Scouting: Off-Ball Linebacker II

 

Es folgt der zweite Teil des Beitrags zu den Off-Ball Linebackern. Noch einmal zur Sicherheit der Hinweis: Hierbei handelt es sich wenn überhaupt nur um ein ungefähres Ranking. Spieler wie Terrill Hanks, Emeke Egbule, Ben Burr-Kirven u.a. sind nicht zwangsläufig hinter all den hier analysierten Linebackern eingeordnet. Allerdings gehören sie für mich nicht zu den Top 7-8 LBs.

Hier gehts zum ersten Teil (mit Devin Bush, Devin White, Blake Cashman, Mack Wilson und David Long).

 

Vosean Joseph, Florida (6’1, 230, Arms 31 1/8, Hands 9 5/8), Junior
(kein Combine-Workout wegen Verletzung)

(Kurznotizen)

Joseph spielte in seiner Freshman-Saison primär in den Special Teams. Im zweiten Jahr startete er als OLB und zeigte einige vielversprechende Ansätze, aber noch nicht viel mehr. 2018 erfolgte dann der Durchbruch: Der neue DC Todd Grantham ließ eine 4-2-5 Defense spielen mit zwei nominellen ILBs (David Reese meist mehr nach innen orientiert, Joseph nach außen, Chauncey Gardner-Johnson als STAR), hier kamen seine Stärken dann richtig zur Geltung: 93 Tackles, 9 TFLs, 4 Sacks, 5 PBU. Im allerersten Saisonspiel wurde er allerdings aus nicht näher spezifizierten Gründen für die erste Series suspendiert.

  • Joseph ist deutlich undersized, wirkt ziemlich schmächtig und hat nicht die längsten Arme. Seine Athletik ist dagegen exzellent, toller Burst und Closing Speed.
  • Extrem talentierter Prospect, aber die größte Unkonstanz von allen Linebackern dieser Klasse. In einem Spiel wirkt er beinahe wie ein potenzieller 1st rounder, im nächsten kaum draftbar. Ich schrieb in meinem Preview zum Spiel der Gators gegen LSU, dass Joseph vielleicht die Schwachstelle der (Run) Defense ist, zumindest war das mein Eindruck aus den Spielen zuvor. Doch dann legte er eine atemberaubende Performance (mit lediglich einigen kleinen Schönheitsfehlern) hin! Wenn man das Potenzial von Joseph erahnen will, sollte man sich diesen Cutup anschauen.
  • Quickness auf dem Feld überragend: Slantet durch die Gaps ins Backfield. Teilweise zehntelsekundengenau getimet, unfassbar schnell beim QB oder Runner. Extrem gefährlicher Blitzer durchs A-Gap.
  • Durch Explosivität und Quickness entgeht er auch Blockversuchen, ohne sich dabei aus dem Play zu nehmen.
  • Hervorragende Change of Direction und allgemein sehr flüssige Bewegungen. Gute Range (obwohl er innerhalb der Hashmarks ungewöhnlicherweise fast effektiver ist). Stark in Pursuit und in Space. Chase & Hit Linebacker.
  • Für seine 230 Pounds spielt er physisch und tacklet durchaus hart. Hatte als einer von zwei ILBs keine Probleme, in der Box und nahe der Line of Scrimmage für Furore zu sorgen. Einige short Yardage Stops in der Mitte.
  • Starker Blitzer mit gutem Gefühl für Rush Lanes.
  • All diese positiven Eigenschaften können jedoch sofort zunichte gemacht werden. Josephs Play Recognition und Instinkte sind nicht gut. Hit and miss Player. Versteht die Keys nicht oder befolgt sich nicht diszipliniert genug. Freelancer, der Gap Control immer mal wieder für das vermeintliche Big Play im Backfield vernachlässigt. Zu oft mit den Augen beim Movement, nicht beim Ball.
  • Field Vision eingeschränkt: Bei Zone Reads oder Counters teilweise total aufgeschmissen, wo sich der Ball befindet.
  • Tackling extrem inkonstant in allen Facetten (Footwork, Contact Balance, Tackling-Technik). Kommt teilweise zu hoch in den Kontakt und wird dann locker mitgeschleift. Zu aggressive Angles. Überrennt Plays, schießt am Gegner vorbei. Zu viele halbherzig wirkende Arm Tackles. Aber: Immer wieder zeigt er, dass er es auch anders kann. Welches ist der richtige Joseph?
  • Geht in Blocks nicht immer mit der richtigen Leverage, daher zu oft am Boden.
  • Talent in Man Coverage blitzt immer wieder auf: Besitzt Quickness, Agilität und Burst, um selbst aus einer ILB-Position den TE in Man Coverage downfield zu nehen. Erfahrung gegen Slot Receiver. Guter Armeinsatz und clsoing Burst, um den Pass abzuwehren.
  • In Zone Coverage aufgrund der unterdurchschnittlichen Instinkte etwas weniger effektiv. Zone Awareness unausgeprägt.

