Preview: Mid-American Conference 2018

Ich weiß, ich weiß: Mit einem Preview der MAC locke ich in der Regel niemanden hinterm Ofen hervor – insbesondere, wenn ich außer der Big Ten keine weitere Power 5-Conference genauer vorstelle (Skandal!). Mir ist diese Conference in den letzten knapp 15 Jahren aber derart ans Herz gewachsen, dass ich die diesbezüglichen Wünsche der Leserschaft geflissentlich ignoriere. Um eventuell ein wenig Neugierde zu wecken, werde ich nebenbei einige potenzielle Draft Prospects näher erwähnen.

 

MAC East

Ist es endlich soweit, dass die MAC East mit der MAC West qualitativ zumindest mal gleichzieht? Zwar gewann der Sieger der East seit 2006 immerhin 4 der 12 Championship Games, darunter waren aber zwei ausgemachte Sensationen (Buffalo 2008, Miami 2010) und eine weitere Überraschung (Bowling Green 2013). Unabhängig vom Championship Game ist die MAC West seit Jahren einfach deutlich stärker und umkämpfter. Diese Saison ist der Qualitätsunterschied zwischen den beiden Divisions vielleicht so klein wie seit den Zeiten von Seriensieger Marshall (u.a. mit Chad Pennington, Byron Leftwich und Randy Moss) nicht mehr – wenngleich der Unterschied in der Qualität der schlechteren Programme der East und der West immer noch spürbar ist. Die Spitzenteams sind aber näher zusammengerückt.
Im Gegensatz zur Big Ten Preview beginne ich hier mit den Favoriten und arbeite mich sukzessive nach unten durch (da die Bottom Feeder der MAC wahrscheinlich für die wenigsten interessant sein dürften).

 

Ohio Bobcats

(Bilanz 2017: 9-4 (5-3), 2nd MAC East, Sieg im Bahamas Bowl vs. UAB)

Wie die Bobcats in der letzten Saison nicht die MAC East gewinnen konnten, ist ihnen wahrscheinlich bis heute nicht ganz klar. Im entscheidenden Spiel um die Divisionskrone verlor man gegen ein qualitativ deutlich schlechteres Akron unter anderem aufgrund einer Menge von Turnovern und weiteren Unkonzentriertheiten. Ein derart gutes Team hatte der Ex-Nebraska- und mittlerweile langjährige Bobcats-HC Frank Solich lange nicht mehr zusammen. Und obwohl es einige entscheidende Abgänge zu verschmerzen gibt, dürfte Ohio zu den ganz heißen Kandidaten auf den Gewinn der MAC zählen. Auf diesen Triumph wartet Solich auch im 14. Jahr noch (trotz 4 Teilnahmen am Championship Game).

Die Offense wird angeführt von dual-threat Jr. QB Nathan Rourke, der 2017 quasi aus dem Nichts kam und der Bobcats-O eine völlig neue Dimension verlieh. Rourke ist ein hervorragender Option-QB (etwas, auf das Solich seit seiner Huskers-Zeit nur selten bauen konnte) und als Passer nicht so limitiert wie erwartet. Vor allem gelang es ihm über weite Strecken der Saison, Fehler zu vermeiden. Wie bei vielen Option-QBs sollte man jedoch vermeiden, ihn dauerhaft in eindeutige Passsituationen zu manövrieren. Im Backfield steht weiterhin der solide Sr. Workhorse-RB AJ Ouellette, allerdings muss der zweite Mann Dorian Brown ersetzt werden. Die O-Line wartet mit einer starken linken Seite, Sr. LT Joe Lowery und Sr. OG Joe Anderson auf, dürfte trotz des Abgangs von Jake Pruehs insgesamt zu den besten der MAC gehören. Bei den WR kehrt ebenfalls eine Menge Erfahrung zurück. Sr. Slot Papi White, ein ehemaliger RB, ist ein kleiner Geheimtipp von mir, den ich hier auf dem Blog schon mehrfach angepriesen habe. Hat sich in den Nuancen des WR-Plays deutlich verbessert und könnte Pro Potenzial haben. Sr. Andrew Meyer ist eine solide Anspielstation außen. Insgesamt sollte diese Offense aufgrund von Erfahrung und Eingespieltheit von Beginn an gut funktionieren.

DC Jimmy Burrow, langjähriger Gefährte von Solich, hat in den letzten zwei Saisons in der Front 7 einen Haufen Schlüsselspieler verloren (DE Tarell Basham, LBs Blair Brown, Quentin Poling und Chad Moore). In seinem 4-3 System hängt insbesondere von den Linebackern einiges ab, die aggressiv und gen Line of Scrimmage agieren und das gegnerische Running Game früh unterbinden sollen. Erfahrenster Mann ist nun OLB Evan Croutch, der bereits 2017 die Rolle von Blair Brown übernehmen musste. In der D-Line müssen einige Abgänge kompensiert werden, aber da letztes Jahr viel rotiert wurde, haben die Starterkandidaten bereits einige Spielzeit sammeln können.
In der Secondary ist dagegen viel Erfahrung vorhanden, insbesondere auf Safety: Jr. SS Javon Hagan war vor zwei Saisons MAC Freshman of the Year, ein physischer Typ mit guter Größe und sehr sicherem Tackling.  Auch Sr. FS Kylan Nelson und Sr. CB Jalen Fox zählen zu den besseren in der MAC.
Mit Louie Zervos verfügt man zudem über einen der besten Kicker der MAC.

Fazit: Wenn die kleineren Fragezeichen in der Defense gelöst werden, dürften die Bobcats das vielleicht kompletteste Team der Liga sein. Jahrelang profitierten sie von gutem Coaching und opportunistischer Spielweise, aber 2018 haben sie dazu auch noch das Talent, das ihnen gerade in der Offense lange abging.

