Vorschau Woche 10: On the rocks, please!

Auch wenn alles auf den übernächsten Spieltag mit dem Monster-Duell Alabama vs. LSU (und einer weiteren Partie zweier ungeschlagener Teams mit Minnesota vs. Penn State) hinfiebert, gibt es doch einige wegweisende Spiele an diesem Wochenende zu bestaunen. In der Pac-12 geht es um Divisionssiege und Playoff-Hoffnungen und in der hochspannenden AAC um die Pole Position in der West Division, doch das Thema des Wochenendes sind natürlich die feinen alkoholischen Zubereitungen im Staate Florida.

Kracher des Spieltags:

#6 Florida Gators (7-1) vs. #8 Georgia Bulldogs (6-1)
(in Jacksonville; 20:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Es ist mal wieder soweit: The World’s Largest Outdoor Cocktail Party steht vor der Tür. Mit kleineren Unterbrechungen in den 1990er Jahren treffen sich Gators und Bulldogs seit 1933 jährlich in Jacksonville. Der wunderschöne Name dieser legendären Rivalität wird seit 2006 – nach einigen unschönen Vorkommnissen aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums – nicht mehr verwendet, den Tailgate-Partys rund ums Stadion tut dies aber keinen Abbruch.
Und wie schon im vergangenen Jahr geht es bei der Cocktail Party um richtig viel. Man könnte dieses Spiel auch als inoffizielles Halbfinale für das SEC Championship Game bezeichnen. Wer gewinnt, hat sich so gut wie sicher qualifiziert, da beide Teams erst einmal innerhalb der Conference verloren haben und nur ein weiteres Team zwei Conference-Niederlagen aufweist (Missouri, in den letzten Wochen in schlechter Form und zudem mit einem angeschlagenen QB Kelly Bryant).
2018 wurde das Spiel dem großen Hype nicht ganz gerecht, obwohl es wie in diesem Jahr ein Matchup zweier in den Top 10 gerankten Teams war. Letztlich setzten sich die Bulldogs dank starker Defense, RB D’Andre Swift und zwei TDs von WR Jeremiah Holloman mit 36-17 durch. Hier ein paar Highlights:

Beide Teams hatten letzte Woche spielfrei, sollten also ausgeruht und gut vorbereitet in dieses Schlüsselspiel gehen können.

Gators Offense vs. Bulldogs Defense:

Eines muss man Gators HC Dan Mullen lassen: Seine Spread-Offense funktioniert unter Backup-QB Kyle Trask kaum Schlechter als unter dem verletzten Starter Feleipe Franks. Trask hat mich bisher ziemlich durch seine guten Entscheidungen überzeugt. Bewegt sich passabel in der Pocket, wirft recht akkurat, vor allem kommt der Ball schnell und entschlossen raus (bisher 67.5% Completions, 14 TDs, 4 INTs). Das Passspiel wirkt nicht limitierter als in den vergangenen Saisons, und Trask hat (abgesehen vom letzten Spiel gegen Tennessee) den Ball nicht so oft hergeschenkt. Unter ihm ist TE Kyle Pitts richtig aufgeblüht, der deutlich zu seiner Lieblingswaffe avanciert ist. Pitts ist ein großer Move-TE, den die Gators viel umherbewegen und günstige Matchups immer wieder auszunutzen verstehen. Bei den Receivern ist dagegen jede Woche unklar, welcher aus der tiefen Rotation besonders oft angeworfen wird. In den vergangenen Wochen hat man Speedster Freddie Swain des Öfteren gesucht (gerne aus dem Slot), ansonsten ist WR Van Jefferson die wohl zuverlässigste und kompletteste Waffe. Aber genauso gut kann es am Samstag einen anderen treffen. Die Gators agieren hier sehr Matchup-abhängig.
Eine Schwachstelle, die die Gators bis dato nicht vollends beheben konnten, ist die O-Line. Im Passblock hat der schnelle Release von Trask oftmals einige Schwächen verdeckt, im Run Blocking müssten die Löcher regelmäßiger aufgehen. RB Lamical Perine holt relativ viel raus, allerdings ist er für einen so kräftigen Runner (wenngleich er gegenüber 2018 etwas schlanker und explosiver geworden ist) zu sehr auf Big Plays angewiesen. Es bräuchte vom Laufspiel beständigere Yards. Sein Backup Dameon Pierce, zuvor mit einigen spektakulären Plays, könnte weiterhin mit seiner Gehirnerschütterung ausfallen. Insgesamt ist die Gators Offense ausgeglichener aufgestellt als noch zu Saisonbeginn erwartet. Trask hat gegen gute Defenses (Auburn, LSU) geliefert – nun auch gegen Georgia?

Georgias deutliche Probleme in den letzten Spielen kann man nur zu einem ganz geringen Teil der Defense ankreiden. Diese spielt nach wie vor auf sehr hohem Niveau, ein paar Probleme bestehen in der Generierung von konstantem Passrush (dennoch deutlich verbessert gegenüber 2018), dazu ist die Depth in der Secondary ein wenig dünn. Aber der Reihe nach: HC Kirby Smart und sein neuer DC Dan Lanning setzen weiter auf ihre bewährte, an Alabama angelehnte 3-4 Defense mit einer kräftigen D-Line, sehr aktiven ILBs und komplexen Coverages im Backfield (Cover 3 Rip/Liz, pattern-match, allerdings wird bei Coverage-Problemen gerne mal auf eine klassische Cover 1 Man zurückgegriffen). Wie viele andere Teams sind auch die Bulldogs dazu übergegangen, regelmäßig einen der LBs gegen einen Extra-Safety zu tauschen.
Die D-Line um den unterschätzten DT Tyler Clark besitzt nicht ganz die Masse früherer Jahre, hält aber exzellent gegen den Lauf (nur 86 Yards/Spiel). Statistik des Tages: Noch kein Team konnte 2019 überhaupt einen TD Run gegen die Bulldogs verzeichnen! Viel erfolgreiches two-gapping hält die O-Liner davon ab, zu den Linebackern ins 2nd level zu gelangen. Die Edges werden in der Regel gut kontrolliert. Die ILBs Monty Rice und Tae Crowder räumen sehr verlässlich ab, insbesondere Rice ist so ein kleiner Sleeper-Kandidat: macht nix herausragend, gute Athletik, recht spielintelligent und oft in der richtigen Position für Plays. Der Passrush der OLBs bleibt ein kleineres Problem, hier setzt man notgedrungen stark auf die beiden Freshmen Azeez Ojulari und Nolan Smith. Smith ist (neben Oregons Kayvon Thibodeaux) der beste Recruit der letztjährigen Klasse gewesen, hat allerdings noch nicht ganz den gewünschten Impact gezeigt.
Die Stärke der Defense – und da wiederhole ich mich gerne – liegt in den beiden Safeties. J.R. Reed preise ich hier seit zwei Jahren an, mittlerweile scheint er endlich etwas Hype zu bekommen: kein athletisches Überphänomen, dafür enorm spielintelligent, sound, smart, diszipliniert, sicherer Tackler, und immer mal wieder für ein Big Play gut. Sein Nebenmann Richard LeCounte ist etwas mehr splashy, herausragender Coverage-Safety mit starken Instinkten (insb. bei Route-Entwicklungen und -Kombinationen), gutes Positioning auf dem Feld manchmal etwas undiszipliniert, was das Tackling angeht (aber auch dabei verbessert). Ich bin gespannt, wer sich TE Pitts verstärkt annehmen wird. Der starke dritte Safety Mark Webb fehlt nun schon seit einigen Wochen mit Knieverletzung und ist erneut fraglich.
Die Cornerbacks schätze ich weniger stark ein. Tyson Campbell ist noch angeschlagen (und hat diese Saison eh nicht so überzeugt). Eric Stokes hat sich dagegen gesteigert, die Depth ist hier jedoch wie gesagt ein kleines Problem. Dies wurde gerade in Nickel- und Dime-Defenses offensichtlich. Florida sollte also vor allem im Slot und am Perimeter attackieren, um die wenigen vermeintlichen Schwächen der Bulldogs D zu testen.

