Analyse Alabama – Georgia (National Championship Game)

 

National Championship Game: #4 Alabama vs. #3 Georgia 26-23 (OT)

Highlights

Erneut: Instant classic. Nick Saban schlägt seinen Schüler Kirby Smart nach einer kaum für möglich gehaltenen Aufholjagd. Wir leben augenscheinlich in einer Ära des College Footballs, in der man dramatische und hochspannende Spiele beinahe wöchentlich genießen darf, und die Playoffs machten hierbei keine Ausnahme, ganz im Gegenteil. Obwohl ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte, rangiert dieses Spiel für mich sowohl vor dem letztwöchentlichen Rose Bowl als auch vor den beiden Endspielen zwischen Alabama und Clemson. Das ist natürlich vollkommen subjektiv und Geschmackssache, jedoch – um mal eine Analogie aus dem Boxen unterzubringen – präferiere ich einen echten Schwergewichtskampf gegenüber den Prügelduellen im Stil der Rocky-Filme, die zwar äußerst spektakulär sind, aber eigentlich nur aus einer Abfolge von (offensiven) Punches bestehen, ohne dass auf die Verteidigung in irgendeiner Form Wert gelegt wird. Dieses Spiel hatte dagegen alles: Großartige Offensivspielzüge und -designs, krachende Defenses und eine ganze Menge ungewöhnlicher Storys auf und neben dem Platz, insbesondere natürlich der jetzt schon legendäre QB-Wechsel der Tide zur Halbzeit bei einem 0-13 Rückstand, welcher true Freshman Tua Tagovailoa nach nur einer relevanten Halbzeit College Football zu einer Legende in Tuscaloosa werden ließ.

Aber der Reihe nach: Wie ich schon in der Preview anriss, bestand für mich zu Beginn des Spiels die Frage, wie die beiden Offensive Coordinators, Georgias Jim Chaney und Alabamas Brian Daboll, damit umgehen würden, dass ihr jeweils präferiertes Inside Running Game aufgrund zweier sehr massierter und aggressiver Run-Defenses womöglich auf Probleme stoßen würde. Der Umgang damit war durchaus unterschiedlich: Georgia versuchte dieses Matchup aktiv zu umgehen. Fromm nahm in den ersten beiden Drives 7 Pässe bei keinem einzigen Lauf. Wenngleich ich es nachvollziehen kann, dass man die Defense der Tide sowohl horizontal als auch vertikal auseinanderziehen wollte, war das meiner Meinung nach etwas zu viel des Guten. Ab dem dritten Drive fand dann eine stärkere Besinnung aufs Laufspiel statt, die sich auf QB Jake Fromm und das Passing Game ebenfalls positiv auswirkte.

Alabama dagegen blieb bei seinem Stiefel aus vorwiegend Zone Read Runs, inside vor allem mit RB Damien Harris, outside mit QB Jalen Hurts. Vom ersten Drive abgesehen, der in einem verkickten FG mündete, war der Erfolg relativ bescheiden, da Star-ILB Roquan Smith und seine LB-Kollegen (erneut stark: Lorenzo Carter), aber durchaus auch die erneut viel rotierende 3-man Front wenig Raum bot und konsequent sicher tacklete. Alabama vertraute hier wie schon im Halbfinale gegen Clemson zunächst seiner eigenen Defense und wollte leichte Fehler vermeiden. Motto: Ein guter Punt von J.K. Scott ist erstmal nicht unbedingt ein schlechter Spielzug.

Der Unterschied zum Spiel gegen Clemson zeigte sich jedoch schnell: Die Bulldogs Offense konnte den Ball gegen die Tide Defense bewegen. Jake Fromm wurde gegen die übliche Man Coverage der Tide mehr  – und früher! – von der Leine gelassen, als ich es ansatzweise erwartet hätte. Er attackierte bei early Downs die Cornerbacks der Tide außen, vor allem mit Backshoulder Throws, wodurch die Safetys weniger Zugriff auf das Play hatten. Und selbst als im ersten Drive der tiefere Pass gleich interceptet wurde (ein unterworfener Slot Fade auf WR Javon Wims, den dieser dennoch hätte sichern können), vertraute man ihm weiter – sowie seinen Receivern, one-on-one Matchups gegen die Tide-CBs (insbesondere gegen Anthony Averett) zu gewinnen.

