Cornerbacks: Prospects II

 

Hier folgt nun der zweite Teil der ausführlichen Cornerback-Analyse. Leider hat mir die Zeit einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass ich erstens weniger Prospects als ursprünglich angedacht behandele und zweitens leider auf die illustrierenden GIFs verzichten muss. Insbesondere letzteres ist schade, da ich zu jedem der hier behandelten Spieler zwischen 8 und 15 Plays gesammelt hatte (was durchaus einige Zeit in Anspruch genommen hat). Habe mir das nun so gedacht, dass ich bei Interesse und Bedarf diese GIFs für ausgewählte Prospects nach Wunsch der treuen Leserschaft nachreichen werde. Sorry in jedem Fall dafür. Nächstes Jahr werde ich mich voraussichtlich wieder auf eine geringere Anzahl Spieler beschränken.
Wer Analysen zu etwa Joejuan Williams (Vanderbilt), Kris Boyd (Texas), Corey Ballentine (Washburn) oder Michael Jackson (Miami, FL) sucht, den muss ich leider enttäuschen. Wie immer bedeutet das nicht, dass diese Prospects zwangsläufig hinter dem hier am niedrigsten gerankten Cornerback einzuordnen sind. Letztlich musste ich irgendwo den Cut machen – was insbesondere im Falle von Williams ein wenig schade ist (sehr interessanter Cover 3-Press Prospect), aber so ist es manchmal einfach. Bleibt halt weiterhin ’nur‘ ein – wenngleich raumgreifendes – Hobby.

Hier gehts zum ersten Teil: Vorstellung der verschiedenen Coverage-Strategien sowie Analysen zu Byron Murphy, Greedy Williams und Deandre Baker.

 

Justin Layne, Michigan State (6’2, 192, Arms 33, Hands 9 1/4), Junior
(40: 4.50 // Shuttle: 4.09 // Cone: 6.90 / Vert: 37.5 // Broad: 134)

Layne ist gelernter Receiver und begann seine Karriere bei den Spartans auch auf dieser Position, wurde jedoch während seiner Freshman-Saison auf CB umgeschult. Wenn es verletzungsbedingte Ausfälle in der Offense gab, sprang er allerdings immer mal wieder vertretungsweise ein. 2018 gelangen ihm 72 Tackles, 2.5 TFL, 1 INT und 15 PBU – sowie ein Catch in der Offense. 2nd team All-Big Ten 2018.

  • Aufgrund von Größe und Tentakelarmen idealer Cover 3 Press-Corner. Hervorragender Athlet, ganz starke Combine-Werte in Shuttle und insbesondere Broad Jump verdeutlichen seine Beweglichkeit und Explosivität.
  • Hat in der Spartans Defense viel ihrer typischen Cover 4 Press gespielt, ab und an Man oder auch kurze Zones verteidigt.
  • Backpedal und Slide Step sind gleichermaßen flüssig, spielt beide Techniken gut. Verwendet den Slide wesentlich weniger oft als etwa Byron Murphy.
  • Beim Release des WRs teilweise noch zu einfach zu verladen mit Release Fakes, grundsätzlich aber technisch sauber. Hier leichte Schwächen im Footwork.
  • Bei Man Coverage (oder tiefer Zone an der Seitenlinie) kommt er flüssig aus dem Pedal, beschleunigt gut, daher meist wenig Separation bei tieferen Routen. ‚Mirrort‘ den Receiver, nutzt die Seitenline, dreht meist den Kopf herum.
  • Bei Inside Routes (insbesondere Slants) manchmal Probleme, schnell aus dem Break zu kommen, insb. gegen kleine quicke Receiver. Dennoch würde ich ihn in Man Coverage nicht grundsätzlich abschreiben.
  • Ganz starke Zone Awareness und Feldübersicht. Trifft beim Übergeben und Übernehmen von Spielern fast immer die richtige Entscheidung. Kommt schnell von seinem Mann oder seiner Zone runter, wenn der Ball kurz geworfen wird. Top Route Recognition.
  • Starke Ball Skills, wie es bei einem Ex-Receiver nicht anders zu erwarten ist. Nutzt seine langen Arme sehr effektiv, kann so notfalls auch etwas Separation ausgleichen.
  • Einer der wenigen CBs dieses Jahr mit anständiger Run Defense. Verhältnismäßig viele Tackles bei RB und WR Screens, schneller Breakdown, wenn in Zone Coverage. Relativ sicherer Tackler. Steckt seine Nase in die Pile, was Seltenheitswert in der CB Class 2019 hat. 72 Tackles sind für einen Outside CB schon eine Ansage.
  • Relativ effektiver Blitzer (sieht man nicht auf dem Stats Sheet, sorgte aber für einige Pressure oder überhastete Würfe.

Fazit: Layne ist trotz seiner vergleichsweise kurzen Karriere als Cornerback in Technik und Spielverständnis bereits relativ weit. Besser in Press als in Off Coverage einsetzbar, dennoch vielseitig, kein reiner Cover 3-Press CB. Hat mit seinen Armen und Händen einen großen Verteidigungsradius. Für mich nur minimal hinter den Top-CBs gerankt: Habe ihn grob in der early 2nd round (Tendenz steigend), die meisten Seiten und Analysten sehen ihn etwas später. Für mich ein höherer Floor als angenommen, und allein wegen seiner Lernkurve ein womöglich sehr hohes Potenzial. Extrem underrated, immer noch.

