Q&A zu Deep Threat-Receivern & Andy Isabella, Zone Blocking O-Linern, 3rd down RBs, möglichen Busts u.v.m.

Kurzfristig und spontan ergab sich noch die Gelegenheit für eine zweite Fragerunde zu allem rund um die Draft. Let’s go:

Ich hatte Pat Mahomes seinerzeit als #1 QB der Klasse (müsste man u.a. in der Live-Coverage nachhören können), von daher trifft das weniger auf mich zu. Hätte allerdings erwartet, dass er doch etwas länger braucht, um sich bei den Pros zu akklimatisieren – mal ganz davon abgesehen, dass ihm wohl niemand eine solchen Leistungsexplosion zugetraut hat.
Ich bin mir recht sicher, dass wir einen solchen Fall in dieser Klasse nicht erleben werden. Das liegt übrigens auch an Prospects wie Mahomes selbst. In den vergangenen Jahren sind NFL-Team wesentlich weniger zaghaft geworden, Quarterbacks aus ‚College-Systemen‘ wie der Air Raid früh zu ziehen. Insgesamt ist der NFL-Football mittlerweile so sehr auf den Quarterback zugeschnitten, dass das Rennen um jeden auch nur potenziellen Franchise QB in der Regel sehr früh eröffnet wird. Daher stammen dann solche Gerüchte, dass die Giants sich an #17 oder gar an #6 überlegen, Daniel Jones zu picken, obwohl der meiner Meinung nach keinen so hohen Pick rechtfertigt.
Wenn es um rohes Talent geht, dass entwickelt werden muss, komme ich an meinem Homerpick Tyree Jackson (Buffalo) nicht vorbei. Der muss zwar noch unfassbar viel verbessern, bevor er zum ersten Mal ein NFL-Feld betritt, aber wenn ich mir erstens seine Lernkurve über die vergangenen drei Saisons anschaue und zweitens seine physischen und athletischen Tools (perverse Armstärke, Throw on the Run, deep Ball Passing, IQ, Mobilität und Athletik etc.) berücksichtige, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass ein Team mit gesicherter QB-Situation in den nächsten zweidrei Jahren früher als gedacht schwach wird und ihn dann quasi bis auf Weiteres redshirtet. Ein gegenteiliger Kandidat wäre Brett Rypien (Boise State), den ich als Spielertypen sehr schätze, weil er in vielen Bereichen des QB-Spiels recht weit ist, der aber eben allein aufgrund seines schwächeren Armes und seiner etwas zu großen Zögerlichkeit in der Pocket (was sich auch in Sacks und Fumbles niederschlägt) nicht das höchste Potenzial hat.

Du hast recht, Andy Isabella (UMass) ist eine knifflige Evaluation, weil er ein relativ ungewöhnlicher Typ Prospect ist: ein sehr kleiner Receiver mit kurzen Armen, aber im Gegensatz zu den meisten typischen Slot WR Prospects nicht nur starke Quickness, sondern Weltklasse Burner Speed. Daher stellt sich die große Frage, wo er in der NFL spielen soll, outside oder im Slot.
Es wäre naiv anzunehmen, dass Isabellas Größe keine Rolle für die Evaluation spielen würde, da müssen wir uns nichts vormachen. Kann er mit unter 5‘9 Größe und Armen von unter 30 Inches Länge sich außen gegen Press Coverage durchsetzen oder wird er gestört, bevor er seinen Antritt zünden kann? Ich bin da ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch. Isabella könnte man als Flanker (also Z-WR) aufstellen und vor dem Snap in Motion schicken, damit er einen freieren Release bekommt – oder eben doch in den Slot stellen, nur entspricht er eben nicht unbedingt dem Klischee des kleinen weißen Slot Receivers a la Wes Welker. Short Routes könnte er noch präziser rennen, mehr Sorgen macht mir seine Catch-Technik (geringer Radius verbunden mit vielen Body Catches, daher nicht besonders gut bei contested Catches, auch im Vergleich zu ähnlich kleinen Receivern). Mit dem Ball in den Händen ist dann natürlich aufgrund seiner überragenden Quickness, einiger sehr netter Moves sowie seiner unterschätzter Contact Balance viel möglich. Ich habe ihn etwas niedriger als einige andere Receiver, eher so im groben Bereich Ende Tag 2. Kann mir partout nicht vorstellen, dass er bis zur 5th/6th auf dem Board bleibt, dazu haben insbesondere in der heutigen NFL solche Typen einen zu hohen Wert.
Sein sportlicher Background liegt übrigens (neben Running Back in der Highschool) wenig überraschend in der Leichtathletik, genauer: in den Sprintdisziplinen.

