NFL Draft 2019, Tag 1: Gedanken & Bewertungen

 

Nach keinen drei Stunden Schlaf wage ich mich an einen – wohlgemerkt unvollständigen – Rückblick auf gestern. Insgesamt lässt sich die erste Runde wohl als unspektakulär bezeichnen: zunächst relativ wenig große Überraschungen und vor allem relativ wenige Trades (nur ein einziger Trade innerhalb der ersten 20 Picks, das geschieht ganz selten). Am Ende kam nochmal ein wenig Fahrt auf, wurde gefühlt aber leider durch eine extreme Verzögerung bei der Bekanntgabe der Picks gleich wieder ausgebremst.
Hier also nun meine unzusammenhängenden Gedanken. Etwaige Fehler bitte auf den Schlafmangel schieben. Wie immer schicke ich vorweg: 1) Es ist nur der erste Tag gewesen. Von daher fallen die Analysen naturgemäß unvollständig aus. 2) Ich werde nicht zu sehr nach meinen eigenen Einschätzungen zu bewerten, das wäre langweilig und vorhersehbar (Spieler hoch auf meinem Board: toller Pick; Spieler niedrig auf meinem Board: blöder Pick). Ich versuche prinzipiell, Motivation und Strategie der Teams nachzuvollziehen. Sicher wird mir das nicht in jedem Punkt gelingen. Wenn ich zu dem Spieler im Pre-Draft Process eine längere Analyse veröffentlicht habe, werde ich sie mit dem Spielernamen verlinken, das erspart das lästige Suchen.

Top 10 Picks:

  • Sie haben es wirklich getan I: Die Cardinals investieren zwei Mal in Folge ihren 1st round pick in einen Quarterback: letztes Jahr mit Uptrade Josh Rosen, dieses Jahr an 1st overall Kyler Murray (hier meine Heisman-Story zu ihm). Nach dem ganzen Offseason-Spektakel mit halbherzigen Treuebekundungen Richtung Rosen letztlich erwartbar. Obwohl ich weiterhin viel von Rosen halte, bei Murray ein paar Fragezeichen sehe und hier an Stelle der Cardinals BPA gegangen wäre: Wenn Murray der Wunschkandidat für HC Kliff Kingsbury gewesen ist, kann ich den Pick durchaus nachvollziehen. Kingsbury wird eine an die Air Raid angelehnte Offense spielen lassen, die noch nie in der NFL ausprobiert wurde. Offenbar betrachtet er Murray als den idealen Quarterback dafür. Ein extrem spannendes Projekt, auf das wir alle gespannt sein sollten. Erleidet er ähnlichen Schiffbruch wie seinerzeit Steve Spurrier mit seiner Fun&Gun-Offense oder sorgt er für eine kleine Revolution in der NFL? Murray ist ein Typ Quarterback, den es bei den Pros in der Form noch nicht gegeben hat. Ich bleibe beim Vergleich mit Doug Flutie, nur ist Murray ein echter Weltklasse-Athlet und verfügt über einen wesentlich stärkeren Arm. Über diese Entscheidung dürfte voraussichtlich noch sehr lange geredet werden.
    Etwas Pech für die Cardinals, dass der Markt für Rosen so schnell zusammengebrochen ist (Giants picken Daniel Jones, Dwayne Haskins fällt zu Washington). Denkbare Abnehmer ohne gesicherte QB-Situation wären etwa die Dolphins und Broncos, mit einem alternden Franchise QB etwas die Chargers, Saints und Patriots. Ich hoffe für Rosen, dass er schnell bei einem anderen Team unterkommt und von der ganzen Saga keine bleibenden (Karriere-)Schäden davonträgt.
  • 49ers wie erwartet: Einer der am leichtesten zu prognostizierenden Picks der Draft: DE Nick Bosa wird den Passrush der 49ers ordentlich auf die Sprünge helfen. Galt lange als sicherer #1 overall pick. On-field gibt es kaum einen Zweifel an seiner Klasse, ein Prospect ohne größere Schwächen. Ich bin dennoch ein wenig gespannt, ob seine lange sehr offen vertretenen ideologischen Ansichten irgendwann zu einem kleinen Problem im Locker Room führen könnten (es gibt diesbezüglich einen Unterschied zwischen einem College Locker und einem NFL Locker). Es geht mir hier nicht darum, ob er Trump gut findet oder nicht (das dürften einige weiße Profis tun), vielmehr verraten seine Äußerungen und Likes ein Weltbild, das nahe der Alt Right-Bewegung zu verorten ist – nicht nur in dezidiert parteipolitischer, sondern darüber hinaus eben auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht (hier ist einiges davon zusammengetragen). Ich vermute, dass insbesondere aus dem 49ers Locker Room der eine oder andere ihm hinter verschlossenen Türen dazu erst einmal ein paar Takte erzählt. Klar ist: Ein afroamerikanischer Prospect hätte sich etwas Vergleichbares sicherlich nicht leisten können, ohne – auch medial – kräftig zerpflückt zu werden.
  • Alles richtig gemacht, Jets: Haargenau diese Worte wählte ich bereits letztes Jahr. Nachdem es im Vorfeld einige Gerüchte über Ed Oliver, Josh Allen und dem Wunsch zum Downtrade kursierten, blieben die Jets an ihrem Spot und pickten mit DT Quinnen Williams den meiner Ansicht nach besten Spieler des Drafts. Ob sich kein Downtrade-Angebot fand oder nicht, werden wir letztlich nie erfahren (die Aussagen zu solchen Dingen nach der Draft sollte man so oder so nicht zu ernst nehmen). Anyway, die Jets sind für mich damit einer der absoluten Gewinner der ersten Runde.
  • Der Mayock-Weg: What a difference a year makes! 2018 setzten die Raiders auf riskante Prospects mit sehr hohem Potenzial, aber auch einigen Fragezeichen und zogen diese Linie konsequent bis in die letzten Runden durch. Unter dem neuen GM Mike Mayock scheint dies zumindest partiell der Vergangenheit anzugehören. DE Clelin Ferrell ist diesbezüglich beinahe der Anti-Prospect: sehr produktiv, technisch extrem weit, auf und abseits des Feldes ein echter Leader, aufgrund seiner nicht überragenden Athletik vielleicht nicht das Potenzial zum absoluten Superstar. Viele hätten an #4 einen anderen Spieler bevorzugt (Allen, Oliver). Ich hätte wohl ebenfalls anders gewählt, kann die Entscheidung pro Ferrell aber wahnsinnig gut nachvollziehen. Ein Spieler, der die Franchise als Ganzes weiterbringen wird.
