Vorschau Woche 8: Entscheidungen stehen an…

 

Kracher des Spieltags:

 #16 North Carolina State Wolfpack (5-0) @ #3 Clemson Tigers (6-0)
(21:30 Uhr mitteleuropäische Zeit)

Ein Spiel zweier ungeschlagener Power 5-Teams in Woche 8 – auch noch aus derselben Division (ACC Atlantic) – und niemand redet drüber? Das kann nur am Wolfpack liegen, das bislang eine Saison völlig unter dem Radar spielt, aber eben bisher alles gewonnen hat. Das ist umso erstaunlicher, da das Team von HC Dave Doeren eine riesige Menge Abgänge in die NFL verzeichnen musste. Bislang schlägt sich das diesjährige, auf dem Papier deutlich weniger talentierte Team jedoch hervorragend. Nun wartet mit Clemson im alljährlichen Textile Bowl natürlich nochmal ein ganz anderer Brocken. Und obwohl die Tigers in den Spielen gegen Texas A&M und insbesondere Syracuse doch ein paar Schrecksekunden überstehen mussten, glaubt keiner so recht an eine mögliche Überraschung des Wolfpacks, das Clemson in den letzten Jahren mehrfach am Rand einer Niederlage hatte. 2016 kam Clemson nur wegen eines missed chip-shot FGs bei auslaufender Zeit überhaupt in die Overtime, 2017 entschied eine Interception in Clemsons Red Zone bei auslaufender Uhr die Partie. Dennoch sind die Tigers in den Wettbüros klarer Favorit mit 15,5 Punkten. Zurecht?

Wolfpack Offense vs. Tigers Defense:

NC State spielt eine variable, schnelle, wenngleich eher unspektakuläre Spread-Offense, die ihren Fokus diese Saison eindeutig auf dem Passspiel hat. Das liegt vor allem an QB Ryan Finley (69,5 % Completions, 10 TDs, 3 INTs), mittlerweile in seinem sechsten Jahr College-Football (davon die ersten drei bei Boise State). Finley ist ein hervorragender Game Manager: sehr akkurat und effizient, allerdings nicht mit dem besten Arm ausgestattet, trifft selten dumme Entscheidungen, weiß schnell, wohin er den Ball schicken muss. Typ „gets the job done“. Dazu hat er ein sehr, sehr unterschätztes Receiving Corps: Von WR Kelvin Harmon bin ich schon länger begeistert: großer, kräftiger Receiver, der sich nicht nur auf seine Physis verlässt, sondern ein klasse Route Runner mit Top Breaks (und Burst in&out of it) und sehr sicheren Händen. Harmon gehört zu der Sorte Spieler, über die die ganze Saison zu wenig gesprochen wird, die sich dann im Frühjahr plötzlich die Draftrankings nach oben purzeln. Riser-Kandidat! Auch Jakobi Meyers gefällt mir, ehemaliger Quarterback, eher der Typ Chain Mover. In der Hinterhand hat das Wolfpack mit den beiden jungen Emeka Emezie und Thayer Thomas weitere vielversprechende Anspielstationen.
Leider fällt das Laufspiel bis hierhin doch deutlich ab: Nach den Abgängen von Nyheim Hines und do-it-all Jaylen Samuels ging dem Wolfpack das Laufspiel ziemlich ab, es besteht jedoch etwas Hoffnung, seitdem der kräftige, bislang ineffiziente Reggie Gallaspy zunehmend durch den true Freshman Ricky Person verdrängt wird. Die O-Line musste ebenfalls Aderlass hinnehmen (zwei All-ACC-Spieler von 2017), hat mit C Garrett Bradbury aber einen fantastischen Center zu bieten (beweglich und trotzdem mit Mauler-Attitüde), von dem ich in den letzten Wochen ein paar schöne Plays in die Twitter-Timeline gespült bekommen habe. Bradbury gegen einen der beiden Monster-DTs von Clemson wird das Trenches-Duell der Woche. Auch LT Tyler Jones soll eine gute Saison spielen, werde ich mal drauf achten. Kriegt das Wolfpack das Laufspiel etwas ins Rollen, könnte es gefährlich werden. So oder so sollte NC State auf Kurzpassspiel setzen: Finley muss den Ball möglichst schnell loswerden, um den Einfluss der Clemson D-Line zu minimieren.