Ich würde dir ganz sicherlich kein pauschales Homertum unterstellen, sehe Marquise Blair (Utah) allerdings ein wenig kritischer – aber sowas ist eben notwendigerweise subjektiv. Auf dem Seattle Sports Blog habe ich mich etwas ausführlicher zu ihm ausgelassen. In kurz: Gegen den Lauf kommt er rasend schnell nach vorne, hat einen enormen Closing Speed und verteilt kräftige Hits, teilweise wie ein Linebacker trotz seiner eher dürren Statur. Allerdings ist er immer wieder zu aggressiv, nimmt die falsche Angle, schießt am Play vorbei oder erkennt die Playentwicklung nicht richtig. In der deep Coverage agiert er für meinen Geschmack – quasi entgegengesetzt – teilweise zu zögerlich, daher kommt er oft einszwei Schritte zu spät, obwohl er zweifelsohne das athletische Potenzial für single-high Verantwortlichkeiten hat. Aufgrund seiner Variabilität, Athletik und Intensität bringt er eine Menge noch freizulegendes Potenzial mit. Frage ist zudem, ob er seinen Spielstil bei seiner Statur in der NFL wird beibehalten können. Persönlich sehe ich ein paar andere Safeties vor ihm: Amani Hooker, der meiner Meinung nach grotesk unterschätzte Mike Edwards (wer ihn noch nicht gesehen hat: unbedingt nachholen!), Malik Gant, über Saquan Hampton und Sheldrick Redwine würde ich zumindest diskutieren, Will Harris und Ugo Amadi kann man schwerer vergleichen. Aber vielleicht bin ich bei Blair auch einfach zu skeptisch, weil mir ein wenig der Floor fehlt. Ceiling ist vorhanden, keine Frage.

Die gute Nachricht ist, dass eine ungewöhnlich große Menge Top O-Line-Prospects passig für das Zone Blocking Scheme der Vikings ist. In den meisten Fällen trennt man ja Man/Power Blocking und Zone Blocking eher bei den interior O-Linern als bei den OTs (es sei denn, es ist ein Mauler RT Prospect, da wird dann vielleicht mal im Nebensatz erwähnt, dass seine Stärken eher im Power-Scheme liegen). Allerdings gibt es natürlich auch unter den OTs welche, die mehr oder weniger Eignung für ein Zone Blocking Scheme aufweisen, nur bleibt hier die mit einigem Abstand oberste Anforderung eben, dem QB gegenüber den Edgerushern genügend Zeit zu verschaffen. Dennoch ist ein Andre Dillard (Washington State) sicherlich ein geeigneterer ZBS OT als ein Jawaan Taylor (Florida). Könnte mir vorstellen, dass die Vikings sich genauer mit ihm beschäftigt haben für den Fall, dass er bis #18 fallen sollte.

Bei den interior O-Linern sieht die Situation noch besser aus: Mit Garrett Bradbury (NC State) gibt es einen der besten Zone Blocking C-Prospects der letzten Jahre im Angebot. Hätte er ein wenig längere Arme (selbst für einen Center mit 31 3/4 sehr gering), reden wir hier meiner Ansicht nach von einem Top 10 Prospect (sehen die meisten allerdings anders). Für mich einer der sichersten Spieler der Klasse – allerdings nur im richtigen System (in Man/Power wird er wesentlich größere Anpassungsprobleme haben). Ein anderer interior O-Liner, den ich sehr schätze, ist Erik McCoy (Texas A&M), den ich im letzten Q&A bereits ein wenig näher beleuchtet habe. Kann in jedem Scheme spielen, ist (entgegen einiger Scouting Reports) ziemlich beweglich, guter Finisher. Könnte auch OG spielen. Obwohl er da noch nicht oft gesehen wird, würde es mich nicht wundern, wenn er noch in die erste Runde rutscht (auf meinem Board ist er es). Auch Chris Lindstrom (Boston College) ist ein mobiler O-Liner, der hervorragend in ein Zone Blocking System passen würde: starker Puller, beeindruckendes Movement in Space, hat kleinere Schwächen in Sachen Leverage und Anchor. Ebenfalls ein sehr sicherer Pick in diesem ungefähren Bereich. Interessant wäre zu sehen, ob Cody Ford (Oklahoma) als mögliches Ziel gesehen würde, wenn er an #18 noch auf dem Board sitzt. Für viele ein RT-Prospect, seine beste NFL-Position könnte aber OG sein. Und obwohl er auf den ersten Blick sicherlich nicht wie ein ZBS OG aussieht, kann er deutlich quickeres Footwork als andere Spieler seiner Statur. Immerhin haben die Vikings ihn ja zum Vortanzen eingeladen.