Überraschend erfolgreich waren zudem die 3rd downs der Bulldogs, selbst wenn die zurückzulegende Distanz ein wenig höher ausfiel. Chaney callte hier einige erfolgreiche Crossing Routes vor den (meist) tief positionierten zwei Safetys, vor allem mit Riley Ridley, dem Bruder von Bamas Star-WR Calvin Ridley. Zudem überraschten die Dogs immer wieder mit erfolgreichem Laufspiel über RB Sony Michel bei 3rd and long. Diese „quick hitter“ aus der Shotgun, die aufgrund von Michels exzellentem Burst auf den ersten Metern hervorragend funktionierten, waren das ideale Konzept gegen Man Coverage under und zwei tiefe Safetys, da sich alle manndeckenden Verteidiger zunächst an ihren Receivern orientieren (mit dem Rücken zum Play) und die Safetys nicht so schnell downfield kommen können. Hiermit konnte Georgia sowohl einen 3rd and 20 (!) als auch später einen 3rd and 10 verwandeln. Im letzten Drive vor der Halbzeit gelang es selbst dem nicht unbedingt als Läufer bekanntem Fromm, auf solche Weise einen größeren Raumgewinn zu erzielen. Was ich bei diesen Drives auf der anderen Seite nicht verstand: Gefühlt schickte man OLB/ILB Rashaan Evans, einen verdammt vielseitigen Spieler, bei jedem Play als Passrusher gen Quarterback. Hier fehlte mir in Alabamas Defense ein wenig die Varianz. Dies besserte sich allerdings in der zweiten Halbzeit zusehends.

Vollends zufrieden war ich mit dem Playcalling der Bulldogs aber auch nach der Inkludierung des Laufspiels nicht. Chaney hatte einen sehr festen Plan, was das Personnel in bestimmten Spielsituationen betraf – nicht nur die Personnel Groupings, sondern auch die eingesetzten Spieler der jeweiligen Positionen. So stand in bestimmten Situationen eher Nick Chubb auf dem Feld, in anderen Sony Michel und in wiederum anderen D’Andre Swift. Dies hatte schon in der ersten Halbzeit Tendenzen von „Overscheming“, was sich im Laufe des Spiels noch verstärkt zeigen sollte. Ab und an muss man auch einfach mit der „hot hand“ gehen, und die war im Running Game eindeutig Michel.

Andererseits zauberte Chaney Playcalls aus dem Hut, die so sehr gegen die eigenen „Tendencies“ gingen, dass die Tide Defense darauf überhaupt keine Antwort parat hatte. Bestes Beispiel dafür ist wohl der Touchdown kurz vor der Pause: 1st and goal von der 1-Yard-Line. Alles rechnet mit der Wildcat/Wilddog von Sony Michel, die Bulldogs shiften WR Mecole Hardman (ihren Speedster WR und guten Returner) als Quasi-QB ins Backfield, er bekommt den Ball, Handoff Fake zu Michel und TD Run über die linke Seite. Überhaupt war dieser letzte Drive der (vorläufige) Killer: Die Dawgs bekamen den Ball 1:12 vor der Halbzeit an ihrer eigenen 31-Yard-Line und marschierten (u.a. begünstigt durch den erwähnten Michel-Run bei 3rd and 10) übers Feld zum Touchdown. Sehr ungewöhnlich für eine Bama Defense.

