Preview: Big Ten East 2018

Mit dem heutigen Tag startet der Triple Option Blog in die neue (College) Football Saison. In diesem Sinne ein herzliches Willkommen an alle Leserinnen und Leser! Kommentare, Fragen, Beschwerden und Präferenzen sind wie immer ausdrücklich erwünscht.

Der Fahrplan der kommenden zwei Wochen sieht folgendermaßen aus: Nach dem heutigen ausführlichen Preview für die Big Ten East folgt in den nächsten Tagen ein ähnliches Format für die Big Ten West. Nach einer Kurzvorstellung die MAC geht es dann Ende nächster Woche um die wichtigsten Duelle des ersten Spieltages sowie um entscheidende Fragen rund um die CFB-Saison. Insbesondere zu letzterem nehme ich gerne Anregungen auf.

Los gehts nun mit den sieben Teams der Big Ten East, vorgestellt und analysiert in der Reihenfolge des letzten Jahres.

 

Ohio State Buckeyes

(Preseason AP Poll: #5; Bilanz 2017: 12-2 (8-1), 1st Big Ten East, Sieg im Big Ten CG vs. Wisconsin, Sieg im Cotton Bowl vs. USC)

Schedule:

1.9. Oregon State
8.9. Rutgers
15.9. at TCU
22.9. Tulane
29.9. at Penn State
6.10. Indiana
13.10. Minnesota
20.10. at Purdue
3.11. Nebraska
10.11. at Michigan State
17.11. at Maryland
24.11. Michigan

Leichte Interconference-Gegner, The Game im heimischen Horseshoe, lediglich ein unangenehmerer OOC-Gegner (@TCU). Das Duell in East Lansing bei Michigan State könnte allerdings Stolperfallenpotenzial aufweisen.

Wichtige Abgänge: U.a. QB J.T. Barrett, LT Jamarco Jones, C Billy Price, DE Sam Hubbard, LB Jerome Baker, CB Denzel Ward, S Damon Webb


Die Causa Urban Meyer / Zach Smith

Bevor ich zu Vorstellung und Einschätzung des Teams komme, ein paar Worte zum Skandal um HC Urban Meyer und WR Coach Zach Smith (unter anderem auch, weil ich darum bei Twitter gebeten wurde):
Ich möchte mich dennoch halbwegs kurz halten und die Geschichte aus der Ferne nicht noch einmal minutiös aufdröseln. Für diejenigen, die es nicht mitbekommen haben: Meyer hatte Ende Juli seinen langjährigen Assistenten Zach Smith gefeuert, nachdem eine richterliche Anordnung auf Antrag von dessen Ex-Frau Courtney Smith erlassen wurde, die Smith untersagt, sich ihr auf 500 Feet zu nähern. Grund war – natürlich, so möchte man traurigerweise anfügen – mal wieder häusliche Gewalt. Wenig überraschend war dies auch nicht der erste Fall von Misshandlung von Zach gegenüber Courtney Smith, sondern nur der letzte in einer langen Reihe an entsprechenden Vorkommnissen – und zwar seit vielen Jahren! Erstmalig wohl 2009: Schwere Körperverletzung gegen die damals schwangere Courtney. Bei einem weiteren Vorfall 2015 ist im Polizeibericht verfasst, dass von dauerhaften schweren Misshandlungen auszugehen ist. Schon beim Lesen dieser Zeilen muss man sich unweigerlich fragen, warum solche Menschen wie Zach Smith derart lange derart unbehelligt ihrem Job (bzw. ihrem Leben) nachgehen können, anstatt juristisch (und gesellschaftlich) belangt zu werden.
So weit, so fürchterlich. Hier kommt nun Meyer ins Spiel – bzw. die Meyers, Urban und seine Frau Shelley. Courtney Smith gab an, dass sie Shelley Meyer 2015 von den Gewalttaten berichtete und auch Fotos schickte – und dass sie stark annimmt, dass Urban Meyer dies über seine Frau erfahren hat, aber nicht reagierte. Es folgte ein schlimmer Auftritt von Urban Meyer bei den Big Ten Media Days: Zunächst leugnete er Wissen um den Vorfall von 2015. Dazu ließ er es zumindest so wirken, als ob Smith wohl nicht gefeuert worden wäre, wenn der Fall nicht an die Öffentlichkeit gelangt wäre. Kurz darauf musste er dann zurückrudern und eingestehen, doch etwas von den damaligen Anschuldigungen gegen seinen Assistenten mitbekommen zu haben. Das Wissen um die Bilder, die seine Frau zugeschickt bekam, leugnete er weiterhin. Die Frage ist nun, wieviel – und was genau – er gewusst hat. Daher ist er zur Zeit auf „paid administrative leave“, während die Universität genauere Untersuchungen anstellt.
Man muss dazu anfügen, dass Meyer schon mindestens seit seiner Zeit als HC von Florida dafür bekannt war, bei derartigen Vorwürfen und Anschuldigungen wegzuschauen oder lediglich sehr milde Sanktionen auszusprechen. Dazu braucht es nicht einmal unbedingt das (retrospektiv betrachtet) Extrembeispiel Aaron Hernandez. 31 Gators-Spieler wurden in den sechs Jahren unter Urban Meyer festgenommen, teilweise unter dem Vorwurf schwerer Straftaten, aber nur die wenigsten mussten stärkere teaminterne Sanktionen befürchten (wer will, kann sich bspw. über das Handling der Fälle von Chris Rainey oder Carlos Hyde informieren). Auch bei der Wahl seiner Assistenten drückte Meyer gern mal ein Auge zu: Die Involvierung seines DC Greg Schiano in den Sandusky-Skandal bei Penn State wurde nie vollends aufgeklärt. Ex-Indiana-HC Kevin Wilson, der wegen Misshandlung von Spielern seinen dortigen Posten räumen musste, wurde nur wenige Wochen danach von Meyer als OC verpflichtet.
Insgesamt ergibt sich bei allem grundsätzlichen rhetorischen Talent von Meyer das Bild eines Coaches, der zum einen um wirklich jeden Preis gewinnen will und der zum anderen gesellschaftlichen Problemlagen und Ungleichheiten mindestens bemerkenswert indifferent gegenübersteht. Die letztjährigen Kommentare von Shelley Meyer gegenüber Colin Kaepernick runden den Eindruck für mich ab. In Zeiten, in denen Missbrauchsskandale verschiedener Couleur (Baylor/Art Briles, Michigan State, Jerry Sandusky etc.) endlich zumindest ab und an den Weg an die Öffentlichkeit finden (wenngleich immer noch viel zu selten – und vor allem viel zu selten mit entsprechenden Konsequenzen), ist für einen Typ Coach wie Meyer eigentlich kein Platz mehr. Ich muss sagen, dass mir die doch sehr deutliche Ahnung, dass es sich bei den genannten Fällen nur um die Spitze des Eisbergs handelt, immer wieder sehr viel Freude an diesem großartigen Sport nimmt. Es wird Zeit, konsequent aufzuräumen und wenigstens ein der heutigen Zeit entsprechendes Klima unter den Coaches und in den Locker Rooms zu verankern. Von mehr wage ich gar nicht erst zu träumen.

Update: Nun sind die Sanktionen ausgesprochen worden. Meyer wird für die ersten drei Spiele (Oregon State, Rutgers, TCU) suspendiert, AD Gene Smith für etwas mehr als zwei Wochen. Sie hätten zwar die Taten von Zach Smith weder gebilligt noch versucht zu vertuschen, aber nicht ausreichend darauf reagiert und einen Assistant Coach im Staff behalten, der nicht als geeignetes Vorbild für die Student-Athletes taugt – so der offizielle Wortlaut. Meyer legte in der gestrigen Pressekonferenz erneut einen bizarren Auftritt hin: Er entschuldigte sich deutlich mehr bei der Buckeye Nation als bei Courtney Smith, deren Namen er nicht einmal erwähnte. Zudem wirkte sein Auftritt wenig selbstkritisch, eher von außen (bzw. oben) erzwungen. Ich befürchte, dass Meyer es einfach nie verstehen wird. Aber das kann ihm bei einer derart milden Strafe reichlich egal sein.