Problem ist, dass ich alle diese Spieler nicht zu eurem Pick in der zweiten Runde an #50 fallen sehe – wenngleich die reale Draft immer eine Wundertüte ist und schon deutlich Seltsameres geschehen ist. Nur: Will man das wirklich riskieren? Für den zweiten Tag gäbe es weitere Kandidaten, interior etwa C Elgton Jenkins (Mississippi State), erfahrener Teil einer starken interior Line der Bulldogs mit unterschätzter Athletik (wenngleich sicherlich nicht auf dem Level von den oben genannten). Man könnte schauen, ob Dalton Risner (Kansas State) als OG ins Profil passt, wobei ihm ein wenig die Beweglichkeit abgeht. Ein Spieler, den kaum jemand als geeignet für ein ZBS sieht, ist OG Michael Deiter (Wisconsin), meiner Ansicht nach besser als Puller und im 2nd level als überall beschrieben (hier etwas ausführlicher zu ihm). Auf OT wären noch Spieler wie Greg Little (Ole Miss) oder Yodny Cajuste (West Virginia) zu nennen, die beide zu den athletischeren gehören, oder der hochtalentierte developmental Prospect Tytus Howard (Alabama State), dem man allerdings zunächst einmal ein wenig Entwicklungszeit zugestehen müsste. Wohl keiner, der einem sofort helfen wird können.

Wenn es um top heavy Positionsgruppen, also welche mit besonders vielen Star-Prospects geht, müssen zunächst wenig überraschend D-Line und EDGE genannt werden. Zwar gibt es gerade bei den Edge-Rushern recht klar erkennbare Tiers – also Gruppen an Spielern, die sich qualitativ tendenziell von der nächsten Gruppe absetzen – doch ist die Klasse insgesamt bis in die hinteren Runden tief besetzt. Die DTs sind ebenso top-heavy, jedoch vielleicht nicht durchgängig so tief besetzt. Weniger top-heavy, dafür extrem ausgeglichen und tief sind die Receiver aufgestellt. Zwar fehlen die Monster-Talente in den Top 10/15, doch bietet die Klasse ab der späten ersten Runde bis in die (prognostizierten) UDFAs eine wirklich riesige Auswahl – eben auch an sehr unterschiedlichen Typen. Würde mich nicht wundern, wenn deutlich mehr UDFAs dieser Klasse in der NFL Pässe fangen werden als üblich.
Gegenteilig schätze ich die interior OL ein: Erstaunlich top-heavy, nach den ersten beiden Runden aber dann doch eher mau. Hier würde ich bei Bedarf also ggf. früher zuschlagen. Dünn sind die Off-Ball Linebacker aufgestellt, sowohl was die Top-Prospects als auch die mittleren Runden angeht, dafür gibt es eine überdimensional große Menge interessanter Late Rounder auf dieser Position – eine gewisse Tiefe ist also da, nur fehlt die Breite an der Spitze (oder wie ging das noch?). Interessante Positionsgruppen sind für mich noch Cornerback und Safety: Hier tummeln sich eine Menge Talente recht eng beieinander zwischen der späten ersten und mittleren dritten Runde, davor und danach gibts etwas weniger zu holen. Gerade die Safeties finde ich extrem interessant.

