Preview: Playoff Halbfinals (Cotton Bowl, Orange Bowl) & Peach Bowl

 

Heute gilt es: Die beiden Halbfinals stehen so früh wie noch nie an. Ich habe ein wenig Zeit gefunden, die vier Teams sowie die meiner Ansicht nach entscheidenden Strategien und Matchups in aller gebührenden Länge vorzustellen. Mein persönliches Highlight Alabama vs. Oklahoma ist zu einer Starter-für-Starter-Analyse verkommen; ich hoffe es ist noch lesbar. Darunter haben leider die übrigen Previews des heutigen Tages gelitten, die später noch unten angehängt werden.

 

Cotton Bowl: #2 Clemson Tigers (13-0) vs. #3 Notre Dame Fighting Irish (12-0)
(in Arlington, TX; 22:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Den Cotton Bowl könnte man mit etwas Fantasie ein ACC-internes Duell nennen, schließlich ist Notre Dame in vielen anderen Sportarten der Conference beigetreten und auch im Football zumindest affiliiert. Das reguläre ACC-Team Clemson gewann die Conference ohne Probleme, nur beim Spiel gegen Syracuse musste man zittern (was sicherlich vor allem daran lag, dass man mit dem 3rd string QB spielen musste). Zum Ende der Saison dominierte man alle Gegner deutlich: In den sechs Spielen nach Syracuse gab die Tigers Defense kaum einmal mehr als einen Garbage Time-TD ab. Kritiker führen die insgesamt fürchterliche Qualität der ACC an, doch hat Clemson darauf herzlich wenig Einfluss. Dennoch ist das Niveau bei einer Einschätzung fürs Halbfinale sicherlich zu berücksichtigen.
Notre Dame startete mit einem starken Sieg über Michigan, musste danach aber gegen schwächere Gegner zittern (Ball State, Vanderbilt). Im Laufe der Saison wurden die Irish souveräner, wenngleich sie nie die Dominanz der Tigers erreichten. Der Schedule ist allerdings auch als etwas knackiger einzustufen.

Die augenscheinlichste Gemeinsamkeit der Saisonverläufe beider Teams liegt in den QB-Wechseln zu vergleichbaren Zeitpunkten. Irish HC Brian Kelly zog nach wenigen Spielen die Reißleine und ersetzte den ineffizienten Passer Brandon Wimbush durch Ian Book, was sich auch sofort bezahlt machte. Bei Clemson war die Situation etwas kniffliger: Kelly Bryant, der die Tigers letzte Saison in die Playoffs geführt hatte, spielte nicht wirklich schlecht, aber true Fr. Trevor Lawrence war für HC Dabo Swinney schlicht ein zu großes Talent, um ihn auf der Bank versauern zu lassen. Lawrence belebte nach kurzer Eingewöhnung das Passing Game, Bryant entschied sich sofort zum Transfer, da er als Senior keine weiteren Spiele hätte bestreiten können. Mittlerweile steht fest, dass er seine Karriere in Missouri fortsetzen wird.

Clemson liegt bei den Buchmachern mit 12,5 Punkten vorn – eine ganze Menge. Die Tigers sind sicherlich favorisiert, aber so stark? Ich musste mich erst daran gewöhnen, doch sind die Irish dieses Mal sicherlich nicht aus Zufall in den Playoffs gelandet, sondern haben insbesondere eine Defense, die eigentlich jeder Offense Schwierigkeiten bereiten kann. Doch auch dieser? Schauen wir mal genauer hin:

Tigers Offense vs. Irish Defense:

Statistiken geben nicht vollumfänglich wieder, wie sehr Clemsons Offense durch QB Trevor Lawrence aufgeblüht ist. Der Freshman ist calm, bewegt sich gut in der Pocket und hat bereits jetzt eine Wurftechnik, die nach 1st round schreit. Traute sich sofort in enge Fenster zu werfen, sparte die Mitte des Feldes oder enge Man Coverage außen nicht aus (64,8% Completions, 2606 Yards, 24 TDs, 4 INTs). Dabei unterlaufen ihm überhaupt keine Fehler, er weiß genau, wohin mit dem Ball. Er läuft Swinneys Spread-Offense wie ein erfahrener Veteran, hatte keine Anpassungsprobleme an hurry-up Elemente. Ein wirklich beeindruckendes Debüt, ein kommender Superstar.
Die O-Line vor ihm ist gut, aber sicherlich nicht überragend. LT Mitch Hyatt und C Justin Falcinelli sind sehr erfahren und haben sicherlich alle Situationen schon einmal erlebt. Gerade im Passblock kann man dieser Line jedoch beikommen, hier liegt eine Chance für die Irish Front. Im Laufspiel blocken sie auf kurzer Distanz dagegen sehr effektiv.
Star der Offense und sicherlich Hauptfokus der Irish Defense ist zweifellos So. RB Travis Etienne. Etienne begeisterte mich bereits letzte Saison als ultragefährlicher Slasher, der mit einem Cut und etwas Raum aufgrund seines Bursts und Speeds nicht mehr eingeholt werden konnte. Nun hat er sich zu einem kompletten RB entwickelt, der trotz seiner nicht übermäßig kräftigen Statur ebenfalls ein hervorragender Inside Runner mit Top Balance ist (insgesamt 1464 Rush Yards, 8,3 Y/A, 21 TDs). Zwei Beispiele für seine Weiterentwicklung:

Für die Irish Defense dürfte klar sein: Stoppt man Etiennes Inside Runs nicht, wirds ein ganz langer Abend. Denn Swinney ist sich keinesfalls zu schade, notfalls das ganze Spiel über die Irish in Grund und Boden zu laufen, sollte das schon reichen. Etienne hat ein paar vernünftige Backups, unter anderem den variablen Tavian Feaster, dem kräftigen Adam Choice oder den zierlichen Speedster Fr. Lyn-J Dixon mit seinem 9,6er Average pro Lauf. Auch hier ist Vorsicht geboten.
Nun zu dem, was die Offense seit Lawrence so wahnsinnig schwer ausrechenbar gemacht hat: das explosive Passing Game. Zuvor lief viel über den ewigen Slot WR Hunter Renfrow, Held des National Championship Games vor zwei Jahren. Man muss bei Renfrow aufpassen, dass man nicht zu sehr in das „kleiner weißer Slot WR“-Klischee abtaucht, doch ist er gewissermaßen ein Prototyp dafür: Foot Quickness, punktgenaue Routes, unfassbar sichere Hände. Meiner Meinung nach im April nicht bloß ein unterschätzter Late Rounder, der sich erst mühsam ins Team kämpfen muss.
Die Show gehörte nun allerdings auch zwei anderen WR-Typen: Tee Higgins ist ein großer, sehr athletischer Outside WR, der unter Lawrence richtig aufgeblüht ist (802 Yards, 10 TDs). Agiert meist am Perimeter, sichert sich contested Catches, hat aber auch den Speed, um deep für Gefahr zu sorgen. Higgins rettete die Saison der Tigers, als er im erwähnten Spiel gegen Syracuse einen entscheidenden 4th down kurz vor Schluss verwandelte:

Und dann wäre da noch true Fr. Justyn Ross, der sich als bester Highschoolspieler Alabamas des Jahres 2017 ausgerechnet für Clemson entschied. Ross ist ebenfalls großgewachsen, bringt dazu einen unangenehm guten Speed mit, wie man an seinem Durchschnitt von über 20 Yards pro Fang sieht (699 Yards, 6 TDs). Ross ist ein wenig das Darkhorse der Clemson Offense, den die Irish unter keinen Umständen aus den Augen lassen dürfen. QB Lawrence vertraut seinem Arm enorm und wird einige Deep Shots in kleine Fenster auf Higgins oder Ross nehmen, davon kann man sicher ausgehen.

Was kann die Irish Defense gegen einen derart variablen Angriff nun ausrichten? Möglicherweise mehr, als man erst vermutet, da diese Verteidigung von vielen ziemlich unterschätzt wird, da man nicht den einen großen Superstar aufbietet. Die erste Hoffnung liegt im Passrush. Notre Dame verfügt über gleich drei gute DEs mit Khalid Kareem, Julian Okwara und Daelin Hayes, die ihre Stärken allerdings alle nicht unbedingt im Speedrush haben (bzw. zumindest in dieser Saison nicht ausspielen konnten) und nicht dauerhaft für Pressure sorgen konnten. Als bester Passrusher erwies sich DT Jerry Tillery (7 Sacks), der insgesamt eine fantastische Saison spielte. Sein Duell mit C Falcinelli ist von entscheidender Bedeutung, er müsste sich in der Run Defense wohl noch etwas steigern, um Etienne innen keine klaren Lanes zu geben.
Herz der Defense ist der Innenteil mit Tillery und dahinter den beiden Linebackern, MLB Te’von Coney und OLB Drue Tranquill (jeweils 9 TFL, 3,5 Sacks). Beide sind möglicherweise nicht die größten Athleten, aber instinktiv, smart und tough. Wie man schon an den Statistiken erkennt, gelingen ihnen oft Plays im Backfield. Ich würde in diesem Matchup aufgrund Etiennes enormer Big Play-Gefahr allerdings nicht zu aggressiv vorgehen, sondern zunächst mit soundem Gap Assignment versuchen, das Laufspiel auf herkömmlichem Wege zu stoppen. Eher sollte sich der neue DC Clark Lea überlegen, Navy Transfer S Alohi Gilman bei early downs in die Box zu stellen. Gilman ist meine Entdeckung der Irish Defense dieser Saison: enorm aktiv, fliegt gen Line of Scrimmage oder zum Ballträger, sicheres Tackling, und durchaus auch gute Ansätze in der Passverteidigung. Geheimtipp!
Sollten sich die Irish überlegen, die Box mit einem Spieler mehr zu füllen, würden sie ihren CBs und dem FS einiges an Verantwortung aufbürden. Die Irish spielen öfter Zone Defense in Off Coverage, ohne dabei viel Raum preiszugeben, da die DBs aggressiv nach vorne reagieren und in der Regel sehr gut und sicher tacklen. Diese Strategie hat über die Saison hinweg wirklich exzellent funktioniert. Zumindest bei CB Julian Love könnte man erwarten, dass er seine Aufgabe heute löst. Love bekam nicht den größten medialen Hype (was wohl auch an seiner nur einen INT lag), doch ist er ein echter Lockdown Corner. Nicht der größte oder physischste, aber extrem aggressiv und eng am Mann, aktive Arme (15 PBUs), ließ die gesamte Saison selbst gegen größere Receiver (etwa Stanfords JJ Arcega-Whiteside) kaum etwas zu. Er wird sich voraussichtlich vor allem mit WR Higgins messen müssen. Nur müssen auch die anderen CBs und der tiefe Safety Jalen Elliott (der mit 4 INTs überraschte) ihre Bestleistung abrufen. Ich bin gespannt, wie die Verantwortlichkeit für Slot WR Renfrow verteilt werden wird.

Key Matchups:

Tigers LT Mitch Hyatt vs. Irish DE Khalid Kareem

Tigers C Justin Falcinelli vs. Irish DT Jerry Tillery

Tigers WR Tee Higgins vs. Irish CB Julian Love

Tigers RB Travis Etienne vs. Irish LBs Te’von Coney & Drue Tranquill

 

Irish Offense vs. Tigers Defense:

Die Irish Offense hat sich seit dem QB-Wechsel auf Ian Book deutlich gesteigert, doch bleiben weiter einige Fragezeichen. Book ist ein mobiler und ziemlich akkurater Quarterback (70,6% Completions, 2468 Pass Yards, 19 TDs, 6 INTs, weitere 4 Rush TDs). Leider steht er hinter einer O-Line, die wohl im Vergleich der vier Playoffteams klar die schlechteste ist. Man konnte die Abgänge der beiden Stars Quenton Nelson und Mike McGlinchey nicht kompensieren, zudem fiel der beste Verbliebene, OG Alex Bars, früh für die gesamte Saison aus. Sicherlich nicht die besten Aussichten gegen die furchteinflößende Clemson D-Line. LT Liam Eichenberg muss gegen Clemsons Weltklasse-DE Clelin Ferrell das Spiel seines Lebens machen.
Book hat die Tendenz, die Passblock-Probleme zu verstärken, weil er den Ball teilweise zu lange hält. Teilweise machte er aus der Not eine Tugend, bewegte sich viel außerhalb der Pocket und vertraute seinen großen und physischen Ballfängern, Plays downfield und notfalls in enger Deckung zu machen. Gerade WR Miles Boykin (803 Yards, 8 TDs) fiel dabei mit starken, sicheren Händen und guter Körperkontrolle auf – nebenbei auch ein exzellenter Downfield Blocker. Ungefähr in seine Richtung und der Ball kommt an. Das hier war noch eine der leichteren Übungen:

