Letzter Saison-Mailbag

Moin,

eigentlich wollte ich Preview und Mailbag zusammen veröffentlichen, aber da der Aufruf zum Mailbag im Nachhinein noch einmal deutlich Fahrt aufnahm, habe ich mich nun für zwei getrennte Beiträge entschieden. Aber keine Sorge, die Preview erscheint ebenfalls noch heute im Laufe des Tages.

Die Fragen zum Mailbag ließen sich dieses Mal nicht so leicht sortieren wie üblich. Daher müsst ihr mit ein wenig thematischem Kraut und Rüben leben. Ich habe das grob nach Big Picture, den Conferences und Recruiting geordnet.

Allgemeines & Draftvorschau

Tim Lengersdorf: Wer sind deine 4 Teams in den Playoffs und wer ist Favorit? Wer sind die besten Spieler im College und welche Coaches oder Coordinators kommen für die NFL in Frage?

Meine aktuellen Playoffrankings lauten: 1) Georgia, 2) Ohio State, 3) Alabama, 4) Cincinnati.

Georgia ist mit seiner historischen Defense aktuell das beste Team: sowohl von den Ergebnissen als auch vom Eye Test. Nichtdestotrotz ist Ohio State für mich das gefährlichste Team. Diese Offense ist derart ins Rollen gekommen, dass ich diesen Bucks sogar eine Chance gegen die Bulldogs Defense einräumen würde. Heutzutage ist es nun einmal verdammt schwer, eine Offense zu stoppen, die (auch positionsmäßig) keine Schwäche hat.

Alabama ist in Lauerstellung, muss allerdings ja im Falle des Divisionsgewinns im SEC Championship Game gegen Georgia antreten. Bei der aktuellen Verfassung des Playoff Committees sind sehr spannende Konstellationen denkbar: Siegt Alabama, dürfte sich Georgia nach dieser überragenden Saison dennoch in den Playoffs wiederfinden. Aber was passiert, wenn Alabama nach großem Kampf dramatisch verliert, etwa durch ein last-minute Field Goal oder sogar in der Overtime? Wie groß ist das Vertrauen ins Komitee, dass sie nicht doch ein two-loss Alabama in die Playoffs lassen?

Cincinnati hat die letzten Wochen gegen schlechte Gegner gestrugglet, überhaupt keine Frage. Nur haben die Bearcats eben alles gewonnen und sich – im Gegensatz zu allen Konkurrenten um den vierten Playoffplatz – eben noch nicht hingelegt. Sorgen macht mir allerdings die ungewohnt schlechte Run Defense, selbst gegen mäßige Laufangriffe – das könnten die Topteams in den Playoffs auszunutzen wissen.

Das wären meine aktuellen vier Teams, allerdings ist anzunehmen, dass sich daran in den nächsten zwei Wochen noch etwas ändern wird – allein wegen dem SEC Championship Game. Oregon, Notre Dame, Oklahoma State und natürlich auch Michigan und Michigan State – wobei ich nicht annehme, dass eines dieser beiden Teams die Buckeyes gefährden kann, womit sie aus dem Rennen wären – befinden sich in Lauerstellung.

Bei deinen anderen beiden Fragen tue ich mich ein wenig schwerer. Die besten Spieler im College Football in punkto aktueller Dominanz oder in punkto Draft/NFL Projection? Abhängig von Positional Value (welches im College allerdings geringer ausfällt als in der NFL)? Daher muss ich die Frage leider punten 😉 Ich könnte natürlich jetzt die Stars aufzählen, ob Bryce Young, Kenny Pickett oder Matt Corral, ob die Buckeyes Receiver oder Drake London, ob Kenneth Walker, ob Kayvon Thibodeaux und Aidan Hutchinson, ob Jordan Davis und DeMarvin Leal, ob Derek Stingley und Kyle Hamilton, oder einfach mit meinem #1 Mancrush Nakobe Dean gehen, doch letztlich bleibt eine solche Liste ein Muster ohne Wert – und nebenbei extrem unvollständig, selbst wenn ich 50 Spieler aufzählen würde. Ich werde im Verlauf dieses Mailbags aber auf einige Spieler und Positionen noch genauer eingehen. Da wirst du eventuell Anregungen finden.

Bei den Coaches und Coordinators, die für die NFL in Frage kommen, befinden wir uns ebenfalls im stark spekulativen Bereich, denn es ist ja nicht gesagt, dass die überhaupt Interesse an einem Sprung in die Pros haben. Ein Name, der in den vergangenen Jahren häufiger gefallen ist: Iowa States HC Matt Campbell. Bisher hat er allen Verlockungen von größeren Colleges und der NFL widerstanden, aber viele (inklusive mir) hatten das Gefühl, dass die aktuelle Saison noch ein letzter Angriff mit den Cyclones auf die Big 12-Krone genommen wird, bevor er sich eventuell umorientiert. Das ist nun leider nicht so gelaufen wie erhofft. Womöglich der richtige Moment.

Der andere Dauerkandidat ist Oklahomas HC Lincoln Riley, doch der dürfte von seinem Programm noch eine Ecke schwerer loszueisen sein. In den vergangenen Jahren sind es allerdings nicht die großen Namen der erfolgreichen Colleges gewesen, die den Sprung gewagt haben, sondern eben Kliff Kingsbury oder Matt Rhule. Von daher sind da Überraschungen nötig.

Bei den Coordinators verstehe ich nicht ganz, warum sich NFL-Teams nicht schon länger gerade mit College-DCs beschäftigen, die schon eine Menge mehr Erfahrung in der Eindämmung von Spread-Offenses haben. Ich schreibe mir seit Jahren die Finger wund bezüglich Iowas DC Phil Parker, der nicht nur schematisch, sondern auch als Talententwickler für mich zu den besten des Landes gehört. Ähnliches gilt für einen Marcus Freeman (der aber gerade erst von Cincinnati zu Notre Dame gewechselt ist und wohl nicht nach einem Jahr den nächsten Sprung ins Auge fasst), Mike Elko (Texas A&M), Brent Pry (Penn State) oder Jim Leonhard (Wisconsin). Und einige mehr…

Meiler: Ist das eine der wenigen Saisons, in denen das offensive Talent im College gegen die defensiven Stars nicht ankommt? Mein Gefühl: das High End Talent war selten so einseitig auf Seiten der Defense vertreten wie dieses Jahr.
Zur Verdeutlichung: ich glaube, ich würde das Top-Talent fast aller defensiven Positionen (Edge, DT, CB, S vllt sogar LB) dem jeweils besten Talent auf den Skill-Positionen vorziehen. Das passiert sonst nie und ist ziemlich krass. Ggf würde sich noch ein O-Liner noch behaupten…

Ganz so krass würde ich es nicht behaupten, dazu haben wir (mittlerweile) wieder zu viele high-scoring games gesehen. Die Offenses können sich schon auch in dem einen oder anderen Fall durchsetzen. Oder meinst du es in Bezug auf die Draft? Das wäre wiederum ne andere Frage.