  • White over Passrush: Die Buccaneers entscheiden sich gegen einen der verbliebenen DL- oder EDGE-Talente und wählen mit LB Devin White einen Spieler, der bei ihnen seit Wochen sehr hoch im Kurs stand. Ich sehe White weiterhin etwas kritischer als die allermeisten, da er verglichen mit den anderen Top-Prospects ein paar mehr Fragezeichen aufwirft (insb. Play Recognition, Tackling-Technik). Dennoch ist das schematisch durchaus spannend: Unter ihrem neuen DC Todd Bowles werden die Buccaneers auf eine base 3-4 Defense umstellen. Hier könnten White und Lavonte David eines der schmächtigsten, aber athletischsten ILB-Duos überhaupt abgeben (als klassischeren ILB hätte man zudem noch Beckwith). Da heutzutage allerdings eh die Nickel-Defense zur eigentlichen Base-Defense mutiert ist, ergeben sich mit zwei solchen Linebackern diverse Optionen, insbesondere wenn White sein enormes Potenzial in der Pass Coverage abruft.
  • Sie haben es wirklich getan II: Es waren keine Gerüchte und keine Smokescreens: Die Giants entscheiden sich an #6 tatsächlich für QB Daniel Jones. Letztlich ist das der Schlusspunkt unter eine aus strategischen Gesichtspunkten versaute 2018er Draft. In einer der besten QB-Klassen der jüngeren Zeit entschieden sich die Giants an #2 mit Saquon Barkley für einen großartigen Spieler, aber ließen die Chance auf einen Franchise QB (Darnold, Rosen) liegen. Nach einer unerfolgreichen Saison befanden sich die Giants in einer ähnlichen, wenngleich sowohl spotmäßig als auch von der Qualität der QB-Klasse schlechteren Position. Persönlich hätte ich an GM Dave Gettlemans Stelle ja mal bei den Cardinals für Rosen angeklopft und ganz schüchtern einen 2nd rounder geboten. Vielleicht tue ich Jones furchtbar Unrecht, und er kann mich in den nächsten Jahren gerne widerlegen, doch sehe ich es bei ihm einfach nicht. Ein extrem fragwürdiger Pick, vor allem wenn man sich die restlichen Top 10-Prospects einmal betrachtet. Puh.
  • Jags mit Value: Klar war vorab: Sollten zwei QBs in den ersten Picks gehen, werden ein oder zwei Blue Chip Prospects fallen. Kaum einer hätte vor der Draft damit gerechnet, dass DE/OLB Josh Allen, für viele der drittbeste Spieler des Drafts, an #7 noch auf dem Board sein würde. Die Jags hatten sicherlich größere Needs als Passrusher, insbesondere in der O-Line, aber entschieden sich hier für einen reinen BPA-Pick. Für mich die einzige sinnvolle Herangehensweise, insbesondere in den ersten 10 Picks. Stures Prevent Picking nach Needs hat die wenigsten Teams vorangebracht. Glückwunsch!
  • Nummer sicher: Pick #8 kann man kurz abhandeln: Die Lions wählen mit TE T.J. Hockenson einen der drei sichersten Spieler des gesamten Drafts. Kompletter TE, extrem hoher Floor, startet am ersten Spieltag.
  • Bills mit Value: Match made in heaven. In den letzten Tagen kristallisierte sich mehr und mehr heraus, wie sehr die Bills auf DT Ed Oliver standen. Er hatte vor wenigen Tagen noch ein Visit und schwärmte in höchsten Tönen von Facilities, Coaching Staff und Scheme Fit als Nachfolger des zurückgetretenen 3-tech DT Kyle Williams. Problem daran: Es konnte wahrlich nicht erwartet werden, dass Oliver bis #9 fällt – und die Bills konnten es sich bei ihren riesigen Needs in der Offense (v.a. OL, WR) schlicht nicht erlauben, für einen Defense-Spieler upzutraden und damit weitere Picks zu opfern. Manchmal braucht es eben ein wenig Glück. Freue mich sehr für mein ‚altes‘ Team.
  • Steelers ungewohnt aggressiv: LB Devin Bush zu den Steelers war eines der am wenigsten gut gehüteten Geheimnisse der Draft, zu sehr passten Need und Prospect zusammen (verbunden mit der Tatsache, dass die LB-Klasse nach den ersten beiden Picks ein massives Loch aufweist). An Bush waren gerüchteweise auch andere Teams interessiert, möglicherweise wäre er schon am Divisionsrivalen Bengals auf Position #11 nicht mehr vorbeigekommen. Steelers-untypisch nahm GM Kevin Colbert einige Draftmunition in die Hand und tradete seinen 1st rounder #20, seinen 2nd rounder #52 und den 3rd rounder des kommenden Jahres zu den Broncos, um auf #10 zu kommen. Verglichen mit den Trades der letzten Jahre ist der Preis ziemlich deftig, was nur verrät, wie weit oben Bush auf dem Board der Steelers stand. Ich habe Bush in den letzten zwei Saisons geliebt wie kaum einen anderen Big Ten-Spieler außerhalb der Huskers, von daher kann ich das persönlich sehr gut nachvollziehen. Risiko ist bei so viel Investment natürlich dabei. Gerüchteweise hatten die Steelers übrigens schon bei den Lions und den Bills angeklopft, die wollten von ihren Positionen aber nicht runtergehen, was insbesondere bei den Bills womöglich anders ausgesehen hätte, wäre Oliver nicht mehr auf dem Board gewesen.
    Was nicht vergessen werden sollte: Toller Trade natürlich für die Broncos, die eine Menge Draftkapital einsacken. Gut möglich, dass wir in einigen Jahren von einem Win-Win-Trade sprechen.