Der andere WR Chase Claypool hat ähnlich imponierende Maße, beide könnten mit 6‘4 und über 220 Pfund beinahe als undersized College-TEs durchgehen. Der athletische TE Alize Mack (349 Yards, 3 TDs) ist das dritte Target, das man kaum verfehlen kann. Ganz entscheidend für den Erfolg der Irish Offense in diesem Duell, wie viel Zeit sich Book durch seine Improvisationen kaufen kann und wie gut sich diese drei Receiver downfield in Szene setzen können.
Neben Book gab es noch eine weitere deutliche Verbesserung der Irish Offense: RB Dexter Williams kehrte nach seiner Suspendierung in den ersten Spielen zurück und gab dem Laufangriff das so dringend benötigte Feuer. Williams (941 Yards, 6,6 Y/A, 12 TDs) ist ein kräftig gebauter Runner mit gutem straight-line Speed und daher immer für ein Big Play gut. Er ist ein deutliches Upgrade gegenüber seinen Backups, allerdings wird der große RB/WR-Hybrid Jafar Armstrong gerne mal in überraschende Plays eingebunden.

Alabama mag die beste 3-man D-Line des Landes haben, doch bei einer base 4-3 Defense rangiert Clemsons D-Line ohne Zweifel ganz oben. Die vier Haupt-Protagonisten wurden von mir und anderen bereits Dutzende Male vorgestellt: die DEs Clelin Ferrell und Austin Bryant sowie die DTs Christian Wilkins und Dexter Lawrence. Auf Lawrence muss DC Terry Venables im Cotton Bowl allerdings verzichten, weil ihm das unerlaubte Mittel Ostarin nachgewiesen wurde. Doch ist auch die Tiefe der Line beeindruckend: Backup DT Albert Huggins wird einspringen, der vor der Saison ernsthaft als möglicher mid-round Pick galt. Hier ist nun seine große Chance!
Insgesamt ist Ferrell (17,5 TFL, 10,5 Sacks) wohl der größte Difference Maker der Crew: möglicherweise nicht der beste Speedrusher mit einem Bend wie ein Motorradfahrer in der Kurve, aber ansonsten ein enorm fertiger und ausgereifter Defensive End. DT Wilkins (12,5 TFL, 4,5 Sacks) fand ich diese Saison nochmal deutlich stärker als 2017 und kann partout nicht verstehen, warum er in Draftkreisen in den letzten Monaten so sehr kritisiert und downgegradet wurde: Power, Effort, Motor, funktionale Athletik und sehr smart (Academic Heisman Winner). DE Bryant (11,5 TFL, 6,5 Sacks) ist sicher der unbekannteste Name und vom Talentlevel nicht auf derselben Ebene einzuordnen, ihm geht ein wenig die Wendigkeit ab. Mittlerweile gibt er mehr und mehr Snaps an Fr. DE Xavier Thomas ab (7,5 TFL, 3 Sacks), ein athletischer Freak, meiner Ansicht nach mit Superstar-Potenzial. Seine Stats verraten nicht wirklich, wie gut er in limitierten Snaps aussah. Alles in allem sind das trotz des Fehlens von Lawrence bescheidende Aussichten für die Irish O-Line. Clemson wird aus allen Rohren feuern.
Auch wenn die D-Line den Rest der Defense überlagert, gehört die LB-Crew zumindest zu den besten der ACC: Tre Lamar in der Mitte und die beiden undersized, aber vielseitigen OLBs Kendall Joseph und Isaiah Simmons außen. Simmons (7,5 TFL, 1 INT, 3 FF) ist ein konvertierter Safety, der den Verlust von Dorian O’Daniel gut aufgefangen hat (insbesondere mit seiner wichtigen Rolle in der Pass Defense, eventuell ein Kandidat für Irish TE Mack). Ein LB-Typ wie Joseph (5,5 TFL, 3,5 Sacks) brilliert hinter einer solchen Line: Pursuit, gut in Space, sicherer Tackler. Simmons und Joseph müssen von O-Linern freigehalten werden, um ihre Stärken auszuspielen. Die Kombination aus D-Line und dahinter umherschwirrenden Linebackern ist für gegnerische Laufangriffe tödlich: 99,5 Yards pro Spiel und unfassbare 2,4 Yards pro Lauf sind schlicht Weltklassewerte.
Wenn eine Defense Unit der Tigers anfällig ist, dann am ehesten die Secondary, doch kaschiert der Passrush hier enorm viel. CB Trayvon Mullen gilt als bester Passverteidiger, ein langer Corner, der seine Physis gegen die in jeder Hinsicht riesigen Irish WR wird beweisen müssen. FS Tanner Muse hat für seine Position einen ungewöhnlichen Körperbau (eher small LB-Maße), zeigt aber vernünftige Range und Instinkte. Insgesamt ist die Tigers Secondary rein physisch gut für den Irish Passangriff gerüstet, wieviel das dann konkret bedeutet, wird sich zeigen müssen.

Key Matchups:

Irish C Sam Mustipher vs. Tigers DT Christian Wilkins

Irish QB Ian Book vs. Tigers DE Clelin Ferrell

(Ein ungewöhnliches Duell. Ich sehe für LT Eichenberg schwarz, so dass Book selber verstärkt schauen muss, rechtzeitig die Pocket zu verlassen und auch einfach mal den Ball wegzuwerfen.)

