Vorschau Woche 6: Wirbelsturm im Todestal

Die ersten Tendenzen sind erkennbar, die ersten Claims sind abgesteckt. Langsam bewegt sich die College Football-Saison – zumindest für die ACC, Big 12 und ansatzweise auch für SEC – in den mittleren Saisonabschnitt. An diesem Spieltag kommt es zu einigen wegweisenden Partien: zum einen in der SEC East, zum anderen in der ACC.

Doch vorab ein kleiner Hinweis zur heutigen Preview: Da momentan eben nur drei der fünf Power 5-Conferences spielen, kommt es zu noch mehr Wiederholungen als ohnehin schon. Ich möchte euch aber nicht jedes Mal wieder dieselben Teams von vorne bis hinten vorstellen, das dürfte sowohl mich als auch euch langweilen. Daher konzentriere ich mich heute auf wichtige Matchups. Für diejenigen, die sich noch nicht zu den jeweiligen Teams informiert haben, verlinke ich zu Beginn der Spielvorstellung eine ausführliche Vorstellung des Teams, die ich entweder hier oder auf Lead Blogger verfasst habe.

#4 Florida Gators (2-0) @ #21 Texas A&M Aggies (1-1)
(18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit; das ranCollege-Spiel)

Florida Gators Teamvorstellung (auf Triple Option)

Texas A&M Teamvorstellung (auf Triple Option)

Nach zwei Wochen lässt sich eines mit großer Sicherheit sagen: Florida is for real! Die Gators überzeugten gleich zweimal insbesondere offensiv mit ihrer nicht nur effizienten, sondern durchaus spektakulären Spread Offense. QB Kyle Trask, bereits an der Highschool nur Backup (wenngleich hintr einem gewissen D’Eriq King), scheint der ideale Steuermann für die Vorstellungen von HC Dan Mullen zu sein. Die ZuschauerInnen in Deutschland können langsam ebenfalls an die Gators-Show gewöhnen, denn zum dritten Mal zeigt ranCollege das Team aus Gainesville. Wenn da mal nicht in einigen Jahren so ein Hype wie um die Seahawks entbrennen wird…

Der heutige Gegner Texas A&M hat letzte Woche gegen Alabama eine deftige 24-52 Klatsche. HC Jimbo Fisher scheint trotz exzellentem Recruitings den Top-Teams der SEC immer noch nicht näher auf die Pelle gerückt zu sein. Eine weitere Chance auf ein großes Ausrufezeichen bietet sich nun hier.

Gators Offense vs. Aggies Defense:
  1. Kyle Pitts als Mismatch-Waffe

Kyle Pitts ist momentan einer der besten Offensivspieler im College Football überhaupt. Es ist extrem selten, dass man das über einen Tight End sagen kann. Nach zwei Spielen steht er bei kaum glaubhaften 12 Catches für 227 Yards und 6 TDs. Mit seiner Größe (angegeben mit 6‘6), seiner Athletik, seiner Körperkontrolle und seinem absurden Catch Radius ist er momentan nicht zu stoppen. South Carolina versuchte es im letzten Spiel mit seinen sehr großen Cornerbacks, doch das gelang erstens nur semigut, da Pitts unter anderem selbst bei RPO-Slants aus dem Slot dank seiner Explosion aus dem Cut für Separation gegen einen Cornerback sorgen konnte. Zweitens stellte HC Mullen dann kurzerhand um: Mehr Tight- und Bunch-Formations, weniger Spread-Out, so dass Pitts gute Releases in noch günstigeren Matchups geboten wurden. Nebenbei überzeugte er als Blocker im Run und auch im Pass (!). Achtet mal auf die #84 (aufgestellt in-line neben dem RT). Pitts blockt hier beim TD mal eben mit DE Jordan Burch einen Top-Recruit.

Ich wiederhole mich da, bis es ankommt: Kein reiner Receiving TE, sondern das komplette Paket.

Was können die Aggies nun tun? Ich erwarte eine ganze Menge Double Coverage (insbesondere als inside/outside Bracket Coverage mit einem Safety over the top), wenn Pitts im Slot oder split-out steht. Hier verfügen die Aggies ebenfalls über zwei große Corners mit dem erfahrenen Myles Jones und dem true Freshman Jaylon Jones. Insbesondere Myles Jones mit seinen 6‘4 Körpergröße wäre vielleicht ein günstiger Kandidat, er müsste dann eben nach innen gezogen werden. Da die Gators kein Team sind, was dauerhaft tiefe Shots nimmt, würde ich dazu den meiner Ansicht nach besten Passverteidiger, S Demani Richardson, in die Coverage von Pitts einbinden. Zwar haben die Gators mit ihrem brandgefährlichen WR Kadarius Toney einen weiteren Difference Maker, der mit dem Ball in der Hand dank seiner Dynamik (auch im Route Running!), Contact Balance und (noch ziemlich unterschätzten) Core Strength jederzeit für ein Big Play sorgen kann. Siehe hier:

Mal schauen, ob Mullen ihn regelmäßig gegen den hochtalentierten, aber noch unerfahrenen CB Jaylon Jones schemen kann. Dennoch wäre an Stelle der Aggies mein Credo: Wenn mich die Gators schlagen, dann nicht mit Pitts.