Zu den weiteren Picks:

  • Trostpreis: Selbst wenn die Bengals wirklich an Bush interessiert gewesen sein sollten, picken sie mit OT Jonah Williams an #11 eine hervorragende Alternative. Man muss abwarten, ob er in der NFL LT spielen kann (was ich glaube), so oder so kriegt man einen der fertigsten, erfahrensten und technisch ausgereiftesten O-Liner der letzten Jahre. Halte es für fast ausgeschlossen, dass Williams komplett bustet.
  • Boom, Bust und Mancrush: Die Packers gehen dagegen deutlich mehr Boom or Bust und wählen an #12 mit DE Rashan Gary einen der besten D-Line-Athleten, der seine überragenden Voraussetzungen bislang aber noch nicht wirklich aufs Feld transferieren konnte. Besonders spannend: Die Packers bezeichneten ihn als OLB. Viele erwarteten ihn in einer 3-4 Defense eher als 5-tech DT.
    Bei ihrem zweiten Pick nutzen die Packers aus, dass die Seahawks dieses Jahr mit nur 4 Picks in die Draft gegangen sind und dringend einen Downtrade-Partner suchten, um mehr Picks zu generieren. Für den verhältnismäßig billigen Preis von zwei mid-4th roundern sprangen sie von #30 auf #21 und wählten mit S Darnell Savage einen meiner absoluten Draft-Mancrushes. Es hatten sich Gerüchte verfestigt, dass Savage irgendwo in den 20ern möglicherweise der erste Safety von Board sein würde, daher war der Uptrade wohl nötig. Nachdem ich den Packers seit dem Abschied von James Starks ein wenig den Rücken gekehrt hatte, bringen sie sich bei mir nun wieder ins Spiel. Hoffen wir mal, dass Savage eher nach den letzten DB-Draftpicks kommt und nicht nach den vielen erfolglosen Versuchen der Jahre zuvor.
  • Tank for Tua? Die Dolphins punten den QB-Pick wie erwartet ins nächste Jahr – oder sind etwa doch an Josh Rosen interessiert? Wie auch immer: DT Christian Wilkins ist an dieser Stelle ein herausragender Pick. Vielleicht deckt er nicht den größten Need, aber solange man ihn als 4-3 3-tech DT einsetzt, ist er einer der sicheren Picks der Klasse. Difference Maker auf und abseits des Feldes, großartiger Typ. Kann jedem Locker Room nur gut tun. Die Fins haben somit in den letzten beiden 1st rounds an ähnlicher Position tolles Value eingefangen mit Fitzpatrick und Wilkins.
  • Das dicke O-Line Upgrade: Die Falcons sahen ihre Needs offensichtlich woanders, als viele Experten vermuteten. Gleich zwei Mal bedienten sie die Offensive Line: erst an #14 mit OG Chris Lindstrom, dann mit einem ungewöhnlichen Uptrade ans Ende der ersten Runde für OT Kaleb McGary. Dafür gaben sie den Rams ihren 2nd und 3rd round pick, erhielten allerdings noch deren 6th rounder. Der Uptrade für McGary überrascht etwas, da noch einige andere höher eingestufte OTs auf dem Board waren (Jawaan Taylor, Cody Ford, Dalton Risner). Möglicherweise gab der Scheme Fit fürs Zone Blocking Scheme den Ausschlag, da McGary athletischer ist, als er zunächst wirkt (bewies dies insbesondere in den Practices beim Senior Bowl, wo er viele überraschte). Insgesamt scheinen die Falcons zu glauben, dass ihre Probleme in der Defense größtenteils auf die Verletzungsseuche zurückzuführen waren. Die Probleme in der Offense, insbesondere das enttäuschende Running Game, wurde nun gleich zweifach hochpreisig angegangen. Insbesondere Lindstrom passt mit seiner Athletik und seinem 2nd level Blocking hier natürlich ideal.