Key Matchups:

Gators LT Stone Forsythe vs. Bulldogs DT Tyler Clark

Gators RB Lamical Perine vs. Bulldogs ILB Monty Rice

Gators TE Kyle Pitts vs. Bulldogs S J.R. Reed

Gators WR Van Jefferson vs. Bulldogs CB Eric Stokes

Bulldogs Offense vs. Gators Defense:

Was ist bloß mit QB Jake Fromm los? Seine aktuelle Stagnation lässt sich nicht einmal nur an den Statistiken ablesen, sondern ist insbesondere auf dem Feld offensichtlich: zögerlich, unentschlossen, teilweise schlechte Entscheidungen. Fromm war nie ein Gunslinger, aber sein Football-IQ, seine Genauigkeit und Antizipation waren gerade die Dinge, die ihn so effizient machten. Davon war in den letzten Spielen auf einmal nichts mehr zu sehen. Ein Trend? Bleibt abzuwarten. Noch so ein Spiel sollte sich Fromm allerdings nicht leisten.
Viel Kritik bekam auch der neue OC James Coley ab. Ich war schon von seinem Vorgänger Jim Chaney nicht übermäßig angetan, doch nun läuft es noch bescheidener. Viele ISO-Routes, wenig kreative Routen-Kombinationen – das führt insbesondere dann nicht weit, wenn man ein unerfahrenes WR Corps zur Verfügung hat. Zur Erinnerung: Die Bulldogs mussten vor der Saison ihre Top 4 WR mit Riley Ridley, Mecole Hardman, Terry Godwin (alle NFL) und Jeremiah Holloman (Rausschmiss) ersetzen. Miami Grad Transfer WR Lawrence Cager ist die sicherste Anspielstation für Fromm, agiert auch aus dem Slot, doch fiel er wegen Schulter- und Rippenverletzungen aus und ist noch fraglich. True Fr. WR George Pickens deutet sein enormes Potenzial mehr als nur an, für mich schon jetzt einer der Breakout-Kandidaten für 2020, nur haben derart junge Receiver eben oftmals aufs und abs. Die Receiver, so talentiert sie sein mögen, sind neben Scheme und Fromm eindeutig eines der Probleme der Bulldogs Offense.
Das lässt sich sicherlich nicht über die O-Line sagen, die ihren Vorschusslorbeeren mehr als gerecht wird und neben der von Oregon sicherlich zu den besten des Landes gehört. Hier ist zuerst LT Andrew Thomas zu nennen, ein fantastisch kompletter Tackle, der mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kandidat für (mindestens) die erste Hälfte der ersten Runde in der kommenden Draft sein wird. Der Rest der Line spielt ebenfalls auf einem beeindruckend hohen Niveau, insbesondere OG Solomon Kindley konnte sehr positiv auf sich aufmerksam machen. Das Beste daran ist: Drei der fünf Starter sind Sophomores. Irgendwie schade, wenn eine solche Dominanz derart verschenkt wird.
Ebenfalls keine Sorgen muss sich Georgia über die RB-Position machen, und das ja schon seit einige Jahren. RB D’Andre Swift konnte alle Erwartungen erfüllen und zeigt nun auch als klarer #1 Back (und nicht Teil eines Committees) seine Belastbarkeit. Sein Laufstil mit dieser fantastischen Elusiveness, den ansatzlosen Moves und der Top Balance wird die größte Herausforderung für die Gators Defense sein. Doch kann das reichen für eine Bulldogs Offense, der im Laufe der Saison mehr und mehr ihr Passspiel abhandengekommen ist?

Floridas ungewöhnliche Defensen unter ihrem DC Todd Grantham habe ich bereits einige Male genauer unter die Lupe genommen (etwa hier). 4-2-5 Base mit zwei ILBs und Big Nickel, kann sich allerdings auch mal als 3-4 äußern. Bisher spielt diese Defense erneut hervorragend zusammen, gegen den Lauf gibt es gefühlt ein paar mehr Probleme als gegen den Pass (was den Bulldogs entgegenkommen müsste). Entscheidend für dieses Spiel wird zuallererst sein, ob das superbe Passrush-Duo Jon Greenard (Louisville Transfer) und Jabari Zuniga wird spielen können – und wenn ja, wie groß ihre Limitationen sind. Beide schlugen sich die Saison über mit kleineren Verletzungen (aktuell jeweils Knöchel) herum, sollten nun aber nach der einwöchigen Pause so fit wie seit längerem nicht mehr sein. Backup DE Jeremiah Moon wird nach guten Leistungen sicherlich in der Rotation bleiben. DT Kyree Campbell hat mir in einigen Spielen gut gefallen, gerade auf die interior Run Defense wird es ankommen. Eine Schlüsselrolle wird ILB David Reese einnehmen, der mit Abstand beste Run Defender und Tackler der Gators Defense. Kein spektakulärer, dafür enorm effizienter Spieler, der gegen RB Swift vor allem in Sachen Footwork und Balance gefragt sein wird. Wie oft kann er Swift ohne weiteren Raumgewinn zu Boden bringen?
Die Secondary ist exzellent aufgestellt. Die CBs C.J. Henderson und Marco Wilson gehören zu dem besten, was die SEC zu bieten hat. Henderson ist ein herausragender Man Cover CB mit starkem Footwork und Weltklasse-Athletik, gegen ihn wird es verdammt schwer zu werfen sein. Die Safeties sind unterschätzt, hier hat in den vergangenen Wochen insbesondere Shawn Davis mit einigen Big Plays und superben Ball Skills auf sich aufmerksam gemacht. Alles andere als eine leichte Aufgabe für Fromm und seine Receiver.