2. QB Kyle Trask aus dem Rhythmus bringen

Trask macht bisher einen enorm starken Eindruck. Er verfügt nicht über den Hammerarm, setzt diese Spread-Offense aber exzellent um mit einem wunderbar rhythmischen Passspiel insbesondere auf den Kurz- und Mitteldistanzen. Wenn es hier eine Schwäche gibt, dann den Passblock, der noch etwas ausbaufähig ist. Hier sitzen die vielleicht günstigsten Matchups für die Aggies mit ihren Passrushern DeMarvin Leal und Micheal Clemons. Leal ist ein sehr talentierter Sophomore, von dem viele diese Saison einen gewaltigen Sprugn erwarten. Besser gefallen hat mir bislang aber Clemons, ein Highschool RB und JUCO-Transfer, der in seinem Senior Year richtig in Fahrt kommt. Kräftiger End mit Qualitäten gegen den Lauf und erstaunlich gutem Antritt als Passrusher und die nötige Bully-Mentalität. Kriegen die Aggies die beiden Gator OTs Stone Forsythe und Jean Delance regelmäßig unter Druck, wer weiß, ob sie Trask nicht zu eins, zwei Fehler verleiten.

Key Matchups:

Gators TE Kyle Pitts vs. Aggies CB Myles Jones (& S Demani Richardson)

Gators LT Stone Forsythe vs. Aggies DE Micheal Clemons

Gators RB Dameon Pierce vs. Aggies LB Buddy Johnson

Aggies Offense vs. Gators Defense
  1. Ainias Smith als Mismatch-Waffe

Die Aggies Offense hat in den ersten beiden Spielen noch recht wenig überzeugt. QB Kellen Mond ist weiterhin inkonstant as hell, das neue Receiving Corps ist noch unerfahren und wenig profiliert. Die einzige verlässliche Anspielstation ist TE Jalen Wydermyer, den ich weiterhin für einen der besten jungen Tight Ends des Landes halte. Ihm blüht eine großartige Zukunft.

Was den Aggies dennoch abgeht, sind Explosivität und Big Plays. Enter RB/WR Ainias Smith, der für genau dieses Element sorgen könnte. Smith ist ein Runner, der in der vergangenen Saison zeitweilig zum Receiver umgeschult wurde und nun in beiden Bereichen eingesetzt wird. Als Receiver aus dem Backfield ist er vielleicht am effektivsten. Gegen Alabama gelangen ihm über 123 Receiving Yards und zwei TDs. Hier beweist er seine Explosivität und Balance beim tightroping an der Sideline.

Smith ist der X-Factor, den HC Fisher in dieser sonst eher unspektakulären Offense umherbewegen muss. Kann er hier günstige Matchups gegen Linebackers und Safeties finden, wäre es denkbar, dass die Offense der Aggies länger mithalten kann als erwartet. Ich bin gespannt, wie DC Todd Grantham gegen Smith verteidigen wird. Stellt er einen Top-Safety wie Shawn Davis auf ihn ab? Gerade die Kombination in der Coverage innen zwischen Smith und TE Wydermyer dürfte sich spannend gestalten, da es grundsätzlich schon sinnvoll wäre, die beiden mit zwei Spielern aus der Secondary zu decken. Dies könnte möglicherweise Freiräume fürs Laufspiel ermöglichen.

2. Aggies Laufspiel gegen LB Ventrell Miller

Die Aggies haben mit RB Isaiah Spiller einen klassischen Runner (kräftig und mit einigem Speed), den man in diesem Spiel ebenfalls häufiger einsetzen sollte, auch um die Gators Offense an der Seitenlinie zu halten. Die Gamecocks haben es mit deutlich weniger Talent in der ersten Halbzeit phasenweise vorgemacht. Da ich wie gesagt nicht erwarte, dass die jungen Receiver (bei denen redshirt Fr. Chase Lane noch am besten aussah) viele Plays gegen die profilierten Cornerbacks wie Marco Wilson und dem jungen Kaiir Elam machen werden, wäre ein stärkerer Fokus aufs Laufspiel vielleicht überlegenswert. Mit Mond und Spiller würden sich Zone Reads durchaus anbieten. Problem ist auch hier eine eher mittelmäßige O-Line und auf der anderen Seite LB Ventrell Miller. Der hat ein paar Kilo draufgesattelt und steht seit dieser Saison in der Mitte der 4-2-5 (als Nachfolger von David Reese). Dennoch hat er nichts von seiner Explosivität verloren und ist bislang ein echter Difference Maker. Gute Range, harte Tackles und starke Spielzugerkennung, wie hier gegen den RB Screen, als er unter den designierten Vorblockern durchschlüpft und das Play sofort zum Scheitern verurteilt:

Erschwert könnte das Laufspiel allerdings dadurch werden, dass die interior Line der Gators bislang einen besseren Eindruck macht als erwartet. Mit NT Tedarrell Slaton hat man einen riesigen Brocken in der Mitte stehen, der regelmäßig zwei Blocker okkupiert und dem Rest der D-Line daher einige Freiheiten ermöglicht.