Das sind für mich die schwereren Fragen aufgrund meiner Perspektive, die eher vom College Football und den Prospects ausgeht. Wenn ich das richtig verfolgt habe, scheinen die Bucs eine große Menge Needs in beinahe allen Mannschaftsteilen zu haben, vor allem aber muss die Defense dringend aufgemöbelt werden. Ich halte ja eh einiges von eurem neuen DC Todd Bowles, würde ihm daher erst einmal ein paar Spielzeuge zur Verfügung stellen. In Anbetracht des sehr frühen Picks an #5 würde ich hier strikt BPA picken – was nach meinem Board heißen würde: den besten verbliebenen EDGE- oder DL-Spieler (sei es Josh Allen, Ed Oliver oder Brian Burns – sollte Quinnen oder Bosa aus irgendeinem unerfindlichen Grund bis hierhin droppen, natürlich sofort zuschlagen). Von Devin White bin ich bekanntermaßen nicht so überzeugt wie viele andere, von daher würde ich von ihm an dieser Stelle die Finger lassen.
In den Runden danach würde ich zwar tendenziell die Augen nach weiteren defensiven Playmakern (BPA) oder O-Line-Verstärkung offenhalten, aber nicht sklavisch, sollte ein extrem hoch gerankter Skill Player überraschenderweise auf dem Board sein. Falls nicht, würde ich gerade RB erst (frühestens) in den mittleren Runden adressieren, wenn das Value hoch sein dürfte. Da fehlt mir allerdings ein wenig das Insiderwissen, wie es mit Ronald Jones weitergeht. Gefühlt würde ich eher auf O-Line gehen (da man damit auch einem unterschätzten Grinder wie Peyton Barber hilft).

DaMarkus Lodge (Ole Miss) ist hierfür sicherlich ein guter Kandidat. Ich kopiere mal aus einem anderen Portal meine Einschätzung zu ihm rein:
„Lief genau wie D.K. Metcalf als outside WR einen extrem limitierten Route Tree (kaum was anderes als Go und Curls/Hooks), ist hierin auch wirklich stark: kräftiger Typ, der sich gegen Press Coverage erwehren kann, gute initial Acceleration, kommt schnell auf vertikalen Speed, gut bei contested Catches. Hände müssen allerdings konstanter werden, neben absoluten Highlights Catches doch einszwei zu viele Drops. Starker Blocker. Für alles andere muss man im Grunde genommen spekulieren. Ein wenig Sorge machen mir die fürchterlichen Agility-Werte. Kann er sich im short und intermediate Passing Game durch seine Routes & Cuts Separation erschaffen oder nicht? Solche Dinge werden ausgiebig in den Workouts getestet worden sein.“
Lodge hat also ein paar Traits, die sich recht schnell auf die NFL übertragen lassen und projectet gut als outside WR (eher Z als X) mit downfield Skills (Physis, Body Control). Doch letztlich kann man bei sofortigem Impact von mid oder late Roundern wirklich nur raten, weil neben der eigenen Entwicklung eben wahnsinnig viel vom Roster abhängt, in dem der Spieler landet. Einige vielversprechende Rookie Receiver der vergangenen Jahre sind ja erst während der Saison durch Verletzungen der Starter hochgespült worden.

Andere Receiver-Typen, die für mich in Frage kommen, sind diese „high floor, low ceiling“-Prospects: in der Regel ein vielseitiges Skillset, aber in Sachen Athletik, Größe o.ä. nicht ganz oben einzuordnen. Ein Beispiel wäre eben Nebraskas Stanley Morgan, den ich im letzten Q&A näher vorgestellt habe, aufgrund seines sehr nuancierten Spiels mit Top Routes und sicheren Händen. Weitere Kandidaten, über die mir zu wenig geredet wird, wären etwa Gary Jennings (West Virginia) und Darius Slayton (Auburn). Jennings hat outside und im Slot gespielt, wurde sowohl als deep Threat als auch als Possession WR über die Mitte eingesetzt. Unterschätzter Route Runner, noch unterschätzter bei contested Catches. Nicht die tollsten Moves im open field, allerdings ein ziemlicher physischer Fighter. Slayton benötigt eventuell noch ein wenig länger, ging in der fürchterlichen Saison der Tigers zu Unrecht mit unter. Starker deep Threat, aber nicht darauf zu reduzieren. Starke Body Control, hervorragendes Footwork, unterschätzte Quickness. Glaube man könnte den zu einem ziemlich kompletten Receiver modeln (was etwas Zeit braucht). Sorgen machen die vielen kleinen Wehwehchen. Irgendwie hat er für mich einen It-Factor.

Und dann hat man natürlich die klassischen Slot Receiver, die eventuell keine riesig lange Anpassungszeit benötigen, etwa ein Hunter Renfrow (Clemson) oder ein Penny Hart (Georgia State): Jedes Jahr ist mindestens einer dabei, der sich bei den Pros recht schnell akklimatisiert.