 

Sean Bunting, Central Michigan (6’0, 195, Arms 31 3/4, Hands 9 5/8), Junior
(40: 4.42 // Bench: 14 // Vert: 41 1/2 // Broad: 126)

Nach einem Grayshirt versuchte sich Bunting zunächst als Receiver und Safety, wechselte dann aber auf Cornerback. Eine gute Entscheidung: Nach einem Jahr als Key Backup (mit immerhin 2 INTs und 7 PBU) startete Bunting zwei Saisons für die Chips mit einigem Erfolg (2017: 5 INTs, 10 PBU // 2018: 2 INTs, 7 PBU). 1st team All-MAC 2018.

  • Starker Deep Speed und zwei exzellente Explosion-Werte unterstreichen seine athletische Extraklasse. Fantastischer Burst, wie der 10 yard Split von 1.51 demonstriert (schnellster der CBs bei der Combine). Die beim Pro Day gemessene Quickness ist zumindest gut.
  • Spielte meistens Left Cornerback, ab und an im Slot. Extrem viel Press Man, teilweise mit Bail Technique daraus. Seltener pre-Snap Off.
  • Ideale Voraussetzungen für Press. Tolle short-area Quickness, großartig fluide Hüften. Kann dadurch extrem eng am Gegenspieler bleiben.
  • Stark im Bump & Run, wenn er den Jam setzen kann. Wenn er sitzt, ist er hart. Problem allerdings: Bunting bleibt zu lange in seiner nach vorne gerichteten Press-Position. Wenn er WR zuerst an ihm dran ist, gerät er manchmal aus Balance.
  • Bestes Beispiel für Press Man soft shoeing Technik (vgl. den ersten Cornerback-Beitrag) in dieser Klasse. Einer der besten der Klasse gegen Release Fakes und v.a. Stem-Steps, mit denen der WR sich inside oder outside Leverage verschaffen will. Bleibt sehr geduldig und eng am Mann.
  • Sehr aggressive Armarbeit in den ersten Metern, nutzt diese Zone hervorragend aus. Mehrfach kann er einen WR ins Aus pushen. Weniger durch eigene Kraft als sehr gutes Nutzen des Schwungs des WRs. Starker Swipe auf die Arme des Receivers (selten so gesehen), bringt den ausm Tritt,
  • Interessanterweise bekommt er seinen Speed nicht immer komplett transferiert aufs Feld. Gab einige Male tiefe Separation (Recovery Speed?). Burst aus Transition ist gut, aber bleibt teilweise zu lange in Press, wenn der WR außerhalb seines Frames ist. Mehrfach tief geschlagen, dann zieht er auch mal einen Penalty.
  • Burst ist toll, die Beschleunigung auf den Metern 8-20 weniger. Wenn man so will, ist der straight-line speed sein schlechtester. Kann allerdings auch eine Technik/Balance-Frage nach der Transition sein. Kommt eh durch seinen ständiges Arbeiten mit den Armen am Receiver manchmal mitten in der Route selbst aus der Balance.
  • Mit Abstand beste Bail Technique der Klasse: Rennt nicht planlos zurück, sondern bleibt mit kontrollierten Schritten eng beim Gegenspieler (so dass er underneath reagieren kann). Gute Körperhaltung dabei, so kann er gleichzeitig den Quarterback im Auge behalten.
  • Benutzte aus der Press nie den klassischen Backpedal (entweder Bump&Run, Bail oder Slide Step). Dickes Fragezeichen für die Projection.
  • Bei Sideline-Pässen quasi ein Blanket. Sehr gutes Mirroring, ganz eng am Gegenspieler wie kaum ein zweiter. Dreht sich allerdings viel zu selten zum Ball dadurch keine Plays möglich und bei seiner aggressiven Spielweise die Gefahr von Flaggen (die wohlgemerkt bisher nicht häufig kamen).
  • Erst wollte ich schreiben: Run Support meh, teilweise desinteressiert. Nach zwei weiteren Cutups: Es ist eher noch schlimmer. Immerhin ein großes Highlight: Forcierte mit seinem Tackle einen Fumble von Kentuckys Bruiser RB Benny Snell.

Fazit: Verdammt interessanter Prospect mit einem recht speziellen Skillset. Ob er ein fertiger Spieler ist, kann ich nicht beurteilen, da er einige wesentliche CB-Techniken nicht gespielt hat. Toller Press Man Corner mit den wohl besten Bump & Run und Bail Skills der Klasse. Bei Sideline Routes schwer zu bezwingen. Muss seine Handarbeit während der Route etwas zurückfahren, nicht nur wegen Penaltys, sondern weil er so deep anfällig war (was er wegen Speed nicht sein müsste). Run Defense mies, Tackling nur leidlich besser. Wen er seine Spielweise nicht umstellt, wird er wenig Interceptions fangen, es dem Receiver aber richtig, richtig schwer machen. Schwierige Grade, bei einem geeigneten System durchaus early/mid 2nd.