Clemsons Defense habe ich schon zu oft vorgestellt (etwa hier), so dass ich jetzt weder Spieler für Spieler durchgehen werde noch das hundertste Loblied auf die D-Line singen werde. Ein paar Trends: 1) DT Christian Wilkins spielt auf einem so unfassbar hohen Niveau, dass ich ihn momentan sogar leicht vor DE Clelin Ferrell einordnen würde (nur die aktuelle Leistung, nicht für die Draft wohlgemerkt). Wilkins hat nicht das athletische Upside, aber hat sich in vielen kleinen Bereichen stark verbessert und bringt gefühlt noch einmal mehr Power in die Kollisionen. Nicht die größten Splash Plays, dafür ein sehr guter Run Defender und hervorragender Tackler inside. 2) Das Linebacking Corps spielt solide, es fehlen allerdings so ein wenig die Big Plays, für die letzte Saison Dorian O’Daniel sorgte. Bin gespannt, ob der vom S zum OLB umfunktionierte Isaiah Simmons verstärkt Aufgaben in der (Zone) Coverage gegen die underneath Receiver übernehmen wird. 3) Das Defensive Backfield hat statistisch sehr wenig zugelassen, was jedoch vor allem an den bisherigen Gegnern lag: u.a. ein FCS-Team (Furman), zweimal Triple Option (Georgia Tech, Georgia Southern) sowie ein wenig explosives  Syracuse. Ganz so stabil habe ich die Secondary bislang nicht gesehen, von daher besteht hier durchaus eine Chance fürs Wolfpack. Wichtig für die Tigers, dass ihr bester CB Trayvon Mullen nach seiner Knöchelverletzung wieder auf dem Damm ist.

Key Matchups:

Wolfpack C Garrett Bradbury vs. Tigers DT Christian Wilkins (oder NT Dexter Lawrence)

Wolfpack LT Tyler Jones vs. Tigers DE Clelin Ferrell

Wolfpack WR Kelvin Harmon vs. Tigers CB Trayvon Mullen

 

Tigers Offense vs. Wolfpack Defense:

Nach der kontroversen Entscheidung von HC Dabo Swinney für den true Fr. QB Trevor Lawrence, dem Abgang von QB Kelly Bryant und der zeitgleichen Verletzung von Lawrence hat sich mittlerweile alles wieder ein wenig beruhigt. Lawrence wird insgesamt noch nicht zu viel aufgebürdet, man verlässt sich vor allem auf das Laufspiel von So. RB Travis Etienne, der eine sensationelle Saison spielt und aus dem RB-Committee eine One-Man-Show gemacht hat (762 Yards, 9,2 Y/A, 11 TDs). Etienne ist für mich mittlerweile ein Darkhorse-Kandidat für die Heisman-Trophy (obwohl da momentan wenig Gefahr für Tua Tagovailoa besteht) und bringt sich neben Jonathan Taylor schon mal als Top-RB für die übernächste Draft ins Gespräch. Burst und Speed waren schon da, mittlerweile ist er auch in Sachen broken Tackles und inside Running so verbessert, dass man von einem absolut kompletten Runner sprechen kann. Vor ihm steht eine sehr erfahrene O-Line um C Justin Falcinelli und LT Mitch Hyatt, als gesamte Unit zeigte sie jedoch einige Male Schwächen.
Der aktuell wohl beste WR Tee Higgins ist angeschlagen und daher noch fraglich, aber hier können die Tigers aus einem vollen Talentpool schöpfen: Hunter Renfrow ist weiter des QBs bester Freund mit seinen punktgenauen Underneath-Routen, und true Fr. Justyn Ross wird immer mehr eingebunden. Wie schonmal erwähnt: Der beste Highschool-Spieler Alabamas, und er entscheidet sich für das Team, das in den letzten Jahren eine große sportliche Rivalität zur Tide aufgebaut hat. Riesiger WR, riesiges Talent.

Auf NC States Defense bin ich sehr neugierig, da ich mich mit ihr in dieser Saison noch wenig beschäftigt habe – und da sie in einigen Units einen kompletten Neuaufbau vornehmen musste. Beginnend ganz vorne: Die komplette 4er D-Line (u.a. mit Start-DE Bradley Chubb) wurde gedraftet. Mittlerweile hat sich Ersatz rausgeschält: der kräftige DE James Smith-Williams und insbesondere 3-tech DT Larrell Murchison (6 TFL, 3,5 Sacks) halten den Druck auf den gegnerischen QB aufrecht. Hinter ihnen – und noch bekannt aus dem vergangenen Jahr – steht mit OLB Germaine Pratt ein vielseitiger Playmaker mit guter Range, der (obwohl OLB) das Wolfpack deutlich in Sachen Tackles anführt. Obwohl die Front-7 nicht mit den größten Namen bestückt ist, funktioniert sie als Ganzes sehr gut gegen den Lauf. Ob das gegen einen Runner wie Etienne anhält, ist natürlich fraglich. Hier wird Pratt in besonderem Maße gefragt sein. Die Pass-Defense ist grundsätzlich deutlich anfälliger, was insofern verwundert, weil NC State viel mit Base-Nickel-Konzepten agiert.
Vorteil der Wolfpack-Defense: eine hervorragende Red Zone-Statistik, also im besten Sinne bend but don’t break. Wenn der Raum enger wird, machen sie dicht und sorgen für den einen oder anderen Turnover. Clemson wird den Ball bewegen können, aber wie sieht es damit aus, Drives erfolgreich in Touchdowns umzumünzen?