 

Buffalo Bulls

(Bilanz 2017: 6-6 (4-4), 3rd MAC East)

Es ist für mich immer noch komplett unverständlich, warum die Bulls als eines von drei 6-6-Teams keine Einladung zu einem Bowl bekamen: eine explosive Offense mit mindestens einem künftigen NFL-Spieler, mehrere äußerst knappe Niederlagen (u.a. der 7-Overtime-Loss gegen Western Michigan und zwei weitere mit nur einem Punkt), dazu in der Mitte der Saison so sehr von QB-Verletzungen gebeutelt, dass der 3rd string true Freshman spielen musste. Kein anderes 6-6 Team hätte es mehr verdient. Aber wie ich im Dezember schon schrieb: Solange das als Motivationsspritze für die 2018er Saison herhält, soll es mir recht sein. Klar ist: Ein solch talentiertes Team gab es in der Ära von HC Lance Leipold noch nicht.

Mit Jr. Tyree Jackson haben die Bulls eine rohen, hochtalentierten dual-threat Quarterback, der einen interessanten Saisonverlauf hinter sich hatte. In den ersten Spielen agierte er solide, bis er eine Knieverletzung erlitt. Sein Backup Drew Anderson spielte (bis zu seiner eigenen Verletzung) absolut phänomenal, einen solchen Gunslinger hatte ich in Buffalo noch nie gesehen. Als Jackson zurückkehrte, war er bewegungstechnisch eingeschränkt, so dass er sich mehr aufs Passen verlegen musste. Und siehe da, auf einmal liefs richtig rund! Jackson hat einen extrem starken Arm, ist in Sachen Mechanics und Footwork aber noch klar verbesserungswürdig. Mit einem starken Jahr könnte er auf den Notizblöcken der Scouts landen. Anderson ist leider transferiert.
Von Buffalos Offense kann man nicht reden bzw. schreiben, ohne WR Anthony Johnson prominent hervorzuheben. Selten schlug ein Spieler (dazu noch ein JUCO) derart spektakulär ein. Nach wenigen Spielen widmete ich ihm ein Segment in Don’t sleep on…, was er im weiteren Verlauf der Saison mehr als bestätigte. Ich möchte die Lobeshymnen nicht wiederholen, aber wer sich mit der Draft 2019 beschäftigt, wird an Johnson nicht vorbeikommen: physischer, kräftiger WR mit sehr sicheren Händen (gerade bei contested Catches/Sideline Catches) und genug Speed, um auch deep Gefahr auszustrahlen. Seinerzeit gab es noch gar keine Clips von ihm, mittlerweile natürlich schon. Wer mal schauen will:

Auch abseits von Johnson ist das Receiving Corps mit Slot/RS K.J. Osborn und dem schnellen Antonio Nunn gut aufgestellt, dazu erwarte ich einiges von Wisconsin Grad Transfer George Rushing. TE Tyler Mabry ist eine vielversprechende Receiving-Waffe (und kein schlechter Blocker).
Auf RB duellieren sich Sr. Johnathan Hawkins und Jr. Emmanuel Reed um den Starterposten. Beide haben bisher aber nicht die Qualität zeigen können, die man in Buffalo im letzten Jahrzehnt von seinen Runnern gewohnt war. Reed ist trotz seiner geringen Größe ein etwas unkreativer Inside Power Runner, Hawkins hat etwas mehr Wiggle, aber auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Die erfahrene und für Mid-Major recht schwere O-Line sollte dagegen eine klare Stärke der Bulls Offense darstellen und hat mit James O’Hagan zudem einen exzellenten Center zu bieten. Rutgers Transfer OG Jacquis Webb bringt mit seinen 6’6, 359 (!) weiteren Beef.
Diese Offense ist die explosivste der MAC East, eventuell sogar der gesamten MAC.

Seit der Ankunft von Leipold und seinem DC Brian Borland spielen die Bulls eine sehr unspektakuläre 4-3, die in der Tendenz eher risikolos agiert und Big Plays vermeiden will. Dies geht leider (zu) oft zu Ungunsten des Passrushs. Noch größeres Problem war 2017 aber eindeutig die Run Defense. Es wird erneut viel auf DE Chuck Harris ankommen, ein prototypischer 4-3 DE mit sehr guten Qualitäten gegen den Lauf, aber durchaus auch dem einen oder anderen effizienten Passrush. Für inside Pressure könnten JUCO Atunaisa Vainikolo oder Sr. Justin Brandon sorgen, hier fehlt allerdings ein wenig Masse gegen den Lauf.
So oder so, alles in der Bulls Defense dreht sich um den fantastischen MLB Khalil Hodge. Auch ihn stellte ich bereits ein wenig näher vor. Die kommende Saison widmet er seinem Bruder Kadeem, der einen Tag, nachdem die Bulls von ihrer Nichtteilnahme an der Bowl Season erfuhren, ermordet wurde. Wen die Geschichte von Kadeem und Khalil interessiert, dem lege ich diesen Artikel wärmstens ans Herz. Hodge ist eine Tacklemaschine, ein absoluter Ausnahme-LB, dazu unterschätzt in Zone Coverage. Wird nächste Saison mit Sicherheit in der NFL spielen.
Die Secondary ist zweischneidig zu beurteilen. Cornerback ist eine sehr tiefe Position: Sr. Cam Lewis ist ein hervorragender Man Cover Corner, und Sr. Brandon Williams ist mehr als solide. Williams wird nun allerdings auf Safety wechseln, um die dortigen Probleme zu minimieren. CB-Depth ist nämlich reichlich vorhanden mit Tatum Slack (der sich jedoch zu viele Penaltys leistet) und JUCO Devon Russell. Dagegen müssen die beiden überdurchschnittlichen Safeties Avery Williamson und Tim Roberts ersetzt werden. Hier wird auch einiges von JUCO Joey Banks abhängen. Wie aus dieser unvollständigen Auflistung bereits ersichtlich wird, hat Leipold sein Team mit einigen JUCOs aufgepeppt.

Fazit: Mit Jackson, Johnson und einer erfahrenen O-Line in der Offensive sowie Hodge und den Senior CBs in der Defensive kann das Motto der Bulls nur lauten: Jetzt oder nie! Der Spielplan ist nicht überhart, wenngleich man zu Ohio sowie zu Toledo im Interconference muss. Könnte ein enger Kampf zwischen den Bobcats und den Bulls werden, wobei erstere leicht favorisiert sein dürften. Und ich bin so heiß wie lange nicht mehr auf eine UB-Saison. Horns up!