Im Prinzip stimme ich dir völlig zu: Diese Saison ist die Saison der Verteididungen. Ich hatte dazu im Down, Set, Talk College Update vor einigen Wochen schonmal ein paar Vermutungen angestellt. Für Supporter hier zu hören:

In kurz: Ja, es gibt richtig gutes defensives Talent im College Football. Ich glaube allerdings, dass die Renaissance der Defenses sich nicht an vier, fünf besonders sichtbaren Protagonisten festmachen lässt. Ein unterschätzter Faktor ist meiner Ansicht nach die größere Eingespieltheit aufgrund der Corona-Regelungen mit den Super Seniors. Viele Spieler, die Starter, aber vielleicht (noch) keine Stars oder höheren Draftpicks sind, haben die Chance einer zusätzlichen Saison wahrgenommen. Das könnte sich gerade im defensiven Bereich positiv bemerkbar machen, wo es eben auch sehr stark um die Verinnerlichung und Routinisierung von Abläufen sowie vom gesamten Scheme geht. Die zusätzlichen Trainingseinheiten dürften gerade den Defenses als Gesamteinheiten entgegengekommen sein.

Auf der anderen Seite fehlen – vom aktuellen Aufschwung der Buckeyes vielleicht einmal abgesehen – die Über-Offenses der vergangenen Jahre. Dadurch ist die gesamte College Football-Landschaft etwas ausgeglichener geworden und es kommt zu mehr Überraschungen, vor allem aber zu mehr knappen Spielen. Dieses Phänomen, das zumindest mittelbar auch mit dem Verhältnis von Offense und Defense zusammenhängt, habe ich ebenfalls vor einigen Wochen mal ausgeführt: Die neue Hochspannung.

Einen Trend sehe ich darin allerdings (leider) noch nicht. Schließlich war es nicht das eine neue defensive Scheme, das den Spread Offenses Einhalt geboten hat, sondern verschiedenste Strategien von Press Man und Blitzlastigkeit zu two-deep Off Coverage. Ich würde mich gerne irren und dauerhaft etwas mehr Ausgeglichenheit zwischen den Units sehen, doch momentan wäre ich eher dabei, diese (und evtl. auch noch die kommende) Saison als kleine Aberrationen in einem größeren Trend Richtung Offense zu betrachten.

1Herbrumer: Welche sind die dominierenden Positionsgruppen mit Blick auf die Draft?

Wie es schon das eine oder andere Mal angeklungen ist, erwartet uns 2022 nach zwei sehr offensivlastigen Jahrgängen mal wieder eine stärker defensiv geprägte Draft. Wir sind noch einige Monate von der Draft entfernt und wissen natürlich nicht, welche Spieler sich final melden und welche doch noch eine Saison College dranhängen. Das betrifft aktuell ja nicht nur Underclassmen, sondern auch Seniors, die sich die Corona-Saison 2020 nicht anrechnen lassen.

Nach aktuellem Stand ist die EDGE-Klasse extrem gut und könnte es mit der 2019er Version aufnehmen (die man aber noch eher als allgemeine DL-Klasse bezeichnen könnte). Das gilt sowohl für die absolute Spitze (Kayvon Thibodeaux, Aidan Hutchinson) als auch für die Tiefe in den ersten drei, vier Runden. Ich glaube zudem, dass wir eine ziemlich unterschätzte CB-Klasse haben, die in ein paar Monaten wesentlich höher eingeschätzt wird als heute. Ich könnte mir vorstellen, dass auf der anderen Seite des Balles die OL (bzw. die OTs) die tiefste Positionsgruppe werden.

Doch letztlich ist das alles zu dieser Zeit noch sehr spekulativ. Im neuen Jahr, nachdem feststeht, welche Spieler für die Draft declaren, werden wir ein klareres Bild haben. Und persönlich scoute ich aktuell ja noch für die College-Saison, nicht für die Draft.

-Pipo-: Welcher WR könnte im Draft und in den letzten Spielen überraschen? 2. Du hast ja von einer Monster-EDGE Gruppe für den Draft gesprochen. Wer könnte da denn Sleeper werden, der trotzdem erfolgreich werden kann ?

Zunächst zu den EDGE-Rushern: Wie in der vorigen Frage schon ausgeführt, bin ich im Draft-Scouting noch überhaupt nicht drin – und ich weiß von en Top-Prospects abgesehen auch nicht, welche Spieler auf welchen Seiten eher hoch gehandelt werden. Interessiert mich aktuell eher wenig.

Bei der Frage nach Sleepern hätte ich dir bis vor zwei Wochen wohl den Namen David Ojabo (Michigan) genannt, aber nachdem der nun von Dane Brugler und Mel Kiper extrem gepusht wurde, passt das nicht mehr so recht. Wir haben einfach hinter den beiden designierten Top-Prospects Thibodeaux und Hutchinson einen riesigen Pool weiterer Bewerber: ob eher kräftige DEs wie George Karlaftis (Purdue) oder Zach Harrison (Ohio State), DE/DT Tweener wie der überraschend athletische und agile DeMarvin Leal (Texas A&M), schnelle Speedrusher wie Kingley Enagbare (South Carolina), Drake Jackson (USC) oder Adam Anderson (Georgia, bei dem allerdings erstmal geschaut werden muss, was an den Vergewaltigungsvorwürfen dran ist). Gerade bei den Passrushern mit schnellem Antritt und gutem outside Rush gibt es wirklich viel Auswahl: Arnold Ebiketie (Penn State) spielt eine überragende Saison, Nik Bonitto (Oklahoma) hat einen Mords-Getoff, ist aber auch anderweitig einsetzbar, bei Myjai Sanders (Cincinnati) sollte man sich von den etwas gemächlicheren Stats nicht täuschen lassen. Will McDonald (Iowa State), Boye Mafe (Minnesota), Derick Hall (Auburn) oder der ewige DeAngelo Malone (WKU), da fallen mir bei weiterem Nachdenken immer mehr explosive oder speedy Guys ein – und wahrscheinlich vergesse ich hier einige. Jermaine Johnson (Florida State) spielt ne super Saison. Auch bei den kräftigeren EDGEs wie Jeffrey Gunter (Coastal Carolina), Logan Hall (Houston), Isaiah Thomas (Oklahoma), Cameron Thomas (San Diego State) oder Micheal Clemons (Texas A&M) sind spannende Spieler in den weiteren Runden dabei. Ein Spieler, den ich seit ein paar Wochen extrem interessant finde, der noch nicht die große Aufmerksamkeit bekommt, ist Isaiah Foskey von Notre Dame.

Wie immer werden sich längst nicht alle davon auszahlen, aber das Talent ist einfach enorm groß. Und da sind natürlich noch nicht mal Spieler wie Will Anderson (Alabama) eingerechnet, die ja mindestens noch ein Jahr am College bleiben müssen.

Bei Interesse: Ich werde – wenn es die Zeit zulässt – die Bowl Season wieder Spiel für Spiel previewen. Dort gehe ich auch bei den weniger bekannten Teams dann auf potenziell spannende Spieler für die Draft ein. Wer mag, kann dann ja mal ein genaueres Auge drauf werfen und sich inspirieren lassen.

Welcher Receiver überraschen kann, weiß ich ebenfalls jetzt noch nicht. Vor der Saison hätte ich Drake London (USC) gesagt, doch der wurde ja sofort zu einem der besten WR des Landes. David Bell (Purdue) wird ein sehr spannender Case Study sein. Bringt meiner Ansicht nach vieles mit für einen 1st rounder (genauere Evaluation folgt wie gesagt noch), doch wie gewichtet man seine nicht ganz überragende Athletik? Spieler, die momentan noch nicht ganz so im Rampenlicht stehen, aber überraschen könnten, finden sich ja oft eher bei den Mid-Majors: etwa ein Jalen Tolbert (South Alabama) als großes und zugleich recht fluides Target oder deep threat Romeo Doubs (Nevada), die beste Waffe von Carson Strong. Oder Super-Slot Khalil Shakir (Boise State). Auch da gilt es, im Saisonendspurt die Augen offen zu halten.