 

Amani Oruwariye, Penn State (6’2, 205, Arms 31 3/8, Hands 9), redshirt Senior
(40: 4.47 // Shuttle: 4.16 // Cone: 6.82 // Bench: 17 // Vert: 36 1/2, Broad: 120)

Oruwariye hat eine der längeren College-Karrieren der diesjährigen CB-Klasse gehabt. Nach einem Redshirt zu Beginn war er drei Jahre Backup, bevor er dann 2018 seine erste Saison als unumstrittener Starter bestreiten konnte. Allerdings war er bereits 2017 als dritter CB (hinter den beiden NFL-Playern Grant Haley und Christian Campbell) ein Key Player der Nittany Lions Defense (4 INTs, 12 PBU) und wurde – obwohl nominell Backup – ins 2nd team All-Big Ten gewählt. 2018 wars dann das 1st team (3 INT, 15 PBU).

  • Langer, kräftiger Cornerback. Überraschte ein wenig mit seinen Speed- und Quickness-Werten der Combine, hätte ich nicht unbedingt mit gerechnet. Allein der 10 yard-Split ist schwach (1.63), merkt man auch ein wenig auf Tape. Kommt nicht immer schnell in die Gänge.
  • Wurde überwiegend in Cover 3 eingesetzt, rückte ab und an auch mal nach innen (Overhang Defender o.ä., da sehe ich ihn für die NFL weniger).
  • Backpedal für seine Grüße relativ smooth, quick und mit hoher Kadenz. Leichte Balance-Probleme aus der Transition oder allgemein bei change of direction. Kommt bei Press teilweise zu langsam aus dem Pedal. Hat keinen short-area recovery Speed.
  • Auf Off Coverage immer wieder starker Break auf den Player oder Ball underneath. Agiert selten zu aggressiv, so dass er sich nicht von stutter steps oder double Moves verarschen lässt.
  • Bei tiefen Pässen meist diszipliniert, dreht sehr regelmäßig den Kopf und kann den ankommenden Pass so lokalisieren. Kann mit seinem großen Körper den WR zur Seitenlinie ’shielden‘, ohne sich dabei Flaggen zu fangen.
  • Quickness, Fluidität der Hüften und Burst nicht special, aber auch nicht schlecht. Kriegt er die Combine-Werte besser aufs Feld?
  • Durchaus interessiert an Run Support, einer der besseren der Klasse. Darf im Kontakt gerne noch physischer agieren, Technik mal gut, mal mau (zu viel low, zu sehr Schulter ohne Arme).
  • Insgesamt hat mich seine Inkonstanz gestört. Hatte ihn vor der 2018er Saison als potentziellen Breakout Player genannt. Dies lässt er immer wieder aufblitzen, im nächsten Rep kanns dann jedoch wieder ganz anders aussehen. Dann ist er zu ungeduldig, öffnet die Hüften früh oder vergisst er den Head Turn.
  • Beim Senior Bowl ein ähnliches Bild: Top geführte Duelle wechselten sich mit einfachen Siegen für die Receiver ab.

Fazit: Bei Oruwariye gibt es wohl die größte Uneinigkeit in der Evaluation unter allen Top-Corners. Einige sehen ihn Ende der ersten Runde, andere erst an Tag 3. Ich bin irgendwo in der Mitte. Eigentlich bringt er eine ganze Menge netter Traits für einen großen Zone-Corner mit, der auch in Man Coverage nicht verloren ist. Problem ist diese Inkonstanz, zudem kleine technische Mängel, die typisch für größere Corners sind (Balance in der Transition, Generierung von Burst bei Inside Routes). Scheint ein intelligenter Typ zu sein, der hart an sich arbeitet. Aber irgendwas ist noch off. Hab mich extrem schwergetan, ihn zu bewerten. Aufgrund der vielen wirklich guten Plays mit viel Zutun noch mid 2nd, aber keine so sichere Nummer.

 

Julian Love, Notre Dame (5’11, 195, Arms 31 3/4, Hands 9), Junior
(40: 4.55 // Shuttle: 4.10 // Cone: 6.72 // Bench: 14 // Vert: 36 // Broad: 121)

Love kann auf eine dreijährige erfolgreiche Karriere bei den Irish zurückblicken. Als true Freshman wurde er ins Freshman All-American-Team berufen. In seiner zweiten Saison gelangen ihm unglaubliche 23 PBU, zweitbester Wert in der FBS (dazu 3 INTs). 2018 konnte er diese Leistung bestätigen (1 INT, 17 PBU), was ihm die Wahl zum 1st team All-American bescherte. Mit den Irish erreichte er die College Football Playoffs, und wenn es auch nur irgendeinen Zweifel an seinem Impact für die Defense gegeben haben sollte, musste man sich nur betrachten, wie die Irish Secondary im Halbfinale gegen Clemson vor und nach seiner Verletzung wirkte.