Auf der anderen Seite muss man aber auch das Playcalling von Bamas OC Brian Daboll kritisieren: Das war hasenfüßig, wie es kaum schlimmer ging. Ich habe eh ein wenig den Eindruck, dass QB Jalen Hurts unter Daboll und seinem extrem risikoaversen Playcalling gegenüber 2016 einen Schritt zurück gemacht hat. Natürlich war Hurts‘ Leistung in der ersten Halbzeit eher bescheiden, gerade seine mäßige Pocket Presence zeigte sich hier allzu deutlich. Trotz zumindest akzeptablem Passblock nahm er viel zu selten die Schritte in die Pocket rein, sondern lief bei kleinstem Druck einen sehr tiefen Rollout, der ihm in der Regel jegliche Passoptionen verunmöglichte. Zudem brachte Kirby Smart immer wieder Pressure durch A-Gap Blitzes (gerne auch mal als Double), was zwar riskant ist, aber Quarterbacks zu schnellen Entscheidungen zwingt, zu denen Hurts nicht in der Lage war (oder die er nicht riskieren sollte?). Nur: Wo waren die Slants, wo die quick Outs, wo das Screen Game, wo die one-on-one Matchups mit Calvin Ridley? Zwar gelang Georgias CB Deandre Baker, den ich euch bereits in der Preview wärmstens ans Herz legte, gegen Ridley eine Topleistung, allerdings folgte er ihm nicht konsequent jedes Play, so dass sich durchaus vereinzelt Matchup-Chancen boten. Daboll vertraute Hurts jedoch überhaupt nicht, und das ist eigentlich absolut inakzeptabel – denn dass der ein zumindest durchschnittlicher Passer ist, hat er schon oft genug bewiesen.

So oder so, durch den späten Touchdown der Bulldogs ging Alabama mit einem 0-13 Rückstand in die Pause. Gegen Ende der Halbzeit warf ich folgende Option ein, die sich im Nachhinein als Treffer erweisen sollte:

Tua Tagovailoa deutete sowohl im Spring Game als auch in den Einsätzen während der Saison, wenngleich diese meist in Garbage Time zustande kamen, sein riesiges Talent an (8 Pass TDs, 1 INT). Er ist sicherlich nicht der Power Runner wie Hurts, aber durchaus elusive und bringt bessere Ansätze als purer Passer mit. Auch wenn ich das nicht beweisen kann, glaube ich, dass die Tide diesen zweifellos riskanten Wechsel nicht vorgenommen hätten ohne den Touchdown-Drive der Bulldogs vor der Pause. Mit einem 0-6 – oder anders gesagt: mit einem Fieldgoal Game – konnte Bama sicherlich zunächst noch leben, aber dieser höhere Rückstand und die leichten Probleme der Defensive veranlassten Nick Saban zum Handeln.

Und siehe da, mit dem neuen Quarterback änderte sich wie von Zauberhand das Playcalling. Daboll ließ Tagovailoa viele kurze Pässe werfen, insbesondere Swing Passes, Slants und Ins, die den Receivern Möglichkeiten für Yards after Catch boten und vor allem die Chains bewegten. Im zweiten Drive der zweiten Halbzeit bediente er auf diese Weise dreimal in Folge true Freshman WR Henry Ruggs, der letzte dieser Pässe war ein Deep In zum Touchdown. In der zweiten Halbzeit setzte man halb gewollt, halb gezwungen in der Offense mehr und mehr auf die junge Garde: Tagovailoa suchte aufgrund der engen Deckung von Ridley die true Freshmen-WRs Ruggs, Jerry Jeudy und DeVonta Smith. Zudem fiel der beste O-Liner der Tide, LT Jonah Williams, verletzt aus und wurde durch true Freshman Alex Leatherwood ersetzt, der gegen die Dawgs Front-7 ein erstaunlich abgeklärtes Spiel machte. Und im Running Game avancierte im Verlauf des Spiels ebenfalls ein true Freshman zum Differencemaker: Najee Harris, voriges Jahr der höchstgerankte Recruit des ganzen Landes, bewies neben Power und Balance auch eine gehörige Menge Speed.