Update: Hier der gesamte Report. Noch wesentlich übler als erwartet. Smith gehört ohne Zweifel aus dem Verkehr gezogen. Und drei Spiele Suspendierung für Meyer werden immer lachhafter.

Kommen wir zum Team selbst, bei dem OC Ryan Day momentan den Interims-HC gibt. Und dieses Team ist trotz der Abgänge in die NFL auf beiden Seiten des Balles absolut loaded. In der Offense erwarten viele (inklusive mir) mit großer Spannung den Start der Ära von QB Dwayne Haskins (2017: 70,2%, 565 Yards, 4 TDs, 1 INT). In der sporadischen Spielzeit im letzten Jahr (u.a. in The Game, als er für einen verletzten J.T. Barrett einsprang) wirkte er extrem vielversprechend: deutlich natürlicherer Passer als Barrett mit soliden Mechanics und vor allem einer wesentlich größeren Decisiveness. Haskins hat möglicherweise nicht ganz das Lauftalent von Barrett, ist dennoch ein gefährlicher Dual-Threat QB. Hinter (bzw. neben) ihm steht mit Mike Weber (626 Rush, 6,2 Y/A, 10 TDs) und Freshman Sensation J.K. Dobbins (1403 Rush, 7,2 Y/A, 7 TDs) das vielleicht beste RB-Duo des Landes. Weber ist der etwas unspektakulärere Runner (kräftig genug für inside, shifty für outside, extrem well-rounded, auch solider Passblock), Dobbins ist aufgrund seiner Quickness und Moves ein dauerndes Highlight Reel, wäre als alleiniger Starter wohl ein heißer Heisman-Kandidat. Er hat keinen Weltklasse-Speed (der ihm ab und an nachgesagt wird), ist jedoch derart slippery und mit einer tollen Vision ausgestattet, dass er eine dauernde Big Play-Gefahr darstellt. Innen müsste er noch mit etwas mehr Determination laufen. Letztlich ist das aber Erbsenzählerei bei einem true Sophomore.
Die O-Line hat die Abgänge von Billy Price und Jamarco Jones zu verkraften, ist aber insbesondere auf der linken Seite mit LT Isaiah Prince und LG Michael Jordan weiterhin gut bestückt. Insbesondere Jordan hat mir letzte Saison durchaus gefallen. Vielleicht ein kleiner Geheimtipp.
Bei den Receivern setzten die Bucks fast schon traditionell auf ein breites Committee aus sehr unterschiedlichen Typen. Angeführt wird die Truppe vom relativ kompletten Parris Campbell (40-584-3), einem hervorragenden YAC-Receiver, allerdings ab und an mit Drop-Problemen, Speedster Johnnie Dixon (18-422-8) und Slot/Possession/Move-WR KJ Hill (56-549-3). Dahinter tummeln sich noch Binjimen Victor (23-349-7), für den ich seit zwei Jahren die Trommel rühre (top Size-Speed-Project, leider immer wieder inkonstant und mit Konzentrationsmängeln), sowie die unterschätzten Terry McLaurin (Big Play Waffe mit sicheren Händen, 29-436-6) und Austin Mack (Typ größerer, kräftigerer Receiver, 24-343-2). Die Ankunft von QB Haskins, der wesentlich mehr Downfield-Shots als Barrett nehmen dürfte, könnte zu kaum einem besseren Zeitpunkt kommen. Man kann gespannt sein, inwieweit die OCs Day und Wilson ihre Spread-Offense modifizieren. Es könnte ein Feuerwerk geben.

Die Defense der Buckeyes steht ganz im Zeichen von Superstar DE Nick Bosa (16 TFL, 8,5 Sacks), der sich wohl mit Houstons DT Ed Oliver um den Status als momentan bester College-Defender streitet. Nach zwei hervorragenden Jahren steht nun wohl seine letzte Saison an: superquick, toller Bend & Balance, einfach der prototypische Outside Passrusher. Nach den Abgängen von Sam Hubbard, Jalyn Holmes und Tyquan Lewis ist die Depth auf DE ein wenig fraglich, wenngleich Chase Young (5 TFL, 2,5 Sacks) vielversprechende Ansätze gezeigt hat. Die Mitte ist ebenfalls gut bestückt mit den DTs Robert Landers (5 TFL) und insbesondere Dre’Mont Jones (5 TFL, 1 Sack), einem der top 3-tech Prospects dieses Jahres: quick, guter Burst off snap und extrem disruptive, gute Handarbeit, muss aber noch kräftiger werden (größere Probleme gegen double teams). Beide DTs sind eher quick als strong und dürften dem Passrush einen weiteren Boost geben.
Die LB um MLB Tuf Borland und OLB Malik Harrison sind eventuell eine kleine Schwachstelle, dies allerdings nur verglichen mit den anderen Units. Hier ist zumindest weniger Erfahrung vorhanden. 5-star Recruit So. Baron Browning machte im Spring Game auf sich aufmerksam, würde mich nicht wundern, wenn er mindestens in die Rotation gelangt.
Seit Jahren ist Ohio State bekannt für seine Top-Cornerbacks, und das wird sich auch nach dem Abgang von Denzel Ward nicht ändern. Letzte Saison stritten sich Damon Arnette (8 PD, 2 INT) und der von Alabama über Cam Newtons JUCO Blinn zu den Bucks gekommene Kendall Sheffield (9 PD) um den Platz neben Ward. Während Arnette aus meiner Sicht ein wenig stagnierte, zeigte Sheffield gegen Ende der letzten Saison deutlich ansteigende Leistungen. Könnte der nächste typische Bucks Man Cover CB mit herausragendem Speed sein. Beide CBs müssen sich aber gegen einige extrem talentierte jüngere Corners behaupten. Insbesondere true Sophomore Jeffrey Okudah (ehemaliger 5 star) dürfte viel Spielzeit bekommen, wenn er sich von seiner Schulter-OP erholt hat. Auch rFr. Shaun Wade ist nicht aus dem Rennen. In kurz: eine der talentiertesten CB Squads des Landes. Und als ob das nicht genug wäre, deckt dahinter noch mit Centerfielder S Jordan Fuller (team leading 72 TT, 2 INT) ein weiterer kommender Superstar ab: sehr kompletter Safety mit hervorragendem Tackling, Instinkten und guten Ball Skills.
Und der Vollständigkeit halber: Auch die Special Teams sind eine Stärke der Buckeyes. K Sean Nuernberger und P Drue Chrisman gehören zu den besten Kicker-Duos in der Big Ten.

Fazit: Für mich hängt alles von der Unruhe um Urban Meyer ab. Man hat beispielsweise 2011 in der Saison von Quasi-Interims-HC Luke Fickell nach dem Abgang von Jim Tressel erleben müssen, dass auch ein sehr talentiertes Team Schiffbruch erleiden kann. Von der Qualität der Spieler und der Eingespieltheit her sind die Buckeyes der Favorit auf den Sieg in der Big Ten East, in der Big Ten und ein klarer Playoff-Kandidat. Oder war der Hype um Dwayne Haskins doch übertrieben?

Update: Nach Meyers lediglich kurzer Suspendierung steht dem Erfolg des Teams wohl wenig im Wege. Die ersten drei Spiele dürften auch mit Ryan Day klappen.

 

Penn State Nittany Lions

(Preseason AP Poll: #10; Bilanz 2017: 11-2 (7-2), 2nd Big Ten East, Sieg im Fiesta Bowl vs. Washington)

Schedule:

1.9. Appalachian State
8.9. at Pittsburgh
15.9. Kent State
21.9. at Illinois
29.9. Ohio State
13.10. Michigan State
20.10. at Indiana
27.10. Iowa
3.11. at Michigan
10.11. Wisconsin
17.11. at Rutgers
24.11. Maryland

Mit Iowa und insbesondere Wisconsin ein schwieriges Interconference-Programm – immerhin beide zuhause, wie auch Ohio State und Michigan State. OOC eigentlich zu vernachlässigen, die überraschende Niederlage gegen Pitt vor uzwei Jahren wurde bereits letztes Jahr geradegerückt.