  • Etwas undersized. Kein guter deep Speed, dafür Elite-Werte in den Agility-Drills und gute Explosion.
  • Spielte meist Left Cornerback in der Irish Defense.
  • Ganz starkes Footwork. Schnelle Kadenz, dadurch fixe Reaktionen möglich.
  • Entsprechend quick, aber dennoch geduldig beim Backpedal, öffnet Hüften selten zu spät, selbst wenn der Receiver mehrere Release Fakes ansetzt. Vertraut seiner Technik. Spielt auch Slidestep, ebenfalls flüssig.
  • Grundsätzlich viel mit Armen und Händen beim Gegner, bearbeitet diesen permanent. Meistens gut, insbesondere das Re-Routing zu Beginn des Plays, allerdings nach dem Break (oder der Transition bei tieferen Pässen) teilweise etwas zu grabby.
  • Guter Break nach vorne aus Off Coverage, hier kommen ihm seine Instinkte zugute. Bei Richtungswechseln fehlt ihm ansonsten ein wenig der Top-Burst (ist nicht schlecht, eher durchschnittlich). Immer wieder große Probleme gegen Slants (insbesondere aus Press Alignment), hier ist der Burst teilweise so mau, dass er nicht nur den Gegner nicht am Catch hindern kann, sondern nicht einmal den Tackle setzt. Aus Off Coverage sieht das wesentlich besser aus, einige Pass Breakups.
  • Spielt nicht überaggressiv, ist jedoch anfällig gegen double Moves oder kompliziertere Routes.
  • An Seitenlinie bei Go oder Comeback Routes in der Regel gute Awareness, einige Pass Breakups aufgrund seiner aktiven Arme, die den Gegner permanent beeinträchtigen. Könnte sich öfter zum Ball drehen.
  • Kein guter Bump&Run-Corner, kommt mit seinem Jam teilweise selbst ein wenig aus der Balance oder aus dem Tritt. Dadurch verzögerte Transition. Eröffnet den WRs so teilweise gute Releases. Kein Recovery Speed.
  • Größe ist bei Jump Balls und an Goal Line ein Problem (siehe Reps gegen JJ Arcega-Whiteside). Ist coverage-mäßig eng dran, aber kann dann den Catch nicht verhindern.
  • Tackling mäßig, doch was heißt das schon in dieser Klasse? Versuchts wenigstens, auch wenns zu oft Ankle Biter sind. Reißt sich nicht unbedingt drum, dem Ballträger noch einen mitzugeben.
  • Muss gegen Blocks physischer agieren, lässt sich zu leicht aus dem Play blocken.
  • Zu wenig Interceptions für die riesige Menge Pass Breakups? Ist aber vielleicht Nitpicking.

Fazit: Love war ein herausragender College-CB mit etwas unklarer Projection für die NFL (darum fallen seine Grades durchaus unterschiedlich aus). Traut man ihm in Man Coverage zu trotz seiner offensichtlichen Speed- und Burst-Probleme? Passt er in ein Press-System? Sehe ihn am ehesten in einer Cover 2 oder Cover 3 Off, doch so richtig ausschließen würde ich eigentlich nichts. Hat zugleich gute Traits und Fragezeichen für beinahe jedes Scheme. Seine superben Instinkte, sein technisch starkes Footwork und sein aggressives Bespielen des Gegners mit Armen und Händen sollte definitiv früh einen Interessenten finden. Floor ist im Notfall ein überdurchschnittlicher Nickel-Corner. Mid/late 2nd round (und ich ahne, dass das tendenziell zu niedrig ist).

 

David Long, Michigan (5’11, 196, Arms 30 7/8, Hands 9 5/8), Junior
(40: 4.45 // Shuttle: 3.97 // Cone: 6.45 // Bench: 15 // Vert: 39 1/2 // Broad: 120)

Nach einem Jahr als Backup startete Long zwei Saisons in Don Browns berüchtigter Wolverines-Defense. Seine Zahlen wirken in jeder Hinsicht durchschnittlich (2017: 21 Tackles, 2 INTs, 8 PBU; 2018: 17 Tackles, 1 INT, 9 PBU), das lag jedoch auch daran, dass er selten von gegnerischen Quarterbacks attackiert wurde. In der vergangenen Spielzeit wurde er ins 1st team All-Big Ten berufen.

  • Etwas undersized mit nicht idealer Armlänge. Dafür ein fantastischer Athlet, bei der Combine mit einer der besten all-around Leistungen eines Cornerbacks der letzten vielen Jahre. Insbesondere seine Quickness-Werte sind kaum glaubhaft.
  • Spielte meist Right Cornerback in Press Man Coverage. Ließ 2018 kaum einmal einen Passfang zu (extrem gute PFF-Grades: u.a. hiernach nur 9 Receptions in seine Coverage, 29% Completions und das schlechteste Passer Rating gegnerischer QBs).
  • Vom Start weg aggressiv: beim Release des WR sehr eng dabei, gutes Footwork, klebt am Gegner. Starkes Mirroring. Mehr Handarbeit zu Beginn wünschenswert.
  • Coverage downfield ebenfalls sehr eng. Gute Transition, Shielding, bewegt den WR zu Beginn immer Richtung Sideline, macht das Fenster so kleiner. Beweist hier seinen Speed, muss aber öfter den Kopf drehen und seine Hände vom Gegner lassen. Könnte bei ihm korrigierbar sein, da er nicht wegen schlechter Position grabby ist, sondern eher wegen allgemeinem Spielstil.
  • Im Gegensatz zu vielen anderen CBs überdurchschnittlich gut gegen Slants und Crosser in Man Coverage. Ließ sich einszwei Mal verladen, ansonsten herausragender closing Speed (kann sich daher gut Trail Technique erlauben, also eine leicht versetzte Coverage), guter Armeinsatz. Gibt (wie die meisten College-CBs) noch zu leicht den Inside Release ab.
  • Muss den Jam beim Bump & Run verfeinern, nicht immer gutes Timing und Execution.
  • Weniger Erfahrung in Zone. Einige falsche Entscheidungen, aber auch fantastische Plays, die sein Potenzial hier aufzeigen, v.a. aufgrund seiner Field Vision und guter Awareness. Augen viel im Backfield. Spekuliert immer mal wieder auf kurze Pässe, die er aus Cover 3 Zone o.ä. kommend abfangen kann. Disguise Zone Coverage Calls daher mehrfach sehr effizient. Potenzial aufgrund Antizipation mehr als vorhanden.
  • Nicht der physischste Cornerback, zeigt immerhin Einsatz. Gegen große WR im Block unterlegen, immerhin am fighten, lässt sich nicht ohne Gegenwehr wegschieben. Kein berühmter Tackler, aber halbwegs okay.