Km: Wer wären deine Wunschkandidaten für die offenen Trainerpositionen? Und welche potentiellen Head Coaches siehst du noch, die ihren Job verlieren? Und warum sind dies min. Manny Diaz und Dan Mullen?

Wunschkandidaten habe ich in der Regel keine. Dazu spielen da zu viele Faktoren abseits des Coachings rein (Kenntnisse der primären Recruiting Grounds etc.), die von außen nicht immer leicht einzusehen sind. Was man aber schon konstatieren kann: Es gibt diese Saison extrem viele hochkarätige Jobs, die frei sind: LSU, USC, Washington, auch Virginia Tech wird Interesse hervorrufen. Dazu kommen – wie von dir angesprochen – wahrscheinlich noch zwei weitere Blue Bloods mit Florida und Miami. Wird spannend zu sehen sein, ob diese Programme primär nach großen Namen suchen oder erfolgreiche Head Coaches von ihren aktuellen Posten mit viel Geld loseisen – oder vielleicht sogar auf einen jungen, aufstrebenden Coordinator setzen.

Für Miamis HC Many Diaz und Floridas HC Dan Mullen sieht es in der Tat finster aus. Miami hat kürzlich seinen AD Blake James entlassen. Hier ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der neue AD seine eigenen Vorstellungen einbringt. Ich kann mir vorstellen, dass man Diaz diese Saison noch zu Ende spielen lässt und danach einen klaren Schnitt macht.

Bei Floridas HC Dan Mullen stehen die Zeichen ebenso auf Abschied. Die Entlassung seines langjährigen (seit 2001!) Wegbegleiters und OL Coach/Run Game Coordinator John Hevesy sowie von DC Todd Grantham wirken wie Panik-Moves, um noch irgendetwas zu retten. Doch tat ihm gerade seine Defense den Gefallen nicht und ließ im ersten Spiel nach Grantham 52 Punkte gegen FCS Samford zu. Ich mag Mullen als Typ nicht unbedingt, halte ihn aber für einen exzellenten Play Designer, nur scheint hier das Ende erreicht zu sein.

Szabty: Michigan State hat diese Saison bewiesen, dass man durch Transfers erfolgreich sein kann. Glaubst du, mittelmässige Teams könnten darin eine Art Vorbild sehen und ihr Hauptaugenmerk auf das Transfer Portal richten?

Auf jeden Fall glaube ich das. Durch das Transfer Portal und – ganz wichtig – den Wegfall des obligatorischen Redshirt-Jahres beim Transfer bekommen neue Coaches die Möglichkeit, mehr oder weniger gestandene, vor allem aber erfahrenere College-Spieler in ihr Programm zu holen, die ihren schematischen Vorstellungen entsprechen. Zuvor waren sie ja rein auf das Roster ihres Vorgängers und ihre erste(n) Recruiting-Klasse(n) angewiesen, die vielleicht mit ein paar JUCOs angereichert wurden. Bei allem Talent der Recruits ist der Unterschied zwischen Neuling und gestandenem College-Spieler kaum zu unterschätzen – gerade wenn es weniger um eins, zwei besonders sichtbare Stars, sondern um das Gerüst des Teams, die soliden Starter und Key Backups, geht.

Diese neuen Vorteile für einen schnelleren Turnaround hat beispielsweise der neue UConn-HC Jim Mora gleich in seinen ersten Interviews betont. Das Transfer Portal erlaubt eben, ältere Spieler mit Erfahrung als Grundstein zu sich zu locken, anhand derer man dann ‚sein‘ Team aufbauen kann. Dadurch, so Mora wörtlich, können Teams heute schneller besser werden.

Ich glaube sogar, dass wir den Impact des Transfer Portals noch gar nicht richtig ermessen können. Die Möglichkeiten der schnellen Wechsel könnten die College-Landschaft noch viel nachhaltiger verändern, als wir das momentan vermuten. Sicherlich werden auch eine ganze Menge schlechter (sprich: überstürzter und voreiliger) Entscheidungen von Spielerseite getroffen werden, aber das ist ja gerade bei institutionellem Wandel zu Beginn häufig der Fall. Ich bin gespannt, wie wir in fünf Jahren darüber reden werden.

Pac-12

Paul Schochow: Wie sind deine ersten Eindrücke zu Cam Rising, den Utes überhaupt, und weiter gefasst der Pac-12 (bei der Pac-12 insbesondere eine Prognose)? Ich sehe da tatsächlich einiges an Potential (USC neuer HC, Utes kommen auf, Oregon, UCLA usw.)

Utah QB Cameron Rising tut aktuell genau das: He’s rising. Seitdem er die Quarterback-Position von Charlie Brewer übernommen hat, geht es aufwärts. Rising legt aktuell noch keine Monster-Zahlen auf, aber er verteilt den Ball gut unter seinen großen WRs und insbesondere TEs (drei unter den besten sieben Passempfängern aktuell). Er profitiert dabei von einer guten Line und einem starken Run Game, doch der Fortschritt ist unverkennbar. Zwei Dinge sind besonders auffällig: Er weiß, wie er in dieser Offense spielen muss und vermeidet Fehler (erst zwei INTs). Und er versteht es durchaus, seine Beine in die Hand zu nehmen, wenn sich die Gelegenheit bietet (erstaunliche 7.1 Yards per Run).

Die Utes machen erneut viel Spaß, weil sie einerseits so wahnsinnig sound sind, andererseits mit so viel Herz spielen. Sicherlich nicht das talentierteste Team der Pac-12, aber HC Kyle Whittingham hat nach dem goldenen Team von 2019 nur zwei Jahre gebraucht, um die nächste sehr konkurrenzfähige Truppe zusammenzustellen. Macht Spaß, ihnen zuzusehen.

Bezüglich der Pac-12 im Allgemeinen bin ich doch etwas skeptischer als du. Neue Head Coaches bedeuten ja nicht zwangsläufig substanzielle Verbesserungen. Bei USC sollte aufgrund der infrastrukturellen Vorteile in Lage und Recruiting zwar davon ausgegangen werden, dass es bald bergauf geht. Doch der Rest der Conference ist eher in dem beständigen Auf und Ab anzusiedeln, das auch andere Conferences befällt. UCLA mag im Aufwind wirken, aber vor zwei Jahren sagten wir dasselbe zu Arizona State, ohne dass sich das final wirklich materialisiert hat. Washington könnte dagegen nach längerer guter Phase ein wenig mehr ins Mittelfeld zurückfallen. Bei Washington State ist dies schon geschehen. Utah wird immer wieder ein etwas schwächeres (oder zumindest durchschnittliches) Jahr dazwischen haben, einfach weil die Utes unter Whittingham beständig über ihren Verhältnissen leben. Daher bleibe ich ein wenig skeptisch, was einen generellen Aufschwung der Pac-12 betrifft. Ist natürlich durchaus möglich, dass das in zwei, drei Jahren anders aussieht.

Official Benoit Saint Denis Hypetrain: Ist Joe Moorhead der richtige Mann für den Job des OCs von Oregon oder warum kommt diese Passingoffense nicht in Fahrt?

Gute Frage. Ich gehöre ja seit der Zeit bei Penn State zu einem (leichten) Kritiker von Joe Moorhead, allerdings eher, was seine Schemes und Designs im Run Game betrifft. Aus einem so explosiven RB wie Saquon Barkley hat er IMO zu wenig rausgeholt durch die sich oft sehr langsam entwickelnden Plays mit späten oder verzögerten Ballübergaben. Das sahen aber die allermeisten anders, schließlich galt Moorhead in dieser Zeit als einer der heißesten Kandidaten auf einen HC-Posten (der sich dann ja bei Mississippi State realisieren sollte).