Wichtige Abgänge: U.a. RB Saquon Barkley, TE Mike Gesicki, WR DaeSean Hamilton, LB Jason Cabinda, CBs Grant Haley und Christian Campbell, S Marcus Allen

Werden die Lions zwei starken Saisons mit jeweiliger Teilnahme an New Year’s Six Bowls eine dritte hinzufügen? Wenn ja, werden die Gesichter des Erfolgs andere sein als noch 2017. Zwar sind HC James Franklin und QB Trace McSorley noch dabei, aber der kreative OC Joe Moorhead ist nun HC bei Mississippi State und All-World-RB Saquon Barkley wird sich in Kürze im Big Apple auf höchster Ebene beweisen. Wie groß fällt also die Zuversicht für 2018 aus?
Zunächst mal wird in der Offense nicht alles über den Haufen geworfen. Der neue OC Ricky Rahne ist eine interne Lösung (Ex-TE-Coach). Und solange Trace McSorley den QB gibt, erwarte ich an der grundsätzlichen Spread-Ausrichtung zumindest keine radikalen Änderungen. McSorley (66,5%, 3570 Yards, 28 TDs, 10 INTs, 491 Rush, 11 Rush TDs) geht in sein letztes College-Jahr, und auch wenn seine NFL-Aussichten eher begrenzt sind (u.a. aufgrund seiner Statur, seiner Mechanics und seiner Armstärke), macht es einfach wahnsinnig viel Spaß, ihm zuzusehen: ein extrem tougher, mobiler Scrambler a la Doug Flutie mit einer erstaunlichen Accuracy bei seinen „Mondbällen“. Irgendwie tropfen die oft genug downfield direkt in die Arme der Receiver.

McSorley muss sich jedoch an ein (fast) komplett neues Set an Skill Playern gewöhnen. Zunächst das wichtigste: Saquon Barkley wird aller Voraussicht nach von Miles Sanders (191 Rush, 6,2 Y/A, 2 TDs) ersetzt werden. Und auch wenn ein Typ wie Barkley nicht so schnell wieder auftauchen wird, sollte man als Lions-Fan die Flinte in Sachen Laufspiel nicht allzuschnell ins Korn werfen: Sanders war nicht nur 5-star Recruit, sondern der beste RB seiner Jahrgangs. Ungewöhnlich genug, dass ein solches Kaliber sich brav zwei Saisons hinten anstellt, anstatt zu transferieren. Diese Zeit hat Sanders genutzt, um ordentlich an Masse zuzulegen, ohne an Athletik einzubüßen. Mittlerweile sieht er fast wie ein Barkley-Klon aus (5’10, über 220). Bold Prediction: Sanders wird – so er fit bleibt – an Barkleys Rush Yards (1271) schnuppern (ohne natürlich an seinen overall Impact heranzureichen). Gerade was die Konzeption des Laufspiels um Sanders und McSorley angeht, bin ich auf den neuen OC Rahne doch sehr gespannt. Denn so gut die Ruf des Ex-OC Moorhead war, gehörte ich zu den wenigen, die sein Playcalling insbesondere gegen Mitte letzter Saison doch sehr starr und unflexibel fanden.
Auch bei den Receivern ist einiger Aderlass zu beklagen: Kein DaeSean Hamilton mit seinen ultrapräzisen Routes und sicheren Händen, kein Jump Ball Threat wie TE Mike Gesicki. Der beste verbliebene ist WR Juwan Johnson (54-701-1) , ein großer kräftiger Typ mit überraschender Athletik und Beweglichkeit, der seinen Körper ideal einsetzt und talentmäßig eigentlich alles mitbringt, um einer der besten WR der Big Ten und im kommenden Jahr ein hoher Draftpick zu werden. Leider nimmt er sich immer wieder Auszeiten und muss dringend an seiner Konstanz arbeiten (sowohl was Routes, Footwork und Hände angeht). Trotzdem ist er für mich ein absoluter Breakout-Kandidat. Hinter ihm und dem erfahrenen WR DeAndre Thompkins (28-443-3) tummeln sich eine Reihe jüngerer Receiver mit wenig Spielpraxis. Ähnliche, wenn nicht größere Fragezeichen bestehen bezüglich der Nachfolge von Gesicki.
Die O-Line der Lions fand ich in den letzten Jahren nicht übermäßig beeindruckend, hier wäre gerade aufgrund der Abgänge auf den Skill-Positionen ein wenig Steigerung vonnöten. Angeblich stehen sowohl OG Steven Gonzalez als auch LT Ryan Bates in den Notizbüchern der Scouts (letzterer allerdings als OG), also wer mal drauf achten will, sollte sich auf die linke Seite der Lions OL konzentrieren. Zudem ist Connor McGovern ein durchaus annehmbares Talent auf C.

Vor noch größeren Schwierigkeiten steht allerdings die Defense. Ich halte einiges von DC Brent Pry, der in den letzten beiden Jahren trotz fehlender Topqualität eine sehr ordentliche Verteidigung auf die Beine gestellt hat: meist als klassische 4-3 mit viel Off-Coverage außen. Diese Saison müssen aber einige Units komplett neu aufgestellt werden.
In der 4-Man-Front hängt viel von DE Shareef Miller (11,5 TFL, 5,5 Sacks) ab. Ich bin ein kleiner Fan von ihm und wundere mich, dass er immer noch etwas unter dem Radar läuft. Prototypische 4-3 DE-Size mit hervorragendem Burst und guter Athletik. Sehr gefährlicher Passrusher, der gegen den Lauf und am Point of Attack noch etwas konstanter werden muss, aber auch hier durchaus vielversprechende Ansätze zeigt. Was die andere DE-Position angeht, gab es in den vergangenen Wochen gleich zwei sehr schlechte Nachrichten: Sowohl der Passrusher Torrence Brown als auch der LDE/Runstopper Ryan Buchholz mussten wegen Verletzungen ihre Karrieren beenden. Hier wird einiges von Underclassmen abhängen: Auf mich machte insbesondere Speedrusher Shaka Toney (6 TFL, 3,5 Sacks)  in seiner Spielzeit letzte Saison einen vielversprechenden Eindruck. Depth könnte sich allerdings als Problem erweisen. Auf DT muss nach den Abgängen von Cothren & Cothran insbesondere auf undersized disruptive 3-tech Kevin Givens (4 TFL, 3,5 Sacks) ankommen.
Bei den Linebackern muss u.a. der langjährige MLB-Starter Jason Cabinda ersetzt werden, dazu flog OLB Manny Bowen wegen wiederholter Verstößen gegen die Team Rules aus dem Programm. Von OLB Koa Farmer (47 TT, 5,5 TFL) abgesehen ist nicht überviel Erfahrung vorhanden. Vielleicht sieht daher der stark gehypte Freshman Micah Parsons bereits erste Einsätze.
Noch größer ist der Umbruch in der Secondary: Alle vier Starter (CBs Grant Haley und Christian Campbell, S Marcus Allen und Troy Apke) versuchen sich nun in der NFL. Der einzige übriggebliebene erfahrene Mann ist der letztjährige dritte CB Amani Oruwariye (7 PBU, 4 INTs), den ich für stark unterschätzt halte (NFL Prospect in meinen Augen), ansonsten bestehen einige Fragezeichen. Viel wird davon abhängen, wie CB John Reid von seiner ACL-Verletzung zurückkommt und wie die neuen Safeties einschlagen.
In den Special Teams verfügen die Lions mit P Blake Gillikin über den vielleicht besten Mann in der Big Ten, müssen aber natürlich auf die Kick Returns von Barkley verzichten.

Fazit: Der Offense fehlen einige Difference Maker, der Defense kamen eine beträchtliche Menge Starter (und Co-Starter) abhanden. Von daher prognostiziere ich ein schwierigeres Jahr für die Lions. Das Triplet McSorley, Sanders und Johnson wird verstärkt gefragt sein, die doch unerfahrene Defense mehr als in den letzten Jahren gewohnt zu unterstützen. Andere Teams in der Big Ten East haben meiner Einschätzung nach ein höheres Talentlevel, was natürlich nicht unbedingt viel heißen muss. Dennoch würde es mich nicht schockieren, wenn Penn State diese Saison nur auf Platz 4 der Division eintrudelt.