Key Matchups:

Bulldogs LT Andrew Thomas vs. Gators DE Jabari Zuniga oder DE Jon Greenard

Bulldogs OG Solomon Kindley vs. Gators DT Kyree Campbell

Bulldogs RB D’Andre Swift vs. Gators ILB David Reese

Bulldogs WR George Pickens vs. Gators CB C.J. Henderson

 

Fazit: Viel hängt davon ab, wie sich Georgias Offense präsentieren wird. Sehen wir vergleichbare Leistungen von QB Fromm und seinen WRs wie in den letzten beiden Spielen, glaube ich an einen Seig der Gators. Georgia wird gerade zu Beginn viel laufen, um die kleineren Schwächen der Gators Defense zu testen. Für die Gators Offense wird es ganz entscheidend sein, variabel zu bleiben und keine Turnovers zu fabrizieren. Erwarte viel Kurzpassspiel (was QB Trask liegt), um die Run Defense etwas zu lockern. Ich wage hier mal den Upset-Pick (was ich viel zu selten tue) und setze auf Florida. In diesem Sinne: Prost!

 

Die Auswahl um 17:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist etwas dünn. Ein paar Vorschläge:

#14 Michigan Wolverines (6-2) @ Maryland Terrapins (3-5)
(17:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Hier nur aufgeführt, da das Spiel sowohl von DAZN als auch von Pro7MAXX übertragen wird. Obwohl Michigan eine sehr unrunde Saison spielt, erwarte ich hier letztlich keine Probleme. Bei Maryland sind nach Topstart die Räder komplett abgefallen. In der Offense kann sich HC Mike Locksley gerade nicht entscheiden, ob der eigentliche starting QB Josh Jackson nach Knöchelverletzung wieder fit genug ist, wieder zu spielen – und ob er überhaupt starten sollte. Der langjährige Backup Ty Pigrome schlägt sich mit einer Knieverletzung rum, so dass letzte Woche drei QBs (inklusive Fr. Tyler DeSue) randurften. Einen wirklichen Unterschied machte das aber nicht, da sich die Pass Offense in stetiger Abwärtsspirale befindet. Das lag allerdings ebenso an Receivern und O-Line. Einzig das Run Game um all-purpose Speedster RB Anthony McFarland und seinen ebenfalls sehr talentierten Backup Javon Leake sorgte für kleinere Lichtblicke. Die Defense ist trotz einiger starker Spieler (OLB/EDGE Keandre Jones, S Antoine Brooks, teilweise ILB Ayinde Eley) ziemlich löchrig, insbesondere gegen den Pass.

Für Michigans Defense ist die Terps Offense wohl ein gefundenes Fressen. DC Don Brown wird erneut sehr aggressiv callen und seine Linebacker wiederholt auf Run Blitzes schicken. Wer dieses Spiel auswählt, sollte neben den bekannten Gesichtern (VIPER Khaleke Hudson, DE Kwity Paye, CB Lavert Hill, S Josh Metellus etc.) unbedingt auf meinen Top-Sleeper LB Cam McGrone ein Auge werfen. Wie gesagt: Absolutes Superstar-Potenzial. True Fr. S Dax Hill gefällt mir ebenfalls und erarbeitet sich immer mehr Spielanteile.
Auf der anderen Seite sollte die Wolverines Offense ihren Aufwärtstrend aus den letzten 1,5 Spielen fortsetzen und bei einigermaßen klaren Verhältnissen durchaus mal versuchen, wieder ihr Passspiel um die talentierten Receiver wieder in Gang zu bringen. Nur der Lauf der beiden jungen Runner Zach Charbonnet und Hassan Haskins wird mittelfristig nicht reichen. QB Shea Patterson sollte sein Visier bis zu The Game gegen Ohio State wieder einigermaßen eingestellt haben, will man auch nur ansatzweise eine Chance haben.

 

NC State Wolfpack (4-3) @ #23 Wake Forest Demon Deacons (6-1)
(17:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Könnte ein spannendes Spiel im Schneckenrennen um die ACC sein – wenn nicht beide Programme in der Atlantic Division spielen würden, die ja bekanntlich von Clemson dominiert wird. Wake Forest kann momentan als zweitbestes Team der ACC durchgehen, wird aber keine Chance aufs Championship Game haben, es sei denn den Deacs gelingt ein Sensationssieg bei Clemson in ein paar Wochen.
Interessant kann das Spiel dennoch werden, und allgemein lohnt es sich, Wake Forests ungewöhnlicher Offense zuzusehen (hier ein wenig genauer beschrieben). Die Deacs spielen durchaus schnell zwischen den Plays, lassen sich jedoch mit den Entscheidungen in-play bei RPOs und Zone Reads jede Menge Zeit, indem sie den Mesh point im Backfield (also die mögliche Übergabe des Balls von QB auf RB) extrem verzögern und die Bewegungen der Key Defender genau beobachten. Die Deacs haben einige starke Skillplayer in der Offense. QB Jamie Newman spielt eine hervorragende Saison und dürfte nach einer Woche verletzungsbedingter Pause nun wieder spielen können (sein Backup Sam Hartman, 2018 noch Starter vor Newman, ist aber eh nur ein kleines Downgrade). Star der Offense ist WR Sage Surratt, den ich hier mal ein wenig näher vorgestellt habe (THREAD, daher raufklicken):

Auch der andere WR Scotty Washington ist kein schlechter, allerdings zu oft angeschlagen. Die Receiver der Deacs glänzen allgemein in contested Catch-Situationen und können daher bei enger Deckung gerne angeworfen werden. Die Defense kann da nicht ganz mithalten, hat allerdings einige exzellente Spieler in ihren Reihen (DE Carlos Basham und insbesondere mein langjähriger Sleeper, der feisty CB Essang Bassey). Bitter ist der Ausfall des starken MLB Justin Strnad für den Rest der Saison.

NC State befindet sich nach diversen Abgängen in den letzten zwei Saisons ein wenig im Umbruch. Habe selber noch nicht allzuviel vom Wolfpack gesehen. Auf QB wurde zwischen mehreren unerfahrenen Kandidaten gewechselt, was dem Passspiel nicht gerade guttat. WR Emeka Emezie ist mir im vergangenen Jahr sehr positiv aufgefallen (in 3 WR Sets neben Kelvin Harmon und Jakobi Meyers), war ein kleiner Breakout-Kandidat von mir, agiert momentan vor allem als sicherer Possession WR.
Die Defense überrascht erneut, vor allem mal wieder mit starkem Passrush, der die eine oder andere Lücke zu verdecken vermag. Dabei musste man sogar den Großteil der Saison ohne den besten Edgerusher James Smith-Williams auskommen, der nach seiner Knöchelverletzung eventuell wieder ins Spielgeschehen eingreifen kann. Unter dem Radar läuft der undersized DT Larry Murchison, hervorragender Disruptor, slantet mit Quickness in die Lücken und sorgt so immer wieder für inside Passrush. OLB Louis Acceus ist ebenfalls zu beachten. Insgesamt eine aggressive Defense, die vor allem für gegnerische O-Lines eine stetige Herausforderung darstellt. Ob sie allerdings die explosive Offense von Wake Forest wird einschränken können?