Key Matchups:

Aggies TE Jalen Wydermyer vs. Gators S Donovan Stiner (Davis ist der bessere Safety, Stiner bringt allerdings etwas mehr Size mit)

Aggies RB/WR Ainias Smith vs. Gators CB/STAR Marco Wilson (oder S Shawn Davis)

Aggies RB Isaiah Spiller vs. Gators LB Ventrell Miller

QB Kellen Mond vs. seine Inkonstanz

Fazit: Die Matchups sehen auf beiden Seiten auch nach näherer Betrachtung nicht günstig aus für die Aggies. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gators hier stolpern. Die Gators Defense hat zwar in den vergangenen Spielen einige ungewohnte Schwächen gezeigt (erstaunlicherweise gerade in der Pass Defense und im Tackling), doch verfügen die Aggies über nicht genügend (Big-)Playmaker, um dies dauerhaft auszunutzen.

#22 Texas Longhorns (2-1) vs. Oklahoma Sooners (1-2)
(in Dallas; 18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Texas Longhorns Saisonpreview (auf Lead Blogger)

Oklahoma Sooners Saisonpreview (auf Lead Blogger)

Wer hätte damit gerechnet? Traditionell steht zu Beginn der Saison der Red River Shootout, aus pädagogischen Gründen nun in Red River Showdown umgetauft, zwischen Oklahoma und Texas im Cotton Bowl in Dallas an, doch dieses Mal geht es für die beiden Teams nicht um eine erste Duftmarke im Kampf um den Big 12-Thron, sondern ums blanke Überleben. Gerade der Topfavorit Oklahoma kann sich nach den beiden Niederlagen gegen Kansas State und Iowa State definitiv keinen weiteren Ausrutscher mehr erlauben. Und auch Texas steht nach der Niederlage gegen TCU unter Druck. Eine zweite Pleite, und das Erreichen des Big 12-Championship Games rückt vorerst in weite Ferne.

Dennoch, es ist nun einmal eine der ältesten und vor allem prägendsten Rivalitäten im College Football, schon allein daher lohnt sich das Einschalten. Das erste Spiel gab es 1900, und seit 1929 fand jedes Duell auf neutralem Boden in Dallas statt. Insgesamt führt Texas mit 62-48-5, in den 2010er Jahren behielt Oklahoma allerdings mit 8-3 (darunter ein Big 12 Championship Game) die Oberhand.

Sooners Offense vs. Longhorns Defense

So ganz einfach sind die Probleme bei beiden Teams nicht zu benennen, auch wenn es jeweils eine deutliche Differenz zwischen Angriff und Verteidigung gibt. Oklahoma stellt weiterhin eigentlich eine der besseren Offenses des Landes. QB Spencer Rattler überzeugt grundsätzlich mit seiner ästhetisch ansprechenden Wurftechnik und seinen tiefen Pässen, die HC Lincoln Riley nun wieder häufiger (im Vergleich zu 2019 mit Jalen Hurts) in den Gameplan aufnimmt. Rattler verteilt den Ball gut und trifft in der Regel die richtigen Entscheidungen, allerdings erwiesen sich seine Fehler beinahe jedes Mal gleich als spielentscheidend. Gegen eine Longhorns-Defense, die weiterhin Schwächen in der Coverage hat und teilweise absurd schlechtes Tackling zeigt, sollte die Sooners Offense aus allen Rohren feuern. Gerade das Receiving Corps ist – trotz einiger Ausfälle – weiterhin als extrem tief zu bezeichnen. Es fehlt der Superstar a la Hollywood Brown oder CeeDee Lamb, aber die Mischung machts hier: Tiefe Bälle auf den erfahrenen Charleston Rambo oder Freshman-Speedster Marvin Mims, Size mit WR Theo Wease und dem Mismatch-TE Austin Stogner, Possession WR Theo Howard und einige andere. Rattler kann sich aus einem reichhaltigen Arsenal bedienen. Das Laufspiel ist dagegen noch nicht ganz so in Schwung gekommen, die Runner um den Fr. Seth McGowan werden dafür verstärkt ins Receiving eingebunden.

Keine guten Aussichten für die Defense von Texas. Entgegen vieler Annahmen ist sie bisher gegen den Lauf (vor allem gegen den Lauf von RBs) noch ansatzweise als durchschnittlich zu bezeichnen. Genauer gesagt: Die D-Line um den kräftigen DE/DT Ta‘Quon Graham und Speedrusher / Hybrid-Demon Joseph Ossai. Doch dahinter beginnt das Grauen: Linebacker und Secondary haben riesige Probleme beim Tackling, und das neue Defense-System von DC Chris Ash (zur genaueren Erklärung siehe Verlinkung oben) hat sich noch überhaupt nicht eingespielt. Schon letzte Saison war das Backfield ein Hühnerhaufen, das hat sich trotz ja eigentlich guter Spieler wie CB D’Shawn Jamison und insbesondere Ballhawk-S Caden Sterns nicht geändert. Die Matchups liegen ganz klar auf Seiten der Sooners.