Bei Oregon habe ich nach dem Sieg gegen Ohio State Abbitte leisten müssen. Die Run Offense basiert zwar weiterhin auf Zone Reads, aber da waren doch eine ganze Menge weiterer kreativer Elemente dabei (etwa die short side Option Plays, die Counters oder auch die sich aus diesen Plays entwickelten Passkonzepte).

An seinen Passkonzepten hatte ich bei Penn State und selbst Mississippi State (wo er einfach keine guten Passing QBs hatte) weniger auszusetzen. Ich verstehe dein Problem mit seiner aktuellen Herangehensweise allerdings ziemlich gut. Die Ducks-Offense ist zu einer short yardage Passing Offense mit Dutzenden Crossers und Mesh Plays sowie Pässen auf die RBs verkommen, der das vertikale Passspiel und die Big Plays ziemlich abgehen.

Ist jetzt nur eine nicht belegte Vermutung, aber vertraut er eventuell QB Anthony Brown nicht, das umzusetzen? Brown hatte ja doch einige ziemlich über Interceptions (und v.a. Beinahe-Interceptions), bei denen sein Decision Making etwas fragwürdig wirkte. Vielleicht denkt er sich daher aktuell eher – gerade in Anbetracht der Jagd um einen Playoffplatz – dass er das konservativer spielen muss und seine Laufattacke in der Regel reicht? Dadurch siegen die Ducks vielleicht nicht überzeugend, aber sie siegen halt (meistens). Eigentlich hätte man ja durchaus einige Waffen im Passspiel: Johnny Johnson, Devon Williams und der nun abwandernde Mycah Pittman plus Jaylon Redd, das ist absolut okay. Frage mich da auch, warum etwa ein Devon Williams nicht viel mehr als vertikale (Sideline) Waffe eingesetzt wurde. Gerade, da er bei Penn State mit QB Trace McSorley, der nun nicht den Überarm besessen hat, eine durchaus Big Play-lastige Pass Offense um TE Mike Gesicki, die die WRs Chris Godwin, DaeSean Hamilton und euren alten Bekannten Juwan Johnson aufgezogen hat.

Ich würde Moorhead nach dieser Saison sicher noch nicht abschreiben. Vielleicht gelingt ihm die Etablierung des Pass Games mit einem anderen Typ Quarterback ja etwas besser.

Yannick Politowski: Dann will ich doch mal für Beschäftigung im Hause Weckwerth sorgen: I know, die ganzen Coaching-Fragen nerven, aber: Washington hat sich von Jimmy Lake getrennt und es wirkte, als er hätte sein Team während der eineinhalb Jahre nie wirklich eine eigene Identität gefunden. Lake selbst ist/war als exzellenter Recruiter und Defensiv-As bekannt, das Ganze kam nicht wirklich zum Tragen zuletzt. Wem würdest du zutrauen, den Huskies eine eigene Philosophie zu verpassen, die das Programm von Oregon/USC abhebt? Könnte ein Blick in die MWC lohnen?

Ich hatte eigentlich schon den Eindruck, dass die Huskies unter Jimmy Lake eine Identität hatten. Aber gut, ich bin/war auch jahrelanger Fan von Lake als Coordinator, von daher mag meine Wahrnehmung da getrübt sein. Sein sehr kreatives Defense Scheme gegen die schnellen Spread- und Air Raid-Offenses fand ich schon ziemlich revolutionär, ebenso wie seine Fähigkeiten im Entwickeln von Defensive Backs. So schlecht fand ich seine Defenses übrigens selbst diese Saison nicht, insbesondere in Anbetracht der ganzen Verletzungen (Tupuola-Fetui als allererstes).

Wie es scheint, beruht die Trennung von Lake ja nicht nur auf sportlichen Erwägungen, sondern einen Mix von on-field- und off-field-Faktoren. Umgang mit eigenen Spielern, Statements zu Kontrahenten und auch ein wenig zu sehr Überzeugung von sich selbst und seinen Entscheidungen (gerade was die Offense betrifft). Mit einem derart großen und nach außen getragenen Selbstbewusstsein macht man sich angreifbar. Lake ist ein junger Coach, bei dem ich hoffe, dass er daraus lernt und diese ‚brashe‘ Seite an sich vielleicht einhegen kann. Als Defense-Coach lasse ich weiterhin nichts auf ihn kommen.

Bei Spekulationen über Coaching-Optionen tue ich mich schwer. Spielst du auf jemanden bestimmtes in der MWC an? Brady Hoke von San Diego State könnte als erfahrener defenselastiger Coach vielleicht etwas Ruhe reinbringen. Wollte man offensiv schauen, wäre Fresno States Kalen DeBoer ein Kandidat, mit dem man sich beschäftigen könnte. Den habe ich her aufm Blog schon zur Zeit als Hoosiers OC beworben. Und bei Nevadas Jay Norvell vermuten einige, dass der langsam mal bereit wäre für einen größeren Job.

Ich glaube aber nicht, dass die Huskies regional schauen. Durch die Chris Petersen-Ära ist das Programm wieder zu einem Brand im College Football geworden, der Attraktivität ausstrahlt und auch größere Namen anlocken dürfte. Ich bin gespannt. Doch an die Strahlkraft von USC und mittlerweile auch Oregon heranzureichen, dürfte ein sehr schweres Unterfangen sein.

SEC

Karasek: 1. Conference These: SEC ist die abwechslungsreichste hinsichtlich Spielstil. Offensiv sprich Air Raid (Ole Miss, Miss. St.), West Coast, etc und defensiv bisher die beste (eye Test). Gehst du da mit? Und wenn ja woran liegt das?
2. Team: Bama sieht phasenweise dominant aus. Gerade offensiv sind wichtige Spieler in der NFL, doch irgendwie hat man das Gefühl das die Offensive gehemmt sei und die Defensive auch nicht paar Prozente nach oben hätte. Liegt’s an den Spielern, am OC bzw DC oder an den Matchups?

Zur Conference-These: Ich glaube weiterhin, dass die SEC die all-around stärkste Conference ist, selbst in einem (vergleichsweise) down year der 2nd tier Programme. Hier wird am erfolgreichsten rekrutiert (mit Abstand), hier findet sich am meisten Talent. Ich weiß jedoch nicht, ob ich aktuell von der schematisch abwechslungsreichsten Conference sprechen würde. Die Big Ten hätte da wohl ein Wörtchen mitzureden. Da gibt es zwar keine klassische Air Raid wie bei Mississippi State, aber dafür eben auf der anderen Seite Oldschool Power Running-Offenses wie Wisconsin, die sich in dieser Form nicht in der SEC finden lassen. Nehmen wir dann noch recht einzigartig geschemete Passing Offenses wie Jeff Brohms Purdue dazu (und Michigan States Ansatz ist ebenfalls ziemlich ungewöhnlich), könnte man durchaus auch für die Big Ten argumentieren. Letztlich ist das wohl Ansichtssache. In punkto defensiver schematischer Variabilität wäre für mich allerdings wirklich die Big Ten das Paradebeispiel.