Fazit: Wenn man sich auf ein Grade festlegen will, ist Joseph wohl die schwierigste Evaluation aller Off-Ball Linebacker. Selbst „low floor, high upside“ passt nicht ganz, da sein Floor aufgrund herausragender Plays in verschiedenen Spielsituationen eigentlich gar nicht so niedrig ist (oder sein müsste). Joseph hat einige Tools, die ihn zum Starter in der NFL befähigen, doch wenn er seine riesigen Schwächen in Sachen Football IQ und Instinkte nicht ablegt, kann es auch ein sehr kurzes Intermezzo in der NFL werden. Sein Erfolg wird in den ersten Jahren extrem vom Coaching abhängen. Von der zweiten bis zur fünften Runde ist alles drin. Ich würde wohl je nach Depth auf der Position ab der mid/late 3rd überlegen.

GIFs:

Möchte ein wenig seine Vielseitigkeit unterstreichen, die ihn von anderen schmalen Linebackern abhebt und unterstreicht, was alles möglich wäre. Zunächst das angesprochene extrem genaue Timing seiner Blitzes. A-Gap Blitz und Sack gegen Jake Fromm. Elijah Holyfield hat nicht den Hauch einer Chance auf den Passblock:

4th and Inches: Erneut das richtige Timing und gute Physis gegen den FB Dive von Ben Mason, mit dem die Wolverines sehr viel Erfolg die Saison über hatten. Stands him up, keinen Zentimeter vorwärts, Turnover on downs. Stark für einen leichten LB:

Wenn er doch immer so diszipliniert wie in den folgenden zwei Plays wäre: Outside Run, geht mit dem Flow, durch die Blocks, setzt den Tackle for Loss:

Overcommited nicht gegen den Jet Sweep, nimmt die Cutback Lane und tacklet stark:

Hat den Slot WR in Off Man Coverage, inside Leverage, flüssiger Richtungswechsel, dreht sich zum Ball, wehrt mit dem Arm den Pass auf die Post Route ab:

 

Te’von Coney, Notre Dame (6’1, 234, Arms 32 7/8, Hands 9 1/2), Senior
(kein Combine-Workout)

(Kurznotizen)

Coney war ein hochgehandelter Recruit aus der Highschool, dessen College-Karriere zunächst etwas holprig verlief (ein Jahr Backup, dann mit Gras erwischt worden). Die letzten drei Jahre konnten sich aber sehen lassen: unumstrittener Starter auf MLB mit hervorragenden Statistiken 2017 (116 Tackles, 13 TFL, 3 Sacks) und 2018 (123 Tackles, 9.5 TFL, 4 Sacks, 1 INT).

  • Hat bei den Irish eigentlich durchgehend 4-3 MLB gespielt, nur ab und an außen postiert.
  • Kein guter Athlet. Nicht nur bezüglich der Combine-Werte, sondern auch auf dem Feld zu sehen. Größte Limitationen: erste Schritte / Beschleunigung sowie Change of Direction, letztere teilweise painfully slow. Lateral Quickness unterdurchschnittlich. Straight-line Speed nicht gut, aber gerade noch ausreichend. Range wenig beeindruckend.
  • Extrem sicherer Tackler. Form Tackles, technisch herausragend. Shoulder square, head-on Collision, wrap up Tackle, so wie es sein soll. Legt Power hinter die Pads.
  • Gute Orientierung und Awareness in der Box bzw. hinter der D-Line. Findet Ball und Ballträger konstant. Sehr diszipliniert in der Hole, hier wenig falsche Schritte. Vertraut seinen Keys, wird selten von Play Action oder Misdirection überrascht.
  • Gute Angles in Box und upfield. ‚Floatet‘ diszipliniert von Gap zu Gap, wenn der RB presst.
  • Play Recognition führte zu mehr Tackles for Loss, als man bei einem solchen Spielertypen wie ihm erwartet.
  • Relativ effektiver Blitzer, aber bringt auch hier eine gehörige Portion Toughness mit.
  • Starker Goal Line und short Yardage-LB, hier kommen die oben aufgeführten Stärken besonders zum Tragen.
  • Hervorragender Effort, nimmt keine Plays off.
  • Block-shedding inkonstanter, als ich erwartete. Lässt sich nach dem first contact teilweise zweidrei Yards wegschieben (Power? Leverage?), kann im nächsten Play dann wiederum viel besser aussehen.
  • In Pass Coverage wenig eingesetzt, sicherlich auch wegen der mäßigen Richtungswechsel. Beschränkte sich weitgehend auf short middle Zone. Hier wenig auffälliges, dennoch recht effektiv: Kommt bei Passes underneath schnell nach vorne, tacklet sicher. Zu grabby bei Crossern, die direkt an ihm vorbeigehen (wenngleich das selten gecallt wurde). Awareness okay, Movement in small spaces zumindest passabel fluid, aber darüber hinaus sicherlich nicht einsetzbar. Tendenz two down Player.