Key Matchups:

Tigers RB Travis Etienne vs. Wolfpack OLB Germaine Pratt

Tigers C Justin Falcinelli vs. Wolfpack DT Larrell Murchison

Tigers WR Hunter Renfrow vs. Wolfpack Nickel CB Tanner Ingle (ein true Freshman, das verheißt nichts Gutes!)

Fazit: Auch wenn das Spiel in Clemson steigt: Vorsicht vor dem Wolfpack! Ein unangenehmes, soundes, gut gecoachtes Team, das die Tigers auf gar keinen Fall unterschätzen sollten. Beide Teams hatten vorher eine Bye Week, sind also ausgeruht und gut vorbereitet. Vom Talent her scheint die Sache klar, aber die Stärken und Schwächen von NC States matchen recht gut mit Clemson: das Wolfpack Passing (bzw. ihre WRs) gegen die nicht immer sattelfeste Tigers Secondary, und die starke Wolfpack Run Defense gegen Etienne, den wichtigsten Spieler der Tigers Offense. Von daher erwarte ich ein knapperes Spiel als die Buchmacher. Und wenn die NC State Defense QB Lawrence zu einszwei Fehlern zwingen kann: Wer weiß? Sollte sich Clemson hier wirklich überraschen lassen, wirds aufgrund des leichten Spielplans schon eng mit den Playoffs.

 

#6 Michigan Wolverines (6-1) @ #24 Michigan State Spartans (4-2)
(18:00 Uhr mitteleuropäische Zeit)

Noch 10 Sekunden zu spielen. Michigan führt mit 23-21 und befindet sich knapp in der Hälfte von Michigan State. 4th and 2. Nur noch den Punt wegschlagen, eventuell noch ein Desperation Play der Spartans überleben und den Sieg einstreichen. Dann das:

 

Nach wie vor eines der krassesten und unerwartetsten finalen Plays der letzten Jahre – wie man allein an Sean McDonoughs Stimme merkt, die sich komplett überschlägt. Natürlich war beispielsweise der Kick-Six bedeutender, aber selbst eine Hail Mary oder ein erfolgreiches Lateral Play erlebt man gegen Ende des Spiels öfter als so etwas. Über den Held der Spartans, Backup-DB Jalen Watts-Jackson, hat The Athletic vor kurzem übrigens einen interessanten Artikel veröffentlicht (leider nur für Abonnenten zu lesen: The Search for Life after Football). Unter anderem deswegen interessant, weil er gut beschreibt, wie ein Spieler, der nie im Rampenlicht stand und nie ein Star sein wird, damit umgeht, für die Fans seines Programms durch diesen einen Moment gewissermaßen unsterblich geworden zu sein.
Nun also die nächste Version des lange so ungleichen Bruderduells. Michigan dominierte diese Serie über viele Jahrzehnte – bis zur Ankunft von Michigan States HC Mark Dantonio 2007. In den letzten 10 Jahren konnte Michigan State 8 Spiele für sich entscheiden. Die Wolverines revanchierten sich 2016 zwar für das oben beschriebene Spiel, aber dies blieb der einzige Sieg von HC Jim Harbaugh gegen die Spartans. Und heute? Michigan (4-0 in der Big Ten) muss das Spiel (wie auch alle weiteren) gewinnen, um eine Chance auf den Big Ten East Sieg und die Playoffs zu haben. Michigan State (2-1 in der Big Ten) hat sicherlich keine Chance mehr auf die Playoffs, ist mit einem Sieg allerdings ebenfalls wieder dick im Rennen um die Big Ten East.

