Rückschau Woche 9: Elf aus fünfundzwanzig!

 

Auch wenn es oberflächlich betrachtet aufgrund der wenigen Niederlagen von Top 10-Teams nicht den Anschein erweckt, wurden die Top 25 ordentlich durcheinandergerüttelt. Gleich 11 der 25 bestgerankten Teams verloren, und dabei gab es insgesamt nur drei Duelle zwischen gerankten Teams. Acht gerankte Teams verloren gegen ungerankte Teams – ein Rekord, seitdem 1989 die Top-Rankings auf 25 Teams erhöht wurden. Es folgt eine kleine Rückschau teilweise unzusammenhängender Gedanken mit Fokus auf die SEC und die Big Ten:

 

#7 Georgia Bulldogs vs. #9 Florida Gators 36-17

Wenngleich das Endergebnis deutlich ausfällt, war das über dreieinhalb Viertel eine hochinteressante, wenngleich nicht hochklassige 2018er Version der World’s Largest Outdoor Cocktail Party. Wie erwartet wollten beide Offenses zunächst ihr Running Game etablieren, nur hatte Georgia in entscheidenden Situationen dazu auch noch ein funktionables Passing Game, während Florida sich mit mehreren Turnovers das Leben zusätzlich erschwerte.
Im hochklassigeren Duell Bulldogs Offense vs. Gators Defense nehmen beide Coordinatoren ein paar personelle Adjustments vor. Bulldogs OC Jim Chaney schmiss (endlich!) alle Packages für die Backup RBs Brian Herrien und James Cook aus dem Playbook und dampfte das Running Game auf Elijah Holyfield als Inside Hammer und D’Andre Swift als Slasher ein. Und das klappte wenig überraschend wirklich gut (Swift 104 Yards & 1 TDs, Holyfield 71 Yards). Auf der anderen Seite entschied sich DC Todd Grantham dafür, in der Base Defense größtenteils mit DE CeCe Jefferson zu agieren und DE Jachai Polite vor allem bei Passing Downs einzusetzen. Vermute mal, dass er Jefferson als geeigneter in der Run Defense eingeschätzt hat, wobei mir Polite in den vergangenen Spieltagen mehrfach positiv als Edge Setter aufgefallen ist.
Beide Teams spielten in der Offense zunächst relativ konservativ und waren in der Defense darauf bedacht, den gegnerischen Lauf zu stoppen. Heißt: Sie beließen ihre CBs viel in Man Coverage, die Safetys agierten tendenziell upfield. Hier kam es dann früh zu einem entscheidenden Nachteil für die Gators, als sich CB C.J. Henderson verletzte und von C.J. McWilliams ersetzt werden musste. Ihn visierte Bulldogs QB Jake Fromm in entscheidenden Situationen immer wieder an – mit Erfolg.
Ein wenig paradigmatisch fürs gesamte Spiel die ersten drei Drives: Georgia marschiert mit viel Laufspiel übers Feld und kickt ein FG. Im Gegenzug versaut erst Gators QB Feleipe Franks einen perfekt ausgeführten Flea Flicker, in dem er den völlig freien WR Van Jefferson deutlich überwirft, dann fumblet RB Jordan Scarlett nach erfolgreichem Lauf. Das kurze Feld nutzen die Bulldogs mit einem TD-Pass auf WR Jeremiah Holloman gegen den angesprochenen McWilliams. Übrigens eine äußerst seltsame Disguise Coverage, für die sich DC Grantham hier entscheidet:

Der Safety Jeawon Taylor (29) ist in einer Art Nickel-Position aufgestellt, so dass Fromm von einer (vertikalen) Man Coverage outside ausgeht (C1 oder C3). Mit dem Snap bewegt sich der Safety nach hinten und spielt eine tiefe Zone wie in einer Cover 2 (der Centerfielder bewegt sich auf die andere Seite), mit der er einen unvorsichtig nach innen in die vermeintlich freie Zone gelegten Ball hätte abwehren können. Problem: Er bekommt überhaupt keine Tiefe, so dass WR Holloman die gesamte Coverage überrennt. Zudem lässt CB McWilliams (12) ihn laufen (wie in einer Cover 2), erlaubt aber outside Release des WR ohne Bump oder Re-Routing – ob das wirklich so geplant war? Fromm wirft den Pass allerdings auch exzellent nach außen, wo der Safety überhaupt keine Chance hat einzugreifen. Bei einer Post Route oder einem Go, den Fromm nach innen legt, hätte eventuell eine Chance bestanden – so nicht. Das Duell Holloman vs. McWilliams nutzte Fromm später noch einmal bei einem Fade Pass zum Touchdown aus.
Die Bulldogs setzten insgesamt weniger auf ihr übliches vertikales Passspiel an den Perimeter nach Playaction, sondern nutzten die Größe und Physis von Holloman (die den drei starting WRs ein wenig abgeht) und die kurzen Pässe auf ihren athletischen TE Isaac Nauta, der endlich einmal mehr eingesetzt wurde (insbesondere in dem No-Huddle-Drive vor der Halbzeit, in dem die Gators interessanterweise viel Man Coverage spielten). Diese Adjustments im Passing Game wurden sicherlich verstärkt durch die Verletzung von LT Andrew Thomas. Mit schnelleren Pässen hielt man sich den Gators-Passrush gut vom Leib. Und auch die tieferen Pässe kamen schnell raus, hier das spielentscheidende Play beim Stand von 17-23 auf eine Deep Corner Route von WR Terry Godwin, den sie durch kürzere und nach innen gehende Routes der Outside WRs auf den Safety isoliert bekommen. Wahnsinns Throw von Fromm:

Man kann übrigens nicht sagen, dass die Gators Defense komplett schlecht gespielt hat. DE Jabari Zuniga machte eine hervorragende Partie gegen den Lauf, LB Vosean Joseph (13 Tackles, 1 Sack) war überall zu finden und als Blitzer erneut enorm gefährlich. Höhepunkt der Defense war der monströse Goal Line-Stand beim Stand von 20-14 nach dem Fumble von QB Franks an der eigenen 1 Yard-Linie. In sieben Plays (!) verwehrten sie den Bulldogs den Touchdown, die dann das kurze FG zum two-possession Game nehmen mussten.
Nur: Ab und an bekam die Gators Defense die Edges nicht unter Kontrolle (was D’Andre Swift auszunutzen vermochte), und sie konnte CB Hendersons Ausfall nicht innerhalb ihres Schemes bewältigen. Zudem muss man auch einfach anerkennen, dass Georgias O-Line richtig stark gespielt hat.

Das weitaus größere Problem war die Offense der Gators. HC Dan Mullen vertraute seinem Quarterback Franks nach ein paar schlechten Würfen im ersten Viertel (u.a. einer fürchterlichen Interception) offenbar nicht mehr sehr stark, wohlgemerkt nicht ganz zu Unrecht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen blieb die Offense daher wenig explosiv. Zunächst funktionierten die „Option“-Spielzüge (bekannt unter anderem aus dem LSU-Spiel), die in Wahrheit eher delayed Pitches sind, noch halbwegs, später in Passsituationen wurden die Limitationen dann noch deutlicher. Dazu kam, dass man sich offenbar schon vorab entschied, den fantastischen Bulldogs-CB Deandre Baker überhaupt nicht zu testen. Dadurch ließ man die linke Seite im Passspiel völlig verwaisen, was Georgias HC Kirby Smart natürlich zu einem engeren Coverage-Netz auf der anderen Seite ausnutzte. Ich glaube den ersten Pass in Bakers Richtung gabs erst im vierten Viertel.
Mit dieser Niederlage ist Florida höchstwahrscheinlich raus im Rennen um die SEC East, da man gegen die beiden direkten Konkurrenten Georgia und Kentucky bereits verloren hat. Auf der anderen Seite kommt es bereits nächste Woche zum wohl entscheidenden Showdown…

 