 

Ohio und Buffalo sehe ich aktuell eine Ecke vor den anderen MAC East-Teams, was nicht heißen soll, dass diese nicht doch überraschen können. Erfahrungsgemäß ist die East oftmals eine Wundertüte, wie man unter anderem am letzten Jahr sehen konnte.

 

Miami (OH) RedHawks

(Bilanz 2017: 5-7 (4-4), 4th MAC East)

HC Chuck Martin hat die RedHawks nach einigen fürchterlichen Jahren wieder halbwegs auf Kurs gebracht. Allerdings gab es nach der sensationellen Bowlteilnahme 2016 (6-6 Bilanz nach 0-6 Start) in der letzten Saison trotz nicht untalentiertem Team einen kleinen Rückschritt mit nur 5 Siegen zu verzeichnen. Wie auch bei den Bulls wäre deutlich mehr drin gewesen, wenn die RedHawks nicht derart viele enge Spiele verloren hätten.

Die Offense dürfte erneut angeführt werden von QB Gus Ragland, ein undersized Gunslinger, der gegenüber 2016 doch deutlich nachließ. Seine Runner, Alonzo Smith und der kleine Kenny Young, sind unspektakulär, aber solide. Die O-Line kehr komplett zurück, war letztes Jahr von Verletzungen gebeutelt. Stärke ist die linke Seite mit LT Jordan Rigg und LG Sam McCollum. Bei den Receivern gibt es einen Star und jede Menge Fragezeichen: James Gardner ist der wohl beste Offensivspieler der RedHawks: groß, kräftig und trotz mäßiger Quickness und Speed mit 19,8 Yards/Catch eine Downfield-Waffe. Spezialität: Sideline Catches. Erinnert diesbezüglich ein wenig an den ehemaligen MAC-Star Tajae Sharpe (wenngleich mit weniger Athletik ausgestattet). Neben ihm mangelt es an Depth und Erfahrung. HC Martin setzt im Recruiting recht zielgerichtet auf sehr große Targets, mal schauen, wer sich da im Laufe der Saison in den Vordergrund spielen kann. Insgesamt ist die Offense solide, aber sicherlich nicht ganz so hochpreisig wie die der beiden bereits vorgestellten Teams.

Die RedHawks 4-3 Defense verlor zwar mit CB Heath Harding ihren besten Spieler und weist eventuell nicht die große Menge an NFL-Prospects auf, besticht aber durch Erfahrung und Eingespieltheit. 8 der 11 Starter sind Seniors (dazu kommen zwei Juniors), die fast alle bereits letzte Saison starteten und gemeinsam statistisch einen enormen Sprung machten. Sollte eine der besten MAC-Units werden. Key player sind der disruptive DT Doug Costin, MLB Junior McMullen, CB Deondre Daniels und S De’Andre Montgomery. Bester Spieler dürfte der aggressive OLB Brad Koenig sein, der mir letztes Jahr sehr gut gefallen hat. Gute Range, sicherer Tackler gegen den Lauf, immer wieder mit wichtigen Stops. Die Secondary, 2017 die größte Stärke des Teams, muss beweisen, dass sie die Abgänge gut verkraftet hat.

Fazit: Von außen betrachtet sind die RedHawks ein eher unspektakuläres Team, aber das muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein. Gelingt der Offense etwas Konstanz, könnte die Defense dafür sorgen, dass die RedHawks überraschen.

 

Akron Zips

(Bilanz 2017: 7-7 (6-2), 1st MAC East, Niederlage im MAC CG vs. Toledo, Niederlage im Boca Raton Bowl vs. FAU).

Mit einigen knappen Siegen und einem Coup gegen ein an jenem Tag fehlerbehaftetes Ohio gelang es den Zips von HC Terry Bowden, überraschend die MAC East zu gewinnen. Die beiden heftigen Niederlagen im Championship Game gegen Toledo und im Bowl gegen Florida Atlantic verdeutlichten, was man schon zuvor ahnte: Das Talentlevel gehörte nicht zu den besten der Conference. Manchmal muss man aber einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und diese Chance nutzen.

Dieses Jahr wartet gerade in sowieso schon mäßigen Offense noch einmal mehr Arbeit auf Bowden und Co. Zwar kristallisierte sich im Laufe der letzten Saison Fr. QB Kato Nelson als auch zukünftiger Starter heraus, doch hat der mobile dual-threat zum einen in Sachen Passing noch einiges an Nachholbedarf, zum anderen fehlt es ihm an Unterstützung. Das bereits 2017 fürchterliche Running Game dürfte nominell zu den depthmäßig schlechtesten Units der MAC gehören. Lediglich auf Deltron Sands ruht ein wenig Hoffnung, allerdings fiel er nach vielversprechenden Ansätzen für einen Großteil der Saison aus und laborierte noch im Frühjahr unter den Folgen der Knöchelverletzung. O-Line und Receiving Corps müssen ebenfalls neuformiert werden. Einzig der Mini-Speedster Kwadarrius Smith vermittelt Explosivität. Da Akron eine Spread mit häufig vier Receivern spielt, müssten einige junge Spieler überraschen, damit diese Offense ansatzweise passabel punkten kann.

Der größte Verlust der Defense ist zweifelsohne DC Chuck Amato. Der langjährige Florida State-Assistant entschied sich mit 71 Jahren seine Coaching-Karriere zu beenden. Die beiden vorigen Position Coaches Todd Stroud und Joe Tresey versuchen den schillernden Amato nun gemeinsam zu ersetzen. Glücklicherweise haben sie einige talentierte Spieler, die den Verlust in Grenzen halten könnten. Angefangen mit dem undersized Passrusher Jamal Davis, der 2017 zwar nur 2 Sacks, aber hervorragende 15,5 TFL verbuchen konnte. Herz der Defense ist (ebenfalls undersized) LB Ulysees Gilbert, den ich hier bereits mehrfach vorstellte. Der direkte Nachfolger vom heutigen Chargers-LB Jatavis Brown ist ein ähnlicher do-it-all OLB, der vom (designierten) Passrush bis zu Coverage-Aufgaben überall auf dem Feld eingesetzt werden kann und aufgrund von Athletik und Play Recognition an beinahe jedem Tackle beteiligt ist. Glaube weiterhin, dass er für die Pros interessant sein könnte. Der Rest des LB-Corps um Brian Bell ist ebenfalls gut aufgestellt. Auch in der Secondary sollte es wenig Probleme geben, gerade die Safety-Position ist extrem tief besetzt mit vier potenziellen Startern, u.a. Mini-FS Alvin Davis, ein in Anbetracht seiner Statur faszinierender Tackler. Gemeinsam mit den Cornerbacks um Kyron Brown dürfte die Secondary eine der besten der MAC sein. Wenn der Passrush einigermaßen sitzt und die neuen DCs das Team erreichen, könnte die eine oder andere MAC-Offense vor Problemen stehen.