  • Gewinner der Draft? Man sollte mit solchen Slogans insbesondere nach dem ersten Tag vorsichtig sein, nichtsdestotrotz ist die Draft für Washington beinahe ideal verlaufen. An #15 fiel ihnen QB Dwayne Haskins in den Schoß: für mich der beste QB der Klasse und insbesondere ein hervorragender Fit für die auf West Coast-Prinzipien basierende Offense von HC Jay Gruden. Ist als redshirt Sophomore mit nur einem Jahr als College-Starter natürlich noch unerfahren, muss aber nicht sofort starten – obwohl bei Keenum und/oder McCoy die Rufe schneller laut werden könnten, als Gruden das lieb sein dürfte.
    Und als DE Montez Sweat bis in die Mitte der 20er fällt, gelingt ein Trade mit den Colts von #46 auf #26, für den man lediglich einen 2nd rounder der kommenden Draft opfern musste – ein lächerlich geringer Gegenwert. Wenn Sweats Herzprobleme sich als nichtig erweisen sollten, hat man hier einen (mindestens) Top 20 Spieler mit eindeutigem Top 10 Ceiling ganz billig abgestaubt: Es gibt wenig, was ich an Dan Snyder schätze, diese Draft gehört bislang dazu (so er denn wirklich die Kontrolle über den War Room übernommen hat).
  • Bend kills: Aus meiner Sicht hätte DE/OLB Brian Burns längst vom Board gehört, die Panthers erlösten ihn schließlich an #16. Wie bereits ausgeführt: Für mich kein zweiter Aaron Maybin, Barkevious Mingo oder Leonard Floyd. Was ihn von diesen Spielern abhebt, ist erstens sein unfassbarer Bend, zweitens seine wesentlich bessere Handarbeit im Passrush. Hat sicher mehr Bustpotenzial als ein Ferrell (oder auch Allen), aber konstanter Edgerush ist einfach ähnlich unverzichtbar wie ein guter QB.
  • Die Giants, Teil 2: Nach dem Daniel Jones-Schock pickten die Giants noch zwei weitere Male in Runde 1. Mit Pick #17 aus dem Odell Beckham-Trade wählte Gettleman Clemsons massigen NT Dexter Lawrence. Hätte ich ein wenig später erwartet, ist meiner Ansicht nach jedoch ein relativ sicherer Pick, vielleicht fehlt ein bisschen die Upside. In den letzten Jahren sind designierte run stopping DTs tendenziell etwas tiefer als erwartet gefallen. Lawrence bringt immerhin die athletischen Voraussetzungen bei über 340 Pounds mit, um auch im Passrush künftig eine prominentere Rolle zu spielen. Ganz weiß ich allerdings nicht, was die Giants mit ihm wollen.
    Am besten gefiel mir wohl ihr letzter Pick CB Deandre Baker, für den man von Position #37 zurück in die erste Runde an #30 sprang. Erneut waren die Seahawks ein williger Tradepartner, der Preis war mit einem 4th und einem 5th rounder nicht übermäßig hoch und die Giants konnten sich ihren #1 CB greifen, da bisher noch keiner von Board gegangen war. Baker ist ein fantastischer instinktiver Zone-Corner, der mich in den vergangenen zwei Saisons mehr begeistert hat als jeder andere College-CB. Dennoch wirkt die Giants-Draft angesichts drei 1st round Picks bemerkenswert unrund. Nachtrag: Giants DC James Bettcher lässt wohl gerne und viel Cover 1 Press (also Man Coverage) spielen. Somit macht der Baker-Pick etwas weniger Sinn, als ich anfangs dachte. Doppel-Puh.
  • Captain Obvious: C Garrett Bradbury zu den Vikings. Need meets Value meets Scheme Fit. Lehne mich nicht oft aus dem Fenster, aber sollte ein 1st day starter sein. Klasse Pick, da gibts nix zu meckern.
  • Titans mit Value – für 2020: Berücksichtigt man Off-Field Concerns und Verletzungen nicht mit, ist DT Jeffery Simmons für mich sogar ein Top 3 Pick. War mir absolut sicher, dass er nicht wirklich weit fallen wird. Ob er 2019 noch eingreifen kann, ist fraglich. Übrigens: Simmons war letztes Jahr übrigens mein Geheimtipp für einen Rise zu den absoluten Top-Prospects (ganz unten).