Longhorns Offense vs. Sooners Defense

Die Offense der Longhorns ist nach vielen Statistiken als eine der besten des Landes gerankt, nach dem Blick auf die Spiele würde ich sie allerdings leicht tiefer (und damit auch tiefer als die der Sooners) einordnen. Immerhin haben HC Tom Herman und OC Mike Yurcich es hinbekommen, den Angriff variabler zu gestalten. Mehr hurry-up, weniger Last auf den Schultern von QB Sam Ehlinger im Laufspiel. Ehlinger hat im Passing weitere kleine Fortschritte gemacht und kann sich auf ein tiefes Receiving Corps verlassen, bei dem jede Woche ein anderer Spieler im Mittelpunkt stehen könnte: außen etwa die große Mismatch-Waffe Brennan Eagles oder Speedster Joshua Moore. In diesem Spiel würde ich insbesondere Slot WR Jake Smith gute Matchups zutrauen, da u.a. Sooners Nickelback Bookie Radley-Hiles weiterhin ein wenig hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Die Sooners Defense zeigte sich letzte Woche verändert, aber ebenso schwach. Dieses Mal war es nicht die Passverteidigung, sondern die Laufverteidigung, die die größten Sorgen aufgab. Iowa States RB Breece Hall konnte ein ums andere Mal mehrere Tackles brechen. Das darf gegen den variablen Laufangriff um Ehlinger, den physischen RB Keaontay Ingram (wenn er nicht gerade den Ball an der 1-Yard-Line verliert) und Ex-QB Roschon Johnson nicht geschehen. Alle bringen einige Masse und Kraft mit, die die Sooners Defense deutlich überfordern könnte. Das Duell der Runner gegen die beiden Linebacker DaShaun White und Brian Asamoah wäre ein mögliches Schlüsselduell – wenn den Sooners nicht dieses Mal wieder die Secondary auseinanderfliegt.

Fazit: Es ist ein echter Big 12-Shootout zu erwarten. Zwei potente Offenses mit Big Play-Potenzial im Passspiel, zwei eher löchrige Secondaries und vor allem große Tackling-Probleme auf allen Ebenen. Anschnallen und Punkte genießen! Trotz der mauen Leistungen der letzten zwei Wochen traue ich Oklahoma dann doch die eine Angriffssequenz mehr zu.

#19 Virginia Tech Hokies (2-0) @ #8 North Carolina Tar Heels (2-0)
(18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

North Carolina Teamvorstellung (auf Triple Option)

Wer weder Lust auf die SEC noch auf das traditionsreiche Red River-Duell hat, könnte bei diesem nicht uninteressanten Duell zweier ungeschlagener ACC-Teams einschalten. Die Ausgangslagen sind allerdings auf verschiedenen Ebenen nicht ganz vergleichbar. North Carolina galt so ein wenig als Geheimtipp in der ACC. Und auch wenn man bisher beide Spiele gewinnen konnte, hatten sich viele insbesondere von der Offense von HC Mack Brown doch etwas mehr erwartet. So. QB San Howell wurde vielleicht etwas zu sehr in den Himmel gelobt, zumindest konnte er bislang den Vorschusslorbeeren nicht ganz gerecht werden und wirkt etwas gehemmt. Dies gilt allerdings für das gesamte Passspiel, von dem man sich mit den beiden starken WR Dazz Newsome und Dyami Brown sowie TE Garrett Walston sehr viel erhofft hatte. Doch da stagniert noch einiges. Hätten die Tar Heels nicht ein exzellentes RB-Duo mit Michael Carter und Javonte Williams gehabt, wäre zumindest wohl das Spiel gegen Boston College verloren gegangen. Diese beiden relativ ähnlichen Typen, die auch im Receiving ihre Stärken haben, sind aktuell der Motor eines nicht ganz rundlaufenden Angriffs.

Die 3-4 Defense der Tar Heels ist für ihre enorme Aggressivität bekannt. DC Jay Bateman lässt aus allen Lagen blitzen, insbesondere seine Linebacker (und nicht nur die OLBs) sind da prominent eigebunden. Hier liegt auch die Stärke mit dem Ex-QB und heutigem ILB Chazz Surratt, der ein extrem variables Profil hat und der Difference Maker der Defense ist. Dazu kommen der exzellente Passrusher OLB Tomon Fox sowie ILB Jeremiah Gemmel als weitere Schlüsselspieler. Diese Truppe hat einige Arbeit vor sich, denn…

Virginia Tech versteht es, den Ball zu laufen. Und das, obwohl man von der aktuellen Corona-Krise so geschwächt wie wohl kein anderes Team ist. Bei den ersten beiden Spielen fehlten jeweils über 20 Spieler und mehrere Coaches pandemiebedingt, und dennoch konnten die Hokies zweimal gewinnen. Ich hoffe, dass HC Justin Fuente dafür endlich einmal die verdiente Anerkennung bekommt, nachdem er zu Beginn der vergangenen Saison auf dem heißen Stuhl saß. Angeblich soll nun wieder der eigentliche starting QB Hendon Hooker mitmischen dürfen, aber bei der Vorstellung des Teams bleibe ich lieber vorsichtig und vage. Hooker würde für Oregon Transfer Braxton Burmeister übernehmen und aufgrund seiner enormen Gefahr als dual-threat und seinem starken Arm der Offense einen Boost geben.  Das Laufspiel funktioniert bislang fantastisch mit Kansas Transfer Khalil Herbert (312 Yards, 12 (!) Yards pro Lauf), einem kleinen und sehr bulligen RB mit niedrigem Schwerpunkt, der nebenbei nun auch Kicks returniert, und Rutgers Transfer Raheem Blackshear, den man übrigens gerne mal ins Passpiel mit einbinden könnte. Da hat er nämlich einige Skills vorzuweisen – und zwar nicht nur auf RB-Routen. Im Passspiel wird vor allem So. WR Tayvion Robinson im Rampenlicht stehen: ein kleiner, aber sehr dynamischer Receiver, der mir außerordentlich gut gefallen hat und vielleicht demnächst vor einem Breakout steht – wenn denn das Passing stimmt. Das entscheidende Duell wird dennoch Hokies Running vs. Tar Heels Front 6/7 lauten.