Ein paar Kandidaten für die late Rounds habe ich da noch im Sinn, die hebe ich mir aber für den Sleeper-Beitrag auf. Nur schonmal so viel: Schaut euch Jakobi Meyers (NC State) an! Keine Ahnung, warum der nicht mehr im Gespräch ist. Ausführlichere Analyse zu ihm und anderen folgt dann in wenigen Tagen.

Daniel:
Ich interesseiere mich sehr für die Deep Threats dieses Jahr. Welche anderen Kandidaten siehst du neben Hollywood Brown, die den Titans helfen könnten, das Feld ein bisschen zu stretchen? Insbesondere in den mid-, vielleicht sogar late-rounds.

Die besten Deep Threat Targets befinden sich eh in den mid-rounds. Hier fällt sicherlich häufiger der Name Mecole Hardman (Georgia): ehemaliger CB, der zum WR umgeschult wurde. Top Speed (4.33 bei der Combine), als Receiver aber noch etwas roh. Hat meist aus dem Slot gespielt. War electric mit dem Ball in seinen Händen, lässt Defender stehen, als würden sie nicht aufs Football-Feld gehören, eine dauernde Big Play-Gefahr. Im deep Passing muss er allerdings noch ein paar Nuancen verinnerlichen (Ball Tracking, Physis bei contested Catches etc.). Dazu ein sensationeller Returner, vielleicht der beste Punt Returner der Klasse, sicherlich bei euch wegen Adoree‘ Jackson nicht ganz so relevant.

Emanuel Hall (Missouri) ist dagegen ein echter Outside WR mit Top Speed. Frisst die Cushion des CBs mit den ersten Schritten auf, hervorragende Beschleunigung, jede Menge Separation bei tiefen Pässen. Sehr gefährlich bei Comeback Routes, kann auf einem Dime stoppen. Aber: Stone hands. Ne Menge Drops, und auch sonst kämpft er öfter mit dem Ball oder muss nachfassen. Mehr technische Mängel als ’nur‘ Konzentrationsprobleme. Ist halt die Frage, ob das reduzierbar ist, dann wäre er ein sehr leckerer Prospect.

Und natürlich er hier:

McLaurin hat seit diesem Tweet einen unfassbaren Rise in den Day 2-Bereich hingelegt. Ein Spieler, der sofort weiterhilft, weil er im Gegensatz zu diesen ganzen anderen WR-Diven von vorneherein die Arbeit in den Special Teams nicht nur angenommen, sondern extrem verfeinert hat. Wäre anders als Hardman eher ein Speedster für außen und hat seine Stärken eher downfield, weniger mit dem Ball in seinen Händen (die Rolle hatte bei Ohio State ja vor allem Parris Campbell inne).

In den hinteren Runden finden sich weniger Speedster. Darius Slayton hatte ich bereits oben angesprochen, für den habe ich eine kleine Schwäche. Der ebenfalls bereits erwähnte Gary Jennings wäre da partiell auch vorstellbar, hat allerdings nicht ganz den top end Speed.

Im Bereich late rounds an der Grenze zu UDFAs könnte man Flyer auf Speedster wie Ohio States Johnnie Dixon oder Toledos Jon’Vea Johnson setzen (ersterer chronische Knieprobleme, letzterer viele Dropsies), oder Jeff Smith (Boston College), ehemaliger pfeilschneller dual threat QB, der zum WR umgeschult wurde. Jalen Guyton (North Texas) hat mir in der Mean Green Offense viel Spaß gemacht, scheint völlig unter dem Radar zu laufen. Netter UDFA-Kandidat vielleicht.
Hier kann ich mein Pulver aber noch nicht ganz verschießen vor dem Sleeper-Beitrag.

Daniel:

Welche elusive HBs, die sich sehr gut auch als Passempfänger anbieten, gibt es dieses Jahr?

Gute Nachricht: Einige.