 

Michigan State Spartans

(Preseason AP Poll: #11; Bilanz 2017: 10-3 (7-2), 3rd Big Ten East, Sieg im Holiday Bowl vs. Washington State)

Schedule:

31.8. Utah State
8.9. at Arizona State
22.9. at Indiana
29.9. Central Michigan
6.10. Northwestern
13.10. at Penn State
20.10. Michigan
27.10. Purdue
3.11. at Maryland
10.11. Ohio State
17.11. at Nebraska
24.11. Rutgers

Ohio State und Michigan zuhause, Interconference ist gängig, Herm Edwards ASU sollte nicht der große Stolperstein sein.

Wichtige Abgänge: C Brian Allen, LB Chris Frey. That’s it.

Nach einem mehr als enttäuschenden 2016 mit einer 3-9 Bilanz waren HC Mark Dantonio und seine Spartans letzte Saison wieder in der (gewohnten) Spur. 10 Siege, darunter gegen Iowa, Michigan, Penn State und Washington State (Bowl), in der zweiten Saisonhälfte nur ein absoluter Stinker bei Ohio State nach deren Sensationsniederlage bei Iowa. Das Team blieb fast komplett zusammen, daher sind die Erwartungen für Sparty für 2018 auch bei mir sehr hoch.
In der Offense machte QB Brian Lewerke einen riesigen Schritt nach vorne. Lewerke (59%, 2793 Yards, 20 TDs, 7 INTs, 559 Rush Yards, 5 Rush TDs) ist ein gefährlicher dual-threat QB mit starkem Arm und mittlerweile durchaus Pro Potenzial: sehr beweglich in der Pocket, wirft gut on the Run, muss noch an seinem Footwork feilen, ab und an haperts an der Genauigkeit/Ball Placement. Clutch player, wie man etwa beim Sieg gegen Penn State sehen konnte. Trotz Lewerkes Mobilität halten die Spartans an einer relativ pro-style-nahen Offense fest, was sich auch perspektivisch nicht unbedingt als Nachteil herausstellen muss.
Im Backfield steht weiterhin RB L.J. Scott (898 Rush, 4,5 Y/A, 8 TDs, 1 TD catch), der sich für viele ein wenig überraschend entschied, zu seiner Senior Season nach East Lansing zurückzukehren: recht kompletter RB mit starker inside running Ability (Pad Level, Pile Moving, falls forward) und zumindest passabler Beweglichkeit im outside bzw. im open field mit einigen Jukes & Moves. Er muss in  dieser Saison aber mehr schultern, da seine beiden langjährigen Backfield Mates Garald Holmes (NFL) und Madre London (Transfer zu Tennessee) fehlen. Depth ist ein Fragezeichen.
Auf WR sind die drei Starter geblieben: Felton Davis ist ein Favorit von mir, den ich bereits ein paar Mal näher vorgestellt habe: ein für seine Größe sehr smoother Receiver mit einiger YAC-Ability. Unterstützt wird er durch all-purpose WR/RS Darrell Stewart (50-501-2, 140 Rush Yards) und den überraschend starken 2017er Freshman Cody White, der trotz seiner Größe (6‘3) auch sehr viel im Slot eingesetzt wurde. Mit dem unspektakulären, aber erfahrenen TE Matt Sokol haben die Spartans eine sehr eingespielte und vor allem gut ausbalancierte Skill Player-Truppe. Normalerweise gehörte der Fokus aufs Running Game ja zur DNA von Dantonio und seinen beiden OCs. Mal schaun, ob sie dieses Jahr ein wenig davon abrücken.
Die solide Spartans O-Line wird angeführt von dem hünenhaften LT Cole Chewins und dem erfahrenen OG David Beedle. Interessant ist das Duell um den vakanten C-Posten: Matt Allen, der Bruder der beiden vorherigen C Brian und Jack Allen, oder Tyler Higby, der im Trainings Camp wohl sehr überzeugt haben soll.

In der Defense gibt es einen minimalen Coachingwechsel, aber sonst kaum Veränderungen: DC Harlon Barnett wurde DC bei Florida State, so dass Co-DC Mike Tressel nun der Nomination nach die alleinige Verantwortung für die Unit hat (wenngleich Dantonios Einfluss hier nicht zu unterschätzen ist). Schemetechnisch bleibt alles beim Alten: Michigan States Defense besticht seit Jahren durch ein 4-3 mit sehr aggressiver Run Defense und einer Quarters Press in der Secondary. Für mich ist es immer wieder überraschend, wie wenig Big Plays die Spartans mit so einer riskanten Strategie zulassen (wie schwer das zu implementieren ist, musste Ex-DC Pat Narduzzi schmerzhaft bei Pitt erfahren). Im letzten Jahr stellten sie wieder einmal eine der Top 10 Defenses des Landes, und bei nur einem relevanten Abgang (LB Chris Frey) ist mindestens eine ähnliche Performance zu erwarten – insbesondere wenn man bedenkt, dass sich die Unit im Laufe der Saison deutlich steigerte.
Die D-Line könnte dieses Jahr das Prunkstück der Verteidigung werden. DE Kenny Willekes (13,5 TFL, 5,5 Sacks) deutete seine Klasse bereits mehr als an, und auf der anderen Seite scheint sich Justice Alexander mit hervorragenden Spring Practices einige Spielzeit zu sichern. Das schwere DT-Duo Raequan Williams (6 TFL, 2,5 Sacks) und Mike Panasiuk (3 TFL) bestach nicht unbedingt durch große Statistiken, aber machte die Mitte komplett dicht und hielt die gegnerischen OL vom 2nd level blocking der aktiven Linebacker ab. Zwei sehr unterschätzte Spieler, gerade von Panasiuk erwarte ich noch einmal eine deutliche (auch statistische) Steigerung.
Dahinter räumt MLB Joe Bachie alles ab. Bachie (100 TT, 7,5 TFL, 2,5 Sacks, 3 INTs) kam ein wenig aus dem Nichts und überrascht mit hervorragenden und variablem MLB-Play – kein reiner Thumper in der Mitte. Bachie brachte das traditionell von Spartans-LB verlangte Gap Shooting und Blitzing noch einmal auf eine neue Qualitätsstufe. Neben ihm bringen die Seniors Andrew Dowell (75 TT, 3 TFL) und Byron Bullough (der vorerst letzte der Bullough-Familie) einiges an Erfahrung mit.
Die Secondary, auf die es in diesem Scheme so sehr ankommt, konnte sich mit ihren jungen CBs Justin Layne und Josiah Scott (jeweils 1 INT) im letzten Jahr gut einspielen. Leider fällt Scott, der interessanterweise keiner dieser typischen großen kräftigen Zone-CBs ist, mit einer Verletzung mindestens 2 Monate aus. Der dritte CB Tyson Smith musste aus Gesundheitsgründen seine Karriere beenden. Hier kommt also etwas Arbeit auf den neuen DB Coach Paul Haynes (ehemaliger HC von Kent State) zu. Die beiden Safeties, Khari Willis (71 TT, 2 INTs) und insbesondere Centerfielder David Dowell (5 INTs), sollten zu den besseren Duos in der Big Ten gehören.
Die Special Teams der Spartans waren 2017 deutlich überdurchschnittlich. K Matt Coghlin, seinerzeit ein Freshman, überzeugte nicht nur mit dem Clutch Kick gegen Penn State.

Fazit: Michigan State ist bereit! Top Coaching Staff mit viel Erfahrung, eingespieltes System auf beiden Seiten des Balles und kaum Abgänge: 20 von 22 Startern sind wieder am Start, eine extrem seltene Quote. Die Offense ist so ausbalanciert wie lange nicht mehr und sollte untypisch viele Punkte aufs Tableau bringen, solange die Key Player von Verletzungen verschont bleiben. Die Defense ist seltsamerweise immer noch unterschätzt (wohl aufgrund des Fehlens von großen Namen) und sollte eine der allerbesten des Landes sein. Sorgen mache ich mir nur etwas um die neuralgische Position der Cornerbacks aufgrund der Verletzungen und Ausfälle. Womöglich die gefährlichste Mannschaft für die Buckeyes.