In der Defense hat es Virginia Tech besonders getroffen. Die Secondary bestand quasi nur noch aus Backups, hier muss man abwarten, ob – und wenn ja, wie viele – Spieler wieder zurückkehren. Wichtigster Spieler der Verteidigung ist definitiv MLB Rayshard Ashby, ein kleiner und sehr kräftig gebauter Linebacker, ungemein aggressiv downhill unterwegs mit einem guten Spielverständnis und quick trigger. Letzte Saison gelangen ihm 17 TFL als Middle Linebacker – kaum vorstellbar. Von den Spielern, die in den letzten Partien spielten, habe ich eine 2019 eine kleine Schwäche für den Nickelback Chamarri Conner entwickelt, der für seine Größe erstaunlich tough und ein ziemlich guter Run Defender ist. S Divine Deablo besticht nicht nur mit seinem Namen. Aber wie gesagt, hier sind Voraussagen schwer.

Fazit: Im Normalfall müsste hier die ungeschlagene Reise für Virginia Tech enden, selbst im Vollbesitz des Rosters. Doch was heißt das in dieser so verrückten Saison schon?

#14 Tennessee Volunteers (2-0) @ #3 Georgia Bulldogs (2-0)
(21:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Georgia Bulldogs Saisonpreview (auf Lead Blogger)

Georgia befindet sich mitten in einem wirklich mörderischen Spielplan: Letzte Woche wurde das an #7 gerankte Auburn mit einer herausragenden Defense-Leistung souverän besiegt. Nun wartet das wieder auferstandene Tennessee, das endlich einmal wieder die Spitze der SEC angreifen will. Nächste Woche folgt dann ein Auswärtsspiel bei der aktuellen #2 Alabama, in drei Wochen ein Heimspiel gegen #4 Florida. Schlimmer geht es wirklich kaum. Allerdings hat Tennessee im Saisonverlauf ebenfalls alle diese Gegner, wenngleich etwas weiter verteilt. Diese Partie wäre das erste echte Statement, das die Vols setzen könnten. Tennessee is back? Schauen wir mal.

Bulldogs Offense vs. Volunteers Defense

Noch ist sie nicht da, die angekündigte high-powered Offense von OC Todd Monken. Allerdings haben die ersten beiden Spiele gezeigt, dass er seine Offense am Gegner ausrichten kann und zu sinnvollen Adjustments in der Lage ist. Die größte Frage bleibt aber weiterhin die des Quarterbacks. Stetson Bennett zeigte erneut eine gute Leistung, und man kann aktuell nur spekulieren, zu was JT Daniels in der Lage wäre. Es ist allerdings noch nicht zu erwarten, dass ein Quarterback-Wechsel vorgenommen wird.

Hoffnung dürfte den Bulldogs-Fans die exzellente Leistung ihrer O-Line gegen Auburn gemacht haben. Man kontrollierte die Line of Scrimmage und konnte daher mit vielen „quick hitter“-Runs von RB Zamir White agieren und daraus dann ein Playaction-Passspiel aufbauen. Dies ist sicherlich erneut die Präferenz von Monken, da man auf diese Weise die Partie kontrollieren kann, aber möglicherweise muss er etwas aggressiver agieren, wenn die Vols ihm diese Basis wegnehmen.

Immerhin gibt es einen zweiten Lichtblick in genau diesem Bereich: So. WR Kearis Jackson. Die zweitgrößte Frage der Offseason neben der des Quarterbacks war, wer den kommenden Star-WR George Pickens im Passspiel entlasten und ergänzen könnte. Die Antwort scheint gefunden. Jackson überzeugte mit starken Routes, guten Händen und einem Gefühl für die richtigen Spots gegen Zone Coverage.

Tennessees Defense ist im SEC-Vergleich ein wenig eine no-name Defense, die aber im Saisonverlauf 2019 zusammengefunden und sich gesteigert hat. Vorne steht eine extrem erfahrene 3er D-Line aus lauter Seniors. Im Passrush ist insbesondere EDGE Deandre Johnson zu beachten. Können er und seine Kollegen up-front die Line nach hinten verschieben und den nicht über-mobilen QB Bennett unter Druck setzen (oder überhaupt in ungünstige Down&Distance-Situationen bringen), bekommt das Spiel eine völlig andere Dynamik.

Ein künftiger Star steht mittig hinter der Line mit LB Henry To’o To’o. Er könnte alle LB-Positionen spielen und ist mit seiner Athletik der Schlüssel in der Laufverteidigung. Er muss die Kreise von RB White und seinen Backup RB James Cook unbedingt einengen, denn so ganz traue ich Georgias Offense in eindeutigen Passsituationen noch nicht. Vielleicht das Schlüsselduell dieser Units.