So einfach ließen sich die Bulldogs hingegen nicht beeindrucken und konterten mit einer 80-Yard-Bombe von Fromm auf Mecole Hardman bei 3rd and long, die den alten Abstand von 13 Punkten wiederherstellte (7-20). Dieser Spielzug war hervorragend designt und ein gutes Beispiel dafür, warum Slot Fade Routes immer beliebter werden: Zwei WR und ein TE sind auf der rechten Seite aufgestellt. Der Outside WR und der TE nehmen mit kurzen Routen ihre Defender aus dem Weg, der Slot WR Hardman läuft gegen eine Off Man Coverage von DB Tony Brown einen Fade, bei dem er Fromm extrem viel Platz lässt, den Ball nach außen zu legen. Der wirft einen perfekten Pass, der tiefe Safety Deionte Thompson unterschätzt Hardmans Speed und kommt nicht rechtzeitig rüber. Slot Fades haben eben den großen Vorteil, dass der Quarterback anders als bei Fade Routes des Split Ends oder X-WRs natürlicherweise viel Platz bis zur Seitenline bekommt, wenn der WR outside Leverage hat und die tiefe Zone außen durch die anderen Passempfänger gecleart wurde.

Nun kommen wir zu einem (zumindest retrospektiv) neuralgischen Moment des Spiels aus Bulldogs-Perspektive. Im nächsten Drive wirft Tagovailoa eine seiner Unerfahrenheit geschuldete Interception, als er unter Druck den Ball in enge Deckung forciert und Deandre Baker sich bedankt. Doch bereits im nächsten Spielzug holt sich die Tide den Turnover zurück durch eine tipped Ball Interception von 5-tech DE Raekwon Davis. Die Dawgs standen durch den Turnover an der Tide 39 Yard-Line, entschieden sich aber, weiter aggressiv zu callen, in diesem Fall mit fatalen Konsequenzen. Bis zum Ende des Spiels gelang Georgia kein einziger Punkt mehr. Zum einen ging die Line of Scrimmage mehr und mehr an Alabama: Insbesondere Da’Ron Payne bereitete C Lamont Gaillard und den beiden OGs extreme Probleme und bewies nicht nur Power und Leverage, sondern auch erstaunlich flinke Füße. Derart disruptive habe ich ihn noch nie gesehen, in der zweiten Hälfte war er Dauergast im Backfield der Bulldogs. Auch Raekwon Davis machte abseits seiner Interception ein hervorragendes Spiel und sorgte mit einem Sack (bei dem er seine langen Arme gegen den OG schulbuchmäßig beim Block shedding einsetzte) für einen wichtigen Punt zu Beginn des vierten Viertels.

Zum anderen konnte ich wie bereits angedeutet nicht verstehen, warum Sony Michel (14 Runs für 98 Yards) zunehmend weniger Bälle bekam. In diesem Spiel war er gegenüber Chubb (18 Runs für 25 Yards) nun einmal der deutlich effektivere Back. Sein Burst und seine Quickness in der Hole bereiteten der Tide Defense immer wieder Probleme. Auch wenn man sich vorher einen minutiösen Gameplan zurechtgelegt hat, sollte man doch davon abweichen, wenn man merkt, dass ein Spieler besonders heiß läuft. Das ist wohlgemerkt keine Kritik an Chubb – es gibt Tage, an denen ein Typ Runner einfach besser funktioniert als der andere. Zudem nahm Swift einige Plays mehr als üblich von Michel weg. Ich kann die Logik dahinter grundlegend nachvollziehen (Speed around the edge), hätte aber spätestens im vierten Viertel nur noch auf Michel gesetzt.

In der Tide Offense blieb Tagovailoa auch nach seiner Interception erstaunlich cool und abgeklärt. Er suchte immer wieder das Matchup mit Bulldogs CB Malkom Parrish, der große Probleme mit den unerfahrenen, wenngleich schnellen Receivern hatte. Mit jeder Minute war ich mehr beeindruckt von Tagovailoa: Sein Release bzw. seine Delivery wirkten zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, er bekam damit aber sehr viel Spin auf die Bälle und schleuderte sie ohne großes Zögern raus. Decisive nennt man das wohl. Gemeinsam mit RB Najee Harris gelangen ihm drei weitere gute Drives: Die ersten beiden endeten in Fieldgoals, der letzte in einem abgezockten Touchdown-Pass auf Ridley bei 4th down zum 20-20 Ausgleich – es sei allerdings mal dahingestellt, ob wirklich Ridley oder der dahinter postierte Najee Harris sein Ziel war. Nach einem weiteren 3&out der Bulldogs hatte die Tide mit ihrem letzten Drive sogar die Chance, das Spiel noch in der regulären Spielzeit zu gewinnen, jedoch versagten Andy Pappanastos in bester Alabama-Kicker-Tradition die Nerven und er verschoss den 36-Yarder. Man hätte drauf wetten können. Nick Sabans Kryptonit und so…

