dieser Stelle mal ein großes Lob an Bama SS Ronnie Harrison, der nicht nur die Interception fing, sondern insbesondere in der Verteidigung gegen eben jene Jet Sweeps absolut überragte. Erkannte den Spielzug schnell, bewegte sich hervorragend durch Traffic, nutzte Top Angles und tacklete sicher und hart. Starke Leistung. Die kann man natürlich der gesamten Tide-Defense zugestehen: Von einem langen Lauf von backup-RB Darrel Williams abgesehen hatte man das Laufpiel hervorragend im Griff. In den letzten Jahren hat man die beiden Ausnahme-RBs der Tigers, Derrius Guice und zuvor Leonard Fournette, bei jedem Aufeinandertreffen aus dem Spiel genommen. Schlüssel war hier erneut die D-Line um den wahnsinnig beeindruckenden DT Da’Ron Payne, die die O-Line der Tigers immer wieder mit schierer Kraft aus dem Weg räumte.

Der große Wermutstropfen für Alabama ist der Ausfall zweier weiterer Linebacker. Nachdem im September bereits Starter Christian Miller und Top Backup Terrell Lewis für den Rest der Saison ausfielen, erwischte es gegen LSU nun Mack Wilson und Shaun Dion Hamilton. Insbesondere Hamilton, der mit einer üblen Knieverletzung für den Rest der Saison ausfällt, ist ein ganz schwerer Verlust für die Mitte der Defense: In diesem Starensemble kein sonderlich spektakulärer Spieler, aber ein extrem sicherer, disziplinierter Inside Linebacker mit sehr sicherem Tackling. Da mit Wilson sein direkter Backup ebenfalls ausfällt, könnte ich mir vorstellen, dass man eventuell Allzweckwaffe Rashaan Evans zumindest ab und an in die Mitte zieht, um seine Sideline-to-Sideline-Präsenz besser zum Tragen zu bringen (und entsprechend mit mehr (delayed) middle Blitzes zu spielen). So oder so könnte sich die LB-Depth noch als Problem im weiteren Saisonverlauf erweisen. Verletzen sollte sich da nun wirklich niemand mehr. Immerhin scheint die Hamstring-Verletzung von Star-DB Minkah Fitzpatrick, der einen Teil des Spiels auf dem Bike verbringen musste, nicht so ernst zu sein.

 

Aufgrund der Länge dieses Postings müssen Bedlam & die Big 12, die eigentlich noch angedacht waren, ein wenig warten. In den nächsten Tagen werde ich – so die Zeit es zulässt – weitere Einschätzungen zu verschiedenen Conferences verfassen…

3 Gedanken zu „Rückblick Woche 10

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