Irish RB Dexter Williams vs. Tigers LB Kendall Joseph

Irish WR Miles Boykin vs. Tigers CB Trayvon Mullen

Irish TE Alize Mack vs. Tigers OLB Isaiah Simmons

Fazit: Ich ging mit einem knapperen Gefühl in diese Preview hinein, als ich herauskomme. Clemson wird defensiv die Irish Offense vielleicht nicht beherrschen, aber doch kontrollieren. Offensiv wird HC Swinney Wege finden – ob im Lauf oder Pass – die gute Irish Defense zu knacken. Ich befürchte aktuell, dass es nicht richtig eng wird.

 

Orange Bowl: #1 Alabama Crimson Tide (13-0) vs. #4 Oklahoma Sooners (12-1)
(in Miami; 02:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Das Beste kommt zum Schluss – zumindest was den heutigen Samstag angeht. Die beiden besten Offenses des Landes, die beiden besten Quarterbacks des Landes, die alte Trainerlegende Nick Saban gegen den heißesten jungen Coach Lincoln Riley: Es gäbe unzählige Geschichten, mit denen man so ein Preview beginnen könnte. Ich entscheide mich für folgende: Zum ersten Mal seit der Saison 2005/06 treffen der Gewinner und der Zweite der Heisman-Wahl in der Postseason aufeinander. Damals waren es USCs RB Reggie Bush und Texas‘ QB Vince Young im Rose Bowl 2006, dem meiner Meinung nach besten College-Spiel aller Zeiten. Erwartet uns also der nächste Instant Classic?
Not so fast, my friend. Alabama ist bei den Buchmachern mit sage und schreibe 14 Punkten favorisiert. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Defense der Sooners ist schlecht, für einen Playoff-Teilnehmer sogar historisch schlecht. Nach klassischen Stats (Yards, Punkte) und nach advanced Stats (Defensive S&P+, FPI) gleichermaßen. HC Lincoln Riley feuerte nach der Niederlage gegen Texas seinen DC Mike Stoops und installierte stattdessen Ruffin McNeill, allerdings waren keine größeren Verbesserungen festzustellen. Hintereinander gab man 46 (TTU), 47 (OK State), 40 (Kansas) und 56 (WVU) Punkte ab. Erst im Big 12 Championship Game gegen Texas konnte die gegnerische Offense wieder unter 40 Punkten gehalten werden (27). Besteht angesichts solcher Zahlen irgendeine Hoffnung, die Tide Offense zumindest zu kontrollieren?

Tide Offense vs. Sooners Defense:

Sooners: Pressure oder Big Plays verhindern?

Man mag sich kaum entscheiden, ob die Sooners Defense gegen den Lauf oder gegen den Pass anfälliger ist. Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache (gegen den Pass), doch liegt dies sicherlich zumindest teilweise am stärkeren Fokus aufs Passing in der Big 12. DC McNeill lässt Big 12-typisch eine softe Cover 4-Coverage aus einer Nickel-Formation (4-2-5) spielen, um Big Plays zu vermeiden. Das klappt sogar halbwegs, zumindest wenn man die Messlatte an Big Plays hoch anlegt, erlaubt gegnerischen Offenses jedoch viel zu oft, ohne größere Probleme übers Feld zu marschieren. In der Secondary gibt es zu wenig Differencemaker: Die outside CBs sind undersized (vor allem in punkto Gewicht) und hatten riesige Probleme mit physischen Receivern, der gehypte Nickelback true Fr. Bookie Radley-Hiles ist anfällig gegen tiefe Routen. Gerade aus dem Slot konnten gegnerische Offenses mit Seam- und Post-Routes die Lücken zwischen den tiefen Defendern immer wieder offenlegen.
Dazu kommt: Besondere Hilfe vom Passrush bekommt die Passverteidigung nicht. Seit Mitte der Saison wurde true Fr. DE Ronnie Perkins verstärkt eingesetzt, der mit 5 Sacks mittlerweile der beste Passrusher ist. Danach kommen aber schon die beiden LBs Kenneth Murray und Curtis Bolton mit jeweils 4 Sacks via Blitzes. Durch eben solche Blitzes gelangen den Sooners mehrfach entscheidende Plays, unter anderem ein Fumble-Six Defensiv-TDs im Shootout gegen West Virginia. Gegen Texas war es ein hervorragend gecallter CB-Blitz. Daher stellt sich schon die Frage, ob die Sooners etwas risikoreicher als üblich agieren sollten, selbst auf die Gefahr hin, statt 30 Yard Completions eben auch mal den ganz langen Touchdown zu kassieren. Die Abwägung hängt natürlich entscheidend davon ab, wie stetig die eigene Offense produzieren kann. Meiner Meinung nach sind Murray, Bolton und ihr erster Backup/Rotationsspieler Caleb Kelly die beste Unit der Defense. Ich würde sie ein wenig umherbewegen.

Denn wenn eine Offense Unit von Alabama zumindest minimal anfällig ist, dann wohl am ehesten die O-Line. Nicht falsch verstehen, die ist insgesamt deutlich überdurchschnittlich, aber nicht ganz auf dem Niveau der Skill Player. LT Jonah Williams gilt vollkommen zurecht als 1st round Kandidat gehandelt: technisch sauber, powerful, beweglich. Die unerfahrene rechte Seite sollte man allerdings mal testen. Zudem wurde nun bekannt, dass starting LG Deonte Brown auf unbestimmte Zeit suspendiert ist. Wahrscheinlich wird der erfahrene vorige Starter Lester Cotton für ihn einspringen, so dass kein übermäßiger Qualitätsverlust zu erwarten ist. Dennoch: Georgias nicht übermäßig prominenter Passrush stellte die Tide O-Line im SEC Championship Game teilweise vor einige Probleme.