Im Backfield wird sich CB Bryce Thompson voraussichtlich um WR Pickens kümmern. Eine wichtige Komponente wäre STAR/Nickel-S Shawn Shamburger, der nach Verletzung eventuell wieder auflaufen könnte. Er ist als Overhang einer der unterschätzten Spieler dieser Unit und könnte aufgrund seiner Vielseitigkeit der X-Factor der Defense sein.

Key Matchups:

Bulldogs LT Jamaree Salyer vs. Vols OLB Deandre Johnson

Bulldogs RB Zamir White vs. Vols LB Henry To’o To’o

Bulldogs WR George Pickens vs. Vols CB Bryce Thompson

Volunteers Offense vs. Bulldogs Defense

In diesen Units treffen einige alte Bekannte aufeinander. Vols OC Jim Chaney war zuvor in selber Position bei Georgia beschäftigt, und OG/OT Cade Mays hat erst vor dieser Saison die Seiten gewechselt.

Die Vols Offense gehört sicherlich noch nicht zu den explosivsten, was an einem noch nicht ganz optimalen Passspiel liegt. QB Jarrett Guarantano hat mittlerweile gefühlt ein halbes Dutzend QB-Battles hinter sich, ist aber immer noch da und hat sich zu einem soliden Verwalter entwickelt, der Fehler zu vermeiden gelernt hat. Im Passspiel kann er vor allem auf Sr. WR Josh Palmer zählen, ein durchaus physischer Typ mit Qualitäten downfield. Könnte sich zu einem Playmaker entwickeln.

Doch das Herzstück ist bislang das Laufspiel hinter einer richtig starken Line um Top- Prospect Mauler OG Trey Smith, den jungen LT Wanya Morris und eben Mays, der nach langem Hickhack um seine Eligibility sich nun den Posten des RT gesichert hat. Bei den Running Backs muss ich ein wenig Abbitte leisten. Ich fand Tyson Chandler und Eric Gray okay, aber die sind schon mehr als das. Insbesondere So. Gray ist ein Runner mit einem sehr variablen Skillset: kann mit Kraft, ist shifty und weiß auch als Receiver mit dem Ball etwas anzufangen. Tolles Footwork, nette Vision. Könnte mir vorstellen, dass von ihm demnächst mehr die Rede sein wird.

Doch reicht eine fehlerlose Offense mit Fokus aufs Running und dem gelegentlichen Shot gegen eine der besten Verteidigungen des Landes? Ich hatte vor der Saison extrem hohe Erwartungen für HC Kirby Smart und seine Truppe, doch bisher sind sie denen absolut gerecht geworden. Eine D-Line um den monströsen NT Jordan Davis, die der gegnerischen O-Line keinen Zentimeter Ground ermöglichen, und dahinter zwei herausragende ILBs mit Monty Rice und dem jungen Nakobe Dean, zwar etwas undersized, aber mit seiner Athletik und extrem hoher Spielintelligenz schon jetzt zu einem Leader avanciert ist. Hier ein besonders herausragendes Beispiel für letzteres:

(In diesem Play sieht man übrigens auch die herausragende Beweglichkeit von NT Davis (#99), die ich in der letzten Preview ansprach.)

Das Duell Vols O-Line vs. Bulldogs D-Line – plus daran anknüpfend RBs Chandler & Gray gegen ILBs Rice & Dean – bedeutet physischen Football vom Feinsten. Gotta love it.

Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass sich hier das Spiel entscheidet. Im Passspiel sehen die Matchups der Vols ungünstiger aus. Mit der Line wird man den neu entdeckten Passrush der Bulldogs um die OLBs Nolan Smith und Azeez Ojulari vielleicht noch kontrollieren können. Aber um diese Secondary in Verlegenheit zu bringen, braucht es schlicht ein prononcierteres Passspiel. Georgia wird voraussichtlich viel in Press Man Coverage (und man-ähnlicher Cover 3 Press) agieren und hat mit den langen CBs Tyson Campbell und Eric Stokes die idealen CB-Typen dafür. Hier sehe ich die Bulldogs doch klarer im Vorteil, ohne erneut länger auf meinen Mancrush S Richard LeCounte einzugehen, der nach einer fragwürdigen Ejection gegen Auburn nun wieder am Start sein wird. Allerdings könntet ihr auch mal auf seinen Nebenmann Lewis Cine achten, der sich mehr und mehr in den Vordergrund spielt. Diese Secondary ist ganz, ganz schwer zu bezwingen.

Key Matchups:

Vols OG Trey Smith vs. Bulldogs NT Jordan Davis

Vols OT Cade Mays vs. Bulldogs OLB Azeez Ojulari

Vols RB Eric Gray vs. Bulldogs ILB Nakobe Dean

Vols WR Josh Palmer vs. Bulldogs CB Tyson Campbell

Fazit: Die Vols sind auf dem richtigen Weg, aber noch sehe ich nicht, wie sie SEC East-Powerhouse Georgia kippen können. Die Schlüssel wären klar und liegen in den Trenches. Kriegt man Georgias Offense aus dem Rhythmus, ist was drin. Dazu bräuchte es allerdings konstante Plays von QB Guarantano und seinen Receivern – und die sehe ich schlicht nicht.