Michigan Offense vs. Michigan State Defense:

In den letzten Wochen haben Harbaugh und sein OC Pep Hamilton die Offense etwas auf Vordermann gebracht. Ich schrieb es ja schon mehrfach: Lange Zeit hatten sie Schwierigkeiten, ihre Pro-Style, ball control Offense auf den kreativen Spread-QB Shea Patterson abzustimmen. Gegen Maryland uns insbesondere Wisconsin offenbarten sie aber einen guten Mix aus traditionellen und neuen Elementen: mehr Zone Read-Konzepte mit Patterson, der langsam als Läufer von der Leine gelassen wird, und mehr designte Plays außerhalb der Pocket, wo Patterson sich am wohlsten fühlt. Der musste sich übrigens unter der Woche an der Hand nähen lassen aufgrund einer Verletzung aus dem Spiel gegen Wisconsin, sollte ihn allerdings nicht allzu stark beeinträchtigen.
Getragen wird die Wolverines Offense weiterhin von RB Karan Higdon, der trotz seiner geringen Größe ein harter entschlossener Inside Runner ist. Vielleicht nicht der Runner, der am allerbesten für die NFL projectet, mit seiner Quickness, seinen Jump Cuts und seinem Speed allerdings immer für ein Big Play gut. Die O-Line hat sich in den letzten Wochen merklich stabilisiert, bekommt nun aber noch einmal eine andere Aufgabe bekommen gegen eine der besten D-Lines der Big Ten. Außen bleibt alles beim Alten: WR Donovan Peoples-Jones und der verstärkt eingebundene TE Zach Gentry sorgen für die Plays.

Die Stärken der Spartans Defense liegen eindeutig up-front. Ich hatte es im Big Ten East-Preview erwähnt: Die D-Line ist wirklich unterschätzt, immerhin gibt es langsam ein wenig mehr mediale Beachtung. DE Kenny Willekes mag nicht der größte oder schwerste DE sein, ist mit seiner Quickness, seinem Hustle und durchaus unterschätzter Kraft gegen Lauf und Pass gleichermaßen stark (bereits 9 TFL, 5 Sacks). Innen halten die beiden DTs Mike Panasiuk und Raequan Williams die O-Liner vom second Level ab und sorgen selber für das eine oder andere Play. Dahinter räumt MLB Joe Bachie ab, der mit seinem sicheren Tackling und schneller Play Recognition meiner Ansicht nach noch ein wenig besser ist als die klassischen Sparty-MLBs der letzten Jahre. Auch wenn die Defense letzte Woche gegen Penn States hervorragenden RB Miles Sanders eine Menge Yards abgegeben hat, gehört sie weiterhin zu den besten Laufverteidigungen des Landes (nur 62,5 Yards pro Spiel). Dürfte ein knackiges Duell gegen Patterson und Higdon werden.
Die Secondary bleibt trotz solider Safeties ein Fragezeichen. Das ist – wie bereits vor einigen Wochen erklärt – teilweise systemisch bedingt, da Dantonio eigentlich eine Press Quarters favorisiert, in der die CBs direkt gegenüber vom Receiver stehen, zugleich aber (zunächst einmal) keine tiefe Hilfe haben, sondern ihr Viertel des Spielfelds verteidigen müssen. Wenns nicht klappt, ists halt sehr Big Play-anfällig. Letzte Woche hatte man Penn States QB Trace McSorley überraschend gut im Griff – vielleicht eine Trendwende?

Key Matchups:

Wolverines RB Karan Higdon vs. Spartans MLB Joe Bachie

Wolverines TE Zach Gentry vs. Spartans S David Dowell

Wolverines LT Jon Runyan vs. Spartans DE Kenny Willekes

 

Michigan State Offense vs. Michigan Defense:

Die Offense von Michigan State, die Ende der letzten Saison so vielversprechend aussah, hat zwei Schritte zurückgemacht – und dafür kann man nicht mal den einen Grund nennen: QB Brian Lewerke ist in viele seiner alten Verhaltensmuster zurückgefallen: inkonstante Mechanics & Footwork, dadurch keine besonders gute Accuracy und zu viele unnötige Fehler. Allerdings fehlt ihm Unterstützung: Die O-Line spielt auf keinem sonderlich hohen Niveau (zudem ist der beste Mann, OG David Beedle, verletzt), und das Laufspiel funktioniert überhaupt nicht. Seit Wochen heißt es, dass Sr. RB LJ Scott endlich von seiner Hamstring-Verletzung zurückkehrt, die letzten beiden Wochen wurde er vor dem Spiel als Starter gelistet und spielte dann doch nicht. Von daher würde ich auch für heute nicht drauf wetten.
Der einzige konstante Playmaker ist WR Felton Davis, den die regelmäßigen Leser schon kennen dürften, weil ich ihn seit letztem Jahr extrem pushe. Lustigerweise ging ihm vor der Saison genau das ab: Konstanz. Kaum ein Receiver vereinte Highlight Catches mit absurder Body Control so gekonnt mit fürchterlichen Drops. Die hat er mittlerweile deutlich reduzieren können. Davis ist ein großer WR mit überraschend guter Wendigkeit, der am Perimeter und insbesondere in der Red Zone schwer zu kontrollieren ist (wie letzte Woche Penn States Top-CB Amani Oruwariye erfahren musste). Da seine beiden WR-Kollegen Cody White (sicher) und Slot Darrell Stewart (wahrscheinlich) weiter ausfallen, wird es wohl stark auf ihn ankommen. EDIT: Nun ist auch Davis questionable wegen eines Hüftproblems – wäre für Sparty eine Katastrophe!