 

Huskers & Bulls Watch:

Für mich ist der 17:o0 Uhr-Spot ohnehin besetzt, da mal wieder meine beiden Teams zeitgleich spielen. Nebraska (4-4) muss nach Purdue (2-6) in einem Spiel, in dem es für die Huskers nur noch um eine mögliche Bowlteilnahme geht. Purdue kann man diese Saison nicht vernünftig evaluieren, da den Boilermakers bis auf den starken TE Brycen Hopkins alle Top Player (WR Rondale Moore, QB Elijah Sindelar, DT Lo Neal, LB Markus Bailey) abhandengekommen sind und auch auf weiteren Positionen (insb. RB) große Verletzungsprobleme herrschen. Hier gilt es nur, die Saison sauber zu Ende zu spielen und ein paar jüngere Spieler im Hinblick auf 2020 zu testen. Dennoch würde ich bei der löchrigen Defense der Huskers und den weiterhin bestehenden Problemen in der Offense nicht unbedingt von einem Sieg ausgehen.

Für Buffalo (4-4) geht es zu Eastern Michigan (4-4). Die Bulls haben weiterhin eine Chance auf den Gewinn der MAC East, müssen hierfür aber unbedingt die Eagles schlagen, die mit einer 1-3 MAC Bilanz in der stärkeren MAC West so gut wie raus sind. Allerdings geht es natürlich um eine Bowlteilnahme, die bei einem historisch so miesen Programm wie EMU natürlich immer ein Erfolg ist. Ich sehe die Eagles sogar als leicht favorisiert an, da sie in einigen Key Matchups einen Vorteil besitzen. Ihre Offense basiert eher auf dem Passspiel (und den Scrambles) von QB Mike Glass, der zwar eine hohe Inkonstanz zeigt, aber damit eben auch in einigen Spielen wie der beste QB der MAC wirken kann. EMU spielt verstärkt mit 4 WR-Sets und hat mit Arthur Jackson, Mathew Sexton und Co. das geeignete Personal dafür. Die Bulls haben dagegen große Probleme in der Secondary und müssen auf Plays des Passrushes hoffen. Auf der anderen Seite enttäuscht die Defense der Eagles doch massiv nach den hohen Erwartungen (insbesondere für die Secondary). Da die Bulls weiterhin über kaum ein Passspiel verfügen, wird der Schlüssel erneut in einer dominanten Vorstellung der O-Line und den Läufen der beiden RBs Jaret Patterson und Kevin Marks liegen.

 

#9 Utah Utes (7-1) @ Washington Huskies (5-3)
(21:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Diese Partie ist wohl die größte Hürde der Utes für den Gewinn der Pac-12 South und den damit verbundenen Einzug ins Pac-12 Championship Game. Utah liegt mit einer 4-1 Bilanz in der Conference gleichauf mit USC, hat aber das direkte Duell verloren und muss daher zwingend eine bessere Bilanz als die Trojans aufweisen (dazu weiter unten mehr). Washington kann letztlich nur noch Spoiler spielen und möglichst viele Siege für einen anständigen Bowl sammeln in einer unnötig verschenkten Saison – möglicherweise die einzige von QB Jacob Eason.
Die Utes werden in der Offense wieder auf ihr bewährtes Konzept setzen, den Ball mit vielen Runs von Star-RB Zack Moss und einigen eingestreuten Runs von QB Tyler Huntley zu kontrollieren. Moss wirkte vor zwei Jahren noch wie ein reiner Powerback, ist aber wesentlich spritziger geworden und war eh immer schon ein überdurchschnittlicher Receiver. Mittlerweile einfach ein ziemlich kompletter Runner. QB Huntley setzt im Receiving verschiedenste Receiver und Receivertypen ein und überzeugt mit seiner Accuracy, einzig ein echter go-to-guy fehlt. Aufpassen müssen die Huskies auf die Gefahr deep durch den großen Bryan Thompson (über 26 Yards pro Catch) oder auch Jaylen Dixon, der noch nicht so recht in Schwung gekommen ist. True Fr. TE Brant Kuithe kam stark auf und ist eine unterschätzte Waffe. Letztlich spielt der Name bei den Utes eine untergeordnete Rolle: Sieben Receiver haben mindestens 10 Catches, aber keiner mehr als 20. Das sagt alles aus.
Washingtons Defense ist mit ihrer patentierten Zonenverteidigung schwer zu knacken, allerdings ergeben sich für laufstarke Teams immer wieder Möglichkeiten gegen die tendenziell unterbesetzte Front (oftmals 2-3 oder 2-4 Aufstellungen). Gegen Utah dürfte DC Jimmy Lake etwas mehr und etwas kräftigeres Personal in die Box befördern.

Das große Duell findet jedoch auf der anderen Seite des Balles statt. Dabei ist insbesondere das Duell der Huskies O-Line mit der Utes D-Line ein echtes Highlight. Die Huskies haben mit OT Trey Adams und C Nick Harris eine der besseren Lines des Landes, haben aber eine Mammutaufgabe vor sich gegen die beste Run Defense des Landes. Und die beginnt up-front mit dem Bomben DT-Duo Leki Fotu und John Penisini. DE Bradlee Anae ist einer der besten Passrusher des Landes und zudem ein hervorragender Edge Setter und Contain Player. Dahinter überrascht der zuvor recht unbekannte LB Francis Bernard mit einer Riesensaison: agil, gute Reichweite, gleichermaßen stark gegen Lauf und Pass. Und die Secondary mit dem 1st round-Kandidaten CB Jaylon Johnson und dem von CB auf S gewechselten Julian Blackmon ist nicht so viel hinter der Run D einzuordnen. Die Defense von HC und Defense-Guru Kyle Whittingham ist ganz schwer zu knacken.
Doch haben die Huskies eine Chance, und das liegt zuvorderst an QB Eason. Aufgrund der Saison der Huskies wird nicht so viel über ihn geredet wie über andere QBs, aber mit seinen Leistungen hat er sich meiner Meinung nach in die Diskussion um die erste Runde der kommenden Draft gespielt. Sein Armtalent war eh klar, mir gefällt grundsätzlich sein Decison Making und seine Poise in der Pocket. Leider muss er in diesem Spiel auf seinen besten WR Aaron Fuller verzichten (Knöchel) – ein ganz schwerer Schlag für die Huskies. Eventuell wird HC Chris Petersen erneut verstärkt auf 12-Personnel setzen mit dem Top Receiving TE Hunter Bryant und seinem Kollegen Cade Otton, doch weiß ich gar nicht, inwiefern das wirklich dem Laufspiel gegen diese Mauer wird helfen können. Auf jeden Fall bietet das Spiel eine Chance für die Huskies O-Line und ihren RB Salvon Ahmed, sich so richtig ins Rampenlicht zu spielen. Für wahrscheinlich halte ich das allerdings nicht.
Man sollte den Heimvorteil der Huskies in Seattle nicht unterschätzen, aber ohne Fuller fällt es mir ehrlich gesagt schwer, an eine Überraschung zu glauben. Und doch habe ich so ein Bauchgefühl, dass dieses Spiel sehr offen verlaufen könnte.