Die beste defensive Conference wäre für mich nach Eye Test ebenfalls eine knappe Entscheidung, bei der man gute Gründe für die Big Ten finden könnte. Orientiert man sich grob an Metriken wie SP+, finden sich aktuell mit Wisconsin (#2), Iowa (#4), Michigan (#5) und Penn State (#6) vier Big Ten-Defenses unter den besten sechs. Nun sind solche Metriken natürlich nicht objektiv, aber ich würde ebenfalls die Big Ten hier mindestens in dieselbe Range packen wie die SEC. Für die letzten Jahre würde ich dir allerdings zustimmen. Und wie gesagt, insgesamt bleibt die SEC eh der Goldstandard, und das wird sich auch nicht so schnell ändern.

Bei Alabama glaube ich, dass nach mehreren grotesk erfolgreichen Saisons nun einfach ein kleiner offensiver Rückschritt erfolgt ist. Ein solcher Talentreichtum wie mit den vier 1st roud Receivers wird sich vielleicht nicht so schnell wieder finden lassen. 2018 bis 2020 war einfach eine absolut perverse Konzentration an offensivem Talent. Dass so viele potenzielle Draftpicks für die vergangene Saison zurückgekehrt sind, bleibt für mich weiterhin unfassbar.

Nun hat man halt einen neuen OC und eine ganze Menge neuer Starter in der Offense. Da dauert es vielleicht etwas, bis alle Abläufe sitzen, und das Talent auf WR und RB ist vielleicht nicht ganz so hoch wie die vergangenen Jahre. Aber wenn man sich anschaut, was Bryce Young da fabriziert, sollte den Tide-Fans nicht Bange sein. Das Pocket Movement, die Poise, das Verhalten under Pressure, das Decision Making – damit bleibt die Tide Offense eine der besten dieses Jahr und wird das auch 2022 sein. Es ist ein gewisser Abfall zu 2020 zu bemerken, da stimme ich dir völlig zu, und dennoch gehört die Tide-Offense weiterhin zu den besten 3-5 Offenses des Landes.

Die Defense gefällt mir ehrlich gesagt nicht schlechter als die letzten Jahre, vielleicht sogar wieder etwas besser, vor allem weil die Front wieder nach klassischem Alabama-Football aussieht. Hätte sich Christopher Allen nicht früh verletzt und wir wirklich diese fantastische Linebacker-Unit länger in voller Pracht erleben können, würden wir wahrscheinlich anders über diese Defense reden. Ich hatte mir aber wie du noch ein wenig mehr erwartet, und ein paar Spiele (Florida in der Run D, A&M in der Pass D) waren vergleichsweise enttäuschend. Andererseits zeigen Leistungen wie gegen Ole Miss (gerade verglichen mit 2020) und Mississippi State, welch turmhohes Potenzial diese Truppe besitzt. Und wenn man mit Will Anderson den IMO aktuell besten Defender im College Football hat, der als Typ der Defense noch einmal so viel mehr bietet als ‚nur‘ seine sensationelle Leistung auf dem Feld, gibt es keine Offense, vor der der Tide Bange sein sollte. Die leichten Inkonstanzen sind definitiv weiter zu beobachten, und so ganz sattelfest ist gerade die Secondary nicht immer, wie ja auch die Starterwechsel demonstrieren – Saban scheint da selbst nicht zufrieden zu sein. Das ist sicherlich wie so oft eine Kombination aus Spielern, DC und Matchups, würde hier aber vorsichtig gen Spieler tendieren. Die zweite CB-Position ist nicht wirklich gesettlet, und bei Josh Jobe konnte ich den teils großen Hype nie so ganz nachvollziehen. Jordan Battle istda der einzige, der mich wirklich nachhaltig (auch schon 2020) überzeugt hat.

Btw, deine später noch gestellte Frage zum Ranking der Defenses und zu schematischen und spielphilosophischen Tendenzen habe ich gesehen. Falls es kein Problem ist, würde ich das am Ende der Saison nochmal in Ruhe aufgreifen. Werde dich dann natürlich dazu benachrichtigen…

OnePriDE: Wie schätzt du die Entwicklung der Arkansas Razorbacks ein? Welche Spieler stechen heraus? Was hat dich positiv/negativ überrascht?

Was mich positiv überrascht hat, ist leicht zu beantworten: schlicht alles. Dieser Turnaround ist einer der bemerkenswertesten der jüngeren Zeit. Dieses Programm lag in der stärksten Division im College Football völlig am Boden, konnte in drei Saisons gerade mal 1 Conference Game gewinnen und verlor gegen mittelmäßige Mid-Majors teils deutlich. Und dann kommt mit HC Sam Pittman ein relativ unbekannter Typ daher, der fast seine gesamte Karriere OL-Coach war, und krempelt das Programm innerhalb eines Jahres völlig um.

Ich kann mich noch gut dran erinnern: Wir hatten vor der 2020er Saison bei Lead Blogger im runden Tisch zur SEC die Frage gestellt, ob Arkansas mehr als einen Sieg sammeln kann. Alle glaubten nicht daran, ich ging nur aus Abwechslungsgründen von einem over bei 1.5 Siegen aus. Aber Pittman bekam es in der Corona-versuchten Vorbereitung sofort hin, ein Team zu basteln, dass nicht nur 3 Siege erzielen konnte, sondern in vielen weiteren Spielen competetive war.

Diese Saison zeigt, dass es sich hierbei um kein Strohfeuer handelte. Das ist eine der low key größeren Coaching-Leistungen im College Football der vergangene Jahre. Was für mich heraussticht:

  • Die Physis: Pittman hat seiner Offense einen klaren modus operandi verpasst. Eine enorm physische O-Line und ein kreatives Run Game um den hünenhaften QB KJ Jefferson und eine Menge unterschiedlicher RB-Typen. Wenn sich die Defense zu sehr committet, RPOs und tiefe Shots vor allem auf Big Slot Treylon Burks, der natürlich mit seiner Size-Speed-Kombi und dem riesigen Catch Radius die ideale Waffe in einer solchen Offense ist. Mit Jefferson wird man nicht zu einer Spread Out-Passing Offense mutieren, dennoch ist die Offense als Ganzes schlüssig konzipiert und kann so ihr Talentdefizit oftmals ausgleichen. Ich liebe solche gritty Teams.
  • Die Defense profitiert enorm von DC (und Ex-Mizzou HC) Barry Odom. Auch hier ist ein klarer Plan erkennbar: Hybride Fronts, die im Idealfall mit vier oder sogar nur drei Spielern für den Passrush sorgen sollen, dahinter eine enge Zone-Coverage mit CBs oft in Off, die die Offense zwingen soll, sich langsam übers Feld zu bewegen. Um wiederum die Run Defense dabei nicht über Gebühr zu schwächen, treten sie viel mit drei echten & physischen Linebackern an – die natürlich dann öfter Zone Responsibilities wahrnehmen müssen. Gerade das Passspiel des Gegners konnte man so oftmals gut abwürgen.
  • Hier finden sich eine Menge spaßiger Spieler: Von Speedrusher Tre Williams up-front zu einer sehr aktiven und überraschend variablen Linebacker-Crew, bei der mir gerade Grant Morgan diese Saison richtig gut gefallen hat (aber auch Bumper Pool und der etwas weniger bekannte Hayden Henry sind Keeper). Montaric Brown spielt eine exzellente Saison als Corner und verbuchte ja gerade die entscheidende Interception in der Overtime gegen LSU mit textbook Coverage gegen den Goal Line Fade. Hier zeigt sich dasselbe Bild: Brown ist physisch, gritty und sehr unangenehm zu spielen.
  • Neben Treylon Burks ist der Star des Teams natürlich S Jalen Catalon. Liebe Safeties, die ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne schießen und einen Ballträger kompromisslos umhauen. Genau das bietet dir Catalon als Run Defender. Er hat im Verlauf der Saison ein paar zu viele Tackles verpasst, weil er eine gewisse Überaggressivität an den Tag legt, dennoch brauchst du genau so einen Energizer Bunny in deiner Defense.
  • Das Gute ist, dass die Defense auch nach dem Ausfall von Catalin auf hohem Niveau weiterperformte. Sein Backup Myles Slusher hatte ein paar nette Szenen.