Pick your poison

Schaut man sich die Skill Player der Tide an, kommt man eben schnell zu dem Schluss, dass die Sooners Defense hoffnungslos unterlegen ist. Über QB Tua Tagovailoa brauche ich keine großen Worte zu verlieren (wens interessiert, das habe ich unter anderem hier ausführlich getan). Der beste und fertigste pure Quarterback im College Football, und zwar nicht nur aktuell (67,7% Completions, 3353 Pass Yards, 37 TDs, 4 INTs). Mental processing, Decision making und Ball placement sind schlicht nicht von dieser Welt. Sorgen macht allerdings sein Knöchel. Ich hoffe, dass er beweglich genug ist, weil sein Spiel in gewisser Weise davon lebt, auch wenn er nicht der Scrambler wie Kyler Murray oder sein eigener Backup Jalen Hurts ist.
Tua ist nicht nur der beste Quarterback, den Alabama seit Ewigkeiten hat, er kann meiner Ansicht nach auch auf das beste Receiving Corps des Landes zurückgreifen. Um es in Zahlen zu untermauern: Die Top 4 WR und der Top TE (!) machen alle mindestens 17 Yards pro Catch – eine unfassbare Statistik. Die Receiver Jerry Jeudy, Henry Ruggs, Jaylen Waddle und DeVonta Smith haben unterschiedliche Stärken, doch eins eint sie: Top Speed. In Jeudy habe ich mich früh in der Saison verknallt, bevor er richtig durchstartete und letztlich sogar den Biletnikoff Award für den besten Receiver gewann (59 Catches, 1103 Yards, 12 TDs). Ich schrieb es schonmal: Er erinnert mich ein wenig an Florida States Star-WR Peter Warrick (für diejenigen, die sich schon in den 90ern für College Football interessiert haben). Sein Break in&out of Cuts, seine Moves und vor allem sein Stop & Go auf einem Bierdeckel sind unfassbar, ähnlich wie Warricks seinerzeit. Hier ein besonders krasses Beispiel:

Aber wie gesagt, die anderen stehen ihm kaum nach. Ruggs hat mindestens so guten straight-line Speed und zeigt immer wieder Highlight-Catches wie diesen:

Und true Freshman-Sensation Jaylen Waddle übertrumpft die anderen noch in Sachen Speed. Unfassbares Talent. Ridiculously fast.

Waddle ist zudem bei Screen Plays extrem gefährlich, hier müssen die Sooners sehr diszipliniert bleiben. Bei all den Receiving Stars fällt der Held des letztjährigen Finals, DeVonta Smith, fast ein wenig ab, was aber vor allem an seinen Verletzungen lag. Und als ob das noch nicht genug wäre, können die Tide mit TE Irv Smith auch noch einen der athletischsten TEs des Landes ins Feld führen, der den Sooners bei Seam Routes sehr weh tun kann. So viel Speed auf dem Feld, gepaart mit diesem unmenschlichen Ball Placement von Tua, das ansatzlose Yards after Catch erlaubt, ist schlicht ein wenig unfair. Hier sollte dann auch OC Mike Locksley berücksichtigt werden, der die Offense im Vergleich zu Vorgänger Brian Daboll gerade im Passing Game umgemodelt hat. Verdienter Lohn: Locksley wird HC bei Maryland, bleibt aber während des Playoff Runs noch bei Alabama. Also nicht das nächste OC-Drama in den Playoffs für Nick Saban.
Zu der tödlichen Passattacke kommt dann noch das Laufspiel, auf das die Tide in ihrer aktuellen Dynastie so sehr gebaut hat. Das hat nicht unbedingt nachgelassen, sondern wurde auf hohem Niveau überflügelt. Hier ist die Auswahl ebenfalls groß: RB Damien Harris (711 Yards, 6,1 Y/A, 7 TDs)kam überraschend für seine Senior Season nach Tuscaloosa zurück. Harris ist ein ziemlich kompletter Runner: recht kräftig gebaut, gute Vision und erstaunlich schnell im open field, kann aber auch einfach den Kopf runternehmen und die Pile bewegen. Sein Namensvetter Najee Harris (679 Yards, 6,7 Y/A, 4 TDs), der #1 Recruit des Vorjahres, ist schlicht ein Tier in der physischen Region von Bo Scarbrough, dabei jedoch ein deutlich natürlicherer Runner. Und dann wäre da noch der für Bama-Verhältnisse unbekannte Josh Jacobs (495 Yards, 5,3 Y/A, 11 TDs, 2 Rec TDs). Ich hatte seinen Lebensweg hier schonmal verlinkt.
Jacobs kämpft jeden Spielzug um das letzte Inch, ist aber alles andere als ein reiner Grinder: guter Burst, starke Balance, gefährlich outside und im Receiving einsetzbar. Jacobs hat im Laufe der Saison immer mehr Einsatz bekommen – zurecht. Für mich übrigens auch ein durchaus interessanter NFL Prospect, könnte ein guter Complementary Back sein.

Also: Pick your poison? Sicherlich muss aus Sooners-Perspektive das Big Play Passspiel von Tua und Co. vorrangig unterbunden werden. Wie begegnet man also dem Laufspiel? Hier wird viel auf das Duell des Top-C Ross Pierschbacher mit Sooners NT Neville Gallimore ankommen, der in einer miesen Defense leider ein wenig untergeht, obwohl er mir in einigen Spielen sehr positiv aufgefallen ist. Kriegt er zwei O-Liner beschäftigt und sorgt im Idealfall für Inside Push, würden die Aufgaben der angesprochenen Linebackers deutlich erleichtert werden (ähnliches gilt für den kräftigen DE/DT Amani Bledsoe außen). Dann müsste nur noch das Tackling sitzen, was leider auch nicht durchgängig festzustellen war.
Es ist eine Mammutaufgabe.

Key Matchups:

Tide C Ross Pierschbacher vs. Sooners NT Neville Gallimore

Gallimore muss unbedingt zwei O-Liner beschäftigen, um die Linebackers freizuhalten.

Tide RT Jedrick Wills vs. Sooners DE Ronnie Perkins

Ich würde Perkins auf die schwächere rechte Seite der Tide O-Line ansetzen (von hier brachte er eh die meiste Pressure, u.a. gegen WVU).

Tide RB Damien Harris vs. Sooners MLB Kenneth Murray

Murray muss unbedingt das inside Running Game eindämmen, allein schon um Tua und seinen Knöchel zu testen. Sicheres Tackling wichtiger denn je.

Für die WR-DB-Duelle tue ich mich wahnsinnig schwer, Key Matchups zu identifizieren. Hier müsste mich ein Sooners Passverteidiger schon sehr überraschen, ansonsten glasklarer Vorteil für Alabama.