 

Wer im mittleren Timeslot weder die Cocktail Party noch das Pac-12 Duell sehen will, kann natürlich mal zum Kansas-Duell zwischen #22 Kansas State (5-2) und Kansas (3-5) rüberschalten (Kickoff 20:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit). K-State reist nach dem Sieg gegen Oklahoma natürlich mit breiter Brust nach Lawrence, doch auch Kansas ist mit dem Sieg gegen Texas Tech gut in der Spur und ein Außenseiterkandidat für ein Bowlgame. Auf die leichte Schulter sind die Jayhawks unter HC Les Miles sicherlich nicht mehr zu nehmen.

 

#15 SMU Mustangs (8-0) @ #23 Memphis Tigers (7-1)
(00:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

In einer Woche mit insgesamt nur zwei Matchups zwischen gerankten Teams kann endlich mal die qualitativ hochwertige AAC ein wenig im Rampenlicht stehen. Beide Divisionen sind äußerst hart umkämpft, und gerade in der AAC West sind teilweise andere Teams involviert, als man vor der Saison vermutete. Der Stand hier: SMU (4-0 in der Conference), Navy (4-1), Memphis (3-1). Nun treffen also zwei dieser drei Teams in einem vorentscheidenden Duell aufeinander. Es geht um die Teilnahme am AAC Championship Game und darüber hinaus auch noch um die Möglichkeit, als bestes Mid-Major-Team in einem New Year’s Six Bowl zu landen.

SMU ist diese Saison zum ersten Mal in den Top 25 gerankt seit 1986 – noch vor der erzwungenen Einstellung des Football-Programms – dem so genannten Death Penalty – aufgrund andauernder Verstöße gegen die NCAA-Regularien, insbesondere was die Bestechungen von Recruits und Bezahlungen von Spielern anging. Nach dem Zusammenbruch der SWC war man erst in der WAC und dann in der Conference USA aktiv, bis man 2013 in die neugegründete AAC wechselte. Nach einigen unterirdischen und vielen durchschnittlichen Saisons können die Mustangs nun unter dem HC Sonny Dykes (ehemals Cal HC) endlich mal wieder richtige Erfolge feiern.
Dykes ist ein alter Air Raid-Verfechter (unter anderem formte er Jared Goff), der sein System allerdings ein wenig angepasst hat (mit TE und etwas ausgeglichenerer Run/Pass-Ratio). Dennoch liegt das Hauptaugenmerk hier weiter beim Passangriff. Texas Grad Transfer QB Shane Buechele agiert als echter Gunslinger und spielt mit einem gewissen Risiko, das sich durchaus mal in einem Turnover äußert. Dennoch ist sein Einfluss auf diese Offense nicht hoch genug einzuschätzen. Buechele hat zwei exzellente und sehr unterschiedliche Receiver mit Reggie Roberson und James Proche. Roberson ist ein echter Speedster, der das Feld vertikal stretcht. Kriegt schnell Separation bei tiefen Routen, gutes Ball Tracking. Proche ist eher der Slot Guy (obwohl er auch außen spielt): quick, gute Routes, meist sichere Hände, eher einer für underneath. Diese beiden Receiver sind gemeinsam äußerst schwer zu covern. Das Laufspiel wird vor allem vom erfahrenen und physischen RB Xavier Jones übernommen, der eine Nase für die Endzone hat (bereits 14 Rush TDs).
Die Defense steht – wie üblich bei Teams von Dykes – nicht unbedingt im Mittelpunkt und ist der deutlich schlechtere Mannschaftsteil. Immerhin haben die Mustangs hier ein paar potenzielle Differencemaker mit DE Delontae Scott, OLB Patrick Nelson (bereits 10 Sacks!) und Ballhawk S Rodney Clemons. Insgesamt gibt es aber insbesondere Probleme gegen den Pass.

Von Memphis habe ich eine erfolgreiche Saison trotz des Abgangs von Star-RB Darrell Henderson erwartet und wurde bis dato nicht enttäuscht. Auch hier ist die Offense die bessere Unit, wenngleich die Schere nicht ganz so groß ist wie bei SMU. QB Brady White hat sich gegenüber 2018 verbessert, vor allem was das Vermeiden unnötiger Fehler angeht. Doch muss in der Tigers Offense zuerst von Shootingstar RB Kenneth Gainwell geredet werden. Gainwell eroberte die Collegewelt nach dem Abgang von Henderson und der Verletzung von RB Patrick Taylor im Sturm. Er kann ähnlich eingesetzt werden wie Henderson, hat einen hervorragenden Burst, ist sehr gefährlich in space und zudem ein natürlicher Receiver mit guten Händen (979 Rush Yards, 440 Receiving Yards, insg. 14 TDs). Möglicherweise soll der physische Patrick Taylor gegen SMU zurückkehren, was die Chancen der Tigers erheblich erhöhen dürfte. Taylor ist ein großer, schwerer, recht aufrecht laufender RB, der aber durchaus variabler als auf den ersten Blick angenommen ist (passable Quickness, vernünftiger Receiver). Im Passspiel dreht sich alles um WR Damonte Coxie und den all-name TE Joey Magnifico, der übrigens wirklich eine magnificent Athletik besitzt. Diese Offense von HC Mike Norvell agiert variabel und ist schwer auszurechnen.
Für die Defense der Tigers habe ich eine kleine Schwäche, wenngleich sie eher zum oberen Durchschnitt gehört. Doch einige Spieler haben es mir ziemlich angetan: allen voran S/LB Austin Hall. Hall ist ein sehr variabler Spieler mit einem Profil, das gerade enorm wichtig wird. Gute Instinkte gegen den Lauf, aber auch in Coverage sehr gut zu gebrauchen. Ein weiterer Spieler ist der aggressive CB T.J. Carter, der gegen Roberson und Proche eine echte Mammutaufgabe vor sich hat. Sicherlich eines der Duelle, auf die am meisten zu achten sein wird. Ein wenig hinter den hohen Erwartungen zurückgeblieben ist bisher der dynamische Edgerusher Bryce Huff, der bisher noch nicht an seine fantastische 2018er Saison anknüpfen konnte. Die Tigers Defense hat große Probleme gegen den Lauf, ihre eindeutigen Stärken liegen in der Pass Defense. Ich bin sehr gespannt, ob SMU HC Dykes daher auf mehr Laufspiel von RB Jones setzt oder die Secondary erst einmal einem ausgiebigen Test unterzieht.

Fazit: Insgesamt sehe ich Memphis minimal vorne, aber ich erwarte ein enges, punktelastiges und spektakuläres Spiel. Auch wenn die Spieler der beiden Teams vielleicht nicht so bekannt sind: Unbedingt einschalten!