Als erstes muss ich hier James Williams (Washington State) nennen. Der wird dir als Läufer in der NFL eventuell nicht so viel Upside bieten, ist aber ein fantastischer Pass Catching Back. Undersized (5’10, 197). Habe selten einen Spieler gesehen, der in der Flat und bei anderen kurzen Pässen so konstant den ersten Defender aussteigen lässt. Sehr sichere Hände, tolle Moves, herausragender Jump Cut & Spin, verwendet den Schwung der Defender intelligent gegen sie. Kann Catch und Juke quasi zeitgleich ausführen. Nicht die riesigen Big Plays down the field. Wird halt für die NFL etwas eindimensional projecten (3rd down back für Dumpoffs, Screens und kurze Routes, das wars). Hat sich aus schwierigsten Verhältnissen rausgekämpft, einer zum Daumen drücken.

Darwin Thompson (Utah State) ist ein etwas vielseitigerer Typ. Noch einmal kleiner als Williams (nur 5’8 glatt), dafür relativ kräftig und muskulös (fast 200 Pounds). Typ Jitterbug. Tolle Balance, weil low to the ground, ein absolut fantastischer Burst, sehr schöne Cuts, fightet jedes Play, als würde sein Leben davon abhängen. Gute Hände, stark nach dem Catch. Typ Tarik Cohen mit weniger deep Speed (hab mich etwas gefreut, als Dane Brugler diesen Vergleich auch erkannt hat, war meine erste Assoziation bei Thompson während der Saison).

Tony Pollard (Memphis) passt hier ebenso hervorragend, der wird noch einmal gesondert bei meinen Sleepern abgehandelt. Ganz anderer Typ, eher RB/WR-Tweener mit starken Return-Skills. Dazu später mehr.

Myles Gaskin (Washington) fände ich ein einer solchen Rolle megaspannend, wenngleich er nicht auf die riesige Receiving-Erfahrung der anderen Backs zurückblicken kann. Ist ein wesentlich kompletterer Runner mit fantastischer Vision und Cuts, dem es allerdings ein wenig an breakaway Speed mangelt und der fürs inside Running weniger projectet (da sind die Titans aber ja eh ganz gut aufgestellt). Starker Pass Protector, sichere Hände. Selfless, absoluter Team Player.

Trayveon Williams (Texas A&M) sollte man unbedingt noch erwähnen, obwohl der wahrscheinlich früher gehen wird. Viel Erfahrung als Receiver aus dem Backfield, gute RB Routes, sehr sichere Hände, vernünftiger Pass Protector fürs College, trotz seiner Statur (5’8, 206) aber nicht unbedingt elusive. Eher Power Runner als Zone, fand seine Vision nicht immer prall. Gute Balance. Als Gesamtpaket allerdings eine andere Nummer als die oben genannten.

Travis Homer (Miami, FL) wäre noch ne Möglichkeit: interessanter short stepping Laufstil, sieht manchmal etwas nähmaschinenartig aus. Typ One Cut Runner mit starkem Burst, eher durchschnittlich elusive. Guter Receiver aus dem Backfield, gute Pass Protection, könnte als 3rd down Back projecten.

Bei RBs wie etwa Bryce Love (Stanford), Justice Hill (Oklahoma State) oder Speedster Kerrith Whyte (FAU, Backup von Devin Singletary) müsste man schauen, wie gut sich die Receiving Skills entwickeln lassen. Hatten alle drei am College nicht überviele Pässe gesehen, könnten jedoch durchaus gut projecten. Die ersten beiden sind natürlich keine reinen 3rd down backs, sondern spannende Zone-Runner.

Nicht unbedingt elusive, aber gute Pass Catcher sind zudem Bruce Anderson (North Dakota State) und Mike Weber (Ohio State, zudem vielleicht der beste Pass Protector der Klasse).

Du siehst, es gibt eine Menge Auswahl in den späteren Runden.

Ich hoffe ja immer, dass solche Fragen nicht kommen… Im Ernst, das gibt mir die günstige Gelegenheit, ein wenig abzuschweifen und etwas Generelles zu meiner Perspektive auf Scouting und die Draft loszuwerden. Habe seit zwei Jahren vor, einen großen Beitrag darüber zu verfassen, wie wenig wir eigentlich wissen, aber irgendwie komme ich nicht dazu. Hier nun ein paar – wohlgemerkt auf deine Frage abgestellte – Auszüge:

Zunächst mal glaube ich bei keinem als 1st rounder gehandeltem Prospect, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bust wird – sonst würde er schließlich nicht so hoch gehandelt werden. Will man innerhalb der Gruppe möglicher 1st rounder differenzieren, so existieren für mich zunächst drei wesentliche Faktoren, die – unabhängig vom Tape – eine hohe Relevanz dafür aufweisen, dass ein hoch gepickter Spieler später die Erwartungen nicht erfüllen kann:

1) Verletzungen: Zerschießt sich der 1st round Prospect im Trainingscamp das Knie, werden wir letztlich nie genau wissen, wie es sonst gelaufen wäre. Ein Kevin White beispielsweise ist daher kaum zu beurteilen. Wir können uns zwar aufgrund der bisherigen Verletzungen in Highschool und College ein ungefähres Bild machen, doch habe ich weder den Spieler medizinisch untersucht noch irgendeine Kompetenz im medizinischen Bereich, so dass vieles im sehr spekulativen Bereich verbleibt. Mal ganz davon abgesehen, dass Verletzungen nicht unbedingt planbar sind und nicht zwangsläufig auf Verletzungsanfälligkeit hindeuten müssen.

2) Work Ethic: Völlig unterschätzt in der öffentlichen Wahrnehmung. Es gibt nunmal Dinge, die man ganz schwer prognostizieren kann, erst recht von außen. Ein Prospect kann im College mit dem größten Effort aufgefallen sein, doch sieht die Situation mitunter ganz anders aus, wenn die ersten Millionen auf dem Konto eintrudeln – insbesondere (aber nicht nur), wenn der Spieler aus schwierigen Verhältnissen stammt. Setzt dann eine gewisse Zufriedenheit ein, etwa nach dem Motto „Ich habs geschafft“? Das muss ja nicht zwangsläufig bedeuten, dass er sich nun komplett hängen lässt – wie etwa ein Jamarcus Russell, weiterhin eines der größten Armtalente, die ich in über 20 Jahren Scouting erlebt habe. Doch fehlt vielleicht plötzlich der Hunger, um die allerletzten 5-10 Prozent rauszukitzeln. Und die können im Haifischbecken NFL durchaus den Unterschied machen.
Ich finde das übrigens nicht zwangsläufig ehrenrührig, sondern teilweise durchaus verständlich. Bevor ich den Weg, den der Mensch bis dahin genommen hat, nicht ansatzweise nachvollziehen kann, würde ich darüber nicht zu sehr aburteilen. Als Fan eines Teams ist das natürlich ärgerlich, überhaupt keine Frage.
Die Front Offices müssen solche Tendenzen so gut es geht ausschließen, hier sind die Interviews von entscheidender Bedeutung. Ob da jetzt immer die besten Psychologen und Sozioanalytiker anwesend sind, wage ich mal zu bezweifeln. Dennoch: Wir haben da gewiss noch weit weniger Einblicke und bewegen uns – ähnlich wie in medizinischen Fragen – stark im spekulativen Bereich.

3) Scheme: Der geringste Faktor der dreien, dennoch häufig unterschätzt. Man könnte behaupten, dass sich Blue Chip-Talent letztlich überall durchsetzt, aber auf wie viele Prospects trifft das pro Jahr zu? Fünf? Zehn? Fünfzehn? Die allermeisten sind unterschiedlich gut geeignet für verschiedene Spielphilosophien. Wir Hobbyscouts nehmen ja gerne mal an, dass der undersized DE mit den guten Quicknesswerten automatisch auch einen guten 3-4 OLB abgeben würde, selbst wenn er dort keinen einzigen Snap gespielt hat. Nur muss das eben nicht zwangsläufig so sein. Dafür testen die NFL-Teams die Prospects je nach Bedarf ausgiebig auf ‚fremden‘ Positionen, wovon man höchstens mal ein paar Sätze zu lesen bekommt.
Man darf zudem nicht vergessen, dass es sich ja erst einmal nur um Talente handelt, die größtenteils noch längere Entwicklungsphasen vor sich haben. Steckt man erst einmal ein paar Jahre in einem unpassenden System fest, wird man diese Zeit nie wieder aufholen können. Es gibt mehr Beispiele dafür, als man gemeinhin so denkt. Werde diesen Punkt an anderer Stelle noch einmal fortführen. Wer etwa in dieser Draft einen Deandre Baker auswählt und ihn dann nur Press Man auf einem Island ohne jede tiefe Absicherung spielen lässt, wird möglicherweise enttäuscht sein, dass der Prospect die Erwartungen nicht erfüllen konnte.