Fazit: Erfahrene, senior-laden Defense mit einigen potenziellen Stars, aber eine der nominell schlechtesten Offenses der FBS – was macht man daraus? Häufig wirkt sich ein derart krasses Ungleichgewicht eher negativ auf den Record aus. Eine Wiederholung des MAC East-Sieges halte ich für beinahe ausgeschlossen, und auch eine Bowlteilnahme wird eher schwer zu erreichen sein.

 

Bowling Green State Falcons

(Bilanz 2017: 2-10 (2-6), 5th MAC East)

Das ging schnell! Noch 2015 verzückte BGSU unter HC Dino Babers mit einer spektakulären no-huddle Air Raid-Offense um QB Matt Johnson und ein dynamisches WR-Corps mit dem überragenden Roger Lewis. In den letzten beiden Saisons schmierten die Falcons aber völlig ab. Die Offense war unter dem neuen HC Mike Jinks kaum wiederzuerkennen, obwohl auch er ein Verfechter eines (wenngleich anderen ) Air Raid-Systems ist. Und die Defense schenkte noch munterer als zuvor Punkte in Massen her.

Zumindest für die Offense ist ein leichter Aufwärtstrend zu prognostizieren. Gegen Ende der 2017er Saison lief es mit true Fr. QB Jarret Doege, Bruder von Texas Techs Spread-QB Seth Doege, deutlich besser. Shifty RB Andrew Clair machte auf mich einen hervorragenden Eindruck, von ihm erwarte ich einiges. Der kleine wendige Slot WR Scott Miller dürfte die beste Waffe im Passspiel sein, insbesondere da die BGSU-Offense stärker als früher auf die Einbindung der Slot-WR baut. Sportlich betrachtet bitter, wenngleich überaus nachvollziehbar, ist der Rausschmiss von Outside WR Datrin Guyton, einem der wenigen Lichtblicke des letzten Jahres. Von dem großen So. Quintin Morris wird intern einiges erwartet, er könnte die Lücke von Guyton schießen. Die Falcons haben in den letzten Jahren einige 3-star WRs recruitet, und deren Impact wird schon in diese Saison dringend nötig sein, da Depth kaum vorhanden ist.

In der Defense ruhen die Hoffnungen auf dem neuen DC Carl Pelini. Der Bruder von Bo sowie dessen langjähriger DC bei Nebraska und Youngstown State, lässt eine sehr komplexe, mehr auf Assignments als auf Pressure beruhende 4-3 spielen, für die ich ein wenig Anpassungszeit erwarte – ganz davon abgesehen, dass das Talentlevel in der Falcons Defense eh nicht besonders hoch ist. Die Run Defense war eine einzige Katastrophe. Zudem fällt der beste Passrusher, DE David Konowalski, mit Achillessehnenriss für die kommende Saison aus.  Bester Spieler ist wohl der vielseitige OLB Brandon Harris. In der Secondary ist einiges an Erfahrung vorhanden, leider lässt dies nicht zwangsläufig auf Qualität schließen, SS Fred Garth eventuell ausgenommen. Aber da Pelini ein DB-Spezialist ist, prognostiziere ich hier die schnellsten Verbesserungen. Die Depth Chart könnte im Verlauf der Saison jedoch starken Veränderungen unterworfen sein, je nachdem, wie sich die für MAC-Verhältnisse hohen Recruits entwickeln.
In den STs verloren die Falcons ihren vielleicht besten Spieler des letzten Jahres, P Joe Davidson.

Fazit: In der Offense erwarte ich einen Sprung nach vorne, allerdings wird mit so einer Defense auch in der MAC kein Blumentopf zu gewinnen sein – es sei denn, Pelini überrascht mich komplett. 2019 könnte mit BGSU zu rechnen sein, 2018 ist noch (mindestens) ein Jahr zu früh. Fraglich ist, wieviel Zeit Jinks überhaupt noch zugestanden wird.

 

Kent State Golden Flashes

(Bilanz 2017: 2-10 (1-7), 6th MAC East)

Ich sage sowas selten, aber unter ihrem ehemaligen HC Paul Haynes war die Offense der Flashes eine absolute Katastrophe. In seinen fünf Jahren gehörte sie nur einmal punktemäßig nicht zu den 10 schlechtesten Offenses des Landes und erreichte dreimal einen „Podiumsplatz“ in dieser wenig begehrten Disziplin – so auch in der vergangenen Saison mit der zweitschlechtesten Punkteausbeute der 130 FBS-Teams. Nur in einem Spiel gegen einen FBS-Gegner wurden mehr als 20 Punkte erzielt. Solch gruselige Statistiken könnte ich noch massenhaft anführen, macht allerdings wenig Sinn, da ein neuer Coaching Staff für Verbesserung sorgen soll: Der erst 31jährige HC Sean Lewis, immerhin schon ein paar Jahre Assistent von Dino Babers, aber wenn man ehrlich ist für Kent State allerhöchstens die C-Lösung, soll die Offense auf Vordermann bringen. Die Flashes sind eines der historisch schlechtesten Teams der FBS mit nur zwei Bowl-Teilnahmen in seiner Geschichte und zwei Winning Seasons in den letzten 30 Jahren. Lewis recruitete allerdings aggressiv eine der besseren MAC-Classes 2017 zusammen mit 8 three-stars, in Anbetracht der kurzen Zeit nach seiner Verpflichtung eine erstaunliche Leistung.