  • Broncos gamblen mit Erfolg: Es existierten ja ein paar Gerüchte, dass die Broncos gesteigertes Interesse an T.J. Hockenson hatten. Der war an #10 ja nun eh weg, man tradete mit den Steelers auf #20, sackte nebenbei eine Menge hohes Draftkapital ein (wie gesagt, #52 dieses Jahr und der Steelers 3rd rounder 2020) und sicherte sich mit TE Noah Fant den anderen Hawkeyes-TE. War etwas unsicher, ob er bis hierhin fallen würde. Monsterpotenzial als Receiving TE. Die Broncos haben nun eine der jüngsten Skillplayer-Truppen beisammen – und Joe Flacco. Mal schauen, was sich in der Hinsicht noch tut. Drew Lock ist ja noch auf dem Board…
  • Die Eagles und das richtige Näschen: OT Andre Dillard gilt als das größte reine LT-Talent dieser Klasse (insbesondere durch sein exzellentes Footwork), auch wenn er noch einige Anpassungen aus der Air Raid der Cougars zu einem NFL-OT vor sich hat (Stance, Aufstellung ohne splits). Viele erwarteten ihn in den Top 20. Als er in Richtung der Texans fiel, die ein deutliches Need in der OL hatten, ergriffen die Eagles die Initiative und tradeten mit den Ravens von #25 auf #22, um ihn sich zu sichern. Kompensation (4th und 6th) ist nicht schlimm, wenn man hier den Nachfolger von Jason Peters gefunden hat (den man Mailata vielleicht doch nicht so ganz zutraut, ist ja auch ein wirklich weiter Weg für ihn).
  • Head Scratcher I: Wie gesagt, ich will Picks nicht zu sehr bashen, weil alles ganz anders kommen kann, aber der Texans-Pick ist für mich ein klassischer Fall von Prevent Picking: Das primäre Target mit Dillard ist weg, dann picke ich eben den nächsten OT auf meinem Board mit Tytus Howard. Howard ist ein sehr roher FCS-Prospect, der durchaus einiges an Talent mitbringt, allerdings nicht einmal besonders athletisch ist (insbesondere seine Quickness sticht nicht unbedingt hervor). Ich hatte ihn hier bei der Frage von Chris Hook als mögliches Ziel in der 2nd round genannt. Mein größtes Problem an dem Pick ist, dass er den Texans höchstwahrscheinlich nicht sofort helfen kann. Er mag sich ja zu einem guten OT entwickeln können (was man an der Entwicklung im Senior Bowl sah, als er sich nach mauem Beginn in der Woche deutlich steigerte), aber ich würde Deshaun Watson gern ab Spieltag 1 nicht mehr um sein Leben rennen sehen. Warum die beiden Tweener Cody Ford und Dalton Risner oder mein Favorit iOL Erik McCoy hier nicht in der Verlosung waren, die alle IMO mehr Starterpotenzial fürs erste Jahr mitbringen, weiß ich nicht. Man muss den Texans da wohl vertrauen…
  • Raiders, Teil 2: An den Positionen #24 und #27 verzichteten die Raiders ebenfalls auf Trades und pickten mit RB Josh Jacobs und S Johnathan Abram zwei sehr solide Prospects, die beide auch wieder dem neuen Anforderungsprofil Team Leader & Hard Worker entsprechen. Ich hätte persönlich an allen drei Slots wahrscheinlich andere Prospects vorgezogen, aber ich kann – im Gegensatz zu den Giants – die Idee hinter der Raiders-Strategie gut nachvollziehen. Unspektakuläre, verdammt solide Draft bislang von Mayock und Gruden. Und der nächste Pick ist an #35 ja auch nicht mehr fern…