Fazit: Long hat seine Stärken und Erfahrung in der Press Man, klebt geradezu vom Snap weg am Gegner. Fragezeichen bestehen aufgrund seiner Größe (reicht das als Outside WR) und seiner sehr aggressiven Attitüde downfield. Die Jungs vom Draft Network kamen vor ein paar Wochen auf den interessanten Gedanken, Long in eine Cover 2 zu stellen. Würde einige Anpassung erfordern, könnte seine unfassbare Quickness noch mehr hervorheben. Was ich damit sagen will: Long projectet möglicherweise vielseitiger, als viele denken. Und wenn nichts hilft, geht mit seinem Profil immer noch Nickel. Hab Long höher als andere, grob Top 60-70 Spieler.

 

Rock Ya-Sin, Temple (6’0, 192, Arms 32, Hands 9 7/8), Senior
(40: 4.51 // Shuttle: 4.31 // Cone: 7.31 // Bench: 18 // Vert: 39 1/2 // Broad: 120)

Nachdem er keinerlei FBS-Offers erhielt, entschied sich Ya-Sin, der nebenbei ein exzellenter Wrestler war, für das FCS-College Presbyterian. Nachdem das Football-Programm dort seine Struktur veränderte, transferierte er für seine Senior-Season ’nach oben‘ in die FBS zu Temple. Dort überzeugte er derart, dass er ins 1st team All-AAC gewählt wurde (2 INTs, 14 PBU).

  • Hatte aus der Saison das Gefühl, dass Ya-Sin wesentlich größer als knapp unter 6’0 und wesentlich kräftiger als 192 Pounds ist – was man eindeutig seinem Spielstil zuschreiben kann. Die 40-Zeit war okay für ihn, die Agility-Werte sind dagegen ziemlich besorgniserregend für einen CB (insb. der Cone). Wunderte mich, dass er sich beim Pro Day nicht entschied, die Drills zu wiederholen. Ist wirklich nicht mehr drin?
  • Meistens Left Cornerback. Viel Press, hier liegen seine Stärken. Auch einige Zone und tlw. short Zone. Weniger Bump & Run als Bunting.
  • Lässt sich beim Release manchmal leicht verladen, ist aber meist schnell wieder dran. Immer den Arm am Receiver (ohne zu ziehen), macht sich bemerkbar.
  • Nicht nur aggressiver, sondern auch wirklich physischer CB (hier scheint die Wrestling-Erfahrung durch). Zwingt Receiver zu vielen Catches ‚in traffic‘, immer ist sein Körper im Spiel. Mit gutem Body Positioning bewegt er Receiver von seiner Route.
  • Deep Speed nicht speziell, aber sieht besser aus als die 4.51, kriegt er zumindest gut verschleiert. Problem sind eher die schnellen Richtungswechsel (s. Cone).
  • Backpedal und insb. Shuffle etwas staksig, wenngleich nicht uneffizient.
  • Nicht das beste Footwork. Ist nicht so sehr bestraft worden, weil Ya-Sin mit seiner Physis am catch point und seinem Burst einiges gutmachen kann, das wird in der NFL nicht reichen. Braucht oft einen Schritt zu viel bei Transition und Richtungswechseln.
  • Wenn er nicht Press spielt oder in Zone ist, läuft er die Route oftmals ein paar Yards hinter dem Receiver mit Slide Step mit. Funktioniert öfter, weil er ein en recht explosiven Antritt hat und mit Wucht den Receiver attackiert. Daraus entstanden einige Incompletions. Dennoch zu sicherheitsbetont, wird in der NFL ausgenutzt.
  • Begleitet den Receiver die gesamte Seitenlinie herunter. Unangenehmer Gegenspieler. Aber zu wenig Blick zurück führt zu Penaltys am catch point.
  • In Off weniger stark. Hat nicht das Gefühl fürs Timing. Evtl. zu vorsichtig wegen mangelnder Beweglichkeit?
  • Sehr physisch in Blocks mit den Receivern. Einer der wenigen, die sich in der Run Defense einbringen wollen. Wenn er Run erkennt, slantet er von seiner Press Position gerne mal nach innen. Fiery player.

Fazit: Bei Ya-Sin besteht für mich eine gewisse Diskrepanz zwischen seinem Erfolg als College-Spieler und seiner Projection für die NFL. Von der Effektivität her könnte man ihn als borderline 1st rounder graden (und damit meine ich nicht nur die Statistiken). Physischer Press Corner, der den Receivern die gesamte Route keine Luft zum Atmen lässt und nebenbei kaum tief geschlagen wurde (trotz fehlendem Top-Speed). Nur sehe ich ein paar technische Mängel (insbesondere im Footwork, in einigen Route Coverages, Armeinsatz downfield), die in der NFL ausgenutzt werden; zudem wird seine Physis gestandene NFL-Receiver weit weniger einschüchtern. Die Skepsis kann ich nicht ganz ablegen, daher so im Bereich late 2nd. Er darf mich gerne eines Besseren belehren.