Über Michigans Defense und ihren fantastischen DC Don Brown habe ich so oft geschrieben (etwa hier und hier), dass ich dieses Mal nur ein paar Tendenzen auflisten werde: 1) Star-DE Rashan Gary, der ja schon die letzten Spiele mit Schulterverletzung ausfiel, überlegt sich angeblich nun, die Saison im Stile von Buckeyes DE Nick Bosa komplett sausen zu lassen. Wie ich im Daily Nugget bei Sportradio360 bereits ansprach: Bosas Aktion könnte diesbezüglich ein Türöffner gewesen sein. Bei allem Verständnis für mich keine schöne Entwicklung. 2) Aufgrund der tendenziellen Unfähigkeit der Spartans zu laufen bin ich mal gespannt, wie die Wolverines ihren Playmaker MLB Devin Bush einsetzen: Öfter außen aufgestellt, um größere Freiheiten zu haben? Als Spy für QB Lewerke oder in RB-Coverage, um dann ab und an Green Dog Blitze durchzuführen (also delayed zu blitzen, wenn der RB in der Pass Protection bleibt)? 3) Das Top-Duell wird wohl zwischen Felton Davis und Michigans gritty CB Lavert Hill stattfinden. Hill spielt gerne – und hervorragend – Press, ist Davis aber in Größe und Gewicht klar unterlegen. Andererseits hat das in der bisherigen Saison keine Auswirkungen gehabt, da Hill mit seiner superben Technik und Aggressivität alle gegnerischen WR absolut dominiert hat. Insgesamt ist die Wolverines Pass Defense (natürlich unterstützt durch den Passrush von DE Chase Winovich und zu Beginn auch Rashan Gary) kaum zu bezwingen: 129 Yards pro Spiel lassen sie bislang zu – in heutiger Zeit ein beinahe obszön guter Wert. Dabei ist mir mehrfach aufgefallen, wie gut und intelligent S Josh Metellus agiert und das ganze Gebilde zusammenhält.

Key Matchups:

Spartans WR Felton Davis vs. Wolverines CB Lavert Hill

Spartans QB Brian Lewerke vs. Wolverines S Josh Metellus

(Spartans RB LJ Scott vs. Wolverines LB Devin Bush)

Fazit: Solche Derbys sind immer schwer zu prognostizieren, vor allem wenn sie wie in diesem Fall beim Außenseiter stattfinden. Ich frage mich nur, mit welchen Mitteln Michigan State konstant gegen Michigans Defense produzieren könnte. Die Spartans müssen einen Low Scorer daraus machen – sprich: das Laufspiel von Higdon und die Zone Read Runs von Patterson stoppen. Ich bin gespannt, ob Michigan in der Offense diese Woche mehr auf den Pass setzt, nachdem sie gegen Wisconsin deren Schwächen in der Secondary gar nicht ausnutzten (bzw. ausnutzen mussten). In aktueller Form sollten die Wolverines sich am Ende durchsetzen.

 

Kurzpreviews (in zeitlicher Reihenfolge):

 Maryland Terrapins (4-2) @ #19 Iowa Hawkeyes (5-1)
(18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Endlich ist Iowa gerankt – seit Wochen absolut überfällig! Die Hawkeyes spielen etwas unbemerkt eine sehr gute Saison, und tatsächlich hat HC Kirk Ferentz seine Offense endlich ein wenig geöffnet. Das liegt sicherlich am Fehlen eines echten Top-Runners (und ein paar Verletzungen auf der Position). Jedenfalls darf QB Nate Stanley deutlich häufiger den Ball werfen und auch tiefe Shots nehmen. Immerhin bleibt Iowa-spezifisch, dass vor allem die beiden TEs Noah Fant und T.J. Hockenson (der sich mittlerweile zu einem zweiten Top-TE entwickelt hat, ein etwas besserer Blocker ist und aktuell sogar mehr Yards/Catch macht als der deutlich athletischere Fant) die Waffen im Passspiel darstellen.
Aber Vorsicht ist geboten! Die Terps sind trotz der deutlichen Niederlage gegen Michigan vor zwei Wochen insgesamt gut in Form und haben eine der besseren Pass Defenses der Big Ten: zwei gute Passrusher (Byron Cowart und Jesse Aniegbonam) und das vielleicht beste Safety-Duos des Landes (ja, ihr lest richtig!) mit Ballhawk Darnell Savage (oft Centerfielder, variabel einsetzbar) und SS/Nickel/STAR Antoine Brooks. Ich schrieb sie die letzten Wochen ein paarmal nach oben – noch ist es nicht zu spät, auf den Hype-Train aufzuspringen. Gerade das Duell der Hawkeyes TEs gegen die Terps Safetys könnte ein ungewöhnliches Matchup-Highlight versprechen.
Leider ist die Terps Offense unter QB Kasim Hill (von dem ich mir wesentlich mehr versprochen hatte) absolut flügellahm und kann sich nur auf die Big Plays von Speedster RB Ty Johnson verlassen. Iowas Run Defense ist jedoch über jeden Zweifel erhaben. Vielleicht sehen wir ja mehr vom kleinen dual-threat Backup-QB Tyrell Pigrome, um zumindest im Laufspiel etwas variabler zu sein?