Fazit: Coney ist ein echter Throwback MLB. Hard-nosed Thumper, gute Reads gegen den Lauf, sicherer Tackler in der Box. Sobald er in space operieren muss, zeigen sich Limitationen – insbesondere athletischer Natur. Vor einigen Jahren wäre so ein Spieler noch wesentlich attraktiver gewesen, in der heutigen Zeit fällt er wohl aus dem zweiten Tag. Teams, die mehr auf oldschool ILBs setzen, könnten hier Anfang des dritten Tages zuschlagen. Recht sicherer Spieler, was seine Stärken angeht, die Schwächen sind wohl nicht so einfach zu kaschieren. Not a player for every team.

GIFs:

Im Run Game ist Coney smart und sound wie kaum ein anderer. Erkennt Richtung des Plays, moves well in traffic, Augen nur beim RB Higdon, füllt das Gap, Tackle. Typischer Coney-Spielzug:

Gute Bewegung von Gap zu Gap bei Outside Zone, sehr diszipliniert, erlaubt keine Cutback Lane, entledigt sich des Blockversuchs und macht den Tackle gegen RB Bryce Love:

In der Box sehr sicher. Vertraut seinen Keys, Schüttelt den schlechten Cutblock-Versuch ab und tacklet hart:

Gutes Gefühl, wie er den Screen attackieren muss. Umgeht den OG im 2nd level, sicherer Tackle gegen Love:

 

Jahlani Tavai, Hawai’i (6’2, 250, Arms 31 7/8, Hands 9), redshirt Senior
(kein Combine-Workout wegen Verletzung)

Tavai startete alle vier Jahre in der Warriors Defense. Bereits in seiner Sophomore Season 2016 machte er mit fantastischen 19.5 TFL und 7 Sacks auf sich aufmerksam. Diese Statistiken konnte er in den nächsten beiden Saisons nicht ganz erreichen, Seine Senior Season wurde gleich doppelt verkürzt, erst durch eine Suspendierung aufgrund eines unschönen Vorfalls in einem Nightclub, später durch eine Schulverletzung. Dennoch kam er immerhin noch auf 82 Tackles, 5.5 TFL und 2 Sacks.

  • Tavai spielte ILB, aber auch Edge Defender und wurde sehr viel zum Passrush oder Edge Setting geschickt. Ein wenig out of position, in der NFL dürfte er eher als klassischer MLB/ILB hinter der Line of Scrimmage evaluiert werden.
  • Wirkt vom Oberkörper wie ein Linebacker von vor 20 Jahren. Hat ordentlich Masse, um O-Linern zumindest potenziell etwas entgegenzusetzen.
  • Mittelmäßiger Athlet. Glaube nicht einmal, dass er besonders langsam ist, doch fehlen ihm Burst (short-area Explosivität) und laterale Quickness, dadurch deutliche Limitationen bei der Range zu den Seitenlinien.
  • Hervorragende Play Recognition. Erkennt Run und Pass Keys der Offense sofort. Liest den Spielzug auch bei Misdirection oder in Traffic richtig gut, lässt sich nicht von Eye Candys (Motion, Jet Sweep etc.) irritieren. Entscheidet sich bei Zone Reads oder Bootlegs ganz selten für den falschen Spieler. Sehr wenig falsche Schritte. Hoher Football IQ.
  • Shufflet als OLB die Gaps kontrolliert ab, wenn der Run über die anderen Seite geht, dadurch geringere Chancen auf Cutback Lanes.
  • Tackles sind hart, kommt mit ordentlich Pop in den Kontakt. Hier gefällt er mir insgesamt aber weniger, als ich dachte. Steht teilweise nicht richtig, hat seine Füße nicht unter dem Körper, maue Contact Balance. Lässt daher mehr Yards nach dem Kontakt zu und verpasst einige Tackles.
  • Nimmt Blocks gut aus, starker Punch. Behält Kopf oben, verliert den Runner im Block nicht aus den Augen. Technik für Block-shedding allerdings noch ausbaufähig.
  • Blitzes und Passrush insgesamt nicht sonderlich effektiv (ist nicht nur seine Schuld, wurde viel zu oft auf geplante Rushes geschickt). Allerdings auch einige starke Reps darunter, einszwei Mal schöner Shoulder Dip. Edge Setting gar nicht so übel.
  • Zone Coverage extrem unterschätzt: Klasse Awareness, entscheidet sich fast nie falsch – wenn dann hindert ihn seine Athletik daran, rechtzeitig beim Passempfänger zu sein. Tiefe Zone Drops, Fluidität zumindest passabel. Schnelle Adjustments (lateral Shuffle) „on the fly“ je nach Entwicklung des Plays.
  • In Man Coverage funktional, hierfür wird ihm in der NFL wohl die nötige Beweglichkeit abgehen.