 

#7 Oregon Ducks (7-1) @ USC Trojans (5-3)
(01:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Ein weiteres hochrelevantes Spiel in der Pac-12: Oregon hat den Titel der Pac-12 North quasi in der Tasche und muss nun unbedingt jedes Spiel gewinnen, um seine Playoff-Hoffnungen zu wahren. USC hat in der Pac-12 South den direkten Vergleich gegen Utah gewonnen, aber diesen Vorsprung durch die Niederlage bei Washington schon halb verspielt. Noch eine Niederlage können sich die Trojans nur erlauben, wenn Utah auch noch einmal stolpert (eventuell ja bereits vor Kickoff dieses Spiels bei Washington).
Wenn ich mir die Teams so anschaue, gehe ich allerdings nicht wirklich von einer Überraschung aus. Oregon hat eine der besten O-Lines des Landes mit dem besten O-Liner des Landes (LT Penei Sewell) und weiteren Top-Spielern (C Jake Hanson, OG Shane Lemieux) vor einem der besten QB des Landes mit Justin Herbert. Das Receiving-Corps musste ein paar Rückschläge hinnehmen (insb. durch das Saisonaus von TE Jacob Breeland), doch sind einige zuvor verletzte Spieler zurückgekehrt (Mycah Pittman, Juwan Johnson). Außerdem versteht es Herbert, das ganze Feld zu bedienen, er legt sich selten auf einen Receiver fest. Aufpassen müssen die Trojans aber insbesondere auf den kleinen flinken WR Jaylon Redd underneath und in der Redzone. Das Laufspiel ist die letzten Wochen richtig in Schwung gekommen: nicht nur durch den spektakulären RB C.J. Verdell, sondern auch durch Cyrus Habibi-Likio, zuvor nur als short Yardage- und Goal Line-Back eingesetzt worden. Über diese Offense wird zu wenig geredet als eine der kompletteren Units des Landes.

Ich weiß nicht, wie USCs Defense dagegen agieren kann, zumal erneut einige Spieler verletzt und weitere noch fraglich sind. Ein interessantes Duell erwartet uns in der Mitte zwischen C Hanson und OG Lemieux mit dem athletischen 3-tech DT Jay Tufele, der innen eine Menge mehr Probleme bereitet, als seine Stats nahelegen. Kann er mit seiner Quickness und seinem variablen Hands Use die interior OL der Ducks vor Probleme stellen? Sein Nebenmann DE Christian Rector verpasste die letzten Spiele ebenso wie ILB Palaie Gaoteote (von dem ich viel halte), bei beiden steht der Einsatz noch nicht fest. Der vielversprechende Fr. DE Drake Jackson ist definitiv raus. Auch die Secondary ist ziemlich gerupft und besteht nun nur noch aus Freshmen und Sophomores (wenngleich talentierten), so dass man gegen QB Herbert schlimmes erwarten muss.

Auf der anderen Seite des Balles sieht es nicht viel günstiger aus für die Trojans. True Fr. QB Kedon Slovis ist zwar wieder zurück, dafür ist die komplette RB Depth Chart im Krankenstand. Vavae Malepeai, Stephen Carr und Markese Stepp fallen allesamt aus, so dass 4th stringer Fr. Kenan Christon ran muss. Die einzige Positionsgruppe, die sowohl fit als auch richtig gut ist, sind die Receiver. HC Clay Helton wird notgedrungen viel auf seinem jungen QB Slovis abladen müssen, um Michael Pittman, Tyler Vaughns und Amon-Ra St. Brown einzubinden. Alle drei Receiver sind recht groß und ziemlich fangsicher. Pittman haut ab und an ein richtiges Monstergame raus, am Samstag wäre die Zeit dafür.
Doch steht dem eine talentierte Secondary entgegen: Die CBs Thomas Graham und Deommodore Lenoir werden sich um zwei der drei Receiver kümmern, dazu passt S Jevon Holland als Centerfielder hervorragend auf und hat ein Gespür für den Ball. Selbst die (vermeintlich) größte Stärke der Trojans befindet sich auf dem Papier in guten Händen. Aber Obacht: Die Ducks hatten erneut große Probleme gegen die Air Raid von Washington State. Vielleicht kann Trojans OC Graham Harrell, ehemals legendärer QB von Mike Lech bei Texas Tech, da noch ein paar mehr Seiten aus dem Playbook einspeisen als ohnehin schon…

 

Kommen wir zum Mailbag, der mir noch ein paar interessante Fragen beschert hat. Hab das grob geordnet nach zuerst College Football, dann Draft.

Nach den letzten beiden Spielen rein nach der Leistung auf dem Feld nicht besonders gut, das habe ich bereits oben in der Spielvorschau etwas genauer ausgeführt. Wenn OC Coley und QB Fromm das Passing Game nicht schnell in den Griff bekommen, wird es definitiv nichts. Doch Georgia hat den kleinen Vorteil gegenüber einigen anderen Teams, dass der Weg relativ klar ist: Gewinnt man die verbleibenden Spiele in der regulären Saison, ist man in Schlagdistanz und wird ein gutes Ranking aufweisen (da man neben Notre Dame dann auch noch Florida und Auburn als Quality Wins hätte). Und sollte dann die Überraschung gegen LSU oder Alabama gelingen, sollten die Bulldogs sicher drin sein. Nur fehlt mir wie gesagt momentan der Glaube daran.
Andere Wege gibt es meiner Ansicht nach nicht mehr, da müssten schon Dutzende weiterer Überraschungen geschehen.

 

Schöne Frage. Ich bewerbe die AAC in der Tat seit einiger Zeit ausgiebig bei den Sofa QBs zum College Football sowie hier auf dem Blog. Die Conference macht einfach Spaß: insgesamt hohe Qualität und einige Dichte, viele spannende Matchups und durchaus unterschiedliche Footballphilosophien. Nur nützt es wenig, wenn ich (oder du) so etwas postulieren, denn die AAC muss sich natürlich weiterhin mit den anderen Mid-Majors um einen Platz in den New Year’s Six Bowls streiten. Ich denke nicht, dass sich das auf absehbare Zeit ändern wird – egal wie schwach sich die ACC (oder in der Vergangenheit die Pac-12) noch präsentieren wird. Dazu bräuchte es entweder ein Conference Realignment oder eine Reform der Playoffs (was ich beides eher schlecht finden würde).

 

Zunächst zum zweiten Teil der Frage: Ich würde momentan eher auf die Ducks setzen. Oregon hat das deutlich leichtere Restprogramm und einen klaren Weg ins Pac-12 Championship Game. Penn State muss noch zweimal zu ungeschlagenen Teams (Minnesota, Ohio State), und gerade gegen die Buckeyes, das aktuell vielleicht beste Team im College Football, sehe ich doch einigermaßen schwarz. Zudem glaube ich nicht, dass ein one-loss Penn State, das sich nicht fürs Big Ten Championship Game qualifiziert, den Vorzug gegen dem einen one-loss Team aus der SEC West (LSU oder Alabama) bekommen würde. Die Lions müssen daher wohl ungeschlagen bleiben, um in die Playoffs zu kommen – und das sehe ich trotz der herausragenden Leistungen momentan nicht unbedingt.
Aber da ich ein notorisch schlechter Tipper bin, gibt es sicherlich Hoffnung für Penn State.