Im Nachhinein muss man sich für diesen Miss bedanken, egal ob man mit Georgia oder mit Alabama hielt. Denn nur so konnten wir eine kurze und dennoch spektakuläre Overtime genießen. Nach zwei kurzen Chubb-Runs (erneut: WIESO NICHT MICHEL?) wurde Fromm durch einen hervorragend ausgeführten D-Line Stunt von OLB Terrell Lewis für großen Raumverlust gesackt, aber Georgias K Rodrigo Blankenship blieb cool und verwandelte das 51-Yard-FG. Auch auf der anderen Seite jubelte zunächst die Defense: Tagovailoa hielt das Play unnötig lang am Leben, anstatt den Ball wegzuwerfen, und nahm einen 16-Yard-Sack hin. Aufgrund Alabamas Schwäche im Kicking schon die Entscheidung? Nein! Bei 2nd and 26 von der 41-Yard-Line geht Tagovailoa aufs Ganze und wirft einen perfekten Ball auf WR DeVonta Smith, der eine Go Route gegen Zone Coverage läuft. Das beeindruckendste ist hierbei aber Tagovailoas Abgezocktheit. Er hält Dominick Sanders, den erfahrenen Safety auf der Seite, durch seine Blickrichtung nach rechts so lange in der Mitte des Feldes, dass er gegen den dann schnell ausgeführten Pass nicht mehr rechtzeitig nach links rüber kommt (dazu kam, dass Alabama Four Vertical Routes lief und er sich daher nicht sofort auf die eine tiefe Route konzentrieren konnte). Zudem erlaubte CB Parrish dem WR Smith einen clean Release, wodurch dieser ordentlich Geschwindigkeit aufnehmen konnte. Besser als Tagovailoa kann man das einfach nicht ausführen. Ich muss aber auch Respekt an Brian Daboll zollen, dass er hier nicht die (vermeintlich) sichere Variante wählte mit zwei kürzeren Pässen, um die Tide in eine zumindest halbwegs machbare FG-Situation zu bringen. Nur zu verständlich, dass bei der Tide im Anschluss alle Dämme brachen. Höhepunkt der Jubelfeiern war zweifelsohne der Heiratsantrag von C Bradley Bozeman an seine Freundin auf dem Spielfeld in allerbester Ian-Johnson-Manier.

Bei solchen fantastischen Spielzügen muss man sich immer mal wieder bewusstmachen, wie sehr dieser Sport durch die Plays davor beeinflusst wird. Hätte Pappanastos das FG in der regulären Spielzeit getroffen, gäbe es überhaupt keine Overtime. Und hätte Blankenship in der ersten Overtime das lange FG verfehlt, hätten die Tide mit Sicherheit nicht das Play gecallt, das zum langen Sack führte. Aber so war uns allen das spektakulärste Ende vorbehalten – auch wenn meine Sympathien wie erwähnt bei den Bulldogs lagen. So taten mir am Ende einige Spieler fürchterlich leid: Mein Mancrush Roquan Smith, den ich seit Beginn der Saison auf seinem Weg zum Superstar aus der Ferne intensiv begleitete. Noch mehr die beiden RBs Chubb und Michel, die sich gemeinsam entschieden, ihr Senior Year in Athens zu verbringen und nicht in die NFL zu wechseln. Und auf eine merkwürdige Art am meisten Jalen Hurts. So wenig ich mit Saban und Co. anfangen kann, aber Hurts ist ein extrem sympathischer Typ, zu dem ich hier im Blog ja mal einen Artikel verlinkte: The Mystery Man of Alabama. Durch dieses Spiel ist er in meiner Achtung noch einmal deutlich gestiegen: zum einen, weil er Tagovailoa mit allen Kräften unterstützte, an der Seitenlinie mitfieberte und jeweils der erste Gratulant nach erfolgreichen Drives war, zum anderen aufgrund seines enorm beeindruckenden und reifen Interviews nach dem Spiel. Class, pure class.