 

Sooners Offense vs. Tide Defense:

Lincoln Rileys Kreativität

Gehen wir einfach mal davon aus, dass die Tide Offense die Sooners Defense deutlich beherrschen wird: Wie stehen die Chancen Oklahomas auf einen Shootout, vergleichbar mit dem Rose Bowl des letzten Jahres gegen Georgia?
Alles beginnt natürlich mit QB Kyler Murray, endet aber nicht unbedingt dort. Zum Heisman-Sieger habe ich ebenfalls vor kurzem ein paar mehr Zeilen verfasst. Seine Statistiken stellen die von Tua noch ein wenig in den Schatten: 70,9% Completions, 4053 Yards, unfassbare 11,9 Yards pro Passversuch, 40 TDs, 7 INTs, dazu noch schlappe 892 Yards Rushing (7,3 Y/A) und 11 Rushing TDs. Murray manövriert exzellent in seiner Pocket (was er aufgrund seiner geringen Größe auch muss) und ist bei jedem Scramble aufgrund von Burst und Quickness brandgefährlich. Ich bleibe beim Begriff cat-quick, der besser passt als alles andere.
Doch auch Murray hat einen hervorragenden Supporting Cast. Die O-Line ist meiner Meinung nach all-around die beste des Landes. Murray hat in der Regel unfassbar viel Zeit in der Pocket, und die Löcher fürs Laufspiel sind beinahe obszön. Vor allem darf diese Line auf gar keinen Fall mit einer der typischen Air Raid/Spread-Lines verwechselt werden – genauso wie HC Lincoln Riley zwar aus der Air Raid-Schule kommt, aber die Offense mit so vielen anderen Elementen angereichert hat. Das merkt man gerade am Laufspiel: Neben Zone Reads, Inside Zone und natürlich einigen Run-Pass-Options kommen eben auch Power- und Counter-Plays zur Geltung. Riley agiert gerne mit Misdirection, so dass ich mir gerade gegen Alabama einige nett designte Counters vorstellen kann.
Zurück zur O-Line: Die kann diese verschiedenen Konzepte ähnlich effizient umsetzen. Lange Zeit galt vor allem die linke Seite mit LT Bobby Evans und LG Ben Powers als die Stärke, in den letzten einszwei Monaten habe ich sukzessive (Twitter sei Dank) die rechte Seite mit RG Dru Samia und RT Cody Ford schätzen gelernt. Gerade von Ford existieren hervorragende Plays, die seine herausragende Footwork für seine riesige Masse von angeblich 350+ Pfund hervorheben (dafür kann man mal Twitter konsultieren). Nasty und kraftvoll ist er eh. Samia wirkt undersized, aber sehr flink. Egal, wohin man schaut, diese Line macht fürchterlichen Spaß. Nun trifft sie auf ihre größte Aufgabe, die beste 3-man Front des Landes, Doch dazu später mehr.
Das Laufspiel der Sooners erhielt gleich zu Beginn der Saison einen schweren Schlag, als sich RB Rodney Anderson, meiner Meinung nach einer der Top 3 RBs des Landes, einen Kreuzbandriss zuzog. Trey Sermon, der bereits letzte Saison als Freshman ein paar Spiele startete, sprang gut ein, hatte aber teilweise mit Verletzungen zu kämpfen. Sermon ist ein starker all-around RB, der auch gut im Passing Game eingesetzt werden kann (928 Rush Yards, 6,0 Y/A, 11 TDs, 181 Receiving Yards). Einen Spark erhielten die Sooners durch Fr. Slasher Kennedy Brooks, der die großen Lücken der O-Line exzellent auszunutzen verstand (1021 Rush Yards, 9,0 Y/A (!), 12 TDs).
Von den Yard-Zahlen und den advanced Stats ist die Offense der Sooners noch vor der Alabamas einzuordnen, auch weil das Laufspiel noch dominanter ausfällt und damit eine wirklich gleichberechtigte Alternative zum Passspiel darstellt. Das Passspiel ist beinahe noch einmal mehr als das von Alabama auf Big Plays abgestellt, hier stehen allerdings weniger Protagonisten im Vordergrund: Der schmächtige Speedster Hollywood Brown muss sich in Sachen Speed vor den Bama Receivern keineswegs verstecken (75-1318-10). Er kann am Catch point von kräftigeren DBs kontrolliert werden, doch ist sein Speed bei Gos, Posts oder Crossern mit YAC tödlich. Kleine Kostprobe aus dem Spiel gegen WVU:

Brown laboriert jedoch leider an einer Knöchelverletzung aus dem Big 12 Championship Game. Sein Ausfall (oder auch nur gröbere Einschränkungen) wäre extrem bitter und würde die Chancen der Sooners stark schmälern. Sein Nebenmann WR CeeDee Lamb (57-1049-10) ist ebenfalls nicht langsam und insgesamt vielleicht noch ein wenig kompletter, doch allein könnte er den tiefen Passangriff kaum schultern. Weitere Passempfänger hängen stark von Rileys Formationspräferenzen ab. Könnte mir vorstellen, dass etwa FB Carson Meier (immerhin über 17 Yards/Catch) je nach Matchup eine größere Rolle spielen könnte. Wenn einer gute Matchups gegen Alabama schemen kann, dann Riley.

Das Ganze weniger als die Summe seiner Teile?