Diese drei Faktoren entscheiden mehr oder weniger stark über die Frage, ob ein Spieler bustet, doch fehlen uns da schlicht Expertise und Informationen. Insofern kann es (fast) jeden treffen. Wenn es um das reine Vermögen auf dem Spielfeld auf einer passenden Position geht, sehe ich zwei Sorten von Spielern kritischer: athletische Freaks, die bislang noch nicht entsprechend ihres Potenzials produziert haben (quasi die Quintessenz eines Boom-or-Bust-Players) sowie Spieler, die nicht sehr vielseitig sind, also nur auf bestimmten Positionen in bestimmten Schemes eingesetzt werden können – und gerade dort vielleicht noch ein Fragezeichen mitbringen.
Ich nenne mal ein paar Beispiele – was wohlgemerkt und explizit weder bedeutet, dass ich alle diese Spieler als Prospects nicht mag, noch, dass diese Spieler unbedingt busten müssen. Wie der Begriff Boom-or-Bust nahelegt, kann es beim selben Prospect auch in eine ganz andere Richtung gehen:

DE/DT Rashan Gary: Prototyp des Boom or Bust. Jede Menge Potenzial, Monster-Athletik, hat das aber zu wenig aufs Feld bekommen. Technische Mängel bei Passrush Moves / Arm- und Handarbeit. Er hat einen deutlich niedrigeren Floor als bspw. Montez Sweat (der notfalls meiner Meinung nach zumindest einen passablen Starter als 4-3 LDE abgeben würde, wenn sein Outside Rush nicht ausreicht für mehr).

DE/OLB Brian Burns: Bester Speedrusher der Klasse, toller Bend, starke Athletik. Aber sehr eindimensional, zu wenig Power für die Edge und in der Run D. Reiht er sich in die langen dürren Pass Rush-Specialists ein, die in der NFL nicht funkionierten (a la Barkevious Mingo)? Verfügt allerdings über ein größeres Arsenal an Passrush Moves als seine ‚Vorgänger‘.

OT Andre Dillard: Tolle Athletik, top Footwork, geborener LT-Prospect. Aber: kurze Arme (kürzer als etwa Jonah Williams), hat in der Cougars Air Raid mit den wide splits und im two-point stance gespielt, muss sich also deutlich umstellen. Zudem wenig Positionsflexibilität: Sehe ihn aufgrund mangelnder Power nicht als iOL (was ihn von Jonah unterscheidet, ebenso von Cody Ford und tendenziell Jawaan Taylor, letzterer könnte hier allerdings auch genannt werden). Klappt die Umstellung auf einen NFL-LT nicht, wirds eng.

LB Devin White: Fantastischer Athlet, footballmäßig (noch) nicht auf demselben Level (insb. Instinkte, Play Recognition). Doch wie niedrig ist sein Floor wirklich? Muss ein wenig schauen, dass er seine missed Tackles in den Griff kriegt, sonst könnte er bei so einem Semibust-Status wie etwa Jarrad Davis landen. Bei White ists dafür nach oben offen wie bei kaum einem anderen der hier genannten Prospects. Wird spannend zu beobachten sein.

QB Kyler Murray: Muss hier genannt werden, einfach weil er ein totaler Outlier ist bezüglich der üblichen Thresholds für QBs in Sachen Größe/Gewicht. Murray mag ordentlich Pfunde draufgepackt haben, doch ist er weiterhin ein eher zerbrechlicher Typ (und daher eben nicht vergleichbar mit Russell Wilson oder Drew Brees). Wenn er es packt, wird er der Prototyp einer neuen Art NFL-QB werden (wenn überhaupt Vergleiche möglich sind, dann wohl als Doug Flutie 2.0, und der hat es ja auch nicht zum Star in der NFL gebracht).

Weiter Kandidaten, für die man ähnliche oder andere Argumente finden könnte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Drew Lock (naja, eigentlich alle Quarterbacks), Hollywood Brown und natürlich Jachai Polite.

Doch erneut: Bei diesen Spielern ist die Chance auf einen Bust möglicherweise größer als bei anderen, mit der Entwicklung in der Realität muss das nicht viel zu tun haben. Für mich ist und bleibt die Draft eine Frage von Wahrscheinlichkeiten, die man für sein Team ausgewogen nutzen muss.

3 Gedanken zu „Q&A zu Deep Threat-Receivern & Andy Isabella, Zone Blocking O-Linern, 3rd down RBs, möglichen Busts u.v.m.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s