 

Trayvon Mullen, Clemson (6’1, 199, Arms 31, Hands 9 1/8), Junior
(40: 4.46 // Vert: 34.5 // Broad: 123)

Nach einem Jahr als Backup startete Mullen in den letzten beiden Saisons als CB in der Tigers Defense. Die Statistiken von 2018 wirken sehr unspektakulär (37 Tackles, 4 TFL, 1 INT, 5 PBU), doch lag das weniger an Mullen selbst, sondern zum einen an dem mörderischen Passrush der Tigers, zum anderen daran, dass die wenigsten Teams Mullen testen wollten. Sein Wert für die Clemson Defense war ungleich höher, wie sich unter anderem an der Wahl zum 2nd team All-American (neben dem 2nd team All-ACC) illustrieren lässt.

  • Guter Athlet, unterstrichen durch die schnelle 40 time. Nur 7 Bench Reps beim Pro Day sind allerdings ein wenig suboptimal.
  • Am besten als Press Corner, entweder Press Man oder Cover 3 Press. Hat allerdings auch Erfahrungen in Off Coverage (Tigers Defense ist extrem variabel aufgestellt).
  • Braucht geradezu den WR im Gesicht. Im engen Fight sehr gut. Viel Armeinsatz, schaut öfter zurück zum Ball. Hervorragendes Attackieren der Arme des WRs, wenn der Ball ankommt, dadurch vergleichsweise viele Incompletions.
  • Downfield Coverage aufgrund seines Speeds und Bursts in der Regel kein Problem. Nicht der beste beim Lokalisieren des Balles. Körperbalance hier nicht immer perfekt.
  • Aufgrund der aktiven Arme guter Bump & Run-CB. Jam gegen den Receiver meist gut getimet, aber Raum für Verbesserungen.
  • Meist diszipliniert genug, die Hüften nicht zu früh zu öffnen. Pedal wirkt okay für seine Größe, allerdings nicht so gut wie bei Justin Layne. Lässt bei Inside Releases oft ein wenig zu viel Separation zu. Einszwei Mal von Cuts übel verladen worden.
  • In Off Coverage deutlich schlechter, hier reagiert er zu behäbig auf Cuts. Transition und Burst daraus zu langsam. Keine besonders schnellen Breaks nach vorne, click and close nicht besonders ausgeprägt.
  • Insgesamt wirkt die Beweglichkeit in den Hüften besser als die in den Füßen. Lässt sich noch so am Footwork arbeiten?
  • Nicht immer gute Routen-Antizipation, hier fehlen ihn ein wenig die Instinkte.
  • Tackling-Technik sieht okay aus, aber Einsatz gegen den Lauf lässt teilweise doch zu wünschen übrig. Müsste öfter den Weg in die freie Lane machen, durch die der Runner durchbricht.
  • Großartiges Ende der College-Karriere mit einem Wahnsinnsspiel gegen die hochtalentierten WRs von Alabama. Einzige INT des Jahres nach einer großartigen Coverage Disguise mit exzellenter Execution. Defensive MVP des National Championship Games.

Fazit: Mullen projectet am besten als Man Corner oder für eine Cover 3 Press. Sein Spiel ist in einigen Bereichen (Footwork, Awareness) nicht so rund wie gewünscht, bringt aber eine Menge netter Tools mit, die in der NFL entwickelt werden könnten. Sehe ihn eher in der dritten Runde als in der zweiten, dennoch definitiv ein Day 2 Prospect, dazu sind seine Man Cover-Qualitäten zu gefragt.

 

Jamel Dean, Auburn (6’1, 206, Arms 31 3/4, Hands 9 1/8), redshirt Junior
(40: 4.30 // Shuttle: 4.19 // Cone: 7.02 // Bench: 16 // Vert: 41 // Broad: 130)

Deans Footballkarriere war eigentlich so gut wie vorbei. Nach einem Kreuzbandriss und zwei Meniskusrissen in der Highschool wurde dem ursprünglichen Ohio State-Commit von den Ärzten wenig Hoffnung gemacht. Er transferierte zu Auburn, erlitt dort seine dritte schwere Knieverletzung und musste ein weiteres Jahr aussetzen. In den letzten beiden Saisons startete er dann und erzielte 2018 seine ersten beiden Interceptions (zudem 9 PBU). Die Entscheidung, nun zu declaren, fiel nach dieser Seuchengeschichte nicht wirklich schwer.