Nicht falsch verstehen: Alabamas Defense gehört in beinahe jeder statistischen Kategorie zu den besten des Landes. Und doch kam es nicht nur mir in einigen Spielen so vor, als ob die Units nicht ganz so ineinandergreifen, wie man das vielleicht aus der Vergangenheit gewohnt war – trotz einer Menge Stars und künftiger 1st round picks. Andererseits sollte man auch nicht unterschlagen, dass Clemson in beiden Finals gegen die Tide deren hochgelobte Defense doch ziemlich alt aussehen ließ. Teams wie Clemson oder Oklahoma bringen eben andere offensive Firepower mit – und vor allem ungewohnte Systeme – als die Topteams der SEC.
Vielleicht wird es aber eben doch um Einzelspieler und ihre Big Plays in entscheidenden Momenten gehen. Deswegen freue ich mich am meisten über das Duell der Sooners O-Line gegen die Tide D-Line. NT Quinnen Williams gegen die interior Line, physischer wirds nicht mehr. Williams ist für mich der dominanteste D-Liner seit Ndamukong Suh, eine solche Performance habe ich seit 10 Jahren nicht mehr erlebt: ob Space Eater gegen Double Teams (und das bei unter 300 Pfund), Bullrush, lateral Quickness, der fantastische Handeinsatz oder in den letzten Spielen bei 3rd downs verstärkt auch Power Outside Rush aus der 5-tech Position. Ich kann den einen Heisman-Voter, der Quinnen auf Platz 1 gesetzt hat, sehr gut verstehen, trotz Murray und Tua. Er hat einfach keine Schwächen. Höchstens ein etwas zu loses Mundwerk, doch erschien ihm mitten im Satz wohl der Geist von Nick Saban und verhinderte schlimmeres:

Williams hat die zu Saisonbeginn deutlich höher eingeschätzten DEs Raekwon Davis und Isaiah Buggs deutlich in den Schatten gestellt (18 TFL, 8 Sacks als NT!). Buggs mauserte sich allerdings im Saisonverlauf zu einem gefährlichen QB-Jäger (9,5 Sacks). Die OTs der Sooners werden sich auch mit den beiden OLBs Christian Miller (7 Sacks) und Anfernee Jennings messen müssen. Jennings bringt nicht die großen Stats mit, ist aber unter anderem als Edge Setter äußerst wichtig für die Defense.
Ein weiteres absolut hochkarätiges Matchup findet zwischen den beiden Top ILBs Mack Wilson und Dylan Moses auf der einen Seite und den RBs Sermon und Brooks auf der anderen Seite statt. Beide Linebacker sind mehr als typische 3-4 Inside Thumper, sondern sehr athletisch, mit guter Range ausgestattet und durchaus variabel einsetzbar (Wilson stark in der Coverage). Nur kriegen sie die beiden Runner konstant getacklet?
Der anfälligste Teil der Tide Defense ist die Secondary, wenngleich sie sich im Laufe der Saion gesteigert hat. Saban lässt traditionell viele kreative Cover 3-Varianten spielen, scheut sich (gerade in heiklen Situationen) jedoch auch nicht, auf Man Coverage mit einem tiefen Safety (also Cover 1) zu wechseln. Nach einem unrunden Auftakt vertraute er true Fr. CB Patrick Surtain, und der machte mit seiner Größe und bereits recht weiter Technik einen hervorragenden Eindruck. Surtain gegen WR Brown sollte man ebenfalls als entscheidendes Duell auf dem Zettel haben. Wahrscheinlich wird aber vor allem der anderen CB, Saivion Smith, getestet werden, ebenso wie die größte Schwachstelle Strong Safety/Star. Ganz hinten wird QB Murray allerdings stark auf S Deionte Thompson achten müssen, der eine unfassbare Range hat (vergleichbar evtl. mit Ex-Buckeye Malik Hooker). Insgesamt gewinnt die Secondary gegenüber den Sooners WRs hauptsächlich in Sachen Physis, beim Speed wird man schauen müssen.
So viele hochkarätige Matchups, die in jedem einzelnen Play anders ausgehen können: ein Highlight für jeden College-Fan. Nur müssten die Sooners wohl mindestens zwei Drittel der Matchups gewinnen, um ihre Defense auszugleichen. Wahrscheinlich eine sehr schwere Aufgabe…

Key Matchups:

Sooners OG Ben Powers (oder OG Dru Samia) vs. Tide NT Quinnen Williams

Wie viele Drives killt Williams durch entscheidende Plays im Backfield?

Sooners OT Cody Ford vs. Tide 5tech DE Isaiah Buggs

Ford kommt mit kräftigen Power Rushern wie Buggs eigentlich gut klar. Kommt Buggs nicht zum Zug, könnte Saban es mit mehr Speed /Outside Rush eines der OLBs versuchen.

Sooners RBs Trey Sermon & Kennedy Brooks vs. Tide ILBs Mack Wilson & Dylan Moses

Welcher Runner auch immer die Hauptlast tragen wird: Die Sooners brauchen dringend Erfolg durch die Mitte bzw. an den Linebackern vorbei. Murray allein wird nicht reichen.

Sooners WR Hollywood Brown vs. Tide CB Patrick Surtain

Die wichtigste Frage: Ist Brown wirklich fit? Wenn ja, wird es spannend zu sehen sein, wie Surtain mit seinem Deep Speed umgeht. Versucht er aggressiv den Release und die Route zu erschweren oder wird er etwas Abstand lassen? Bei contested Catches müsste sich Brown etwas besser behaupten.

Sooners QB Kyler Murray vs. Tide S Deionte Thompson

Murray denkt und schaut zuerst tief. In diesem Spiel wird es mehr denn je auf seine Augen ankommen, mit dem er den Safety vom Target wegbewegen muss, da Thompson lateral beinahe beide Sidelines erreichen kann. Kein unnötiges Risiko früh im Spiel.

Obligatorisch: Die Special Teams. Hier hat Oklahoma wenig überraschend einen Vorteil, der in einem knappen Spiel den Ausschlag geben könnte. Alabamas Kicking Game ist auch unter K Joseph Bulovas etwas erratisch, während Sooners K Austin Seibert zu den sicheren gehört.

Fazit: Die Sooners Defense fällt einfach zu sehr ab, von daher sehe ich keine Überraschung, egal wie sehr ich mich bemühe. Wenn Riley sein A-Game callt und Murray mit Hilfe der Line wie vom anderen Stern spielt, könnte es aber dennoch zu einem Shootout kommen. Doch sehe ich selbst dann die Tide vorne.

 

Nachtrag:

Peach Bowl: #7 Michigan Wolverines (10-2) vs. #10 Florida Gators (9-3)
(in Atlanta; 18:00 Uhr mitteleuropäische Zeit)

(Ich habe beide Teams im Laufe der Saison mehrfach ausführlich vorgestellt. Wer ausführlichere Infos zu einzelnen Spielern wünscht, benutze bitte die Suchfunktion.)