Den ersten Teil deiner Frage beantworte ich einfach gemeinsam mit folgender Frage:

Zunächst einmal kurz als Information für alle dieser Link zu den aktuellen Entwicklungen:

Grundsätzlich finde ich es schwierig, schon jetzt über Konsequenzen zu spekulieren, da dies wirklich die allerersten Schritte sind und noch gar nicht klar ist, wie Verdienste und Kompensationen für die Spieler denn im Einzelfall (und zwischen den verschiedenen Sportarten) geregelt sein werden. Die NCAA sah sich zu dieser Maßnahme gezwungen nach dem Gesetzentwurf in California, dass den Colleges untersagte, ihren student-athletes zu verbieten, an ihren Namen und Bildern zu profitieren.
Ich halte einen solchen Schritt für überfällig, wenngleich dadurch natürlich Gefahren drohen. Gerade College Football ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer monströsen Geldmaschine für die Universitäten geworden – was allein die Saläre der besten Head Coaches unterstreichen. Daher ist es doch ziemlich bigott von Clemsons HC Dabo Swinney, der 9,3 Millionen US-Dollar pro Jahr einstreicht, aber droht mit dem Coaching aufzuhören, wenn Spieler künftig bezahlt werden sollten. Man sollte bei dieser gesamten Diskussion zudem nicht vergessen, dass sie tendenziell eben auch entlang ethnischer Linien verläuft: Diejenigen, die nichts verdienen und an denen sich die Colleges eine goldene Nase verdienen, sind halt größtenteils Afroamerikaner – oftmals aus nicht ganz so privilegierten ökonomischen Verhältnissen. Für einen Tim Tebow mag es leicht sein, die Bezahlung abzulehnen, nur wird das nicht jedem so gehen.

Die Fragen, die sich die NCAA in der Ausgestaltung stellen muss, umfassen auch die Thematik, die du hier aufgreifst: Wird sich das Gleichgewicht noch mehr zu Ungunsten der kleineren Programme vergrößern? Das ist im Recruiting durchaus denkbar, wenn hier keine allgemeinen Regularien oder gar Fonds o.ä. eingerichtet werden. Schließlich werden es noch mehr gute Recruits als sowieso schon zunächst bei einer großen Uni versuchen, weil hier nunmal das meiste Geld winkt, und erst im Notfall (sprich: sportlich nicht durchgesetzt) dann zu einem kleineren Team wechseln. Falls es zudem zu einer weiteren Aufweichung der Redshirt-Regeln beim Transfer kommen sollte, sind die Folgen sicherlich noch weniger absehbar.
Doch ist das letztlich nicht das einzige Problem, was nach einer Regelung verlangt: Was ist mit einem Ausgleich zwischen den Sportarten (und damit den student-athletes) untereinander? Kommt es zu einer Kontrolle der Zusatzeinnahmen – und wenn ja, wie? All diese potenziell großen Veränderungen werden wir begleiten. Ich bin sehr gespannt und natürlich auch ein wenig skeptisch. So wichtig ich eine Kompensation finde, wäre es schön, wenn der College Football in 10-20 Jahren noch wiedererkennbar ist.

 

Ich erlaube mir mal diese beiden Fragen zusammenzulegen. Wie immer muss ich vorher anfügen, dass es für Einschätzungen letztlich noch zu früh ist, da ich momentan noch aus College-Sicht analysiere und noch nicht Play-by-Play mit Fokus auf die Draft Projection ins Tape gegangen bin. Darüber hinaus wissen wir ja noch nicht einmal, welche Spieler sich zum nächsten Draft dann wirklich melden werden. Die Draftklasse kann ja durchaus steigen oder fallen, je nachdem, wer sich entscheidet, seine Senior- oder redshirt Junior-Season doch noch am College zu bleiben. Selbst bei einem A.J. Epenesa könnte das sein, da habe ich schon krassere Überraschungen erlebt.

Zunächst zu Epenesa: Da er ein extrem hoher Recruit für die Hawkeyes war, habe ich seit Beginn seiner CFB-Karriere ein wenig auf ihn geachtet (bei Interesse: Suchfunktion aufm Blog nutzen). Hier ein paar Notizen reinkopiert: Riesiger DE in Länge, Breite und Armlänge (angegeben mit 6’6, 280), also grob in der Range von Michigan und nun Packers DE Rashan Gary. Gute Athletik für seine Masse. Herausragende Power: Extrem harter Punch, kann OL bereits damit beiseite räumen. Exzellenter Bullrush. Benötigt etwas mehr Variabilität für die NFL, von der Athletik her ist noch einiges möglich (gerade was den Outside Rush betrifft, denn er verfügt über vglw. guten Bend). Starker Run Defender, harter Tackler. 100% Einsatz bei jedem Play, guter Motor. Man wird sich allerdings anschauen müssen, warum seine Production 2019 so sehr hinter der von 2018 rangiert. Für eine valide Meinung müsste ich mir noch einmal genauer Spiele von ihm anschauen. Allein aufgrund des Mix aus Statur, Athletik, Power und Motor sehe ich ihn weiterhin in der ersten Runde. Aber wie gesagt, alles nur vorläufig.

Nun zur Frage von itcounts610: Ein Ranking kann ich noch nicht bieten, und davon abgesehen weiß ich ja nicht, ob du für dein Team eher einen klassischen 4-3 DE, einen Hybrid oder einen 3-4 OLB suchst.
Grundsätzlich sind da aktuell sicherlich zu nennen:
Chase Young, Ohio State (bester Spieler im College Football und absolutes blue chip Talent)
A.J. Epenesa, Iowa
Julian Okwara, Notre Dame
Yetur Gross-Matos, Penn State
Curtis Weaver, Boise State

Suchst du eher nach einem 3-4 OLB/Hybrid, schau dir bspw. mal K’Lavon Chaisson von LSU oder Terrell Lewis von Alabama an. Ersterer könnte meiner Ansicht nach in die 1st round gespült werden, letzterer wäre mit seinem unfassbaren Bend IMO ebenfalls ein 1st round-Kandidat, wenn er nicht so eine üble Verletzungshistorie hätte. Sein Teamkollege Anfernee Jennings ist weniger speedy und bendy, dafür ziemlich komplett. Schaue ihm außerordentlich gern zu. Spieler, die noch nicht so auf dem Radar sind: Zack Baun von Wisconsin, Alex Highsmith von Charlotte oder (ganz deep) DeAngelo Malone von WKU, der bis dato eine fantastische Saison spielt.
Klassischere DEs wären noch bspw. Jabari Zuniga und Jon Greenard von Florida oder Bradlee Anae von Utah. Bei Top Speedrusher Alton Robinson von Syracuse müsste man erst einmal genauer evaluieren, warum er dieses Jahr bislang so wenig produziert hat.