Auf QB gibt es ein immer noch nicht entschiedenes Duell zwischen dem letztjährigen part-time starter, So. Dustin Crum, und dem ehemaligen Auburn-Commit und JUCO-Transfer Woody Barrett. Beide sind dual-threat QBs, die sich an eine high-octane Passing Offense gewöhnen müssen. Auch sonst wird bei dem Wechsel von einer runorientierten Offense mit Option-Elementen kein Stein auf dem anderen bleiben, weswegen ich mich hier etwaigen Spekulationen enthalte und erst einmal abwarte.

Lewis nahm Babers Assistant Coach Tom Kaufman als neuen DC mit nach Kent. Er kann auf deutlich mehr bereits vorhandenes Talent zurückgreifen. Die Flashes Defense war in den vergangenen Jahren durchaus passabel, was man aufgrund der anämischen Offense aber kaum wahrnahm. Muss äußerst frustrierend gewesen sein, sich dauerhaft für nichts den Arsch aufzureißen. Von All-MAC CB Demetrius Monday abgesehen kehrt ein Großteil der Starter von 2017 und muss nun ein neues Scheme verinnerlichen (wohl ein 4-3/Base-Nickel Hybrid mit mehr Fokus auf Big Play Prevention). Passrusher Nick Faulkner muss endlich einmal gesund bleiben, gerade da die D-Line die unerfahrenste Unit ist. Auf Linebacker hat man mit OLB Jim Jones einen vielseitigen Mann, als Blitzer gefährlich, der in einem miesen Team leider völlig unterging. Die CBs Jamal Parker und Elvin Hines sollten okay sein. Wie in der Offense wird es hier in Anbetracht des neuen Coaching Staffs sicherlich noch zu einigen Veränderungen kommen.
P Derek Adams ist der vielleicht beste Punter der MAC und wird sicherlich einiges zu tun bekommen.

Fazit: Für 2018 ist außer Rebuilding, Scheme-Implementierung und Evaluierung nichts zu erwarten.

 

MAC West

In der West Division tummeln sich die traditionellen MAC-Schwergewichte mit Northern Illinois, Toledo, Western Michigan und Central Michigan, die 8 der 12 letzten MAC Championships gewinnen konnten. Nachdem erst CMU und dann NIU die MAC West lange beherrschten, waren WMU und Toledo in den letzten beiden Jahren siegreich.

 

Toledo Rockets

(Bilanz 2017: 11-3 (7-1), 1st MAC West, Sieg im MAC CG vs. Akron, Niederlage im Dollar General Bowl vs. App State)

The curse is finally broken! Nachdem die Rockets, das beständigste Team der MAC, in den letzten Jahren immer wieder an ihrem Angstgegner Northern Illinois gescheitert waren und 2016 P.J. Flecks ungeschlagenem Western Michigan den Vorzug lassen mussten, gewannen sie 2017 endlich die MAC West – und hatten dann das Glück, im Championship Game nicht auf Ohio zu treffen, die ihnen in der regulären Saison eine ziemliche Abreibung verpasst hatten, sondern auf Akron, das letztlich keine Hürde mehr darstellte. Seit 2004 musste Toledo auf eine Meisterschaft warten. Die anschließende Bowlniederlage fiel da nicht mehr so negativ ins Gewicht. Auch für 2018 ist mit dem Team von HC Jason Candle zu rechnen, wenngleich einige neuralgische Positionen neu besetzt werden müssen.

Allen voran ist hier natürlich der Quarterback zu nennen. Logan Woodside versucht sich nach hervorragender College-Karriere nun in der NFL, und sein Backup Michael Julian ist ebenfalls nicht mehr da. Nach einem engen Duell entschied sich Candle vor wenigen Tagen für Jr. Mitchell Guadagni, der 2017 minimale Spielzeit sah, und gegen So. Eli Peters. 2018er 4-star Sensations-Recruit Carter Bradley spielte noch keine Rolle. Wer auch immer den Quarterback gibt, kann aus dem vollen Talentpool der Rockets Skillplayer schöpfen. Trotz des Abgangs von Terry Swanson ist die RB-Position weiterhin exzellent bestückt. Der letztjährige Fr. Shakif Seymour begeisterte mich mit seinem physischen Running, von ihm erwarte ich einiges. Art Thompkins wird den shifty complementary Back geben, ebenfalls kein schlechter. Geradezu grotesk tief ist die WR-Position. Nachdem der 2016er Star Cody Thompson nach wenigen Spielen ausfiel, übernahm Diontae Johnson seinen Part und legte eine echte Breakout-Saison hin (überzeugte zudem als RS). Beide sind größere WR mit einiger Athletik. Der dritte Mann, Jon’Vea Johnson, ist trotz gelegentlicher Dropsies keinesfalls zu unterschätzen. Toledo bringt als einziges FBS-Team drei Receiver an den Start, die jeder über 1000 Career-Yards Receiving haben und in einer Saison mal mindestens 10 TDs gefangen haben.  Auch wenn Buffalos Anthony Johnson der talentierteste Receiver der MAC ist, stellen die Rockets zweifelsohne das beste Receiving Corps. Fragezeichen bestehen dagegen in der O-Line, wo die beiden hervorragenden OTs Brant Weiss und insb. Elijah Nkansah ersetzt werden müssen. Dennoch: Insgesamt ist die Situation für einen unerfahrenen Quarterback beinahe ideal.

In der variablen Hybrid-Defense von DC Brian George wird Passrush-Ass Ola Adeniyi schmerzhaft vermisst werden, der für einen Großteil der Pressure verantwortlich war. Da die Pressure sonst nicht überbordend war und auch die nächstbesten Rusher nicht mehr an Board sind, müssen hier eventuell ein paar jüngere Spieler in die Bresche springen. Talent und Tiefe sind durch das seit Jahren superbe Recruiting Toledos unzweifelhaft vorhanden. Dennoch: Es müssen sechs Starter ersetzt werden, und anders als in der Offense haben die Backups bislang weniger Spielzeit gesehen. Stärke dürfte momentan eher der innere Teil der Line sein mit DT Nate Childress und DE/DT Reggie Howard. Auf MLB muss Tyler Taafe den 3-year starter Ja‘Wuan Woodley ersetzen, war die letzten beiden Saisons immerhin schon part-time starter. Stärkste und tiefste Unit dürfte die Secondary sein, unter anderem mit den beiden All-Conference-Kandidaten CB Ka’dar Hollman und S Kahlil Robinson. Gerade Robinson überraschte mich 2017 ziemlich: kein physisch besonders imposanter Spieler, aber Nase für den Ball.