 

Michigan Wolverines

(Preseason AP Poll: #14; Bilanz 2017: 8-5 (5-4), Niederlage im Outback Bowl vs. South Carolina)

Schedule:

1.9. at Notre Dame
8.9. Western Michigan
15.9. SMU
22.9. Nebraska
29.9. at Northwestern
6.10. Maryland
13.10. Wisconsin
20.10. at Michigan State
3.11. Penn State
10.11. at Rutgers
17.11. Indiana
24.11. at Ohio State

Heftig! OOC bei Notre Dame zum Auftakt, das Michigan-Duell und The Game auswärts und als Interconference dazu noch Wisconsin.

Wichtige Abgänge: U.a. LT Mason Cole, DT Mo Hurst, LB Mike McCray

Gefühlt wird es langsam enger für Michigans HC Jim Harbaugh. Nach einem überraschend starken ersten Jahr und einer Bestätigung 2016 folgte ein doch ernüchterndes 2017 mit einer 8-5 Bilanz, in dem gegen alle besseren Big Ten Teams verloren wurde (Michigan State, Penn State, Wisconsin, Ohio State). Drei Jahre kein Divisionstitel, von Playoff-Teilnahmen ganz zu schweigen, dazu drei Niederlagen in The Game gegen den verhassten Nachbaren Ohio State – langsam muss einer der gehyptesten und auch teuersten College-Coaches beweisen, dass er seine Alma Mater zu größeren Erfolgen führen kann. Immerhin hat er nun fast komplett ‚sein‘ Team mit seinen Recruits zusammen.
Das größte Problem der letzten Jahre lag in der wichtigsten Position, dem Quarterback. Iowa-Transfer Jake Rudock, ein reiner Verwalter, war das schon das höchste der Gefühle. In den letzten beiden Jahren überboten sich Wilton Speight und John O’Korn in Ineffizienz, und auch Hoffnungsträger Brandon Peters kam 2017 über ein paar Ansätze nicht hinaus. Nun soll alles anders werden: Ole Miss Transfer Jr. Shea Patterson entschied sich für Michigan, ist aufgrund der Sanktionen gegen Ole Miss (bzw. der mangelnden Kommunikation derselben gegenüber den Recruits) sofort spielberechtigt und setzte sich im Training Camp dann wie erwartet gegen Peters und Dylan McCaffrey durch. Patterson spielte eine gute Saison für die Rebels (63,8%, 2259 Yards, 19 TDs, 9 INTs), bevor er sich das hintere Kreuzband riss und den Rest der Saison verpasste. Patterson ist kein klassischer dual-threat, aber ein sehr mobiler Quarterback mit guter Pocket Presence, dem hohe Spielintelligenz nachgesagt wird. Guter Arm auch für tiefe Pässe, sollte ein deutliches Upgrade über alles sein, was Michigan in den letzten Jahren auf der Position aufbot.
Er kann sich auf ein überdurchschnittliches Backfield stützen, in dem Chris Evans (685 Rush, 5,1 Y/A, 6 TDs, 157 rec Yards, 1 rec TD) und Karan Higdon (994 Rush, 6,1 Y/A, 11 TDs, 131 rec Yards) zurückehren. Evans war der ursprüngliche Starter und hat einen typischeren RB-Körper, aber der kleine Change of Pace Back Higdon lief ihm im Laufe der Saison den Rang ab und überzeugte mit Explosivität, Speed, Quickness, Cuts und auch mehr Power im Inside Running als erwartet. Angeblich hat er in der Offseason ordentlich Muskelmasse draufgepackt. Man wird abwarten müssen, ob ihm das nicht doch einige seiner Stärken nimmt.
Die WR sind solide besetzt, allerdings ist die Depth ist mittlerweile ziemlich ausgedünnt. Tarik Black (11-149-1) gefiel mir letztes Jahr als true Freshman fantastisch (großer WR mit guter Athletik, Body Control und einiger Big Play Ability), leider nahm ihm ein Fußbruch fast die komplette Saison. Der noch höher gelobte 5-star true Frosh Donovan Peoples-Jones (22-277-0) übernahm seine Rolle und zeigte gegen Ende der Saison ansteigende Tendenz. Hinter den beiden wird es eng: Slot Grant Perry (25-307-1) ist weiterhin on Board. Kekoa Crawford, Drake Harris, Maurice Ways und do-it-all Eddie McDoom verließen dagegen allesamt das Team, ebenso wie TE Tyrone Wheatley. In dieser Unit darf es unter keinen Umständen zu Verletzungen kommen, will man Patterson ein solides Set an Targets bieten.
Die OL war in den letzten Jahren nicht übermäßig sattelfest, und der beste Mann, LT Mason Cole, versucht sich nun bei den Pros. Viel Hoffnung liegt auf So. C Cesar Ruiz, der die Probleme bei Stunts und im Zone Blocking beheben soll. Die beiden OTs könnten weiterhin eine Schwachstelle gegen die vielen guten Passrusher allein innerhalb der Division sein.

In der Defense des fantastischen DC Don Brown stellt sich das Szenario genau entgegengesetzt zum vorigen Jahr dar. Damals blieben ihm 1,5 Starter der Vorsaison mit DT Mo Hurst und LB Mike McCray. Genau diese beiden sind nun weg, alle anderen 9 Starter einer – gerade in Anbetracht der anämischen Offense – überragenden Defense kehrten nach Ann Arbor zurück. In der variablen 4-3/3-4 Hybrid mit vielen Base Nickel-Elementen versehenen Defense gibt es nur wenige Schwachstellen. Am ehesten wäre hier die interior Line zu nennen. Außen stehen mit Chase Winovich (73 TT, 19 TFL, 8,5 Sacks) und dem physischen Freak Rashan Gary (58 TT, 11,5 TFL, 5,5 Sacks) zwei absolute Difference Maker. Gary ist ein 1st round talent, ein massiger DE mit hervorragendem 1st step, Pad Level und Speed around the Edge, der aber auch wahlweise nach innen rücken kann und dort mit mehr Power ähnlich disruptiv zu Werke geht. Ein sehr kompletter Liner, der im nächsten Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit bei den Pros spielen wird.
Die Linebacker werden angeführt vom undersized Irrwisch Devin Bush (95 TT, 10 TFL, 5,5 Sacks). In Ihn habe ich mich früh in der letzten Saison verguckt und ein paar mehr Zeilen verfasst. Ein echter Sideline-to-Sideline Pursuit LB, der wesentlich härter als seine Größe spielt, immer ein wenig an der Grenze zum Erlaubten. Neben ihm übernahm Khaleke Hudson (77 TT, 16 TFL, 7,5 Sacks) die zuvor von Jabrill Peppers bemannte VIPER-Position, und nach einer leichten Eingewöhnungszeit explodierte er in der zweiten Saisonhälfte geradezu und war wirklich überall auf dem Feld zu finden. Hudson ist der ideale S/LB-Hybrid: gute Play Recognition, sehr athletisch, variabel einsetzbar – ein echter X-Factor. Ich weiß, dass diese Meinung nicht von vielen vertreten wird, aber Hudsons Leistung Ende der Saison war für mich über der von Peppers einzuordnen. Watch out. Neben Bush und Hudson könnte einer der hochgerankten jungen Recruits, Josh Ross oder 5-star Fr. Jordan Anthony, Spielzeit sehen.
Die CBs Lavert Hill (7 PD, 2 INTs) und David Long (6 PD, 2 INTs) bekommen zu wenig Beachtung, haben aber in der vergangenen Saison sehr wenig zugelassen. Gerade Hill überzeugte mich trotz seines dünnen Körperbaus mit sehr aggressiver Press Man Coverage: gutes Footwork, geduldig, aktive Hände downfield und mit genügend Speed ausgestattet. Auch von Long erwarte ich eine Menge, dazu ist die Position sehr tief besetzt. Star-Recruits wie Ambry Thomas müssen sich vorerst noch gedulden. Die beiden Safeties, SS Josh Metellus und FS Tyree Kinnel (2 INTs), sind gute Tackler und runden eine der besten Secondarys der Big Ten (wenn nicht des Landes) ab. Auf dem Papier müsste von dieser Defense, die gegenüber 2017 noch an Erfahrung gewonnen hat, mit Ausnahme des Abgangs von Mo Hurst einiges zu erwarten sein. Ich bin ja nun wirklich kein Harbaugh-Freund,  in diese unerfahrene, aber derart aktive und aggressive Defense habe ich mich letzte Saison absolut verknallt. Bin extrem gespannt auf 2018.