  • Hollywood in Baltimore: Ich rechnete stark mit einem Receiver-Pick bei den Ravens. Die Frage war nur, ob sie eher in Richtung großes Target mit riesigem Catch Radius gehen (Metcalf, Butler, Harry), der vielleicht den einen oder anderen nicht ganz akkurat geworfenen Pass von Lamar Jackson runterpflücken kann, oder einen Speedster wählen (Brown, Campbell), der die gegnerischen Defenses in die Länge ziehen kann und so dem dominierenden Running Game etwas mehr Raum verschafft. Sie entschieden sich mit Hollywood Brown für letzteres, allerdings nicht, ohne zunächst sinnvollerweise ein paar Slots runterzutraden, weil an #22 alle Receiver noch auf dem Board waren. Sammelten auf dem Weg einen einen 4th und 6th rounder ein und konnten dann immer noch ihren #1 WR draften. Ich bin bezüglich Brown etwas skeptischer als andere, der Move der Ravens ist aber zweifellos aufgegangen.
  • Chargers und Tillery: Zu diesem Pick kann ich recht wenig beisteuern. 3-tech passrushing DT war ein Need, was Tillery trifft. Für mich so ein wenig ein Enigma, bin mit dem Spieler nicht ganz warm geworden. Aus meiner Sicht zu viele Fragezeichen (Effort, Pad Level, Leverage, vs. Run), möglicherweise sehe ich ihn auch einfach zu kritisch, sowas kommt vor. Nach allgemeinen Kriterien valuetechnisch hier natürlich absolut okay.
  • Head Scratcher II: Die Seahawks werden mit zufrieden sein: Für Frank Clark einiges rausgeschlagen (unter anderem eben einen zweiten 1st rounder für diese Draft), dann gleich zwei Mal Downtrade-Partner gefunden (vielleicht nicht mit dem höchstmöglichen Gegenwert, aber das muss auch nicht, wenn das eigene Board eng beieinander ist und man eh wenig Picks hat). Habe den Pick von DE L.J. Collier dennoch nicht ganz verstanden, obwohl er nach dem kolportierten Interesse der Seahawks nicht vollkommen überraschend kommt. Base 4-3 DE mit viel Power und langen Armen, der auch mal nach innen rücken kann. Nicht die größte Upside oder Explosivität als Passrusher. Es war ja spekuliert worden, dass die Hawks einen Prospect suchen, der in etwa für die Michael Bennett-Rolle projectet, doch hätte ich selbst dafür ein paar andere Spieler weiter vorn gesehen (Omenihu, Allen, wenngleich nicht in der 1st). Zudem älterer bereits Prospect. Diskutierte vor ein paar Tagen mit Mario vom Seattle Sports Blog über Collier, und wir waren uns einig, dass wir da doch ein paar andere Kandidaten spannender finden. Nach seiner kleinen Einlage am Klavier ahnte ich, dass HC Pete Carroll einen Spieler ausgeguckt hatte, der vielleicht nicht auf jedem Board ganz weit oben zu finden ist. Ich hatte ihn eher an Tag 3 als an Tag 1 gerankt, doch hat er – genau wie die beiden letztjährigen Überraschungspicks Rashaad Penny und Terrell Edmunds – die Möglichkeit, uns alle zu widerlegen. Das ist eben auch das Schöne an der Draft, wie ich finde. Es wurde schon bei so vielen Picks laut Reach geschrien, die sich nachher als großartige Spieler entpuppten. Mir fallen da immer zuerst Travis Frederick und Demarcus Ware ein.
  • Der erste Receiver (von vielen): Ich sprach es gestern in der Live-Coverage an. Mich würde es nicht wundern, wenn die Patriots in dieser Draft 3-4 Passfänger (also inklusive TEs) picken. Den ersten Schritt haben sie getan mit meinem persönlichen #1 WR N’Keal Harry (hier mein Don’t sleep on… nach der 2017er Saison). Harry ist meiner Meinung nach ein besserer Route Runner, als ich allerorten lese, kriegt zumindest vernünftige (wenngleich keine top) Separation, hat extrem starke und sichere Hände und ist ein unterschätzter YAC-Spieler. Die Patriots haben in der Bill Belichick-Ära eine ganze Menge mid-round WR verbrannt, nun riskieren sie es mal gleich in der ersten Runde. Projectet als Big Slot, kann aber auch nach outside. Gefällt mir außerordentlich gut.