Alternativen um diese Uhrzeit wären:

Texas Tech Red Raiders (1-2) @ #24 Iowa State Cyclones (2-1): Trotz miesem Saisonstart haben die Cyclones nach dem Überraschungssieg gegen Oklahoma alles in der eigenen Hand. Texas Tech kommt mit zwei engen und teils unglücklichen Niederlagen in Serie nach Ames. Eigentlich ist die Defense der Cyclones prädestiniert dafür, passlastige und Air Raid-artige Offenses unter Kontrolle zu halten. Wenn die Offense um QB Brock Purdy und RB Breece Hall heiß läuft, sollten sie hier als Sieger vom Platz gehen. Aber in der unberechenbaren Big 12 ist momentan mal so überhaupt nichts planbar.

Arkansas Razorbacks (1-1) @ #13 Auburn Tigers (1-1) (22:00 Uhr): Können die Tigers nach dem vor allem offensiv enttäuschenden Auftritt gegen Georgia Widergutmachung betreiben? QB Bo Nix steht ein wenig unter Druck endlich mal konstante Fortschritte als Passer zu zeigen. Die Waffen wären mit Contested Catch- und Red Zone-Waffe Seth Williams und Speedster Anthony Schwartz eigentlich vorhanden. Auf der anderen Seite kommt Arkansas mit breiter Brust nach dem Sensationssieg gegen Mississippi State (und dem ersten Conference-Sieg seit sage und schreibe Oktober 2017, noch unter Bret Bielema, dem Vorvorgänger des heutigen HC Sam Pittman). Gelingt insbesondere DC Barry Odom nochmal ein so ausgefeilter Gameplan gegen eine talentmäßig überlegene Offense?

Kracher des Spieltags:

#7 Miami Hurricanes (3-0) @ #1 Clemson Tigers (3-0)
(01:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit)

Clemson Tigers Saisonpreview (auf Lead Blogger)

Miami Hurricanes Teamvorstellung (auf Triple Option)

Lange gab es keine ACC-Partie mit Beteiligung von Clemson, in der vorab nicht nur über die Höhe des Sieges debattiert wurde. Nun ist es endlich soweit. Miami kommt mit Rückenwind nach Death Valley und fordert den hohen Favoriten hinaus. Ergibt sich bereits jetzt die Gelegenheit zu einer Wachablösung? Not so fast, my friend. Doch die Canes bringen ein aufregendes Team in dieses Hammerduell.

Clemson und Miami spielen normalerweise ja in unterschiedlichen Divisionen und sind zum letzten Mal 2017 im ACC-Championship Game aufeinandergetroffen. Damals setzte es aus Sicht der Canes eine 3-38 Pleite.

Hurricanes Offense vs. Clemson Defense

Man kann OC Rhett Lashlee nicht genug loben. Er hat es geschafft, aus den jahrelang fußlahmen Offenses in einer Offseason eine richtig starke Unit zu basteln. Viel hängt natürlich mit Star-QB D’Eriq King zusammen, der so gut wie erhofft eingeschlagen ist und exzellent in Lashlees neue Spread passt. Dabei ist zu erwähnen, dass der seine Offense erneut angepasst hat und nicht nur den erfolgreichen Stiefel von seiner Zeit als OC von SMU runterspielen lässt. Die Offense ist exakt auf die Stärken von King abgestellt. Kann Clemsons DC Brent Venables seine Kreise einengen und ihn eventuell stärker in der Pocket binden?

King und RB Cam’Ron Harris, der sich ebenfalls in bestechender Form befindet, sind im Laufspiel ein brandgefährliches Duo und können ein paar kleinere Schwächen der O-Line herausragend kaschieren. Im Passspiel setzt Lashlee auf eine spread-typische breite Aufstellung, in der meist auch Star-TE Brevin Jordan im Slot oder split-out aufgestellt ist. Daher agiert man oft mit 12-Personnel, da man mit Will Mallory einen in-line TE dazupackt (der trotz weniger Catches gar nicht so schlecht wirkt, mal schauen, ob sich der Eindruck mittelfristig bestätigt). Auf Receiver fehlen momentan noch so ein wenig die echten Difference-Maker, aber das lösen Lashlee und King mit einer rhythmischen Kurzpassattacke und vielen Rollouts auf eine Seite mit einigen high-low-Routenkombinationen, die den Receivern entgegenkommen. Ich vermute, dass trotz Spread viel über die Mitte gehen wird. Schlüssel werden wohl die Zone Read Runs und TE Jordan sein.

Aber kann man einen alten Fuchs wie Venables damit wirklich überraschen? Seine Defense hat im Gegensatz zu 2019 neue Schwerpunkte. Das erste und am einfachsten erkennbare ist ein deutlich verbesserter Passrush. Verantwortlich dafür zeigen sich unter anderem zwei true Freshman: DT Bryan Bresee und insbesondere DE Myles Murphy. Murphy ist wie eine Rakete in seine erste College Football-Saison gestartet: kein reiner Speedrusher, sondern ein kompletter Defensive End mit absolutem Starpotenzial. Wenn nun auch noch der verletzte DT Tyler Davis zurückkehrt (was noch nicht sicher ist), steht die Offense der Canes vor einigen Herausforderungen.