Fazit: Don Browns Defense wird diese Mannschaft tragen – aber die Offense muss sich auch tragen lassen. Ist Shea Patterson wirklich der Heilsbringer, der die Wolverines endlich zu einem wirklichen Contender macht? Ich habe noch ein wenig Skepsis, da die Auftritte der Offense in den vergangenen Jahren einfach zu mau waren und ich nicht sicher bin, ob das wirklich nur an der QB-Position lag. Dennoch ist eine klare Steigerung gegenüber dem Vorjahr zu erwarten – mit einem Outside Shot auf die Divisionskrone. Der Schedule ist allerdings nicht ohne.

 

Rutgers Scarlet Knights

(Bilanz 2017: 4-8 (3-6), 5th Big Ten East)

Schedule:

1.9. Texas State
8.9. at Ohio State
15.9. at Kansas
22.9. Buffalo
29.9. Indiana
6.10. Illinois
13.10. at Maryland
20.10. Northwestern
3.11. at Wisconsin
10.11. Michigan
17.11. Penn State
24.11. at Michigan State

Machbare OOC-Spiele, allerdings Wisconsin als Interconference. In den letzten Wochen wird wohl nichts mehr gehen.

Wichtige Abgänge: U.a. RB Gus Edwards, EDGE Kemoko Turay, S K.J. Gray

Ist HC Chris Ash nach zwei unterdurchschnittlichen Saisons unter Druck? Einem entsprechenden CBS-Artikel entgegnete Rutgers Athletic Director Pat Hobbs mehr als deutlich: Es brauche nunmal Zeit, ein wirkliches Rebuilding durchzuführen, von daher kann man Ash bedenkenlos von der Liste der Coaches auf dem Hot Seat streichen. Immerhin gelangen Ash, dem ehemaligen DC von Wisconsin, Arkansas und Ohio State, im vergangenen Jahr mit einem wirklich weniger talentierten Team 3 Conference Wins. Das geringe Talent wird vielleicht auch dadurch veranschaulicht, dass nur P Ryan Anderson in eines der drei All Big Ten-Teams gewählt wurde. Während er seinen Paradebereich, die Defense, mittlerweile einigermaßen auf Vordermann gebracht hat, bleiben in der Offense riesige Fragezeichen, die in diesem Jahr eher größer als kleiner werden. Und schon 2017 stellten die Scarlet Knights eine der schlechtesten 10 Offenses aller FBS-Teams.
Auf der Quarterback-Position ist das Duell zwischen dem Starter der zweiten Saisonhälfte, Sr. Giovanni Rescigno (47%, 517 Yards, 2 TDs, 1 INT) und dem true Fr. Artur Sitkowski, einem für Rutgers-Verhältnisse hochpreisigen Recruit, noch nicht entschieden, obwohl mittlerweile mehr Richtung Rescigno deutet – zumindest vorerst.
Update: Nun wurde doch Ex-Miami-Commit Sitkowski zum Starter ernannt.
Die beiden besten Offensivwaffen 2017, RBs Gus Edwards und Robert Martin, beendeten beide ihre College-Laufbahn, Edwards versucht gerade bei den Ravens einen Rosterspot zu ergattern. Wie 2017 mit Edwards wurde auch in diesem Jahr ein Grad Transfer an Board geholt, ex-BC RB Jon Hilliman. Ich muss zugeben, dass mich Hilliman mit seinen heavy feet immer ein wenig aufgeregt hat und ich für BC froh war, dass sie mit AJ Dillon endlich einen guten Runner gefunden haben, aber Hilliman ist gegenüber den Alternativen sicherlich ein Upgrade. Ein wenig achten sollte man dazu auf den kleinen Change of Pace Back Raheem Blackshear (238 Rush, 6,1 Y/A, 3 TDs, 133 rec Yards, 2 rec TDs), der ein paar gute Szenen hatte.
Einziger verlässlicher Passempfänger ist Miami-Transfer TE Jerome Washington (28-281-1), die WR sind allesamt Freshmen oder Sophomores und größtenteils unter 6‘0. Da Rutgers eine Spread-Variante spielt, werden wohl viele der unerfahrenen WRs zum Einsatz kommen. Hier muss sich die Depth Chart erst noch rausschälen.
Die O-Line ist noch die erfahrenste und möglicherweise beste Unit in der Offense und hat mit LT Tariq Cole und RT Kamaal Seymour Spieler, auf die man achten sollte. Insgesamt fällt es mir aber schwer, von dieser Truppe gegen die starken Defenses in dieser Division allzuviel zu erwarten.

Die Defense brachte 2017 eine mittelmäßige Leistung aufs Tableau, was gewissermaßen schon als Erfolg zu werten ist, da es große Probleme in der D-Line gab und zwei der besten Spieler (LB Tyreek Maddox-Williams und insbesondere CB Blessuan Austin) quasi die gesamte Saison fehlten. Zudem stellte DC Jay Niemann die Defense stärker auf eine 3-4 Defense um und implementierte mehr Base Nickel-Formationen (obwohl offiziell das Defense-System immer noch als 4-3 ausgegeben wird). Die Front 7 konnte den Lauf nicht stoppen und viel zu wenig Druck auf den Quarterback generieren (auch Draftpick Kemoko Turay gelangen ja lediglich 3 Sacks). Der einzige aktuelle Spieler mit mehr als einem Sack in der letzten Saison ist Sr. DT Jon Bateky (1,5 Sacks). Er und DE Kevin Wilkins (7 TFL) sind die beiden erfahrenen Spieler in der jungen D-Line.
Die Linebacker dürften insbesondere von der Rückkehr von genanntem OLB Maddox-Williams profitieren und stellen innen mit den Sr. Trevor Morris und Deonte Roberts zumindest eine solide Unit.
Prunkstück ist zweifelsohne die Secondary: Trotz des nicht vorhandenen Passrushs erlaubten sie nur 57,1% Completions, intercepteten 10 Pässe (von insgesamt 12 der Rutgers D) und wehrten (inklusive Linebackern) 52 Pässe ab – ein ganz starker Wert (Top 5 des Landes).  In der kommenden Saison müssen sie allerdings auf zwei der (co-)starting Safeties verzichten: Jawuan Harris unterschrieb einen MLB-Vertrag bei den San Diego Padres und K.J. Gray, ein recht kompletter Safety und der vielleicht vielversprechendste NFL-Prospect, wurde mit einigen anderen Spielern wegen vermeintlichem Kreditkartenbetrugs von der Uni geworfen, nachdem er vorher schon Off-Field-Incidents wegen Marihuana hatte. Dafür sind die Cornerbacks sehr tief besetzt: Neben den letztjährigen Startern Isaiah Warton (8 PD) und Damon Hayes (9 PD, 1 INT) kehrt der beste Mann, Blessuan Austin (verletzungsbedingt nur 1 INT), wieder zurück. Austin riss sich gegen Nebraska das Kreuzband, sollte aber wieder an seine hervorragende Form von 2016 anknüpfen können (gute Länge, aggressiv am Catch point, ordentlicher Speed). Die Frage wird sein, wieviel diese vielversprechende und physische Secondary auffangen kann.

Fazit: Aufgrund der großen Fragezeichen in der Offense prognostiziere ich ein schwieriges Jahr für die Scarlet Knights und Chris Ash. Ich würde es ehrlich gesagt als Erfolg sehen, wenn sie erneut 3 Divisionsspiele gewinnen könnten. Viel wird von der Back-7 der Defense abhängen. Aber wie weit kann diese die Punktezahl des Gegners im Rahmen halten? Viel Raum für Fehler existiert bei einer solchen Offense nicht. Der letzte Platz in der East würde mich nicht wundern.

 

Indiana Hoosiers

(Bilanz 2017: 5-7 (2-7), 6th Big Ten East)

Schedule:

1.9. at Florida International
8.9. Virginia
15.9. Ball State
22.9. Michigan State
29.9. at Rutgers
6.10. at Ohio State
13.10. Iowa
20.10. Penn State
26.10. at Minnesota
10.11. Maryland
17.11. at Michigan
24.11. Purdue

Durchschnittlicher Schedule, bei dem eine potenzielle Bowlteilnahme wahrscheinlich von den letzten beiden Heimspielen abhängen dürfte.