Fazit: Zwar sind einige Baustellen zu adressieren, dennoch ist das nachrückende Talentlevel als so gut einzuschätzen, dass Toledo ein heißer Kandidat auf die MAC West-Krone bleibt. In der Offense wird viel davon abhängen, ob der unerfahrene Quarterback Mitchell Guadagni die vielen Difference Maker einbinden kann.

 

Northern Illinois Huskies

(Bilanz 2017: 8-5 (6-2), 3rd MAC West, Niederlage im Quick Lane Bowl vs. Duke)

2017 war eine Bounce-back-Saison für HC Rod Carey und seine Huskies – und das, obwohl wieder einmal der starting Quarterback, in diesem Fall Ryan Graham, früh ausfiel. Über den kurzen Umweg des Backup-QBs Daniel Santacaterina, der immerhin den Sensationssieg gegen Nebraska eintüten konnte, führte dies letztlich zu der Entdeckung des 3rd stringers, true Fr. Marcus Childers, der der zuvor mäßigen Offense einen Schub verlieh und sogar zum MAC Freshman of the Year gekürt wurde.
Childers ist ein dual-threat, ideal für die runlastige Spread-Offense der Huskies geeignet, bei dem eine Weiterentwicklung als Passer sicherlich möglich erscheint. Vor ihm steht die vielleicht beste O-Line der MAC, angeführt vom hervorragenden Passblocker LT Max Scharping, der 2017 wirklich jeden gegnerischen Passsrusher dominierte: für seine Größe sehr gute Beweglichkeit & Footwork, ließ in den letzten beiden Jahren keinen Sack zu. Definitiv Pro Potenzial. C Luke Shively und RT Jordan Steckler, zuvor LG, sind weitere talentierte Liner. Mit dieser Line sollte das Laufspiel weiterhin wie gewohnt funktionieren, obwohl man auf den langjährigen Starter Jordan Huff verzichten muss. Das Receiving Corps ist solide, aber zu bieder. Iowa State Transfer Jauan Wesley soll hier für die Big Plays sorgen, der kleine flinke D.J. Brown nimmt die RB/WR/RS Hybrid-Rolle ein, die Aregeros Turner so lange bekleidete. Insgesamt fehlt es dieser Offense eventuell ein wenig an Explosivität, mit einem variablen Laufspiel und einer dominierenden O-Line könnten die Huskies wie in ihrer Hochzeit vor wenigen Jahren die gegnerischen Defenses ermüden.

Die Defense verlor zwar ein paar Key Player und ihren Coordinator, sollte dennoch auch in diesem Jahr zu den allerbesten der MAC gehören. Der talentierte DC Kevin Kane ging zu SMU und wurde ersetzt durch den LB Coach Jeff Knowles, der ein paar Assistant Coaches austauschte. Große Änderungen sind für diese ultraaggressive Defense jedoch nicht zu erwarten. Alles steht und fällt mit dem undersized Passrush Demon Sr. Sutton Smith, der letzte Saison kaum glaubhafte 30 TFL und 14,5 Sacks erzielte. Smith ist klein und sehr leicht (hat sich mühsam etwas über 220 Pfund angefressen): sehr quick mit einem Arsenal an Counter Moves ausgestattet, wodurch der gegnerische O-Liner niemals sicher sein kann, wohin er sich bewegt. Toller Hustle, gutes Footwork, so macht er seine physischen Defizite mehr als wett. Für die Pros sicherlich sehr schwer zu evaluieren, dieses Jahr wieder einer der besten Passrushers im College. Aber auch Sr. DE Josh Corcoran und Jr. DT Ben Leroy sorgen für ordentlich Pressure. Wohl die beste D-Line der MAC.
Bei den Linebackern müssen zwei absolute Playmaker mit Bobby Jones und leider auch Jawuan Johnson ersetzt werden. Johnson habe ich recht hoch gerankt, er entschied sich jedoch zu einem Grad Transfer zu TCU (wo er mit seinem aggressiven Spielstil und seinen Coverage-Qualitäten hervorragend in die 4-2-5 passt). Die Rückkehr von MLB Kyle Pugh, der die letzte Saison ausfiel, kommt daher zur rechten Zeit, dennoch sind die Linebacker wohl am ehesten die Schwachstelle der Defense. In der Secondary muss man zwar ebenfalls zwei wichtige Spieler ersetzen (CB Shawun Lurry, S Mycial Allen), hat aber mit den Sr. CBs Albert Smalls und Iowa Transfer Jalen Embry guten Ersatz. In den letzten Jahren hat NIU viel Off Coverage gespielt, was mit den größeren physischen Cornern wahrscheinlich fortgeführt wird. Auch S Mykelti Williams ist zu beachten. Insgesamt könnte dies die beste Defense der MAC sein, wenn die Verluste auf LB kompensiert werden können.
Mit Cincinnati Grad Transfer K Andrew Gantz hat man darüber hinaus wohl eine echte Waffe im Kicking.

Fazit: Aggressive, opportunistische Defense und laufbasierte Offense mit soliden Fundamentals: Northern Illinois dürfte um die Divisionskrone ein ernstes Wort mitzureden haben. Paradoxerweise ist eine gute Bilanz dennoch nicht zu erwarten, da die Huskies den wahrscheinlich heftigsten Out of Conference-Schedule der gesamten FBS haben: @ Iowa, vs. Utah, @ Florida State und @ BYU. Puh. Sollte es hier vier Niederlagen geben (was keinesfalls überraschend wäre), müsste man eine Conference-Bilanz von 6-2 erzielen, um überhaupt einen Bowl zu erreichen.

 

Toledo und Western Michigan sind die beiden Favoriten auf den Sieg in der MAC West. Insgesamt ist die Division erneut qualitativ recht tief bestückt, so dass – eventuell mit ein wenig Glück verbunden – auch eines der anderen Teams hier eine Rolle spielen könnte.