 

Colorado Buffaloes (5-1) @ #15 Washington Huskies (5-2)
(21:30 mitteleuropäischer Zeit)

Eine Niederlage, und schon wieder ungerankt: Colorado hat wirklich nicht den besten Ruf bei den Votern. Und nun laboriert vor dem entscheidenden Spiel bei den Huskies ihre offensive Lebensversicherung, WR/Wildcat Laviska Shenault, weiterhin an seiner Zehverletzung aus dem USC-Spiel. Ob er auflaufen kann, ist noch nicht klar. Ohne ihn wird es in der Offense ganz schwer. Die Trojans haben es letzte Woche vorexerziert: Sie erstickten das Laufspiel, machten die Buffaloes dadurch eindimensional – und QB Steve Montez fand mit einem angeschlagenen Shenault keine weiteren guten Matchups außen. Ein vollkommen fitter Shenault gegen CB Byron Murphy (und eventuell S Taylor Rapp als tiefe Absicherung) wäre ein großartiges Duell geworden. Nun muss Colorado eher schauen, das Laufspiel um RB Travon McMillian in Gang zu bringen (was die größere Schwäche von Washingtons kreativer 3-3-5 oder teilweise gar 2-3-6 Defense ist.
In Washingtons Offense kehren wahrscheinlich die beiden angeschlagenen RBs Myles Gaskin und Salvon Ahmed zurück. Wäre wichtig, da die 3-4 Defense der Buffaloes ihre Stärken eher im Passrush hat (mit 5tech/DE Mustafa Johnson und OLB Drew Lewis). Die Huskies müssen unbedingt gewinnen, um den Druck auf Oregon (und Stanford) aufrechtzuerhalten. Wer von beiden verliert, dürfte im Rennen um die jeweilige Division der Pac-12 raus sein.

 

#22 Mississippi State Bulldogs (4-2) @ #5 LSU Tigers (6-1)
(01:00 mitteleuropäischer Zeit)

Georgia hinter sich, Alabama in zwei Wochen vor der Brust. Daher: Trap Game? Wer weiß. Nach dem überzeugenden Sieg gegen die anderen Bulldogs sollte die Spannung bei den Tigers auf jeden Fall hochgehalten werden: noch eine Niederlage in der SEC, und man kann sich den Showdown mit Alabama fast schon schenken. 2017 sollte Warnung genug sein, als Mississippi State LSU klar mit 37-7 schlug. Die Bulldogs agieren auch diese Saison ein wenig vogelwild: mal fürchterlich, mal überzeugend. Das liegt vor allem an der Eindimensionalität der Offense. Das Passspiel ist unter QB Nick Fitzgerald eigentlich nicht vorhanden (unter 50% Completions, nur 4 TDs). Dafür hat man ein extrem gefährliches Laufspiel um Fitzgerald sowie die beiden RBs Kylin Hill und Aeris Williams, unterstützt durch eine exzellente interior O-Line (wobei OG Darryl Williams noch angeschlagen ist). Die Defense von LSU wird sich auf viel Zone Read und eventuell den einen oder anderen Option-Spielzug einstellen müssen – womit sie bei der Niederlage gegen Florida größere Probleme hatten. Eins ist klar: Die Bulldogs werden den Tigers sicherlich nicht den gleichen Gefallen tun wie Georgia, in dem sie plötzlich zum Passing Team mutieren. Das Ganze wird eindeutig in den Trenches entschieden.
Übrigens auch auf der anderen Seite: Die Bulldogs haben zwei der besten D-Line des Landes mit Passrush Terror DE Montez Sweat und DT Jeffery Simmons (ein unfassbarer Mancrush von mir auf dem Feld, leider ansonsten ein ziemliches Arschloch – würde mich keinesfalls wundern, wenn er einige der höher gehypten DTs (Clemson Duo, Oliver, Tweener Gary) in Sachen Draft Projection (on field) noch überflügelt). Kann LSUs gute, wenngleich nicht überragende O-Line die beiden kontrollieren, um den RBs Nick Brossette und Clyde Edwards-Helaire genug Raum zu verschaffen? Wäre übrigens ein Spiel, in dem man den slippery Edwards-Helaire vielleicht verstärkt einsetzen könnte, aber das wird wie immer der Flow entscheiden.
Die Battles up-front versprechen jedenfalls oldschool Football vom Feinsten: Bulldogs interior OL (C Elgton Jenkins, OGs Deion Calhoun & Darryl Williams) vs. Tigers NT Breiden Fehoko und ILB Devin White sowie auf der anderen Seite die Tigers O-Line (weiterhin leider ohne OG Garrett Brumfield) vs. Sweat & Simmons).