Fazit: Tavai lief unverständlicherweise lange Zeit etwas unter dem Radar. Top Football IQ und Play Recognition, dabei durchaus diszipliniert. Schwächen in der Tackling-Technik könnten behoben werden. Athletische Limitationen berauben ihn ein wenig seiner Vielseitigkeit (die er durchaus hat). Könnte hervorragend in eine 3-4 als ILB passen, ist aber auch in einer 4-3 vorstellbar. Gab ein in den letzten Tagen ein wenig späten Hype, würde ihn dennoch nicht an Tag 2 picken. Früher dritter Tag, hängt sicher auch von der Evaluation seiner Schulterprobleme und seines Off-Field-Incidents ab.

GIFs:

Zeige drei Plays, die Tavais generelle Field Awareness verdeutlichen.  Täuscht den Edgerush an, droppt in die Zone, verfolgt die verschiedenen Routes sehr konzentriert, erkennt den Crosser vor ihm, stoppt den Receiver sofort:

Lässt sich vom Jet Sweep in die andere Richtung  nicht irritieren, fokussiert nur den Ball, macht den Tackle:

Schöne Coverage gegen San Jose State Sleeper TE Josh Oliver. Zone Drop, erkennt die Upfield (Post) Route des TEs, übernimmt ihn und shieldet ihn underneath (mit Safety over the top):

 

Bobby Okereke, Stanford (6’1, 239, Arms 34 1/2, Hands 10 1/8), redshirt Senior
(40: 4.58 // Shuttle: 4.26 // Cone: 7.25 // Vert: 33.5 // Broad: 122)

Nach einem Jahr als Backup startete Okereke die vergangenen drei Saisons für den Cardinal. Insbesondere in den letzten beiden Jahren entwickelte er sich zu einem zuverlässigen Mann in der Mitte der Defense (2018: 96 Tackles, 7.5 TFL, 3.5 Sacks, 5 PBU).

  • Okereke bemannte meist einen der beiden ILB-Posten in der Cardinal-Defense, rückte unter anderem in Nickel-Situationen auch mal nach außen.
  • Guter Athlet mit funktionaler Agilität, extrem langen Armen und großen Händen.
  • Das erste, was auffällt: Toller Burst / first step Quickness. Beschleunigt schnell (vgl. Broad Jump), dadurch viel in der Nähe des Geschehens. Starker Closing Speed.
  • Range / lateral Speed könnte bei diesen Voraussetzungen besser sein (ist jedoch nicht wirklich schlecht). Explosivität besser straight-line und downhill. Angles grundsätzlich gut.
  • Tackling ist ausbaufähig: zu viele Arm Tackles, kein wirklich gutes Positioning. Vertraut seinem Footwork zu wenig und ‚lungt‘ Richtung Ballträger. Leichte Tendenzen zum Overpursuing.
  • Könnte an der Line of Scrimmage etwas physischer agieren. Gibt bei Tackles zu oft noch einszwei Yards ab. Kein konstant harter Tackler.
  • Play Diagnosing on & off, teilweise etwas zu spät. Lässt sich zu sehr von Play Fakes beeindrucken und neutralisieren. Zu viele initial false Steps. Grundsätzlich aber noch okay (bspw. besser als Germaine Pratt, s.u.). Ist ein sehr intelligenter Typ, sollte hier also noch einiges Potenzial mitbringen.
  • Müsste seinen Keys mehr vertrauen und öfter ins Backfield slanten. Wenn er es tut, ist er oftmals effektiv.
  • Zu oft am kurzen Ende von Blocks, löst sich zu selten, lässt zu viel Push des O-Liners oder TEs zu, lässt sich teilweise durchs Bild schieben. Dabei hat er mit seinen langen Armen und kräftigen Händen eigentlich hervorragende Voraussetzungen, die er viel gewinnbringender einsetzen müsste. Handeinsatz wenig entwickelt.
  • Stark in der Coverage, hier agiert er wesentlich instinktiver als gegen den Lauf bzw. in der Box. Zone Awareness gefällt mir, versteht Routes und Routenkombinationen, nimmt Plays vor ihm oder in der Flat schnell aus dem Spiel. In Man Coverage für einen ILB erstaunlich flüssig, wirkt gegen RBs und TEs kompetent.
  • Effort ist gut, dennoch fühlt es sich manchmal so an, als ob er mit seiner Physis und Athletik mehr rausholen müsste, gerade im direkten Kontakt mit O-Linern, da wirkt er teilweise fast soft (was er sicherlich nicht ist).