Wichtige Abgänge: U.a. WR Simmie Cobbs, TE Ian Thomas, LBs Tegray Scales und Chris Covington, CB Rashard Fant, K Griffin Oakes.

Ich hatte in der letzten Saison immer so ein wenig das Gefühl, dass die Hoosiers nicht ganz entsprechend ihres Leistungsvermögens aufgetreten sind, von daher war ich auch überrascht, dass nicht einmal eine Bowlteilnahme erreicht wurde (die man im direkten Duell gegen Purdue verspielte). Dabei haben sich in den letzten zwei Saisons die Stärken und Schwächen der Hoosiers vertauscht. Unter dem ehemaligen HC (und jetzigen Ohio State OC) Kevin Wilson stellte man eine gute Offense, hatte aber größere Probleme mit der Defense. Beim aktuellen HC Tom Allen ist es genau andersherum: gute Defense, fußlahme Offense. Kann sich in der kommenden Saison diesbezüglich eine größere Balance einstellen?
Spannend wird zunächst das Duell um die Quarterback-Position: So. Peyton Ramsey (65,4%, 1252 Yards, 10 TDs, 5 INTs, 225 rush, 2 rush TDs) übernahm Mitte der letzten Saison für Richard Lagow und zeigte vielversprechende Ansätze. Sein Konkurrent ist Grad Transfer Brandon Dawkins von Arizona (61,4%, 732 Yards, 5 TDs, 4 INTs, 459 rush, 8 rush TDs). Dawkins war der unangefochtene Starter bei den Wildcats, bis eine Verletzung den Weg freimachte für den sensationellen Auftritt von Super-Soph Khalil Tate. Da er nach dessen Megashow nun nicht mehr an ihm vorbeikommt, entschied er sich zum Transfer nach Indiana. Dawkins ist ein klassischer Dual Threat mit drei Jahren Erfahrung als (part-time) Starter, von daher sehe ich ihn leicht im Vorteil. Für die Spread-Variante der Hoosiers sollte er gut geeignet sein (wenngleich auch Ramsey keine Statue ist).
Update: Etwas überraschend wurde Ramsey zum Starter ernannt.
Als klare Stärke der Offense kristallisiert sich zunehmend die O-Line heraus, insbesondere der innere Teil. C Hunter Littlejohn und OG Simon Stepaniak bilden ein gutes athletisches Duo inside, zu dem nun noch der Grad Transfer von Miami, C Nick Linder, stößt. HC Allen pries bereits dessen Vielseitigkeit an, so dass es nicht überraschend wäre, sollte er den anderen OG-Spot bemannen.
Aber ausgerechnet in einer Zeit, in der die Line eine klare Stärke ist, fehlen den Hoosiers überdurchschnittliche Runner. Nach Jahren des Überflusses mit Tevin Coleman, Jordan Howard und auch Devine Redding ist nun die große Leere angesagt. Wahrscheinlich wird es wieder auf ein Committee von dem kräftigen Morgan Ellison (704 Rush, 4,9 Y/A, 6 TDs) und dem kleinen flinken Cole Gest (428 Rush, 4,6 Y/A, 1 TD, 1 rec TD) hinauslaufen, aber beide werden den Big Ten Defenses keine schlaflosen Nächte bereiten.
Bei den Receivern muss der Abgang von All-Conference Simmie Cobbs verkraftet werden. Immerhin ist der verlässliche underneath WR und Chain Mover, Luke Timian (68-589-2), weiter am Start. Zudem kehrt Nick Westbrook, der Star der 2016er Saison (54-995-6) zurück, nachdem er sich in der vergangenen Saison beim Opening Kickoff im ersten Spiel das Kreuzband riss. Westbrook ist ein großer physischer Typ mit gutem Speed und Big Play Ability. Gespannt bin ich auch auf den physischen Donavan Hale (7-116-1), der fast die gesamte Saison ausfiel, im ersten Spiel allerdings eine Topleistung gegen Buckeyes-Star Denzel Ward zeigte.
Falls Dawkins der starting QB wird, dürfte viel davon abhängen, ob er den Ball zuverlässig zum soliden WR Corps verteilen kann und durch seine Mobilität das klassische Running Game ein wenig entlasten kann. Sollte letzteres nicht gelingen, könnte ein Wechsel zu Ramsey anstehen.

Das Defense-System der Hoosiers gefiel mir in den letzten Jahren sehr gut: eine Base Nickel, bei der einer der DBs, der sog. Husky, auch eine OLB-Position einnehmen kann. Die D-Line hat keine größeren Stars zu bieten, ist aber gerade auf DT extrem tief besetzt. Bester Spieler innen ist wohl der agile undersized DT Jacob Robinson (7 TFL, 4 Sacks), hier findet jedoch eh eine stärkere Rotation statt. Außen kann nach seinem verletzungsbedingten Ausfall 2017 wieder mit DE Nile Sykes gerechnet werden.
Nach dem Abgang von Tegray Scales und Chris Covington besteht eine große Lücke bei den beiden Base-Linebackern, hier ist aufgrund der fehlenden Erfahrung die Depth Chart momentan noch sehr fluide. Auf der Husky-Position kehrt nach einer von Verletzungen geprägten Saison Marcelino Ball zurück. Ball ist seit seiner Freshman-Saison 2016 ein kleiner Favorit von mir: ein aggressiver und sehr vielseitiger Spieler, der als S, Nickel-LB und Nickel/Inside-CB eingesetzt werden kann und einfach eine Nase für den Ball und das Play hat. Bin sehr gespannt, wie gut er sich präsentieren wird.
Von Rashard Fant abgesehen bleibt die gesamte Secondary (inklusive Depth) intakt. Auch wenn sie keine größeren Namen aufweist, ist das eine sehr solide Unit. Der große S Jonathan Crawford (61 TT, 1 INT), der sich gerne näher an der Line of Scrimmage aufhält, überzeugte mich letzte Saison durch gutes Tackling.
Und noch ein Satz zu den Special Teams: RS J-Shun Harris, der nach zwei Kreuzbandrissen zuvor im letzten Jahr stark zurückkehrte mit zwei PR-TDs, sich dann aber erneut eine Kreuzbandverletzung zuzog, nimmt wohl noch einen letzten Anlauf. Würde mich freuen, wenn seine College-Karriere doch noch ein versöhnliches Ende nimmt. Weiterhin muss der beste Kicker der Big Ten 2017, Griffin Oakes, ersetzt werden.

Fazit: Indiana ist ein schwer zu prognostizierendes Team. Sollte die Offense ein wenig ausgeglichener werden und ein zumindest passables Running Game aufziehen können, könnte die eine oder andere Überraschung drin sein. In der Defense wird es insbesondere darauf ankommen, die beiden Top-Linebacker adäquat zu ersetzen. Mit den Topteams wird man sicherlich nicht mithalten können, aber eine Bowlteilnahme erscheint nicht ausgeschlossen.

 

Maryland Terrapins

(Bilanz 2017: 4-8 (2-7), 7th Big Ten East)

Schedule:

1.9. vs. Texas
8.9. at Bowling Green
15.9. Temple
29.9. Minnesota
6.10. at Michigan
13.10. Rutgers
20.10. at Iowa
27.10. Illinois
3.11. Michigan State
10.11. at Indiana
17.11. Ohio State
24.11. at Penn State

Mit Texas gleich einen Kracher zu Beginn, ansonsten ein recht klassischer Big Ten Schedule.