 

#12 Oregon Ducks (5-1) @ #25 Washington State Cougars (5-1)
(01:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Ganz entscheidendes Duell in der Pac-12 North: zwei der vier Teams mit jeweils einer Conference-Niederlage treffen aufeinander. Der Verlierer kann sich eventuell schon aus dem Kreis der Anwärter auf die Krone verabschieden – hängt natürlich auch davon ab, wie sich Washington im bereits genannten Spiel gegen Colorado schlägt.
Hätte dieses Spiel gern ausführlicher vorgestellt; dafür habe ich aber viel zu wenig von den Cougars gesehen. Wie üblich setzt HC Mike Leach mit seiner Air Raid Offense aufs Passspiel, und mit QB Gardner Minshew hat er einen unabhängig vom Offensivsystem exzellenten Passer gefunden (über 68% Completion, 19 TDs, 4 INTs). Minshew ist Grad Transfer von East Carolina, wollte eigentlich erst zu Alabama wechseln, sich dort den Arsch plattsitzen und eventuell einen National Championship Ring abgreifen. Gut, dass er sich umentschieden hat, auch wenn er auf den Ring wohl verzichten muss. Minshew hat wie üblich eine Reihe an Receivern (sieben haben bereits 19 Catches oder mehr!), unter anderem den ehemaligen Huskers-Commit Jamire Calvin und den großen Dezmon Patmon.
Die Defense der Cougars (weiterhin im 3-4 Look) scheint viel auf Pressure zu setzen: Diverse Spieler haben schon mehr als einen Sack für sich verbuchen können. Gegen den Pass sieht es deutlich besser aus als gegen den Lauf, wo es anscheinend ein paar Probleme gibt. Insgesamt fehlt mir hier jedoch der genauere Einblick, hab auch nicht viel über die Defense gelesen. Da kommt ein Spiel gegen Ducks QB Justin Herbert natürlich gerade recht. Wird es ihm gelingen, die Statistiken der Cougars Pass Defense etwas geradezurücken? Zudem befindet sich sein WR Dillon Mitchell in absoluter Topform, wie er gegen die fantastische Huskies Secondary bewies. Oder werden die Ducks die Schwäche der Cougars im Laufspiel gnadenlos offenlegen? HC Mario Cristobal hat unter anderem im letzten Spiel bewiesen, dass er günstige Matchups präferiert und dafür notfalls sogar in entscheidenden Situationen den Ball aus den Händen seines Top-QBs nimmt.
Auf der anderen Seite des Balles sollten die Ducks auf viel Pressure setzen (DE Jalen Jelks, OLB Justin Hollins), um die Air Raid gar nicht erst in ihren Rhythmus kommen zu lassen. Insgesamt kann ich mir eine Überraschung nicht recht vorstellen, aber gerade bei sehr ungewöhnlichen Offenses kann das schneller mal passieren, als man denkt.

 