Fazit: Okereke ist ein spannender ILB-Prospect aufgrund seiner Athletik und Vielseitigkeit. Er hat einige größere (Block-shedding) und kleinere (Tackle-Technik, Play Recognition) Lücken in seinem Profil, die aber vielleicht besser als bei ähnlich gerankten LB-Prospects behoben werden können, da er sowohl mit seiner Armlänge/Handgröße als auch seiner Intelligenz eine hervorragende körperliche wie mentale Basis hat. Auf Tape für mich eher ein 4th round value, der späte zweite Tag könnte aber drin sein.

GIFs:

Bei Okereke steht hier das three-down Potenzial im Vordergrund. Zunächst gegen den Pass: Nimmt aufgrund seiner hervorragenden Zone Awareness mehrere Routes aus dem Spiel (erst den inside Curl von der anderen Seite und die Mesh Routes) und ist dadurch mittelbar am Sack beteiligt. Unterschätztes Play:

Erkennt die Hook Route des Slot WRs, guter Break auf den Ball, Pick 6:

Hat zudem noch einiges freizulegendes Potenzial in short Yardage-Situationen, wenn man dieser Sequenz gegen Notre Dame folgt. 3rd and 1, füllt das Gap, macht den head-on Tackle gegen RB Tony Jones ohne jeglichen Raumgewinn:

Die Irish spielen den folgenden 4th and Inches aus, Okereke slantet von der Backside des Plays rein und trifft Jones, bevor er das 1st down erreichen kann. Ganz stark:

 

Germaine Pratt, North Carolina State (6’2, 240, Arms 31 5/8, Hands 9 1/8), redshirt Senior
(40: 4.57 // Bench: 24 // Vert: 32.5 // Broad: 116)

(Kurznotizen)

Nach zwei Jahren als Backup-Safety und Special Teamer wurde Pratt zum Linebacker umfunktioniert. Dies machte sich bezahlt: 2017 war er als Key Backup und part-time Starter immerhin für 69 Tackles, 5.5 TFL und 2 INTs verantwortlich. 2018 steigerte er sich noch einmal wurde er ins 1st team All-ACC gewählt (104 Tackles, 10.5 TFL, 6 Sacks):

  • Spielte MLB und OLB in der 4-3 Defense des Wolfpack, allerdings auch Erfahrung als Nickel Defender.
  • Sehr muskulöser, physischer Typ mit gutem Speed (4.57 bei 240 Pfund ist absolut top!).
  • Effektiv, wenn er sich stärker downhill orientiert. Aggressives Füllen der Gaps, guter Closing Speed. Gefährlich, wenn er mit Schwung kommt.
  • Schwächer, wenn er hinter der D-Line agiert. Viel zu reaktiv, vertraut seinen Keys nicht. Instinkte fraglich.
  • Play Recognition on and off, extrem schwankend. Fällt schnell auf Eye Candys rein (Motion, Jet Sweeps etc.), spottet dann den Ball schlecht (bspw. gegen Clemson zwei identische Plays, bei denen er den Inside Run von RB Etienne nicht erkennt, weil er mit seinen Augen bei der Motion ist). Lässt sich von Playaction manchmal zu nah an die Line of Scrimmage locken. In einigen Plays nicht nur undiszipliniert, sondern regelrecht verwirrt – weiß dann selbst nicht, was er da tut.
  • Zu oft washed up in traffic bzw. In der Box.
  • Tackling grundsätzlich gut, aber geht zu aufrecht in den Kontakt. Sieht teilweise awkward aus, ist jedoch effizient. Kommt mit ordentlich Pop in den Kontakt. Einige Wrestling Tackles zu viel, das wird in der NFL nicht immer funktionieren. Extrem kräftiger upper body hilft ihm enorm, Technik ausbaufähig.
  • Lösen von Blocks noch keine Stärke, auch hier liegts weniger an Power und Punch, sondern an Positioning vor dem Kontakt und Technik. Noch ziemlich raw.
  • Starker Blitzer, gutes Gespür für Lanes, kommt immer wieder durch.
  • Lateral Quickness und lateral Speed mittelmäßig, hätte mehr Movement Skills erwartet von ehemaligem Safety. Starker Pursuit, hoher Effort, rennt Plays von hinten nieder, durch seine harten Tackles immer Fumble-Potenzial.
  • Ungewöhnliche Coverage-Schwächen. In Man Coverage weniger augenscheinlich: für einen LB guter Backpedal, Transition zumindest okay, erfahren auch bei tieferen Routes, allerdings teilweise auch hier seine Stiffness augenscheinlich. Bei Zone Coverage fehlende Awareness & Instinkte, Reaktion etwas verspätet.