Der diesjährige Peach Bowl ist sicherlich das unspektakulärste und uninspirierteste Matchup. Michigan vs. Florida gab es in den vergangenen Jahren gleich mehrfach (einmal im Citrus Bowl, als Michigan deutlich gewann). Für die Wolverines hat die so vielversprechende Saison im Grunde genommen mit der Niederlage in The Game gegen Ohio Stage geendet. Für Florida unter 1st year HC Dan Mullen ist die Saison mit dem Erreichen eines New Year’s Six Bowls sicherlich überraschend positiv verlaufen.
Offensichtlich bewerteten die Stars der Wolverines die Attraktivität des Spiels ähnlich wie ich und entschieden sich lieber zu einer verfrühten Draftvorbereitung: RB Karan Higdon, DE Rashan Gary und LB Devin Bush sind drei der prominentesten Absagen überhaupt. In der Offense wird HC Jim Harbaugh immerhin noch auf QB Shea Patterson bauen können, der für seine Senior Season wohl zurückkehrt. Das Laufspiel wird der vielseitige Chris Evans übernehmen, im Passspiel ist vor allem auf WR Donovan Peoples-Jones und den überraschend starken TE Zach Gentry zu achten (letzterer ist allerdings noch fraglich).
In der Defense ist trotz der beiden großen Stars Gary und Buch noch genügend Potenzial vorhanden: DE Chase Winovich lässt sich auch sein letztes Spiel in maize & blue nicht entgehen. OLB/VIPER Khaleke Hudson wird ohne Bush sicherlich mehr Arbeit bekommen. Auf Wiedergutmachung aus wird vor allem die Secondary sein, die die Saison über so fantastische Leistungen zeigte, dann aber von Dwayne Haskins komplett auseinandergenommen wurde. CB Lavert Hill und David Long dürften erneut viel Man Coverage spielen, S Josh Metellus ist ein vielseitig einsetzbarer Spieler, der mich vor dem fatalen Ohio State-Spiel sehr überzeugt hat. Gespannt bin ich, wo der talentierte DE/LB Josh Uche eingesetzt wird: auf Bushs MLB-Position (seine eigentliche Heimat) oder auch als 3rd down DE (von wo aus ihm eine Menge Plays gelangen).

Floridas Offense ist flügellahm, hat sich im Verlauf der Saison aber zumindest im Laufspiel gesteigert. QB Feleipe Franks und sein Passangriff um WR Van Jefferson sollte keine zu große Challenge für die Wolverines Defense werden. Die RBs Jordan Scarlett und Lamical Perine brauchen definitiv besondere Aufmerksamkeit. In beiden sehe ich Pro Potenzial, bei Perine vielleicht noch etwas mehr (nicht der pure Power Runner wie sein Cousin Samaje Perine, dafür im Receiving besser einsetzbar). Wer auf O-Line Prospects steht, sollte unbedingt einen Blick auf den Mammut-RT Jawaan Taylor achten, von dem die Scouts gerüchteweise sehr angetan sind. Wesentlich bessere Anlagen als der zeitweilig hochgehandelte LT Martez Ivey.
Die Defense der Gators tritt beinahe in Bestbesetzung an. DE Jachai Polite ist ein ultragefährlicher Edge Rusher und für mich ein klarer Kandidat für die 1st round im Draft. Bei ihm wird die Länge den Ausschlag geben (nur mit 6‘2 angegeben), der Passrush around the Edge muss sich vor kaum einem anderen CFB-Spieler verstecken. Sehe ihn gegen Michigans OT klar im Vorteil. Mit dem weniger explosiven, aber vielseitigen DE Jabari Zuniga und Enigma CeCe Jefferson haben die Gators vorne einige Pfeile im Köcher. Auf LB sieht es genauso aus mit dem soliden Run Defender MLB David Reese, dem Hybrid OLB/S Chauncey Gardner-Johnson und OLB Vosean Joseph, der mir ziemlich ans Herz gewachsen ist: Playmaker mit oft guten Instinkten, unterschätzter, ungemein effektiver Blitzer. In der Secondary erwarte ich für die kommenden Jahre einiges vom schnellen und athletischen So. CB C.J. Henderson. S Brad Stewart hatte ebenfalls gute Szenen. Diese Defense ist auch für die Zukunft nicht so schlecht aufgestellt.

Wir werden also jede Menge guter Defense sehen. Ob diese Offenses da ansatzweise mithalten können? Schwer vorstellbar, erwarte daher eher einen Low Scorer.

 

Belk Bowl: South Carolina Gamecocks (7-5) vs. Virginia Cavaliers (7-5)
(in Charlotte; 18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Hier muss ich mich aus Zeitgründen auf die wichtigsten Spieler beschränken.

South Carolina:
Die Gamecocks sind eh verletzungsgebeutelt (u.a. OG Zack Bailey), und ihr bester Spieler WR/RS Deebo Samuel setzt den Bowl wegen Draftvorbereitung aus.
Schlüsselspieler unter den Übriggebliebenen: QB Jake Bentley (erneut keine größeren Verbesserungen), WR Bryan Edwards (physischer Receiver, könnte einige überraschen), MLB T.J. Brunson, OLB Bryson Allen-Williams (noch questionable).

Virginia:
Die Cavaliers haben eine hervorragende, wenngleich viel zu wenig beachtete Secondary (nur 180 Yards/Spiel) mit CB Bryce Hall und S Juan Thornhill, heiße Kandidaten für frühe Picks in der nächsten Draft, die in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht so richtig angekommen sind. CB Tim Harris und OLB Chris Peace sind ferner zu beachten. In der Offense spielt einer meiner Lieblings-Sleeper, der kleine all-purpose Slot WR Olamide Zaccheaus, der den Ball auf verschiedene Weisen in Space bekommt und aus Screens, Jet Sweeps einiges produzieren kann. Wird jedoch auch mit einigem Erfolg deep geschickt. QB Bryce Perkins ist ein gefährlicher dual-threat mit beinahe 1000 Rush Yards.

 

 

 

 

4 Gedanken zu „Preview: Playoff Halbfinals (Cotton Bowl, Orange Bowl) & Peach Bowl

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