Wichtige Abgänge: U.a. WR D.J. Moore, LB Jermaine Carter, CB J.C. Jackson

 

Die Causa DJ Durkin / Rick Court

Auch hier muss ich in Anbetracht des aktuellen Skandals um HC DJ Durkin ein paar einleitende Worte vorwegschicken. Durkin und ein Teil seines Staffs sind momentan auf „paid administrative leave“, da die Universität Untersuchungen anstellt über Misshandlungen der Spieler und eine „toxic culture“ rund um Marylands Footballteam. Auslöser war der tragische Tod von OL Jordan McNair, auf den Berichte über gruselige Bestrafungs- und Einschüchterungsrituale seitens des Coaching Staffs folgten.
Wer es nicht mitbekommen hat: McNair wurde am 29. Mai nach einem Konditionstraining bestehend aus 110 Yard Sprints mit extrem erhöhter Körpertemperatur (106°F – also über 41°C) und Verdacht auf Hitzschlag ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er die letzten Sprints nicht beenden und sich kaum noch eigenständig auf den Beinen halten konnte. Zwei Wochen später stirbt er an den Folgen des Hitzschlags. Kurz darauf engagiert die Universität Maryland einen externen Experten, der diesen Fall genauer evaluieren soll. Die Familie von McNair nimmt sich rechtlichen Beistand und plant eine Klage gegen die Uni. Anfang August nimmt der Fall dann erneut an Fahrt auf. Ein ESPN-Report berichtet über ein vom Staff geschaffenes Umfeld, das auf Angst und Einschüchterung basiert und in dem die Demütigungen, Beleidigungen und erniedrigende Strafen an der Tagesordnung sind – bis hin zum Zwang, so viel zu essen, bis man kotzen muss. Dass in einer solchen Umgebung ein Spieler nochmal mehr als sowieso schon die Signale seines Körpers ignoriert, sollte nicht überraschen.
Einen Tag nach der Veröffentlichung des Artikels wurde Durkin vorerst von seiner Tätigkeit entbunden, ebenso wie Strength & Conditioning Coach Rick Court und drei weitere Coaches, die mit der Trainingsplanung beauftragt waren. Court wurde mittlerweile gefeuert, bei Durkin laufen die Untersuchungen noch. Ich hoffe, dass er so schnell keine Spieler mehr trainieren wird können. Wer so wenig Selbstbewusstsein hat, dass er seine Coaching-Strategien auf Unterdrückung und Misshandlung aufbauen muss, hat im Umgang mit jungen Menschen grundsätzlich nichts verloren. Mittlerweile haben ja auch einige ehemalige Spieler von Durkin, unter anderem Jabrill Peppers, (wenngleich vorsichtige) Statements gegeben, dass sein Coaching schon länger auf Bully-Aspekten basiert.
Ich weiß, dass eine solch militärisch anmutende, überhaupt nicht mehr zeitgemäße Drill-Kultur in mehr Locker Rooms an der Tagesordnung ist, als man annehmen würde. Hier gilt für mich ähnliches wie im Fall Meyer: Es wird Zeit, dass derartige Ansätze, aber auch derartige Coaches ein- für allemal aus dem Sport verschwinden – oder notfalls eben entfernt werden. Eigentlich gehören solche Leute in den Knast. Bevor ich hier weiter aushole, möchte ich einen Kommentar verlinken, der mir in vielen Punkten aus der Seele gesprochen hat: Fuck these Motherfuckers

Nun zu den Terps, bei denen momentan der neuverpflichtete, extrem kreative OC Matt Canada nach seinem gescheiterten Stint als OC von LSU den Interimscoach gibt. Neben der Implementierung seines speziellen Systems, das auf sehr vielen Shifts und Pre-Snap Motions besteht, ist die vordringlichste Aufgabe wohl die Entscheidung für einen starting Quarterback. 2017 waren die Terps diesbezüglich von einer beinahe beispiellosen Pechsträhne verfolgt. Starter Tyrell Pigrome riss sich nach drei Vierteln im spektakulären Auftaktsieg bei den Texas Longhorns das Kreuzband. Dadurch kam der hochgelobte true Freshman Kasim Hill schneller als erwartet zu seinem Debüt. Hill übertraf Pigromes Leistung fast noch, im zweiten Spiel riss ihm aber ebenfalls das Kreuzband. Dadurch musste der 3rd stringer, Ex-Buffalo Commit Max Bortenschlager, ran und spielte einen Großteil der Saison (51,9%, 1313 Yards, 10 TDs, 5 INTs), später musste auch er musste verletzungsbedingt zwei Spiele passen, wodurch 4th stringer und Air Force-Transfer Ryan Brand sich dann u.a. mit Michigans Defense messen ‚durfte‘. Insgesamt also eine verlorene Saison für die Terps trotz einiger vielversprechender Ansätze. Pigrome, Hill und Bortenschlager befinden sich aktuell in einem Dreikampf um den QB Spot, wobei ich Hill aufgrund seiner enormen Upside als Passer vorn sehe. Pigrome ist extrem undersized und eher ein run-first dual-threat.
Die O-Line ist extrem erfahren (4 Seniors, 1 Junior, alle starteten bereits letztes Jahr). Big LT Derwin Gray ist ein echter Mauler, der Pro Potenzial haben soll. Auch auf der RB-Position ändert sich nichts: Ty Johnson  (875 Rush, 6,4 Y/A, 5 TDs, 1 rec TD) ist aufgrund seines Speeds eine dauernde Big Play-Waffe, der es allerdings noch ein wenig am Verständnis für die Nuancen der Position fehlt. Sein Backup ist der kleinere Lorenzo Harrison (622 Rush, 4,5 Y/A, 3 TDs). Im Laufspiel sollte es durch die Kontinuität von Runnern und O-Line zumindest keine Verschlechterung geben.
Im Passspiel muss Star-WR D.J. Moore ersetzt werden. Hoffnungen ruhen vor allem auf dem Utah State-Transfer Rayshad Lewis, ein kleiner flinker Receiver, der gut mit dem Ball in seinen Händen ist. Neben ihm und Sr. Taivon Jacobs (47-553-5) muss sich der eine oder andere jüngere Receiver erst beweisen. Insgesamt ist diese Offense schwer einzuschätzen, könnte aber mit der Expertise von Matt Canada durchaus brauchbare Zahlen aufs Board bringen.

Die Defense war 2017 eine große Baustelle, nach abgegebenen Punkten eine der zehn schlechtesten der FBS. Insbesondere der fehlende Passrush machte sich in allen Mannschaftsteilen deutlich bemerkbar. Doch hier naht gleich doppelte Hoffnung: Der vielleicht beste Defender der Terps, EDGE Jesse Aniebonam, der ebenfalls nach einer Verletzung im ersten Saisonspiel 2017 für den Rest des Jahres ausfiel, kehrt zurück. Zudem gelang den Terps ein Coup mit DE Byron Cowart: Der #1 overall Recruit des Jahres 2015, der seinerzeit nach einem engen Battle bei Auburn landete, dort aber vor allem wegen Verletzungen nicht richtig in Fahrt kam, entschied sich nach einem Jahr JUCO für Maryland. Sollten diese beiden fit sein, würde die Defense instantan ein riesiges Upgrade erfahren. Auf der LB-Position wird der flexible Jermaine Carter vermisst, hier ist mir bisher niemand besonders ins Auge gesprungen. Beachten sollte man unbedingt die beiden Safeties: Antoine Brooks (77 TT, 9,5 TFL, 2 INTs) ist ein All Big Ten-Kandidat, variabel einsetzbar zwischen Box und Nickel-DB, guter Tackler, auch aggressiv gen Line of Scrimmage unterwegs. FS Darnell Savage (8 PD, 3 INTs, 1 TD) ist etwas undersized und eher der klassische Centerfielder. Nach dem Abgang von J.C. Jackson sind die Corners eher Mittelmaß, Hoffnungen ruhen hier vor allem auf dem FSU-Transfer Marcus Lewis.
Bemerkenswert in punkto Special Teams: Nach den S&P+-Ratings belegten die Terps-STs Platz 130 von 130 FBS-Teams. Hier scheint einiges im Argen zu liegen.

Fazit: Den Terps steht eine schwierige Saison bevor. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Durkin zu halten ist – wohlgemerkt vollkommen zu recht. Mit Matt Canada steht einer der besten OCs des Landes als Interims-HC bereit, dennoch hat sich ein solcher Turmoil kurz vor der Saison selten gut auf die Leistung eines Teams ausgewirkt, erst recht eines sowieso schon eher unterdurchschnittlichen. Insofern erwarte ich von Maryland diese Saison erst einmal sehr wenig, lasse mich aber gern überraschen.

 

 

6 Gedanken zu „Preview: Big Ten East 2018

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