Fazit: Pratt ist eine seltsame Evaluation. Für einen ehemaligen Safety gewissermaßen verkehrte Stärken und Schwächen: Physisch top, guter straight-line Athlet mit closing Speed, harter Tackler, der aber erstaunlich unbeweglich in den Hüften ist und daher Schwächen in der Coverage hat. Noch sehr roh, wie man an Spielverständnis und teilweise Technik merkt. Für mich kein Day 2 Player, sondern eher 4th/5th round. Hat natürlich ein beträchtliches Entwicklungspotenzial aufgrund seiner Unerfahrenheit auf der neuen Position, daher würde mich ein Pick in der dritten Runde nicht wundern. Low floor, high ceiling. Könnte ihn mir auch gut als 4-3 SAM vorstellen.

GIFs:

Im Vordergrund soll Pratts Physis stehen. Hier droppt er zunächst in seine Zone, erkennt den Draw und setzt einen typischen Pratt-Tackle gegen RB Travis Etienne, bei dem man seine perverse Stärke im Oberkörper merkt:

3rd and short. Als ILB aufgestellt, kurzer Burst upfield, entledigt sich koordiniert des Blockversuchs, physisches Finish, verhindert das 1st down durch RB Matt Colburn:

Guter initial Punch gegen den Block, harter Tackle für minimalen Raumgewinn:

Sehr gefährlicher Blitzer, hier ein delayed Blitz, bei dem seine gute Reichtweite offenbar wird. Tacklet QB Trevor Lawrence hart:

Dieses Play unterstreicht seinen Effort und straight-line Speed. Nach kurzem Rushversuch macht er mit tollem Pursuit den Tackle gegen den WR 25 Yards downfield:

 

Weitere mid-to-late Round-Kandidaten (die Auswahl ist eher zufällig, Sleeper folgen noch im Extrabeitrag):

T.J. Edwards, Wisconsin (6’0, 230, Arms 31 1/4, Hands 9 3/8), redshirt Senior
(Bench: 16 – kein komplettes Combine-Workout wegen Verletzung)

(Notizen)

  • Highschool QB, der dort auch ein wenig Safety und Linebacker spielte. 4 year starter mit hervorragender Production als einer der beiden ILBs in Wisconsins 3-4 Defense. 2017 1st team All-American, entschied sich 2018 nach Madison zurückzukehren.
  • In früher Karriere staturmäßig eher ein Thumper, verlor in der letzten Offseason deutlich an Gewicht, um mehr Speed und Quickness aufs Feld zu bekommen. 2018 aufgrund der Probleme in der Badgers Defense noch vielseitiger gefragt (insb. im Passrush, da die 3-4 OLBs nicht effektiv waren, zu seinen ohnehin wahrgenommenen Aufgaben in der Coverage).
  • Agiert trotz nur noch 230 Pounds sehr physisch in der Box. Kein abwartender ILB, Richtung Line of Scrimmage unterwegs, ohne dauernd in irgendein Gap zu shooten.
  • Harter initial Punch, verschafft sich gegenüber O-Linern und FBs einen sofortigen Vorteil.
  • Auch sonst Verhalten gegen Blocks: sehr intelligentes Positioning, lässt sich selten zentral aufnehmen. Macht sich klein in der Hole. Sehr effektiver Shoulder Dip, um seitlich an Blocks vorbeizukommen. Daher auch passabler inside Blitzer.
  • Extrem hoher Football IQ: schnelles Processing, versteht Plays und Play-Entwicklung, Leverage und auch seine eigenen Schwächen, die er bestmöglich durch Antizipation minimiert. Schnelle Reaktionen.
  • Sicherer Tackler in der Box, technisch sehr sauber. Füße fast immer unter dem Körper, gute Contact Balance. Wenig overpursuing, viel Disziplin. In space zeigen sich allerdings Probleme in der Reichweite.
  • Athletisch ziemlich limitiert: Langsame 40 (knapp unter 4.9), keine besondere Range. Insbesondere lateral Change of Direction sehr langsam. Stiff in den Hüften, wird auch in Man Coverage schnell offenbar.
  • In Zone Coverage aufgrund seines Spielverständnis mehr als funktional, doch auch hier besser auf die kurzen Zonen zu beschränken. Gute Instinkte, sehr unterschätzte Ball Skills (insgesamt 10 Interceptions).