 

Allgemeine Trends

Wir wussten alle, dass die Draft reich an DL- und EDGE-Prospects ist. Dass aber gleich 13 der 32 Picks für diese Positionsgruppe(n) verwendet wurden, toppt die Erwartungen sogar noch. Weniger überrascht hat mich, dass die CBs und WRs so zögerlich weg gingen (nur 2 WRs und 1 CB). Hier fehlt es an klar identifizierbarem Toptalent, und die Prospects liegen relativ eng beisammen (gerade im Bereich 2nd und 3rd round), so dass sich das eine oder andere Team mit einem gewissen Need vielleicht zunächst für eine BPA-Strategie entschieden hat und am zweiten Tag danach Ausschau halten wird. Ich hatte allerdings mit mehr O-Linern gerechnet (und mit anderen, s. Howard). Hier befindet sich noch dickes Value auf dem Board.

Tief gefallen

Hier sind zuallererst die beiden OL-Prospects Cody Ford und Jawaan Taylor zu nennen. Bei Ford habe ich überhaupt keine Ahnung, warum (selbst wenn er kein RT ist, dürfte er einen exzellenten und scheme-independent OG abgeben), bei Taylor sollen medizinische Fragezeichen (Knie, Rücken) vorliegen. Hatte ihn allerdings eh nicht so hoch wie die meisten. Andere Spieler, die wohl mit einem Call in der ersten Runde rechneten, sind die CBs Byron Murphy und Greedy Williams, WR D.K. Metcalf oder QB Drew Lock.

Meine Best Player Available

Solche Listen machen wie immer nur mäßig viel Sinn, ich füge sie aber der Vollständigkeit und Übersicht halber an (ohne Verletzungen, ohne Off-Field, ohne positional Value):

OG Cody Ford, Oklahoma
iOL Erik McCoy, Texas A&M
S Chauncey Gardner-Johnson, Florida
S Taylor Rapp, Washington
CB Byron Murphy, Washington
WR Hakeem Butler, Iowa State
OT Jawaan Taylor, Florida
WR D.K. Metcalf, Ole Miss
CB Justin Layne, Michigan State

Weiterhin (ohne ganz fixe Reihenfolge): DE Jachai Polite, Florida; WR Deebo Samuel, South Carolina; CB Greedy Williams, LSU; LB Blake Cashman, Minnesota; RB Rodney Anderson, Oklahoma; WR A.J. Brown, Ole Miss; OT/OG Dalton Risner, Kansas State; TE Irv Smith, Alabama; C Elgton Jenkins, Mississippi State.
Und irgendwann wäre dann auch Drew Lock fällig.

Bleibt mir nur, euch allen viel Spaß und Erfolg für Runde 2 zu wünschen. Ich werde erneut Teil der Live-Coverage bei den Jungs von derdraft.de sein.

2 Gedanken zu „NFL Draft 2019, Tag 1: Gedanken & Bewertungen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s