 

Western Michigan Broncos

(Bilanz 2017: 6-6 (4-4), 4th MAC West)

Nach dem Abgang von Erfolgscoach P.J. Fleck und jeder Menge Difference Maker in Offense und Defense war letztes Jahr erst einmal eine Gewöhnung an den neuen Coaching Staff um HC Tim Lester angesagt. Die 6-6 Bilanz gibt nicht ganz wieder, wie competitive die Broncos über die Saison hinweg waren. Unerfahrenheit und Verletzungsprobleme auf Quarterback verhinderten einen besseren Record, und genau wie die Bulls gehörten die Broncos zu den wenigen Teams, die mit 6 Siegen von den Bowls verschmäht wurden. Ob 2018 wesentlich mehr zu erwarten ist, muss sich erst zeigen, aber aufgrund des hervorragenden Recruitings von Lester sieht die Zukunft rosig aus.

Gerade als QB Jon Wassink sich an die Geschwindigkeit des College Football-Spiels gewöhnt hatte, verletzte er sich am Schlüsselbein und fiel für den Rest der Saison aus. Ein sicherer, risikoaverser Quarterback mit einiger Mobilität, genau das richtige für die laufdominierte Offense der Broncos. Nach den Abgängen der beiden OTs Taylor Moton und Chukes Okorafor in den letzten beiden Jahren sind die OT-Positionen eher die Fragezeichen, während die interior Line mit C John Keenoy (dem vielleicht besten Center der MAC) sowie den beiden OGs Mike Caliendo und Luke Juriga top besetzt ist. Und auch wenn der statistisch beste RB der Schulgeschichte, Jarvion Franklin, gen NFL abgewandert ist, muss man sich um das Laufspiel keine größeren Sorgen machen. Die beiden übrig gebliebenen Teile des RB-Trios, der kleine Bowlingball Jamauri Bogan, ein unterschätzter Inside Runner mit guter Balance und sehr niedrigem Schwerpunkt, und Speedster LeVante Bellamy sollten in Verbindung mit der interior Line ein hervorragendes Laufspiel abgeben. Auf WR fehlen dagegen die großen Difference Maker, der kleine D’Wayne Eskridge könnte sich dahin entwickeln. In der Hinterhand haben die Broncos einige 3-star Recruits, hier wird man abwarten müssen.

Die Defense von DC Tim Daoust wirkt weniger vielversprechend, weil die Back-7 als die eindeutig stärkeren beiden Units viele Abgänge zu verzeichnen haben. Die D-Line konnte nach dem Abgang von DE/LEO Keion Adams nur wenig Passrush generieren, hier hofft man insbesondere auf Steigerungen von Eric Assoua und Ali Fayad. Auf LB ist der größte Aderlass zu beklagen, da das Trio Robert Spillane, Asantay Brown und Caleb Bailey, drei Jahre lang gemeinsame Starter in der Broncos D, ersetzt werden muss. Und auch die beiden starting CBs, Darius Phillips und Sam Beal (letzterer via Supplemental Draft) stehen nicht mehr zur Verfügung. CB Obbie Jackson und insbesondere die Rückkehr des sichere Tacklers S Justin Tranquill, der letzte Saison fast komplett aussetzen musste, sollen hier für Stabilität sorgen.

Fazit: Eine erfahrene und eingespielte Offense, viele Abgänge in der Defense – schwer zu prognostizieren, wohin die Reise der Broncos gehen wird.

 

Eastern Michigan Eagles

(Bilanz 2017: 5-7 (3-5), 5th MAC West)

Nach der sensationellen Bowlteilnahme 2016 eines der historisch schlechtesten Programme der FBS-Geschichte gab es für HC Chris Creighton und seine Eagles 2017 einen leichten Rückschritt, wenngleich ’nur‘ bezüglich des Records. Allerdings kamen drei der sieben Niederlagen in der Overtime zustande, und in weiteren drei Niederlagen waren es zusammengerechnet gerade mal 10 Punkte Differenz. Es wäre also wesentlich mehr möglich gewesen, mangelte in diversen Spielen aber am Finishing. Immerhin gelang bei Rutgers der erste Sieg jemals gegen ein Power 5-Team.

Die Offense wird ein vollkommen neues Gesicht im Passspiel präsentieren müssen. Three-year Starter QB Brogan Roback und beinahe alle seine Receiver sind weg. Nachfolger wird wahrscheinlich Iowa Grad Transfer Tyler Wiegers, der dort 2017 in einem engen Duell um den QB-Posten Nathan Stanley unterlag. Er muss sich mit einem neuen WR Corps einspielen, das Creighton mit einer Menge JUCOs aufstockte. O-Line und Laufspiel werden dagegen komplett unverändert sein. Alle fünf Starter der Line, darunter All-Conference OG Jimmy Leatiota, sind auch 2018 am Start, ebenso wie die gesamte RB Depth mit dem Grinder Ian Eriksen und dem talentierten Shaq Vann, der endlich einmal frei von Verletzungen bleiben muss.

DC Neal Neathery lässt eine recht kreative 4-2-5/3-3-5 D (mit drei Safeties) spielen, die stark auf Pressure setzt und passend hierfür das wohl beste Passrush-Duo der MAC in ihren Reihen hat. Jr. DE Maxx Crosby (11 Sacks) und Sr. DE/LEO Jeremiah Harris (6,5 Sacks und jede Menge Pressure) sorgten dafür, dass die Eagles in vielen engen Spielen blieben, selbst wenn die Offense nicht wie gewohnt punkten konnte. Beide sind aufgrund ihrer prototypischen Size zudem mehr als passable Runstopper. Dahinter räumt MLB Kyle Rachwal ab. Aufgrund einiger Abgänge hat Creighton auch bei der Front-7 mit einigen JUCOs nachgelegt. Man wird abwarten müssen, wie deren Eingewöhnungszeit ist. Eine weitere Stärke der Defense ist die Safety-Position mit den beiden Strong Safeties/Rovers Vince Calhoun und Brody Hoying, beide stark gegen den Lauf. Hoying machte sich in Ypsilanti mit dem Play des Spiels gegen Rutgers unsterblich:

Fazit: Prunkstück des Teams ist die Defense, die bereits 2017 stark aufspielte und in der die meisten Key Player zurückkehren. Wenn das Passing Game mit QB Wiegers einigermaßen funktioniert und die JUCOs auf beiden Seiten des Balles halbwegs einschlagen, könnten die Eagles überraschen.