Fazit: Trotz seiner (mittlerweile) undersized Statur und seiner Vielseitigkeit im College projectet Edwards eher als old-school ILB in der Box. Spielt technisch sehr nuanciert, gleicht seine unterdurchschnittliche Athletik mit seinem hohen Football IQ, pre-Snap Adjustments und schneller Reaktion aufs Play aus. Würde an seiner Stelle wieder 10 Pfund draufpacken, um auf die Power in der NFL besser vorbereitet zu sein. Deutliche Limitationen aufgrund seiner mangelnden Beweglichkeit dürften seine Rolle zunächst auf die ersten beiden Downs beschränken. Sehe ich am ehesten in einer 3-4 Defense neben einem athletischeren ILB mit Stärken in der Coverage. Früher, eher mittlerer Day 3.

GIFs:

Zweimal seine technische Extraklasse in der Box. Hier demonstriert er, wie man effektiv eine Gap bespielt. Gegen den pullenden RG und den TE/H-Back Sean McKeon: Pre-Snap Adjustment, kommt niedrig in den Kontakt, Shoulder Dip, Tackle an der Line of Scrimmage:

Hier der initial Punch gegen den Fullback (tolle Leverage, erneut sehr tief), kriegt seine Hände schnell wieder frei, macht den (assisted) Tackle:

 

Cameron Smith, USC (6’2, 238, Arms 32 3/8, Hands 10 3/8), Senior
(40: 4.69 // Shuttle: 4.23 // Bench: 15 // Vert: 39 // Broad 123)

(Notizen 2017)

  • 4 year starter mit viel Erfahrung und guter Production.
  • Hat athletischer getestet, als viele erwarteten. Insbesondere die Explosion-Werte lassen aufhorchen (da sie nicht immer auf dem Feld zu sehen sind).
  • Extrem hoher Football-IQ: Top Play Diagnosing, wenig falsche Schritte. Schnell beim Ballträger. Wenn er außen spielte, gabs teilweise mehr Probleme (vs. Texas zeitweilig als OLB, hier ineffektiv gegen die QB Draws und Zone Read).
  • Sehr sicherer Tackler, an vielen Tackles beteiligt. Gute Technik, calm & collected.
  • Guter Push bei OL-Blocks. Kräftige Hände, starker Punch. Kann sich befreien.
  • Bewegt sich gut in Traffic, findet den Ballträger. Eher der LB hinter der D-Line als der aggressive Gap Shooter. Sehr auffälliger Laufstil mit umherwedelnden Armen.
  • Lateral Movement / Change of Direction durchschnittlich. Ist reaktionsschnell, generiert hierbei aber zu wenig Burst. Sideline-Range limitiert. Mehrere Ausrutscher bei Richtungswechseln – Balance-Probleme? Der gute Shuttle-Wert könnte auf Potenzial hindeuten.
  • In der Box effektiver als außen. Edge setting nicht seine Stärke, lässt sich nach innen leiten.
  • Zu wenig Tiefe in seinen Zone Drops. In Man Coverage funktional, solange es nicht zu quick wird.
  • Verletzungsanfällig (Kreuzbandriss, mehrere folgende Knieprobleme, Hamstring)

Fazit: Nach seiner exzellenten Junior-Season ist es gefühlt sehr ruhig um Smith geworden. Dabei bringt er einiges an Erfahrung und Vielseitigkeit mit, kein reiner ILB-Thumper in der Mitte. Menge an Verletzungen muss evaluiert werden. Denke er könnte in den mittleren Runden einen veritablen Steal abgeben. Key Backup mit Starterpotenzial.

GIFs:

Spielverständnis galore. Erkennt den RB Screen, bewegt sich in die Passing Lane und fängt den Ball ab zum Pick-6 (wohlgemerkt: aus seiner true Freshman-Saison):

Starkes Effort Play beim Throwback Lateral zu Texas QB Sam Ehlinger. Zunächst alles andere als wahrscheinlich, dass Smith es ist, der hier den Tackle macht:

 

Joe Giles-Harris, Duke (6’2, 234, Arms 31 1/4, Hands 8 1/2), redshirt Junior
(40: 4.75 // Bench: 17 // Vert: 29.5 // Broad: 111)

  • Absolutes Tacklemonster der Blue Devils in allen drei Saisons.
  • Sehr durchschnittlicher Athlet: nicht nur in den Combine-Werten, sondern auch auf dem Feld sichtbar.
  • Guter, kein exzellenter Tackler. Technisch sauber, aber immer wieder mal ein Whiff.
  • Play Recognition okay, fand ich jedoch längst nicht so gut, wie allerorten zu lesen ist. Mehrfach falsche Gap Assignments / fehlende Gap Integrity, die lange Plays verursachten. Grundsätzlich verlässlich, aber eben nicht mehr.
  • Recht effektiv als Inside Blitzer. Gap Shooting okay, aber effektiver hinter der Line, wenn er auf den Spielzug reagieren kann und dann nach vorne kommt (hieraus entstanden einige der TFLs). Insgesamt eher der Typ solider Tackle-Sammler.
  • Keine gute Reichweite. Burst eher durchschnittlich. Lateral Speed mittel. Richtungswechsel wirken etwas ungelenk.
  • Wenig aussagekräftiges Coverage-Tape. Underneath Zone Coverage wirkt okay.