Für den Zone Read werden wohl hauptsächlich MLB James Skalski und OLB Baylon Spector verantwortlich sein, der sich deutlich verbessert hat. Die große Frage wird aber sein, wer auf TE Jordan abgestellt sein wird. Ein Safety? Oder Mike Jones, der offiziell die Rolle von Isaiah Simmons (zumindest Teile davon) ausfüllen soll? Ich vermute, dass die Cornerbacks um Derion Kendrick und den im letzten Spiel endlich einmal überzeugenden Andrew Booth mit seinem Monsterpotenzial Vorteile gegenüber den Receivern haben werden. Falls dem so ist: Was bastelt Venables daraus? Opfert man eventuell Kendrick für Jordan?

Key Matchups:

Canes TE Brevin Jordan vs. Tigers CB Derion Kendrick (oder LB Mike Jones oder einen Safety?)

Canes LT John Campbell vs. Tigers DE Myles Murphy

Canes RB Cam’Ron Harris vs. Tigers OLB Baylon Spector

Canes QB D‘Eriq King vs. Tigers DC Brent Venables

Tigers Offense vs. Hurricanes Defense

Muss man zu der Offense von HC Dabo Swinney, QB Trevor Lawrence und RB Travis Etienne noch viele Worte verlieren? Zumindest so viel: Nach dem Verlust der beiden Top-Outside WR Tee Higgins und Justyn Ross hat sich die Offense schon verändert. Lawrence verteilt den Ball mehr und schaut mehr nach innen zu seinem Slot-WR Amari Rodgers, der die verlässlichste Anspielstation ist. Außen hat sich vorerst der große So. Frank Ladson festgespielt, es wird jedoch weiterhin viel rotiert. Auch die vergessene Position des TE bekommt mit Braden Galloway wieder mehr Aufmerksamkeit. Dazu setzt sich die Tendenz fort, RB Etienne prominenter ins Passspiel einzubinden – bisher mit einigem Erfolg. Im Laufspiel wirkt Etienne noch einmal physischer, vielleicht aber ein wenig auf Kosten des absoluten Weltklasse-Bursts, der ihn die letzten Jahre auszeichnete. Spektakulär isses weiterhin, hier mit unfassbarer Contact Balance:

Und so lange Lawrence die Pässe wirft, muss einem um diese Offense sowieso nicht bange sein.

Was kann HC Manny Diaz mit seiner Defense dagegen ausrichten? Zunächst mal natürlich die one-on-one Passrush-Duelle außen gewinnen. Mit Jaelan Phillips und Quincy Roche hat er dafür exzellente Bookends zur Verfügung. Phillips ist eher der kräftige Allrounder, Roche ein echter Speedrush-Terror. Gegen Clemsons LT Jackson Carman zumindest keine ganz leichte Aufgabe für Roche.

Insgesamt sah die Defense in dieser Saison nicht immer sattelfest aus. Gerade gegen den Run und im Tackling zeigten sich doch einige Schwächen. Außerhalb von dem erfahrenen OLB Zach McCloud ist die Linebacker-Truppe vielleicht eine kleine Schwachstelle. Ich erwarte viel Etienne und immer mal wieder eingestreut einen Zone Read Run von Lawrence (worauf man bisher noch ein wenig verzichtet hat).

Die Secondary könnte es dagegen vielleicht sogar mit den Tigers Receivern aufnehmen. CB Al Blades spielt etwas unbemerkt bislang eine fantastische Saison. Er wird sich wohl außen mit WR Ladson herumschlagen. Nur wen stellt man gegen Rodgers im Slot? Die Canes spielen gerne mit drei Safeties, weil diese Position extrem tief besetzt ist (und gerade Bubba Bolden einen hervorragenden Saisonstart hat), aber gegen den quicken und erfahrenen Rodgers bräuchte es eher einen Nickel-CB als einen der ziemlich großen und sehr physischen Safeties wie Bolden oder Amari Carter. Man darf gespannt sein.

Key Matchups:

Tigers RB Travis Etienne vs. Canes LB Zach McCloud

Tigers LT Jackson Carman vs. Canes DE Quincy Roche

Tigers Slot WR Amari Rodgers vs. Canes S Bubba Bolden (?)

Tigers WR Frank Ladson vs. Canes CB Al Blades

Fazit: Nein, es ist noch zu früh. Die Canes werden mit ihrer Offense das Spiel knapper halten als beim letzten Aufeinandertreffen, aber Clemsons Offense erscheint mit Lawrence und Etienne schlicht zu übermächtig. So oder so sind die Canes definitiv auf dem richtigen Weg.

Wer aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen auf dieses Spiel verzichten will, für den gibt es eigentlich nur eine sinnvolle Alternative: #2 Alabama @ Ole Miss (Kickoff ebenfalls um 01:30 Uhr). Rebels HC Lane Kiffin kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück, wo er drei Jahre als OC unter Alabamas HC Nick Saban mit einigem Erfolg agierte. Kiffin modernisierte Sabans oftmals methodisch-langweilige Offense. Allerdings gab es immer wieder kleinere Konflikte, und die Trennung verlief ebenfalls nicht einvernehmlich. Seitdem flog der eine oder andere Giftpfeil in Richtung Saban. Hier eine schöne Zusammenstellung vieler explosiver Ereignisse. Ich erwarte ein sehr einseitiges Spiel, unter anderem auch deswegen, da Saban wie sein Kumpel Belichick solche Dinge gerne auf dem Platz klärt. Unterhaltsam könnte es dabei und vor allem danach jedoch sein.

3 Gedanken zu „Vorschau Woche 6: Wirbelsturm im Todestal

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