#12 Kentucky Wildcats vs. Missouri Tigers 15-14

… denn die Wildcats gewannen auf dramatische Weise ein Spiel, das sie eigentlich nicht mehr hätten gewinnen dürfen, in allerletzter Sekunde – bzw. genauer: nach der allerletzten Sekunde – durch einen Touchdown nach ausgelaufener Spielzeit in einem letzten untimed Down. Mizzou führte im letzten Viertel mit 14-3 und zeigte mit seiner sonst so löchrigen Defense eine starke Leistung gegen Kentuckys RB Benny Snell. Bei unter 8 Minuten vor Schluss gehen die Wildcats Risiko, indem sie an der gegnerischen 3 Yard-Linie kein FG kicken, sondern den 4th and 2 ausspielen – und damit scheitern. Die Entscheidung? Nein, denn Mizzou geht 3 & out und WR Lynn Bowden, der das Spiel seines Lebens macht, returniert den folgenden Punt zum Touchdown bei noch 5:18 auf der Uhr (bei einer bemerkenswert schlechten Punt Coverage der Tigers):

Allerdings misslingt die two-point Conversion, weswegen nun noch ein TD her muss. Die Offense der Tigers geht wieder 3 & out, doch dann wirft Kentuckys QB Terry Wilson eine Interception bei 2:38 zu spielen. Nun entschieden? Nein, denn erneut erzwingt die Wildcats Defense ein 3 & out und kann nebenbei ein Timeout bewahren, da Tigers QB Drew Lock bei 3rd and 2 eine Incompletion wirft. Kentucky bekommt den Ball mit 84 Sekunden an der eigenen 19 Yard Line ein allerletztes Mal. Und obwohl die Wildcats keine profilierte Passing Offense haben und ihr Drive auch noch mit einem Sack startet, schaffen sie es irgendwie (mit Hilfe des Timeouts) in die Red Zone und haben einen allerletzten Shot von der 10 Yard Linie. Der fällt incomplete, aber sie bekommen hierfür eine Pass Interference:

Für mich eine krasse Fehlentscheidung, wie seht ihr das? Dadurch kam es dann eben zum intimed Down, in dem Wilson seinen TE C.J. Conrad zum entscheidenden Touchdown bei einer Out Route auf der Boundary Side findet:

Natürlich macht der Sieg die SEC East und insbesondere das Aufeinandertreffen mit Georgia am nächsten Wochenende spannender, aber im Grunde genommen wissen die Wildcats doch selber nicht, wie sie das noch gewinnen konnten. Dennoch sollte Georgia das Team nicht unterschätzen: Der Defense um den Monster-Passrusher Josh Allen und seinem formidablen LB-Kollegen Jordan Jones gelang es, Drew Lock und Co. in der zweiten Halbzeit keinen einzigen 1st down zu erlauben.

 

Northwestern Wildcats vs. #20 Wisconsin Badgers 31-17

Turmoil in der Big Ten West! Northwestern ein Schlüsselduell um den Divisionssieg überraschend deutlich, aber keineswegs unverdient gegen Wisconsin, deren Saison sich aktuell in eine ganz falsche Richtung entwickelt. Mit einer 3-2 Conference-Bilanz können die Badgers das Big Ten Championship Game eigentlich abhaken. Northwestern dagegen steht mit 5-1 exzellent da und hat alles in eigener Hand. Bei einigen Spielen wissen die Wildcats wahrscheinlich selbst nicht, wie sie die gewonnen haben, dieses gehörte jedoch nicht dazu. Ich schaue den Wildcats in der Big Ten mit am häufigsten zu, aber weiß wirklich nie, was ich kriege. Die absolute Wundertüte, in jeder Hinsicht: Form, Playcalling, Execution, Erfolg. Dieser Tweet bringt es für mich perfekt auf den Punkt:

Im letztjährigen Bowlspiel gegen Kentucky ist mit zum ersten Mal eindrücklich aufgefallen, dass HC Pat Fitzgerald nicht wirklich konstant gut playcallt – obwohl er ohne Frage ein exzellenter Coach ist. Das ist durch die letzten Wochen eher noch verstärkt worden. Dennoch soll keinesfalls damit angedeutet werden, dass sie ihren Vorsprung in der Division nun noch verspielen. Ganz wichtig ist die Wiederentdeckung des Running Games. In den ersten Spielen seit der Verletzung (inklusive Karriereende) von Jeremy Larkin ging absolut gar nichts, aber seitdem gegen Rutgers Fr. RB Isiah Bowser für die beiden ineffizienten Runner Solomon Vault und John Moten übernommen hat, wird QB Clayton Thorson wesentlich besser entlastet. Bowsers Statistiken sehen nicht weltbewegend aus (34 Läufe für 117 Yards für einen 3,4er Schnitt, 1 TD), er sorgte jedoch dafür, dass die Wildcats Ball und Uhr am Laufen hielten.
Story des Spiels war jedoch zweifelsohne die Wildcats Defense. Wisconsin musste auf seinen QB Alex Hornibrook verzichten und den völlig unerfahrenen Jack Coan auflaufen lassen, was den Gameplan noch mehr Richtung Laufspiel ausschlagen ließ. Northwestern packte die Box voll, wodurch man die größte Stärke der Badgers, ihre O-Line, neutralisieren konnte. Zum wiederholten Male zeigte übrigens OLB Blake Gallagher eine sehr gute Partie neben MLB Paddy Fisher. Mir schon mehrfach aufgefallen, als OLB Nate Hall verletzt ausfiel.
Problem aus Badgers-Sicht war nun, dass HC Paul Chryst seinem Backup-Quarterback Coan partout keine tiefen Pässe zutraute. So konnte sich die Defense massiert nahe der Line aufstellen, und die aggressiven, gut tacklenden Defensive Backs räumten die kurzen Pässe am Perimeter ab (insb. Montre Hartage, der für solche Spiele wie gemacht ist). Die O-Line machte also ihren Job, es brachte jedoch bemerkenswert wenig Ertrag. Hinzu kamen zwei Fumbles von RB Jonathan Taylor, der aber auch grundsätzlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte wirkte. Natürlich hätte das Spiel mit QB Hornibrook anders ausgesehen, weil er die Defense zu anderen Aufstellungen gezwungen hätte. So war der Speed der beiden Receiver ziemlich verschenkt. Dennoch wäre es vollkommen falsch, die Niederlage an Coan (oder am Playcalling wegen Coan) festzumachen: Turnover in der Offense, mehrfach Tackling-Probleme in der Defense, die die Wildcats nicht vom Feld bekam. Die Verletzungen von unter anderem NT Olive Sagapolu und S D’Cota Dixon taten ihr Übriges dazu.

 

#17 Penn State Nittany Lions vs. #18 Iowa Hawkeyes 30-24

Ein dramatisches und in vielerlei Hinsicht äußerst kurioses Spiel, das sich zum Nachschauen für alle lohnt, die sich live für die Cocktail Party entschieden haben. Aber bevor ich zweidrei Gedanken zum Spiel formuliere, möchte ich euch den treffsichersten Pass des Wochenendes präsentieren. Iowas QB Nate Stanley zeichnete sich für diese absolute Perle verantwortlich:

Analytisch kann man dieses Spiel wahnsinnig schwer fassen, da es extrem unrhythmisch war. Das lag auch daran, dass Iowas HC Kirk Ferentz eines seiner absoluten „What the Fuck“-Games callte. Geradezu paradigmatisch dafür beim Stand von 5-0 für die Hawkeyes und 4th and 10 dieser Pass des Punters Colton Rastetter auf Backup DE Sam Brincks:

Ist natürlich hervorragend ausgeführt, inklusive over the shoulder catch, aber sowas darf man hier eigentlich nicht callen. Iowa punktete in der ersten Halbzeit zweimal mit Safeties (einmal per Punkt Block, einmal durch einen zu hohen Punt Snap der Lions), schenkte dann allerdings doch eine mögliche Halbzeitführung her, da Ferentz sich bei 4th and 10 (!) an der gegnerischen 42 Yard Line bei noch 37 Sekunden auf der Uhr nicht zum Punt entschied, sondern einen Trickspielzug mit Backup-QB Peyton Mansell durchführte, der in die Hose ging. Dadurch blieb Penn State noch genug Zeit, auf 17-17 auszugleichen.
Auf Seiten der Lions war die Story des Tages ganz klar QB Trace McSorley. Er verletzte sich in der ersten Halbzeit nach einem Hit von gleich drei Defendern am Knie, musste ein paar Drives aussetzen, kehrte dann aber in der zweiten Halbzeit zurück und sorgte mit einem 51 Yard TD Run beim QB Draw für den einzigen Lions-TD der zweiten Hälfte. Allerdings sorgte er mit einem fürchterlichen Throw auch für den einzigen 2nd half TD der Hawkeyes, als er den als Centerfielder postierten S Geno Stone übersah, der sich mit einem Pick-6 bedankte. Penn State konnte sich insgesamt auf seinen Fr. K Jake Pinegar verlassen, der drei Kicks über 44, 45 und 49 Yards eiskalt versenkte.
Dennoch, Iowa hatte am Ende die riesige Chance auf den Sieg. Mit 24-30 in Rückstand standen die Hawkeyes mit einem 1st and goal an der 3 Yard Line der Lions. Während die Playclock runterlief, versuchte QB Stanley noch schnell ein Audible, welches aber nicht alle Spieler mitbekamen:

Star-TE Noah Fant (87, im Slot) hat keinerlei Ahnung, was er machen soll, steht nach dem Snap ratlos in der Gegend rum, so dass Lions S Nick Scott in die Passing Lane cuttet und den Ball intercepten kann. Sah ein wenig so aus, als ob da ein kurzer Slant auf Fant geplant war (in bester Ricardo Lockette-Manier), zumindest blockt der andere TE T.J. Hockenson (38, in-line aufgestellt) zwei Spieler an der Line kurz an, damit sie nicht nach außen gelangen können. Andererseits läuft RB Toren Young eine Flat Route in dieselbe Region, die dort tendenziell mehr Defender hinzieht. Da stimmte einfach gar nichts. In dieser Spielsituation (1st down an der Goal Line, 3 Timeouts verfügbar) muss Stanley einfach ein Timeout nehmen, egal wie ärgerlich das für den Moment erscheinen mag. Sonst gehts halt so aus. Danach kriegten die Hawkeyes übrigens noch eine weitere Chance, aber ihnen lief in Penn States Hälfte die Zeit aus.
Für die Lions war das ein enorm wichtiger Sieg, der sie zumindest theoretisch in Schlagdistanz zu Ohio State und Michigan belässt. Nächste Woche gehts dann ins Big House, da muss insbesondere in der Offensive dann eine andere Leistung abgerufen werden. Die Hawkeyes verpassten dagegen die Möglichkeit, sich neben Northwestern in die Pole Position in der Big Ten West zu begeben und müssen das Duell mit den Wildcats nun auf jeden Fall gewinnen, um noch eine Chance zu haben.

 

Michigan State Spartans vs. Purdue Boilermakers 23-13

Neben Wisconsin und Iowa legte sich auch der dritte Konkurrent für Northwestern in der Big Ten West hin. Zum ersten Mal seit fast zwei Monaten wurde die Offense von HC Jeff Brohm richtig an die Kette gelegt. Michigan State konzentrierte sich in der Defense darauf, keine Big Plays von Boilermakers Star-WR Rondale Moore zuzulassen und tacklete diesen bei all den kurzen Pässen extrem sicher (11 Catches für nur 74 Yards). Hier wurde dann ein klassisches Problem solcher HC-Typen wie Brohm offenbar: So kreativ er sonst ist, erkannte er nicht, dass man gegen die so eingestellte Spartans Defense durchaus hätte laufen können (RB D.J. Knox deutete es an mit (nur!) 7 Rushes für 51 Yards). Stattdessen ließ er QB David Blough munter werfen, ohne dass sich die Boilermakers jemals in einem größeren Rückstand befunden hätten. Am Ende standen 49 Passversuche für Blough (darunter 3 INTs) gegen 9 Läufe der RBs zu Buche. Seine dritte Interception wurde übrigens durch diesen gewaltigen Hit von LB Tyric Thompson gegen TE Brycen Hopkins forciert:

Auf der anderen Seite machte Fr. QB Rocky Lombardi aufgrund der Schulterverletzung von Starter Brian Lewerke seinen ersten Start und wirkte nicht so, als ob er diesen Posten freiwillig wieder räumen wird. Lombardi spielte nicht fehlerfrei, mit ihm wirkte die Offense aber deutlich lebendiger. Er strahlte auf der einen Seite eine gewisse Lockerheit aus, auf der anderen Seite Momente eines Leaders, der die Offense im Griff hat. Ich bin sehr gespannt, wie sich HC Mark Dantonio in den kommenden Wochen entscheiden wird.

 

Oklahoma State Cowboys vs. #6 Texas Longhorns 38-35

Texas goes down! Die Retro-Jerseys aus der magischen 1988er Saison von Barry Sanders scheinen Glück zu bringen. Ich hätte ehrlich gesagt kaum für möglich gehalten, dass die so gute Longhorns Defense 38 Punkte gegen die bislang doch sehr unkonstante Cowboys Offense abgibt. Noch weniger hätte ich erwartet, dass dies weniger am Laufspiel von RB Justice Hill liegt als an einer hervorragenden Leistung von Sr. QB Taylor Cornelius, mit dem ich in dieser Saison noch nicht recht warm geworden bin. Cornelius warf für 321 Yards und 3 TDs und steuerte zwei weitere Rushing TDs bei. Immer wieder gelang es ihm, die tiefe Quarters Defense der Longhorns auseinanderzunehmen. Zwei der Touchdowns kamen bei 4th and 1 zustande, als HC Mike Gundy volles Risiko ging: einmal Playaction auf einen der extrem selten genutzten TEs, einmal ein tiefer Prayer gegen eine Cover 1, bei dem WR Tylen Wallace den Star-CB der Longhorns, Kris Boyd, wiederholt sehr schlecht aussehen ließ. Übermacht machte Wallace ein fantastisches Spiel. Neben seinem Speed spielt er so unglaublich physisch, ist extrem stark bei contested Catches, obwohl ‚nur‘ mit 6‘0, 185 angegeben.
Die Longhorns lagen zu Beginn des zweiten Viertels mit 7-24 zurück und liefen diesem Rückstand die gesamte restliche Spielzeit hinterher. Dabei produzierte die Offense zwar ordentlich, aber man bekam die Cowboys zu selten vom Feld. Nach dem Anschluss-TD zum 35-38 gelang es Oklahoma State dann, die Uhr auslaufen zu lassen.
Mit dieser überraschenden Niederlage ist die Big 12 noch spannender geworden: Texas, Oklahoma und West Virginia haben jeweils eine 4-1 Conference-Bilanz, und auch Iowa State und Texas Tech sind mit 3-2 noch nicht vollkommen raus.

 

Ein kurzer Blick auf die restlichen Niederlagen der gerankten Teams:

  • #15 Washington verliert bei Cal mit 10-12 und kann nun endgültig alle Hoffnungen auf die Pac-12 North begraben. Nach einer schlechten Vorstellung wurde Huskies QB Jake Browning gebencht, aber die Hoffnung auf Besserung erfüllte sich für HC Chris Petersen nicht – im Gegenteil: Backup QB Jake Haener warf einen üblen Pick-6 auf LB Evan Weaver (der nach angedeutetem Blitz in die mittlere Zone droppte), der das Spiel letztlich entschied. Die Huskies Defense muss sich langsam verarscht vorkommen: keinen Touchdown zugelassen und dennoch verloren.
  • #16 Texas A&M verliert bei Mississippi State mit 13-28. Deren QB Nick Fitzgerald, in den vergangenen Wochen schwer in die Kritik geraten, zeigte auf einmal eine überraschend gute Leistung als Passer und sorgte in Abwesenheit von RB Kylin Hill auch für den Großteil der Rush Yards. Schlüssel allerdings wieder mal die Defense Line um Jeffery Simmons und Montez Sweat, die das Laufspiel der Aggies im Keim erstickte.
  • #19 Oregon kommt bei Arizona mit 15-44 fürchterlich unter die Räder. Es bricht mir zwar weiterhin das Herz, was der neue Wildcats HC Kevin Sumlin aus QB Khalil Tate, einer der größten Attraktionen von 2017, gemacht hat, doch immerhin hat er das Running Game um den miniaturigen J.J. Taylor (212 Rush Yards, 2 TDs) wiederbelebt. Für die Ducks ist die Saison damit gelaufen. Die wichtigste Frage in Eugene lautet ab heute: Bleibt QB Justin Herbert noch eine Saison?
  • #21 South Florida verliert – wie ich es im Preview erwartete – sein erstes Spiel bei den Houston Cougars mit 57-36. Houston musste dabei auf seinen Superstar DT Ed Oliver verzichte, aber so leid es mir für ihn tut, die Story der Saison ist für mich QB D’Eriq King. Trotz zwei Interception brannte er in diesem Spiel ein absolutes Feuerwerk ab. Highlight der TD Run bei 4th and 7:

Ich kann euch nur dringend empfehlen, mal bei den Cougars reinzuschauen, gerade wenn ihr Fans von passlastigen Offensiven seid. HC Major Applewhite hat da ein Powerhouse geschaffen, dass ich nicht chancenlos für einen New Year’s Six Bowl sehe.

  • #22 NC State hatte die deftige Niederlage gegen Clemson wohl immer noch nicht verdaut und verlor gegen Syracuse mit 41-51. Trotz großer Kritik entschied sich Orange HC Dino Babers, seinen Sr. QB Eric Dungey nicht gegen den talentierteren Passer Fr. Tommy DeVito auszutauschen, und Dungey zahlte ihm das Vertrauen mit seiner besten Saisonleistung zurück (411 Pass Yards, 3 TDs). Durch dieses Ergebnis tauschen Syracuse und NC State gewissermaßen die Plätze: Das Wolfpack ist nun unranked und Syracuse nimmt ihren Spot #22 ein – übrigens das erste Ranking für die Orange seit 2001!
  • #25 Appalachian State verliert gegen Georgia Southern mit 14-34. Die Mountaineers verloren ihren QB Zac Thomas gleich im ersten Drive und hatten keine Antwort auf die hervorragend ausgeführte Triple Option von QB Shai Werts (129 Rush Yards, 2 TDs) parat. Wenn man ehrlich ist, hätte App State aber auch letzte Woche schon nicht gerankt gehört.

 

Zum Abschluss des Artikels das vielleicht genialste Play des Wochenendes: WR N’Keal Harry, den die werte Leserschaft dieses Blogs mittlerweile zu Genüge kennen müsste, gelangen beim 38-35 Sieg seiner Sun Devils über USC nicht nur zwei Touchdowns (einer davon ein spektakulärer 92 Yard Punt Return), sondern auch dieser Catch mit einer Body Control der absoluten Weltklasse:

 

So sieht nun die neue AP Top 25 aus. Vorne recht unverändert, hinten mit einer ganzen Menge neuer Teams:

1. Alabama (8-0)
2. Clemson (8-0)
3. Notre Dame (8-0)
4. LSU (7-1)
5. Michigan (7-1)
6. Georgia (7-1)
7. Oklahoma (7-1)
8. Ohio State (7-1)
9. UCF (7-0)
10. Washington State (7-1)
11. Kentucky (7-1)
12. West Virginia (6-1)
13. Florida (6-2)
14. Penn State (6-2)
15. Texas (6-2)
16. Utah (6-2)
17. Houston (7-1)
18. Utah State (7-1)
19. Iowa (6-2)
20. Fresno State (7-1)
21. Mississippi State (5-3)
22. Syracuse (6-2)
23. Virginia (6-2)
24. Boston College (6-2)
25. Texas A&M (5-3)

 

Ein Gedanke zu „Rückschau Woche 9: Elf aus fünfundzwanzig!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s