  • Langer, kräftiger Corner mit Weltklasse-Speed, den man auf dem Feld nur zu gut sehen konnte (schrieb Anfang der Saison mal drüber, dass er da völlig unterschätzt ist). Auch die anderen Werte können sich mehr als sehen lassen, insbesondere die Explosion (Vert/Broad) unterstreicht seinen potenziellen Radius. Die Verletzungen scheinen komplett überwunden zu sein.
  • Normalerweise als Outside CB eingesetzt, aber durchaus viel umherbewegt. Teilweise im Slot, als Nickel Defender oder sogar mit dem Snap ein Dropback auf eine Art Safety-Positon.
  • Charakteristisch: Sitzt bei seinem Stance vor dem Snap sehr tief bei Press Coverage.
  • Teilweise Probleme beim Release, lässt sich ausfaken (v.a. Outside-Inside-Fake), die Transition aus dem Pedal dagegen meist gut (bei den meisten CBs ist es eher andersrum). Nimmt downfield schnell Top-Geschwindigkeit auf, daher wird die Separation vom Release meist schnell wieder getilgt. Muss also gewissermaßen den Release überleben – oder verbessern.
  • Gegen Slants in Man Coverage einige sehr gute Reps neben einigen verlorenen. Bei kurzen Routen (Hook, Curl) agiert er sehr physisch, lässt sich nicht so einfach outboxen.
  • Hat eigentlich einen guten Jam und aktiven Handeinsatz nach dem Snap. Teilweise gelingt das Re-Routing Richtung outside gut. Muss er öfter anwenden und verfeinern.
  • In Off Coverage wechselhaft. Teilweise gute Recognition der Routenkombinationen (gerade wenn er in dieser Safety-Rolle positioniert war). Ab und an guter Break auf Slants und Crossern – wenn er auf dem richtigen Fuß steht. Fürchterliche Reps, wenn er reaktiv im Off steht: kein Re-Routing, total flat footed, steht einfach nur da, kriegt keinen Burst aus seinem Stand (hier v.a. technisches Problem) und fängt an den Receiver zu halten. Wird in der NFL Flaggen hageln.
  • Physischer Spieler, aber davon sieht man wenig gegen den Lauf. Ab und zu geht er immerhin den Extraschritt in die Running Lane. Kann sich zu selten von WR Blocks lösen, zu wenig energisch. Hat teilweise die Augen bei der Motion oder im Backfield, sieht den Runner nicht immer.

Fazit: Dean projectet insbesondere für ein Team mit viel Press Man Coverage, zeigte allerdings darüber hinaus Potenzial für andere Coverages. Hat technisch einige Mängel, die er mit seinem superben Speed teilweise ausgleichen kann – doch gelingt dies auch in der NFL? Ein Spieler, an dem man zunächst wohl mehr arbeiten muss als an allen zuvor behandelten. Die Verletzungen werfen weitere Fragezeichen auf, die ich natürlich nicht abschließend beurteilen kann. Würde mich nicht komplett überraschen, wenn er am Ende des zweiten Tages geht, genauso wenig wie ein Fall in den mittleren dritten Tag. Im Bereich mid/late 3rd, viel hängt von der medizinischen Evaluation ab.

 

Lonnie Johnson, Kentucky (6’2, 213, Arms 32 5/8, Hands 9 1/8), redshirt Senior
(40: 4.52 // Shuttle: 4.10 // Cone: 7.01 // Bench: 15 // Vert: 38 // Broad: 129)

Johnson kam aus ökonomisch extrem deprivierten Verhältnissen. Startete seine College-Karriere bei zwei verschiedenen Junior Colleges, redshirtete ein Jahr und spielte dann zwei Saisons bei Kentucky mit moderaten Statistiken (2018: 23 Tackles, 1 INT, 5 PBU). Ich war während der Saison von seinen Secondary-Kollegen Derrick Baity und Mike Edwards mehr angetan, aber es besteht nunmal ein Unterschied zwischen College-Leistungen und Passigkeit für die NFL.

  • Großer, langer und recht kräftiger CB mit passablem Speed, guter Quickness und hervorragenden Explosion-Werten.
  • Variabel: Spielte links und rechts outside, meist Cover 3, sowohl Press als auch Off, dazu Cover 2 und Man, ist also diesbezüglich einigermaßen erfahren.
  • Gute Transition aus dem Pedal für so einen großen CB, vernünftige Beschleunigung danach. Müsste sich bei Go Routes o.ä. öfter zum Ball umdrehen, so leichte Gefahr für Penalties aufgrund seines Armeinsatzes. Coverage selbst aber stark. Interpretiert seine Position durchaus aggressiv.
  • Bei Inside Routes fehlt ihm manchmal der initial Burst. Macht einiges mit seinenlangen Armen wieder wett.
  • Grundsätzlich geduldig beim Pedal, aber einige wirklich schlechte Reps, bei denen er sich ganz übel verladen lässt (entweder beim Release oder durch Cuts auf der Route). Inkonstant. Eher smoothe als abrupte Richtungswechsel. Teilweise zu aufrecht.
  • In Off größere Probleme: Break aus dem Pedal nicht sehr schnell und energisch. Verhindert kaum kurze schnelle Pässe, da er da fast immer einen Tick zu weit weg ist. Awareness fraglich, weiß manchmal nicht, wo sich der Ball befindet. Transition aus Off bei längeren Pässen deutlich besser. Hat Stärken gegen das vertikale Passing Game.
  • In Man Coverage einige erstaunlich gute Situationen: Lässt teilweise zu Beginn der Route zu viel Separation zu (größtenteils ein Footwork-Problem), hat aber einen netten Closing Speed.
  • Run Defense unterdurchschnittlich. Nicht immer guter Effort, teilweise auch Probleme mit der Technik (Footwork, Contact Balance).
  • Teilweise fehlt die Aufmerksamkeit, wo sich der Ball befindet. Mehrfach liefen Runner einfach an ihm vorbei.
  • Keine nennenswerten Ball Skills. Müsste mit seinen langen Armen wesentlich mehr Bälle abwehren, hier fehlt es an Stellungsspiel, Timing und Antizipation.
  • Practices beim Senior Bowl und der Combine sind größtenteils sehr gut gelaufen, viel mehr Confidence und Sicherheit. Gilt als harter Arbeiter.