#2 Ohio State Buckeyes (7-0) @ Purdue Boilermakers (3-3)
(01:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Ohio State bei Purdue? Was hat das Spiel hier zu suchen? Obacht: Das Team von HC Jeff Brohm ist nach drei knappen Niederlagen zu Saisonstart mit drei überzeugenden Siegen in Folge mittlerweile wieder in der Spur. Seitdem Sr. QB David Blough zum wiederholten Male sich den Starterposten gesichert hat, läufts richtig rund. True Freshman Sensation WR/RS Rondale Moore ist alles, was man zuvor erwartet hat, und noch viel mehr: Seine Quickness, seine Moves und sein Speed konnten bislang von keiner Defense kontrolliert werden. Aufgrund der Probleme der Buckeyes in der Secondary würde ich auch nicht unbedingt davon ausgehen, dass sich das heute ändert. Mit dem hervorragenden receiving TE Brycen Hopkins (noch fraglich) und WR Isaac Zico (der 2017 noch mit absurden Drops „glänzte“ und irgendwann gebencht wurde) haben die Boilermakers zwei weitere Big Play-Waffen, und die kleine Bowlingkugel RB D.J. Knox überzeugt mit toller Contact Balance und harten Runs. Wenn man sieht, wie viele Probleme Ohio State in der ersten Halbzeit mit der deutlich schwächeren Offense von Minnesota hatten, dürften sich die Boilermakers in der Offense zurecht etwas ausrechnen. Die Buckeyes müssen sich wohl auf ihre D-Line verlassen, die trotz des vorzeitigen Abschieds von DE Nick Bosa immer noch hervorragend bestückt ist (insb. mit DE Chase Young und DT Dre’Mont Jones). Es wäre an der Zeit, dass Linebacker und Secondary als gesamte Units ihren Vorschusslorbeeren endlich gerecht werden.
Die Defense der Boilermakers ist anfällig für viele Yards, hält sich in Sachen abgegebene Punkte aber passabel. Die beiden Co-DCs mussten eine riesige Menge Abgänge verkraften (unter anderem 5 Starter aus der Front-7), haben entgegen vieler Erwartungen jedoch erneut eine schlagkräftige Truppe beisammen, in der einige Difference Maker lauern: DT Lorenzo Neal ist ein in der Mitte kaum zu bewegen (gefiel mir in drei Spielen exzellent). Dazu eine hervorragende und junge Garde von Linebackern: OLB Markus Bailey ist der wichtigste Spieler der Defense und die beiden true So. MLB Collin Jones (schon 11 TFL) und OLB Derrick Barnes haben sich super eingefügt. Ich vermute, dass Ohio State viel auf den Arm von QB Dwayne Haskins setzen wird, um die etwas wacklige und teilweise unerfahrene Secondary zu testen. Bei der Menge an starken Buckeyes-Receivern dürfte er irgendwo auf dem Feld gute Matchups vorfinden. Nur: Die Buckeyes dürfen den Start nicht wieder so verpennen wie gegen Minnesota, sonst droht ein echter Shootout bis ins vierte Viertel – mit ungewissem Ausgang.

 

Bulls Watch:

Nun gilts! Die Bulls (6-1, 3-0 MAC) müssen zum MAC-West Powerhouse Toledo (3-3, 1-1 MAC). Die Rockets mussten letzte Woche eine überraschende Niederlage bei Eastern Michigan hinnehmen, als sie die erste Halbzeit gar nicht auf dem Platz schienen, in der zweiten Halbzeit den 3-18 Rückstand aber noch beinahe aufholten. Eine vergebene two-point Conversion verhinderte letztlich den 28-28 Ausgleich. Aus Sicht der Bulls ist diese Niederlage nicht unbedingt günstig, da die Rockets über den insgesamt besten Kader der MAC verfügen und nun sicherlich um einiges konzentrierter auflaufen werden.
Entscheidend wird sein, ob man die Offense der Rockets in den Griff bekommt. Dual-threat QB Mitchell Guadagni ist der leading Rusher, hat im Passing allerdings noch nicht ganz die Klasse seines Vorgänger Logan Woodside offenbart. Macht allerdings insofern nichts, weil Toledo das beste Receiving-Trio der MAC hat (griffig zusammengefasst unter Thompson, Johnson & Johnson), das immer für ein Big Play gut ist (gemeinsam bisher 15 Receiving TDs). Eine schwere Aufgabe für Buffalos Secondary um CB Cameron Lewis, die bisher über ihren Erwartungen gespielt hat. Dennoch halte ich es für besser, sich von den Receivern schlagen zu lassen als von Guadagnis Läufen. Mal sollte ihn unbedingt diszipliniert in der Pocket halten.
Toledos Defense ist dagegen so schwach wie seit Jahren nicht, vor allem können sie den gegnerischen Lauf überhaupt nicht stoppen. Umso besser für die Bulls, dass ihr formidables Freshman-RB-Duo Kevin Marks und Jaret Patterson in Topform ist. Zudem hatte Toledo riesige Probleme mit den Läufen von Eastern Michigans dual-threat QB Mike Glass, von daher könnten sich die Bulls (wie schon im letzten Spiel gegen Akron) dazu entscheiden, ihren QB Tyree Jackson wieder etwas mehr laufen zu lassen. Ganz wichtig wäre darüber hinaus, dass der angeschlagene WR Anthony Johnson mehr Spielzeit sieht, da das Passing Game unter seiner Abwesenheit doch merklich litt.
Auch wenn um 18:00 Uhr die meisten Augen auf andere Spiele gerichtet sein werden: Hier könnte es für alle Offense-Fans einiges zu bestaunen geben. Shootout Alert.

4 Gedanken zu „Vorschau Woche 8: Entscheidungen stehen an…

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