Bewusst ganz am Ende des Beitrags möchte ich aber noch auf einige aus Sicht der Bulldogs unglückliche Calls der Referees zu sprechen kommen, die das Spiel sicherlich mitbeeinflusst haben, ohne dadurch Alabama den Sieg in irgendeiner Form madig machen zu wollen. Nach dem ersten Tide-Drive in der zweiten Halbzeit beim Stand von 0-13 blockte Georgia den Punt, bekam aber eine äußerst zweifelhafte Defensive Offsides-Strafe. Wenn dann bewegten sich eher zwei Tide-Spieler aus der Punt Coverage zu früh. Der Ballbesitz von Georgia an der 15-Yard-Line von Alabama hätte sicherlich großen Einfluss auf den Spielverlauf gehabt. Zudem unterlief RB Najee Harris beim Ausgleichs-TD von Calvin Ridley ein glasklarer, nicht sanktionierter False Start. Auch über die eine oder andere Personal Foul-Strafe hätte sich Alabama sicherlich nicht beschweren dürfen (am deutlichsten beim Facemask gegen D’Andre Swift). Da war gerade in der Defense einiges grenzwertig, wurde von den Refs aber recht großzügig gehandhabt. Dieser Attitüde ihrer Spieler schienen mir die Alabama Coaches zumindest nicht grundlegend abgeneigt, ansonsten hätte LB und STer Mekhi Brown nach solchen Aktionen sicherlich keinen Snap mehr gesehen. Beim nächsten Kickoff stand er zu meiner großen Überraschung jedoch wieder auf dem Feld und besorgte den harten Tackle. Wie gesagt, ich möchte das Thema nicht größer machen, als es ist, es gehört zur Geschichte des Spiels aber nunmal dazu.

Fazit: Eine großartige, spannende und spektakuläre CFB-Saison endet mit einem erneuten Triumph von Nick Saban, der mit seiner sechsten Meisterschaft den Rekord des legendären Coaches Bear Bryant einstellt. Bryant gewann alle seine sechs Titel mit Alabama, bei Saban sind es deren fünf (plus einer als HC von LSU). Die Dynastie geht also weiter, und mit Tagovailoa und Harris muss man sich zumindest keine übergroßen Sorgen um die Offense machen. Die Pipeline in der Defense, insbesondere was die Front betrifft, scheint eh nie zu versiegen. Es wird abzuwarten sein, was mit Hurts geschieht, ob er das Duell mit Tagovailoa annimmt (wofür er nach diesem Spiel eher schlechte Karten haben dürfte), die Position wechselt oder zu einem anderen College transferiert.

Für Georgia ist diese Niederlage unfassbar bitter, weil letztlich unfassbar unnötig. Das merkte man den Reaktionen von Kirby Smart und Co. nur zu deutlich an. Es wird bei knappen Niederlagen gerne darauf verwiesen, dass der Grundstein ja gelegt ist, in diesem Falle besonders durch Smarts hervorragendes Recruiting, aber ganz so einfach ist es eben doch nicht. In jeder Saison kann derart viel passieren, dass eben ein wenig Glück dazugehört, am Ende unter den besten vier bzw. zwei Teams zu landen. Zu oft wurde dem Verlierer eine baldige, erfolgreichere Rückkehr prognostiziert, die dann letztlich nicht eingetreten ist. Man wird abwarten müssen, wie es sich im Fall der Bulldogs verhält. Aber ja: Der Grundstein ist gelegt.

 

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