Fazit: Johnson hat idealtypische Cover 3 Press-Maße. Die grundsätzliche Press Coverage ist mehr als okay, leider hat er in anderen Bereichen seines Spiels ein paar deutliche Mängel. Muss an Awareness, Technik/Körperhaltung beim Pedal und Ball Skills arbeiten. Vom Tape eher 4th, aufgrund deutlicher Verbesserungen und Potenzial late 3rd, könnte aber aufgrund seines Profils früher gehen, vielleicht sogar deutlich (also gegenteilig zu Jamel Dean). Vermute er wird ein besserer NFL-Spieler als College-Spieler.

 

Isaiah Johnson, Houston (6’2, 208, Arms 33, Hands 8 3/4), redshirt Senior
(40: 4.40 // Shuttle: 4.06 // Cone: 6.81 // Vert: 36 1/2 // Broad: 133)

Johnsons Weg zu einem veritablen Cornerback-Prospect war lang und ungewöhnlich. Nach einem Redshirt-Jahr spielte er in den nächsten beiden Saisons bei den Cougars noch als (Backup-)Receiver, ehe er für auf die defensive Seite wechselte. Als Passverteidiger gelangen ihm 2017 und 2018 jeweils 2 INTs und 9 PBU.

  • Height-Weight-Speed-Phenom. Wenn man sich im Labor einen Cover 3-CB basteln würde, würde Johnson dabei rauskommen: Groß, kräftig, sehr lange Arme, bei der Combine exzellente Werte in Speed, Agility und Explosion. Eine der besten Combine-Leistungen überhaupt.
  • Auf dem Feld bemerkt man seine Athletik, aber er ist fürchterlich roh und unerfahren.
  • Bei Press öffnet er seine Hüften mit dem Release des WRs, daher anfällig gegen double Moves. Footwork unsauber. Allerdings guter Recovery Speed, nachdem er früh Separation zulässt. Teilweise zu grabby und unbeholfen downfield, doch retten seine Arme ihm hin und wieder ein eigentlich verlorenes Duell. Muss sich öfter umdrehen, sonst hagelt es Flaggen.
  • Extrem seltsame Technik beim Bump & Run: Öffnet seinen gesamten Oberkörper nach innen, der Jam mit dem äußeren Arm ist dann noch nicht mal energisch, schnell oder kraftvoll, eher wie ein Abklatschen – versucht er mit der Hand Kontrolle über den WR zu behalten? Die Technik dürfte von den Coaches kommen, muss er dennoch extrem umstellen für die NFL.
  • In Off bleibt er oft flat-footed stehen und wartet, bis der WR bei ihm ankommt, erst dann Bewegung. Füße stehen zuvor still. Nicht gut.
  • Slide Step mit zu langen Schritten, dadurch weniger Kontrolle und Balance Füße kreuzen andauernd, insgesamt alles viel zu raumgreifend, muss schneller, quicker agieren.
  • Bei Bail Technique (also nach dem Snap aus der Press in die Off Coverage wechseln) ähnlich: Kommt nicht schnell genug in den Break gegen underneath Passes. Sieht teilweise nach zurückjoggen aus, merkt dann nicht immer, was in seinem Rücken geschieht.
  • Im Tackling versucht er physisch zu agieren, doch fehlen ihm hier die Mechanics. Antizipation von Running Lanes gering.
  • Beste Plays, wenn es weniger auf Technik und mehr auf Athletik ankommt.
  • Gute Körperkontrolle und Ball Skills, gerade downfield. Hier merkt man die Vergangenheit als Receiver.
  • Soll sehr lernwillig sein. Keiner, der sich auf seinen Draftlorbeeren ausruhen dürfte.

Fazit: Mir liegt es wirklich fern, Prospects niederzuschreiben, doch fand ich Johnsons Tape in vielerlei Hinsicht doch ein wenig erschreckend. Hatte während der Saison das Gefühl, dass er schon weiter wäre. Johnson ist immer noch sehr neu auf der Position und bringt hervorragende körperliche und athletische Tools mit – nur muss man die halt noch ziemlich weit entwickeln, insbesondere in technischer Hinsicht.
In diesem Punkt sieht man übrigens eine beliebte Diskrepanz zwischen professionellen NFL Scouts und Internet-/Hobbyscouts: Letztere bewerten im Vergleich zu ersteren die Leistungen auf dem Feld immer ein wenig höher, erstere berücksichtigen dagegen stärker das Potenzial. Wo will man so einen Spieler ziehen? Für mich auf dem Tape ein klarer Day 3-Prospect (grober Bereich 5th round), doch besitzt er ein wahnsinnig hohes Ceiling, wenn man ihm denn etwas Zeit gibt. Vermute spätestens in der 4th (eventuell sogar schon am Tag 2) wird es ein Team riskieren, das vielleicht nicht unbedingt ein aktuelles Need auf CB hat.

3 Gedanken zu „Cornerbacks: Prospects II

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