Diese Auflistung ist nicht als Ranking zu verstehen, es sind die, die mir als erste eingefallen sind. Da gibts noch eine ganze Menge mehr Kandidaten für die ersten paar Runden.
Insgesamt ist diese Klasse wahrscheinlich nicht so gut (gerade was die absolute Spitze angeht) wie die vergangene, aber das ist natürlich auch ein ungünstiger Vergleichsmaßstab.

 

Zu Jake Fromm: Ich vermute, du meinst vor allem meine Einschätzung als NFL-Prospect (sonst noch einmal Bescheid geben, dann gehe ich nächste Woche darauf noch einmal ein). Fromm wird voraussichtlich eine in Draftkreisen umstrittene Evaluation sein. Auf der positiven Seite erkennt man einen erfahrenen, fertigen QB mit sehr hohem Spielverständnis und -intelligenz. Versteht Pro-Konzepte und Coverages. Grundsätzlich technisch ziemlich sauber, sehr akkurate und genaue Pässe, gutes Placement, kann Touch-Pässe hervorragend in den Lauf und auch in kleinere Fenster legen (exzellente Antizipation, vielleicht eine seiner größten Stärken). Trifft wenig falsche Entscheidungen (Ausnahme: South Carolina). Auf der negativen Seite stehen zunächst seine physischen Limitationen: höchstens mittelgroß, nicht sehr mobil und vor allem kein starker Arm. Kriegt zu wenig Zip auf seine Pässe, was bei deep Outs und langen Bällen offensichtlich wird. Genauigkeit nimmt deutlich ab, je länger die Pässe in der Luft sind. Pocket Presence ist nicht schlecht, könnte sich aber noch verbessern, teilweise etwas statuesk. Auf jeden Fall ein Prospect, bei dem der NFL-Erfolg anders als bei einigen anderen QBs stärker vom geeigneten System abhängig sein wird. Vielleicht ja einer für Jon Gruden und die Raiders (SCNR).

Zur ILB-Klasse: Zunächst mal sehe ich Clemsons Isaiah Simmons nicht unbedingt als ILB-Prospect, sondern idealerweise als OLB. In einigen Systemen könnte er sicherlich auch ILB spielen (bspw. in der Ravens 3-4, die gerne undersized Linebacker hinter einer großen D-Line ‚versteckt‘ hat), doch kommen seine überragende Athletik und seine außergewöhnlichen Coverage-Fähigkeiten als ehemaliger Safety meiner Ansicht nach eher als OLB zur Geltung. So oder so kratzt er an einem Top 10-Pick und ist daher für die Mehrheit der NFL-Teams wohl unerreichbar.
Die ILB-Klasse hat einen schweren Schlag hingenommen durch den Kreuzbandriss von Alabamas Dylan Moses, der mit einiger Wahrscheinlichkeit der erste gedraftete ILB gewesen wäre. Ansonsten ist hier ebenfalls erst abzuwarten, wer sich überhaupt zur Draft meldet, könnte daher immer noch auf Moses hinauslaufen. Momentan sehe ich noch nicht so wahnsinnig viele richtige Impact-Player, aber das kann sich noch ändern. Kandidaten wären etwa Kenneth Murray (Oklahoma), der oben angesprochene Monty Rice (Georgia) oder Jacob Phillips (LSU), dem ich aktuell einen kleinen Rise vorhersagen würde. Noch etwas unter dem Radar laufen Jordyn Brooks (TTU), David Woodward (Utah State) oder Nate Landman (Colorado). Wers eher klassisch mag, kann sich etwa Joe Bachie (Michigan State), Paddy Fisher (Northwestern), Shaq Quarterman (Miami) oder T.J. Brunson (South Carolina) mal anschauen, die eher Kandidaten für die mittleren Runden sein dürften. Auch hier sind das nur einige von vielen Kandidaten. Zu den ILB werde ich eh wie gewohnt eine längere Pre-Draft-Analyse verfassen.

 

Zu den Spielern habe ich dir bereits im letzten Mailbag eine längere Einschätzung gegeben: KLICK.

Zu Joe Burrow: Momentan sieht es sehr danach aus, dass er sich zu einem glasklaren 1st rounder entwickeln könnte. Die Geschichte von ihm ist aber noch einmal ein wenig abgefahrener als bei Dwayne Haskins. Bei Haskins konnte schon während seiner Einsätze in J.T. Barretts letzter Saison erahnen, was da für ein riesiges Talent lauert. Burrow dagegen war ja sowohl Backup von Barrett als auch von Haskins bei Ohio State, und als er den Konkurrenzkampf um den Starterposten 2018 zu verlieren drohte, transferierte er zu LSU. Dabei war das kein Transfer vergleichbar mit etwa Jacob Eason zu Washington oder Justin Fields zu Ohio State, denn Burrow galt nicht unbedingt als Toptalent. Seine erste Saison bei LSU verlief eher solide als extraklasse. Den Sprung, den er dieses Jahr gemacht hat, konnte wirklich niemand vorhersehen. Dazu wird es sicherlich Fragen geben (die u.a. mit der Ankunft von Passing Game Coordinator Joe Brady zusammenhängen werden), doch verläuft seine Saison bislang schlicht zu brillant, um das zu sehr auf äußere Faktoren abwälzen zu können.

 

Ob CeeDee Lamb ein Top 10-Pick wird, ist momentan noch nicht abzusehen, dazu verändert sich noch zu viel – und letztlich sind alle Spieler abhängig von den Testergebnissen und den medizinischen Evaluationen. Auf jeden Fall hat er das Potenzial dazu. Für mich ist er ein Top Prospect mit einem relativ einzigartigen Profil: große und recht dürre Statur und dennoch sehr kraftvoll (gibt ja Typen, die nicht unbegrenzt an Masse zulegen können und dennoch muskulös sind). Spielt so enorm physisch, fantastisch bei contested Catches (plus Body Control) und Comeback Routes (aufposten). Herausragende Ball Skills, starke Hände. Kann den Ball in beinahe jeder Körperlage kontrollieren. Gute Routes mit top Footwork. Wirkt alles nicht so superschnell bei ihm, ist aber enorm effektiv. Hat sich enorm gesteigert in Yards after Catch. Auch hier hilft das Footwork. Seine Stutter Steps mit Cut inside hat sich ein wenig zu seinem Signature Play entwickelt, dagegen kann kaum ein CB etwas ausrichten (auch wegen seiner unterschätzten Power, ist schwerer zu Boden zu bringen als gedacht). Viel besserer Screen Receiver als vor zwei Jahren (Vision!).
Gerade weil er so vielseitig einsetzbar ist, glaube ich nicht, dass er für irgendein NFL-System wenig taugt. Meiner Meinung nach ziemlich sicherer Prospect (was man bei Receivern ja nur mit Vorsicht sagen sollte).

3 Gedanken zu „Vorschau Woche 10: On the rocks, please!

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