 

Central Michigan Chippewas

(Bilanz 2017: 8-5 (6-2), 2nd MAC West, Niederlage im Famous Idaho Potato Bowl vs. Wyoming)

Das Team von HC John Bonamego überraschte in der vergangenen Saison mit 6 Conference Wins, die vielleicht ein wenig über die wahre Stärke der Chips hinwegtäuschen. Auch aufgrund vieler Abgänge ist dieses Jahr wohl zunächst einmal Rebuilding angesagt.

Das Passspiel muss komplett neu aufgezogen werden. Nach dem Abgang von Michigan Grad Transfer Gunslinger QB Shane Morris ernannte Bonamego nun dessen letzjährigen Backup So. QB Tony Poljan zum Starter. Poljan bringt beinahe LB-Size mit und ist ein hervorragender Athlet (verbrachte letzte Saison einige Zeit als Receiver und Move TE!) und angeblich ein größeres QB-Talent. Mal abwarten. Besonders viel Hilfe von seinen Receivern kann er vorerst nicht erwarten. Mit TE Tyler Conklin, WR Corey Willis und WR Mark Chapman, dem #1 overall pick der CFL Draft, sind die drei besten Passempfänger weg, und offensichtlich hat sich keiner der Nachrückenden allzu sehr aufgedrängt, da Bonamego bekanntgab, es zunächst mit einem „WR by committee“ zu probieren, bis sich da die Spreu vom Weizen trennt.
Bester Offensivspieler ist zweifelsohne Jr. RB Jonathan Ward, der wohl beste All-Purpose Back der MAC, der mich letztes Jahr echt begeistert hat. Decisive Slasher mit hervorragenden Receiving Skills. Er wird die Chips Offense auf seinen Schultern tragen müssen. Zur O-Line kann ich wenig beisteuern.

In der 4-3 Defense sind die Verluste quantitativ nicht so einschneidend wie qualitativ. Kein Spieler wird dabei so stark vermisst werden wie undersized Passrush Terror Joe Ostman mit seinen 13 Sacks. Der Rest der D-Line brachte zwar zumindest anständige Pressure zustande (insb. inside mit 3-tech DT Nate Brisson-Fast), die Frage bleibt, wieviel davon mit Ostman zusammenhing. Wichtig ist die Rückkehr der beiden Klasse Linebacker, MLB Malik Fountain und OLB Alex Briones, die in der kommenden Saison als Leader der Defense fungieren müssen. Die Secondary muss die Abgänge der beiden Playmaker CB Amari Coleman und CB/S Josh Cox verkraften. Schade, dass Cox mit seinem hervorragenden Spielverständnis und seiner Nase für Big Plays aufgrund von mangelnder Size und Athletik keinen Shot in der NFL bekommen hat. CB Sean Bunting ist ein vielversprechender Spieler, den man sich eventuell merken sollte.

Fazit: Auf beiden Seiten des Balles steht ein Rebuilding-Jahr an, von daher erwarte ich die Chips eher nicht auf einem der ersten drei Tabellenplätze.

 

Ball State Cardinals

(Bilanz 2017: 2-10 (0-8, 6th MAC West)

Irgendetwas muss HC Mike Neu verbrochen haben. Anders als mit schlechtem Karma kann man das Seuchenjahr der Cardinals kaum erklären. Die Starter auf QB, RB sowie beide WRs waren nach wenigen Wochen raus, später auch der TE, und die O-Line musste beinahe jede Woche mit anderer Besetzung auflaufen. Vier QBs und neun O-Liner starteten im Laufe der Saison. In der Defense sah es nicht viel besser aus. Insofern ist die 2-10 Bilanz nach 2-2 Start nur bedingt aussagekräftig. Und wenn mans für 2018 positiv wenden will: Eine ganze Menge Freshmen hat Erfahrung sammeln können.

Eigentlich ist die Offense gar nicht so schlecht besetzt. Jr. QB Riley Neal hat prototypische Size, vernünftige Mobilität, einen passablen Arm und gute Accuracy. Neben Buffalos Tyree Jackson gilt er als womöglich bester Pro Prospect unter den MAC-QBs. Wie Riley fiel auch Jr. RB James Gilbert, 2016 der vielleicht beste RB der MAC, ab dem dritten Spiel 2017 aus und erhielt ein medical Redshirt. Der kräftigere Caleb Huntley übernahm als true Freshman und war der Lichtblick der Cardinals Offense. Sollten ein hervorragendes Duo abgeben. Der kleine WR Justin Hall, ebenfalls als true Freshman ins kalte Wasser geschmissen, überzeugte mit präzisen Routes im Kurzpassspiel. Hier kommen die verletzten Starter zurück, dazu Nebraska Grad Transfer Keyan Williams. Die O-Line hat ein paar Fragezeichen, dennoch sollte die Offense Anlass zu Hoffnung geben.

Ball States Defense ist schon seit einiger Zeit ziemlich schlecht, die vielen Verletzungen des letzten Jahres gaben ihr dann den Rest. Der mit großem Abstand beste Spieler, Passrush-Ass Brandon Wimbush, spielt nun in der NFL. Zudem stellen die Cardinals für diese Saison auf 3-4 um, um mehr Pressure zu generieren, ein solcher Systemwechsel wird sicherlich auch nicht gleich von Beginn an effektiv funktionieren. Namen, auf die man achten könnte, wären etwa MLB Jacob White und insbesondere der physische und aggressive CB Josh Miller. Der andere CB Mark Walton kommt nach Verletzung zurück. Kann das sicherlich nicht vernünftig einschätzen, aber viel sollte man von der Cardinals-Defense dieses Jahr nicht erwarten.

Fazit: Die Cardinals brauchen noch mindestens eine Saison, um weiter oben mitspielen zu können. Eine gesundete Offense könnte immerhin den einen oder anderen Sieg mehr als 2017 bedeuten.

 

 

Ein Gedanke zu „Preview: Mid-American Conference 2018

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