Fazit: Irgendwie konnte ich den zeitweiligen Hype um Giles-Harris nie so richtig verstehen. Extrem produktiver College-Spieler, für mich aber mit wenig herausragenden Eigenschaften. Sehr solide, wenig mehr. Ziemlich unspektakuläres Tape – kann natürlich passieren, dass man die falschen Spiele wählt. Sehe ihn in der NFL eher als Depth/Backup-Kandidaten. Finde einige hier nicht genannte LB-Prospects spannender. Mittlerer / später Tag 3 (dürfte nach den meisten Rankings aber wohl früher gehen).

GIFs:

Wartet hinter der Line, bewegt sich sofort zur Play Side, setzt sich gegen den Blocker durch, Tackle for Loss:

Schöner Inside Blitz mit ungewöhnlicher Swim / Rip-Kombination mit dem rechten (inneren) Arm, lässt den RG ganz schlecht aussehen:

 

Deshaun Davis, Auburn (5’11, 234, Arms 31 ¼, Hands 10), redshirt Senior
(Shuttle: 4.38 // Bench: 25 // Vert: 31 // Broad: 111)

(Kurznotizen)

  • Vom Sophomore Year an drei Saisons Starter als MLB in der Tigers 4-3 Base Defense. 2018 noch einmal deutliche Steigerung, war unumstrittener Leader der Defense, sorgte für ungewohnt viele Big Plays (15 TFL, 3.5 Sacks)
  • Undersized und nicht sehr athletisch, damit hat man keine sehr guten Voraussetzungen für die NFL.
  • Aber: Wahnsinnig physischer Spieler, gebaut wie ein kleiner Panzer. Sehr sicherer Tackler mit ordentlich Power hinter den Pads. Square shoulders, gute Balance, harter Hit. Tone Setter für die Defense.
  • Interpretiert seine Rolle aggressiv. Kommt nach vorne, füllt das Gap. Kann auch abwartend hinter der D-Line spielen, hat vernünftiges short-area Movement in der Box und in Traffic.
  • Galt als zusätzlicher Coach der Tigers Defense. Sehr gute Play Recognition. Schnelle Antizipation, und dann gehts mit voller Kraft voraus, ohne Rücksicht auf Verluste.
  • Exzellent an der Goal Line, hier riecht er die Play-Entwicklung.
  • Block-shedding bei seiner geringen Größe ein Problem, aber er hat ein paar effektive Techniken entwickelt (u.a. ein netter Swim Move) sowie eine gute Field Vision. Block splitting aufgrund Größe und niedrigem Schwerpunkt / guter Balance nicht schlecht.
  • Geringe laterale Range. Nimmt bei Plays nach außen oft sehr weite Wege (im Wissen um seine fehlende Athletik), lässt sich leicht vom Path abbringen oder läuft um Blocks herum.
  • Range in Coverage ebenfalls nicht groß. Bekommt beim Pedal keine Tiefe. Wird in Man Coverage in der NFL ein Riesenproblem sein aufgrund der fehlenden Agilität und Quickness.

Fazit: Davis projectet für die Pros nicht übermäßig gut: undersized two-down Player, der in Passsituationen wohl seltener das Feld sehen wird. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass für solche Spieler ein Platz im Roster sein könnte: Top Football IQ, extrem wenig falsche Entscheidungen, einer der härtesten und sichersten Tackler in der Box. Wird entweder spät gehen oder gar nicht gedraftet, ich würde in der 5th round guten Gewissens zuschlagen. Hab für solche Spieler eine kleine Schwäche. Backup, Special Teams, Goal Line Defense – und vielleicht ja sogar mehr.

GIFs:

Zwei GIFs, die illustrieren, warum ich den Typen so schätze und ihm trotz nicht gerade günstiger körperlicher und athletischer Voraussetzungen einen Shot in der NFL einfach gönnen würde. Erkennt den Zone Read Run von LSU QB Joe Burrow, setzt sich mit brutaler Physis gegen den Block vom pullenden TE Forster Moreau über dessen Innenschulter durch und macht das Tackle:

Goal Line Defense, liest den Spielzug schon pre-Snap, stellt seine Teamkollegen entsprechend um, schießt durchs Gap und macht den Tackle gegen Georgia QB Justin Fields:

 

4 Gedanken zu „Scouting: Off-Ball Linebacker II

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