Also: In dieser Division werden es die Razorbacks immer schwer haben, weil sich so viele Großkopferte tummeln, aber mit Pittman werden zumindest weiterhin Nadelstiche drin sein…

Big 12

Yannick Politowski: Bonusfrage, wenn noch Zeit: glaubst du, die Big XII is done in Sachen realignment, oder könnte/sollte man sich noch um neue „Powerhouses“ à la Arizona State bemühen? Sofern der neue Commissioner der Pac-12 das zulässt? Oder wachsen eben solche mit UCF und Cincy selbst heran?

Mein Gefühl sagt, dass es das erst einmal für die Big 12 gewesen ist. Man hat endlich mal wieder 12 Mitglieder und wird sich nun drum bemühen, die neuen Programme schnell auf konstantes Power 5-Niveau zu bewegen. Das ist mitunter selbst für Big Player aus den Mid-Majors gar nicht so einfach, wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat. Dennoch stehen die Voraussetzungen hier allein deswegen einigermaßen günstig, weil die Big 12 als Ganzes ohne Oklahoma & Texas wohl nicht die höchste sportliche Klasse aufweisen wird. Von daher ergibt sich gerade für die von dir angesprochenen Programme Cincinnati und UCF schnell die Chance, oben mitzuspielen.

Die Big 12 wird dennoch vor der großen Aufgabe stehen, ihr Produkt attraktiv genug zu gestalten. Von Namen und Prestige wird sie nun klar die #5 unter den Power 5-Conferences sein. Daran würde übrigens auch eine Aufnahme von Arizona State nichts ändern. Es fehlen halt die großen Zugpferde. Bin sehr gespannt, ob es der Big 12 gelingt, sich eine neue Identität zu verschaffen.

KL_: Was hälst du von der QB Situation bei den Sooners ?

Ich denke, dass die Sooners eindeutig das Team von Caleb Williams bleiben werden. Ich konnte aber in etwa nachvollziehen, warum HC Lincoln Riley letzte Woche den Tausch vorgenommen hat: Sein true Freshman-Quarterback ist von einer ungewöhnlichen Defense ziemlich überfordert und wirft zwei üble – und etwas panisch wirkende – Picks. Für die Sooners war das ja nun ein must-win, will man im Playoffrennen bleiben, da finde ich es absolut legitim, dass man den erfahrenen Quarterback reinwirft, um zu schauen, ob das dem Team irgendeinen Spark gibt. Als das nicht funktionierte, ist Riley ja gleich wieder zu Williams zurück.

Williams bringt den Sooners auch künftig die besseren Siegchancen, da er sich nicht scheut, den tiefen Pass zu nehmen – etwas, was Spencer Rattler mehr und mehr gemieden hat, bis zu dem Punkt, dass die Sooners Mitte der Saison für zwei Spiele zu einer reinen Kurzpass-Offense mutierte. Zudem verleiht seine Mobilität und Dynamik als Runner der Offense eine weitere Dimension.

Daher gehe ich davon aus, dass Williams nächstes Jahr als Starter in die Saison geht und Rattler zu einem anderen Teams transferiert.

Big Ten

Ben Salzburger: Wer denkst du wird der Starting QB der Buckeyes nächstes Jahr? Der sehr gute Stroud oder der höchste Recruit in der Geschichte Ewers? Normal müsste es Stroud. Aber dann wird Ewers weg sein…

Das ist die große Frage. Es gab im Verlauf der Saison ja immer wieder Gerüchte, dass Quinn Ewers nicht so ganz glücklich in Columbus ist und eventuell eine Rückkehr in den Bundesstaat Texas in Erwägung zieht (was im Prinzip zwei Optionen mit sich bringt: Texas oder Texas A&M). Die Entscheidung von Ewers für Ohio State und den vorzeitigen Sprung ans College hatte sicherlich etwas mit den lukrativen NIL-Deals zu tun, wogegen dezidiert nichts einzuwenden ist. Vielleicht überlegt er sich nach einem Jahr aber, dass er seine Zelte doch woanders aufschlägt.

Das Luxusproblem der Buckeyes besteht halt darin, dass du C.J. Stroud nach den jüngsten Leistungen auf gar keinen Fall auf die Bank setzen kannst. Er hat diese Offense ins Rollen gebracht, wie es kaum ein anderer non-dual threat überhaupt bisher geschafft hat. Er profitiert natürlich von diesem riesigen Talent der Receiver und O-Line, doch wie will man das vernünftig messen und evaluieren?

Ich denke, dass es für Ewers nun einfach ein ungünstiges Timing war. Das muss ja nicht bedeuten, dass es für ihn nicht mindestens ebenso erfolgreich wie für Stroud weitergeht (see: Joe Burrow, Justin Fields etc.), und das muss ebenfalls nicht bedeuten, dass er aus der Zeit bei den Buckeyes nichts mitnehmen wird. Schließlich gilt HC Ryan Day als hervorragender Quarterback-Entwickler. Und vielleicht kommt ja alles ganz anders und er bleibt doch. So oder so: Ohio State dürfte auch in näherer Zukunft keine Probleme auf Quarterback haben.

ACC

пиксел: sieht du irgendwelche Hoffnungen, dass die Duke Blue Devils in den kommenden Jahren wieder einen Aufwärtstrend einleiten können & wie siehst du Coach Cutcliffe? Er ist ja nicht mehr der jüngste, aber eine Duke-Legende, trotzdem hasse ich sein Offense-Scheme.

Endlich mal eine Frage, die sich etwas weiter weg vom CFB-Mainstream befindet. Danke dafür.

Leider kann ich das nicht wirklich valide beantworten, weil ich die letzten beiden Saisons nicht sehr viel von Duke gesehen habe. Man könnte da durchaus anfügen: zum Glück. Denn das sah schon einigermaßen erschreckend aus.

Was mir am meisten Sorgen machen würde, sind übrigens nicht nur die Niederlagen, sondern die Art derselben. Letztlich war man seit Mitte vergangener Saison im Conference Play nicht mehr competitive. Dieses Jahr gab es fast durchgängig Klatschen. Es macht den Eindruck, als ob die Blue Devils weit hinter die übrigen ACC-Teams zurückgefallen sind.

Bezüglich Cutcliffe habe ich ein zwiespältiges Verhältnis. Natürlich sind mir die Nachteile (akademische Anforderungen, Basketball-School etc.) bewusst, denen er Jahr für Jahr ausgesetzt ist. Und natürlich hat er viel aus sehr wenig gemacht und damit seine Vorgänger der vergangenen Jahrzehnte deutlich übertroffen. Seine herausragende Arbeit mit Quarterbacks ist allerorten dokumentiert. Aber es gibt doch so ein paar Coaches, die aus ähnlich wenig noch ein wenig mehr gemacht haben – doch das ist nur ein Gefühl und lässt sich letztlich eh nicht punktgenau belegen.

In den vergangenen Jahren haben seine Offenses einen Rückschritt gemacht, der vor allem mit dem mauen Quarterback-Play zusammenhängt. Chase Brice war keine Lösung (spielt jetzt bei App State allerdings wieder etwas besser), Gunnar Holmberg wird das auch nicht sein. Schade, dass man einen so aufregenden und unique RB wie Mataeo Durant letztlich ein wenig verschenkt hat, der hätte so viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Doch die eigentliche Crux sehe ich schon in der unfassbar schlechten Defense. Letztes Jahr war das schon nix, vor allem gegen den Lauf, dieses Jahr fehlen nun auch noch die beiden starken Passrusher Victor Dimukeje und Chris Rumph, und die Pass Defense hat sich der Run Defense angenähert. Viele ACC-teams bestechen nicht gerade durch qualitativ hochwertige Defenses, aber ein gewisses Mindestmaß sollte dann schon gewährleistet sein.

Ich bin mal gespannt, wie es mit Cutcliffe weitergeht. Der langjährige AD Mike White geht in den Ruhestand, im Basketball hört Coach K hört auf – vielleicht möchte sich Duke bei dieser Gelegenheit von weiteren alten Zöpfen trennen?

1Herbrumer: Ich habe dieses Jahr noch nicht eine Minute von ihm gesehen, aber mir wurde heute nahegelegt, das Kenny Pickett der aktuelle QB Frontrunner sein soll. Haltet ihr das für möglich, sollte man ihn also unbedingt noch schauen in den kommenden Wochen?

Sollte man unbedingt. Ich gehöre selbst zu denen, die mit Pickett und dem langsam aufkommenden (aber noch sehr kleinen) Hype in den vergangenen Jahren so gar nichts anfangen konnten. Fand weder sein Movement noch seine Entscheidungen noch seine Accuracy besonders gut. Das hat sich dieses Jahr deutlich geändert, von daher muss ich bei all denjenigen Abbitte leisten, die sein Potenzial schon länger erkannt haben. Ist deutlich akkurater geworden, das Ball Placement ist auf allen Ebenen des Feldes teils beeindruckend. Kann sich ganz gut aus Druck befreien. Hat gewisse Gunslinger-Momente, die ich vorher bei ihm nicht sah. Starker Arm, mit dem er tief attackieren kann. Throws on the run gefallen mir.

Ich wiederhole mich da, ich muss noch ins Tape, aber Pickett gehört sicherlich zu den Top-Kandidaten. Ob ich ihn über Matt Corral ranke? Abwarten!

1Herbrumer: Ist Malik Cunningham realistischerweise ein Draftpick?

Haha, unser altes Thema. Bei aller – teils absolut berechtigten Kritik – muss man konstatieren, dass Cunningham eine exzellente zweite Saisonhälfte spielt und so zumindest Kandidat für ein developmental QB Pick sein könnte. Bringt ja wirklich ein paar nette Tools mit: Guter Arm, kann tief werfen und ist eben extrem gefährlich als dual-threat: schnell, auch sehr wendig und starke Moves, kann Verteidiger gut aussteigen lassen. Probleme sind weiterhin vor allem seine extreme Inkonstanz und die Genauigkeit der Pässe. Streaky QB, aber hat zumindest die groben Böcke reduzieren können und ist noch gefährlicher als Runner geworden (16 TDs, damit nur einen hinter dem Spitzenplatz von u.a. Kenneth Walker und Tyler Allgeier). Da gehört er sicherlich mit seiner spektakulären Elusiveness zu den allerbesten des Landes. Doch wie kommt er mit dem Lesen von Pro Defenses zurecht? Momentan muss er in der Offense von HC Scott Satterfield nicht so viel tun in dieser Hinsicht.

Muss mir Cunningham noch genauer anschauen, würde mich aber nicht komplett wundern, wenn den jemand für sein System als passend ansieht und einen late round flyer drauf absetzt – gewissermaßen als eine Art Malik Willis light? Vielleicht wird er ja mit seinem Quasi-Vorgänger Lamar Jackson bei Baltimore vereinigt.

Mid-Majors

Besdomny: Was ist nur mit den Owls nach Rhule passiert? Könnte dieses Jahr nicht bitte der Abgesang auf das vermaledeite Ranking(kommmite) sein?

Ich war eigentlich darauf eingestellt, dir etwas zu den riesigen offensiven und defensiven Problemen der letzten beiden Jahre zu schreiben. Daran konnte ja nicht einmal ein solider QB wie Anthony Russo etwas ändern – und diese Saison mit Georgia Transfer QB D’Wan Mathis sowie Justin Lynch war dann ja ein noch tieferer Tiefpunkt. Zugleich gab es ja diese große Welle an Abgängen – ungefähr alles vorhandene Talent lief den Owls in den ersten Jahren unter HC Rod Carey davon. Das ist jetzt erstmal nicht komplett ungewöhnlich bei einem Coaching Chance, wenngleich die Menge schon enorm war und von Careys Neuerwerbungen selber nicht aufgefangen werden konnte.

Doch letztlich ist das alles nach den jüngsten Entwicklungen Makulatur. In den vergangenen Wochen mehrten sich die Anzeichen, dass es im Verhältnis zwischen Spielern und Coaching Staff gewaltig hakt. Stein des Anstoßes ist insbesondere der Strength & Conditioning Coach, der einen ziemlich spieler- und menschenfeindlichen Umgang pflegen soll, mit dem man insbesondere heute einfach nicht mehr durchkommt (glücklicherweise!). Aber auch HC Carey selbst scheint kein Typ zu sein, dem an einem guten und ansatzweise persönlichen Verhältnis zu den Spielern gelegen ist. Eindrücklich schildert das unter anderem RB Iverson Clement, der unter etwas fragwürdigen Umständen aus dem Team geschmissen wurde – so zumindest seine Version.

Doch stimmten schnell eine Menge anderer Spieler in diesen Tenor ein. Hier gibt es noch etwas mehr Info, aber auch das ist nicht das einzige dazu. Wirkt momentan ein wenig so, als ob das Programm in Trümmern liegt und dringend einen (weiteren) Neuanfang benötigt. Ich kenne Carey aus seiner langen Zeit bei Northern Ilinois, wo er eigentlich einen vernünftigen und zugänglichen Eindruck machte. Da sieht man mal wieder, wie wenig man aus den Bildern und Infos wirklich herausziehen kann. Hoffnung kann ich dir daher leider aktuell nicht machen.

Und noch zwei Sätze zum Playoff Committee: Ich weiß nicht so recht, ob ich mir das wirklich wünschen soll. Alle Kritik an deren Entscheidungen – und vor allem der desaströsen PR – ist absolut gerechtfertigt. Nur habe ich schlicht ein wenig Angst, dass ein Abgesang die sichere (und baldige)Playoff-Erweiterung bedeutet. Dabei hat gerade diese Saison gezeigt (und zeigt es auch noch), wie großartig die Regular Season im College Football ist, wenn es am Ende ein Nadelöhr gibt, durch das die Teams durchmüssen. Wie langweilig wären die kommenden Wochen bei einem 12er oder gar 16er Playoff bitte?

birkorakis: Wie schätzt du die Chancen der drei Small-Schooler Isaiah Likely, Skyy Moore und Kaleb Eleby im Draft ein? Sind sie überhaupt NFL tauglich?

Eine Frage wie für mich gemacht, da ich die drei Spieler allesamt sehr schätze und sie regelmäßig Thema auf dem Blog und/oder bei Twitter sind. Vielen Dank für die Gelegenheit!

TE Isaiah Likely (Coastal Carolina) ist für mich ein klarer NFL-Prospect als Move-TE. Ist undersized (weiß nicht mal, ob er aktuell mit den angegebenen 6‘4, 240 spielt), aber könnte sich zu einem echten Mismatch in der NFL entwickeln: Hat guten Speed, seine Athletik erinnert an einen big WR, herausragende Body Control und gute Hände. Dazu ist er ein wirklich unterschätzter Move Blocker in space mit recht guter Technik und Leverage (hier ein Beispiel).

Aber natürlich sind es vor allem die Receiving-Skills, die ihn für die NFL so attraktiv machen.

QB Kaleb Eleby und WR Skyy Moore von Western Michigan hatte ich in meiner MAC-Preview im Sommer schon etwas genauer vorgestellt: Vorschau MAC West.

Eleby ist ein Quarterback mit einem starken Arm, dem die lauflastige Pistol-Offense von WMU nicht immer einen großen Gefallen getan hat. Leider hat er in dieser Saison ein paar Rückschritte gemacht. Er wirft nach wie vor einen fantastischen deep Ball, hatte aber doch ein paar mehr Probleme mit der Accuracy und einige etwas unglückliche Entscheidungen. Dennoch, sein Armtalent allein wird Interesse hervorrufen. Kann den Ball in enge Fenster feuern und ebenso gut auch mit Touch agieren. Beweglich genug, um in der Pocket Druck auszuweichen oder mal ein 1st down selbst zu holen. Vielleicht entscheidet er sich ja sogar für eine weitere Saison in Kalamazoo, um mit einer besseren Saison als letztem Eindruck in die Draft zu gehen.

Moore ist ein kleiner, durchaus kompakt gebauter Receiver mit ordentlich Speed, aber nicht auf deep threat zu reduzieren. Spielt in der Broncos Offense eine ähnliche Rolle wie vormals Dee Eskridge: teils außen, teils im Slot eingesetzt, viele vertikale Routen, aber auch die klassischen RPO Slants. Ist im offenen Feld gefährlich, stark nach dem Catch, und gute Hände (weniger Drops als bspw. Eskridge). Moore spielt eine herausragende Saison und sollte in den kommenden Wochen und Monaten stärker auf dem Radar von NFL Scouts und Draftmedien auftauchen. Aktuell sehr underrated und schon seit längerem einer meiner Sleeper.

Gerade in dieser Woche gab es wieder einen echten Zuckerpass von Eleby auf Moore, der das Potenzial und den Spielstil der beiden ganz gut verdeutlicht.

Btw: Das Receiver-Talent in der MAC ist aktuell wirklich pervers für eine kleine Conference: Moore, Jack Sorenson von Miami (deep Sleeper!), die beiden kleinen do-it-all WR/RS/Gadget Guys Kalil Pimpleton (CMU) und Justin Hall (Ball State), Speedster Trayvon Rudolph (NIU) und sein aktuell leider verletzter Kollege Tyrice Richie, der quicke Slot Hassan Beydoun (EMU), Newcomer Dante Cephas (Kent State), dazu noch statistisch weniger im Rampenlicht stehende wie Quian Williams (Buffalo), Mac Hippenhammer (Miami) oder mein alter Sleeper Yo’Heinz Tyler (Ball State). Die MAC ist gerade eindeutig eine Receiver-Conference. Die mögen nicht unbedingt hohe Draftpicks werden, aber davon werden wir einige in der NFL wiedersehen. Wartet mal ab.

Recruiting

Henry Mühlenfeld: Dann stelle ich einfach noch eine Frage generell. Wie überrascht bist du, dass Clemson beim Recruiting (nach 247 Sports) nur auf 11 gerankt wird oder liegt das daran dass sie kein SEC Team sind. Aber generell finde ich auch LSU auf 12 sehr schwach.
Lässt sich da ein Trend erkennen, dass Teams die gut spielen in einer Saison sich mittlerweile mehr Recruits holen können und von den enttäuschenden mehr Spieler decommiten oder ist es noch zu früh das zu sagen?

Zu viele würde ich da (noch) nicht reinlesen, ist ja auch noch ein wenig Zeit zum Rekrutieren, ich würde allerdings diese beiden Fälle trennen wollen.

Clemson ist historisch betrachtet ja keines der richtig großen Programme, sondern wurde erst unter Dabo Swinney ein dauernder Contender. Swinney gelang dies mit exzellenter Talententwicklung, die ich in der Form ganz selten gesehen habe. Es dauerte ein wenig, bis seine Recruiting-Klassen zur absoluten Spitze gehörten. Und selbst nach den ersten großen Erfolgen blieben die Tigers oftmals im Kreis der sehr gut, aber nicht exzellent rekrutierenden Teams: 2016 Rang #11, 2017 sogar nur Rang #16, 2019 Rang #10.  Von daher bin ich nicht wirklich überrascht, dass es nach zwei Top 5-Klassen wieder leicht bergab geht. Damit wird Clemson wohl immer leben müssen – und geschadet hats ja bisher nicht wirklich, trotz des aktuellen schwächeren Jahres.

LSU ist eine andere Geschichte, weil die Tigers zumindest das Potenzial haben, immer unter den Top-Klassen zu sein und sich seit einigen Jahren beständig in den Top 10 tummeln (allerdings auch mit Ausnahmen). In Anbetracht der Tatsache, dass noch nicht einmal feststeht, wer die Tigers in der kommenden Saison trainieren wird, finde ich Rang #12 ehrlich gesagt aber ziemlich eindrucksvoll. Das kann sich natürlich noch in die eine oder andere Richtung verschieben, je nachdem, welche Vorstellungen der neue HC hat und wie gut er die bereits committeten Spieler davon überzeugen kann, sich nicht weiter umzusehen (was einige von denen aktuell mit Sicherheit tun). Zeigt natürlich auch, welchen Standortvorteil LSU als einzige große Schule eines talentreichen Bundesstaates hat. Der Großteil der regionalen Talente wünscht sich nichts mehr, als sich genau dieses Jersey überzustreifen.

Niklas: Was hälst du von der überraschend guten recruiting Klassen von Texas A&M, Florida State und Penn State?

Texas A&M finde ich kein bisschen überraschend. Jimbo Fisher ist einer der besten Recruiter im College Football, und das beweist es Jahr für Jahr aufs Neue. Problem der Aggies war in den letzten Jahren, dieses enorme Talent konstant auf den Platz zu bringen. Da hinkt man den Erwartungen der Top 10- und Top 5-Klassen ein wenig hinterher.

Penn States Klasse ist ein ziemlicher Hammer bis dato, das hohe Ranking liegt aber auch an der Größe der Klasse mit bereits 25 Commits. Dennoch: Vier Top 100-Spieler und 14 (!) 4-stars, da kommt eine ganze Menge Talent nach Happy Valley. Wollen wir mal hoffen, dass James Franklin das dann auch selber auskosten wird. Spannend wird hier natürlich zu sehen sein, wie schnell die herausragenden Offense-Talente das Feld sehen, insbesondere auf QB Drew Allar liegen viele Hoffnungen von Nittany Lions-Fans, die mit dem QB-Play nach Trace McSorley nicht so zufrieden waren.

Florida State hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder herausragende rekrutieren können – kein Wunder, wenn du in einem der größten Hotbeds für Talente lokalisiert bist. Da sticht diese Klasse – abgesehen von #1 overall CB Travis Hunter – noch nicht besonders hervor. Dennoch ist es für HC Mike Norvell wichtig, auch in diesem Bereich nach zwei etwas schwächeren (wenngleich immer noch guten) Klassen einen leichten Aufwärtstrend zu zeigen.

Letztlich macht es aber erst nach den Signing Days wirklich Sinn, die Klassen zu bewerten. Kann noch so viel passieren.

Ein Gedanke zu „Letzter Saison-Mailbag

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